Rezept aus dem Krankenbett
Wenn man sich selbst leid tut, weil man schon wieder verrotzt ist, hilft oft nur eine kulinarische Reminiszenz an bessere Zeiten. Und obwohl sie vielleicht nicht ganz so heile war, wie sie hätte sein können, birgt "Kindheit" trotzdem einen grandiosen Fundus an tröstenden Köstlichkeiten. Heute Buletten:
2× Vemondo Hack (Lidl)
1 Zwiebel
1 altes trockenes Brötchen
Salz
Pfeffer
Paprika edelsüß
1 EL Senf
1 EL Majoran
1 TL Gemüsebrühe
Semmelbrösel
Brötchen in Wasser einweichen und gut ausdrücken, Zwiebel fein würfeln, alles vermengen, formen, in Brösel wälzen und in Öl braten.
Hier als Beilage Erbsen und Möhrchen aus dem Glas inkl. Flüssigkeit in den Topf, wo vorher eine Mehlschwitze angesetzt wurde. Die janze Muffe dann mit Salz, Pfeffer, Muskat und Brühpulver nach Geschmack pimpen und z.B. mehligkochende Kartoffeln dazu.
Das ganze kostet fast nüscht und ist relativ schnell gemacht.
Und ganz nebenbei gehts Merz weiter an den Kragen. Win-Win! Cin-Cin!
Guten Appetit,
Eure Kay Pop
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Donnerstag, 22. Oktober 2026
Donnerstag, 15. Oktober 2026
Schön, wenn die dritte Runde alles wegspült Pt. XVIVXI
MY UGLY CLEMENTINE - Apply autonomy
„Zehn Minuten", sagt Gary. „Stell dir am besten die Uhr. Und wenn der Alarm bimmelt…" Puh, entweder schrillt das chronograhische Stop diesmal viel, viel zu früh und ich bin noch nicht zu Potte gekommen, oder viel, viel zu spät, wenn ich längst ganz woanders und mit völlig Verschiedenem zugange bin. Man weiß es genau jetzt noch nicht.
Und man weiß mit all diesem Österreich nix anzufangen. Da kommen My Ugly Clementine – weshalb will ich zum jetzt schon x-ten Mal Valentine schreiben? – angeblich her. Aus Wien, wie fein. Und sich irgendwie zusammensetzend aus Frauen, die da ansonsten auch bereits musikalisch rührig waren und so eine Art von bekannt geworden sind. Aha, wie möglich. Alles kannste und musste ja auch nich auffem Schirm haben, schon gar nicht, wenn es aus der unendlichen Welt des, na, wie heißts noch -
Ja, genau, Achtung und Volldeckung - „Indie-Rock“ kommt.
Nur mal am Rande – in den allermeisten Fällen ist der Fall dann doch der, dass das Zeug weder unabhängig ist noch rockt. Als beschreibender Aufkleber dennoch sehr beliebt, alldieweil Verzweiflungstaten eben beliebt sind, spätestens die, wenn der pickelige Azubist bei Saturn, Müller oder Kaufland ihm ohnehin fremde physische Träger wie CDs oder gar Platten irgendwie aus dem Weg wegsortieren muss.
Nun, ich bin irgendwie nah bei ihm. Die Rezi muss weg wie die Ware, und es ist nicht einfach, denn es ist diesmal so ohne etwas, was einen verharren, horchen, wippen und am Ende mit wedelnden Armen klausesk Tanzakrobatik vollführen lässt. Ein Durchgang – nix. Zweiter Durchgang – ja, doch, schon schön, und die Texte haben die eine oder andere Finte. Dritter Durchgang – hm, dauert aber schon, so ne Runde, ich spül derweil mal die Reste weg.
„Apply Autonomy“ hat durchaus seinen Charme, und vielleicht liegts nur an diesem Haushalt, aber es ist die Art von Mucke, die irgendwie erläutert werden muss und die Hinweise auf Hintergrund, Zusammenhang und Bedeutung benötigt. Prädestiniert somit sicherlich für irgendwelche Auszeichnungen und dann Artikel in überteuerten Fachzeitschriften. Tatsächlich aber schwachbrüstig und austauschbar, wie schade.
Immerhin erinnere ich mich dabei an irgendeinen schulischen Musikunterricht, in welchem sich der Lehrer aus der Mobbingfalle freisprengte, indem er das Singen von „Manic Monday“ auf die Agenda setzte. Vorpubertäre, überzählige Mädchen: „Yeah!“. Vorpubertäre, unterzählige Jungen: „Mist.“.
Aber nach dem begleitenden Bravo-Studium fand sich auch da für jeden ein Bandmitglied zum Verknallen, und die Coverversion wurde letztlich ein Erfolg. Komischer Zugang zu Musik damals. Ich meine, ich hätte tatsächlich auch nur so getan, als sänge ich mit.
Was soll die Anekdote? Keine Ahnung.
Ich surfe unmotiviert durch rezibegleitendes YouTube, nehme den Vorschlag, ein assoziiertes Courtney Love-Video zu gucken und ende.
Philipp Nussbaum
Donnerstag, 8. Oktober 2026
Kochen gegen Merz Pt. II
„Kochen gegen Merz“ ist ein veganer Versuch, das aktuell politisch Erlebte, durch Kulinarik zu verarbeiten.
Hier wird nichts geschönt und mit Chi-chi bestreut, sondern 1:1 ermüdet, erschöpft, verunsichert und mit exakt der Auswahl an Lebensmitteln und der Penunse, die nun mal da ist, umgesetzt.
„Kochen gegen Merz“ ist ein Movement, dass keine Treffen und kein großes Engagement erfordert. Ihr müsst auch meine Kreationen nicht nachkochen. Wenn Ihr kocht, kocht einfach gegen Merz und schon seid Ihr am Start. Ich persönlich koche so lange gegen Merz, bis er endlich weg ist. Dann koch ich gegen jemand anderes. Ich höre nicht auf, fragwürdige politische Protagonist*innen in die Knie zu kochen. Also seid dabei!
PS: Wichtig ist, dass man geschmackliche Koalitionen eingeht, die sich jenseits von braun und schwarz bewegen – also: immer schön die Ofenuhr an und dann beim Signalton auch wirklich abschalten!
Heute:
Spitzkohl al Forno a.k.a Einlage Oho!
Spitzkohl geviertelt
2 Möhren – GESCHÄLT (siehe KgM Pt.I.)
Kartoffeln, die einen vorwurfsvoll anschauen gekocht, geschält, geviertelt
1 Sahne (vegan) – ich nehme alles in Hafer. Milchersatz auf Sojabasis komm ich auch nach 10 Jahren vegan nicht ran
1 Handvoll (also regulär, nicht Trumps Kinderhändchen) veganen Käse
Gemüsebrühpulver
Muskat
Brauner Zucker
Salz/Pfeffer/Paprika
Die geviertelten Spitzpaprika mit der anderen „Hardware“ in eine Auflaufform, Sahne, Gewürze zu einer Gratin-Soße verquirlen und über das Gemüse gießen.
Mit veganem Käse bestreuen und ca 20 Minuten bei 180 Grad bei Ober-/Unter-/Gas-/ Elektro-/Camping-Hitze garen.
Topping
Altes Brot oder halt Brot (wer hat der hat)
Räuchertofu (Ach mein Liebling von Taifun---da war der Monat noch neu und die pekuniären Möglichkeiten schienen unendlich)
Salatkernmix
1 Knoblauchzehe
Olivenöl
Das Brot und den Tofu würfeln, Salatkernmix, in ein Pfännchen, in das bereits Knoblauch und Olivenöl Einzug gehalten haben. Rösten, bis gefällt und dann bestenfalls den Ofen ausschalten (ADHS – iykyk)
All diese Komponenten sind getrennt voneinander formidabel, zusammen etwas fragwürdig. Es muss aber gegessen werden, was wegmuss. Das Topping eignet sich auch sehr gut auf Salat, aber der Eisberg in meinem Gemüsefach sieht noch so frisch aus, der hat noch ein paar Tage.
Stay tuned, stay wild!
Ihr könnt ja schonmal überlegen, gegen wen wir als nächstes kochen. Der wird nicht mehr lange durchhalten, der Fritze!
Diesmal keine Fremd-Inspo, alles freestyle!
Love, Kay
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