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Freitag, 13. September 2019

The future of Punk...

liegt hier auf meinem Küchentisch. Wenn es nach dem Louder than war-Magazin geht. “Wonk Unit are arguably the future of punk rock..." heißt es in einer Rezension einer frühen W.U.-Platte. Braucht eine Subkultur, die einst mit dem Slogan "No Future" angetreten ist, eigentlich eine Zukunft? Ich weiß es nicht.
Wonk unit. Wonk Wonk Wonk. Bisher nur vom Hörensagen gekannt. DIY-Helden aus Noch-Britannien sollen es sein, nehmen seit zig Jahren reihenweise Platten auf und organisieren Dinge. Wohl auch das sehr hübsche WonkFest. Nie dagewesen. Plakat sieht aber gut aus. Line-Up auch.
Wonk Wonk Wonk.
Ich jetzt so mit Teerfinger im "Klingt wie"-Modus beim Hören der neuen Platte. Macht man so beim Rezi schreiben. Verweise auf andere Bands, die gehören dazu. Wenn dir Dings gefällt, dann gefällt dir auch Bums und Wonk. Welche Bilder im Kopf erzeugt werden, ist egal, um Referenzen geht es.
Wonk Wonk Wonk.
Klingt wie ein kaputter Scanner im Fahrstuhl nach oben in den 30. Stock. Wie ein elektrisches Gerät zum Dinge Durchleuchten. Nur der Name.
Wonk Wonk Wonk.
Die Musik, ich scanne mal: Green Day, Descendents und all solches Pop-Punk-Geschmeiß. Wonk Wonk Wonk.
They might be giants. Ein wenig kauzig. "Christmas in a crack house." Wonk Wonk Wonk.
Madness-Humor und Madness-Melancholie. Wonk Wonk Wonk.
King's Blues, die waren groß und abwechslungsreich. Auch davon was dabei. Gleich beim ersten Song, dem mit den Dayjob. Wonk Wonk Wonk.



Ein bißchen Dresden Dolls, ein bißchen World/Inferno Friendship Society. Wonk Wonk Wonk.
Klimmperklavier nice. Texte nice, Cockney-Einschlag nice. "Me and Curtis" gleich in zwei Versionen drauf. Warum? Die erste war doch ok. Wonk Wonk Wonk.
Mein Finger riecht nach Teer. Kommt vom Ichtolan. Trotzdem schreiben. Wonk Wonk Wonk.
"All she ever want is drugs, All I ever want is babies". Wonk Wonk Wonk.
Ein sublimer Reggaesong, den lass ich durchgehen. Wonk Wonk Wonk.
Genug gescannt.
Wonk.



(G) wie, tja, gut auf der 26-teiligen Renfield-Rezensionsskala.

Gary Flanell

Wonk Unit: Terror. CD/LP auf Kidnap Records.

Diese Rezension wurde im FreeWriting-Verfahren nach Ken Macrorie und Peter Elbow innerhalb von 10 Minuten verfasst. Bis auf Rechtschreibfehler wurde nichts verbessert oder redigiert.

Donnerstag, 5. September 2019

Go to hell then turn left

Lebenszeichen aus Südwest. Keine Split-Soli-Single von Annegret Kramp-Karrenbauer und Markus Söder für Extinction Revolution, leider. Aber ein neues Spermbirds-Album. Titel: siehe Betreff dieses Beitrags.
Guter Titel, passt zu dem, was von den Spermbirds zu erwarten ist.
Versuche, diese Rezension zu schreiben, ohne Floskeln wie "HC-Legende", "Szeneveteranen", "Spermvögel" oder "Ikonen", "gewohnt gute Lyrics" zu verwenden. Es wird gelingen.
Platte gerade gehört, während ich die Wohnung putze. Das funktioniert gut. Ist eine Platte, die anregt, die zum Aktiv werden aktiviert. Liegt sicher am Tempo, an der angenehmen Aggression, die darüber kommt. Haben sie immer noch drauf. Gut so.
Habe beim Putzen überlegt, ob es mal eine Phase gab, in der die Spermbirds richtig scheiße waren. Die gab es. So um 1992-1994 rum, Lee Hollis war weg, dafür kam ein gewisser Ken Haus dazu (was macht der jetzt so eigentlich?) und das, was rauskam, war eine lauwarme Sauce, die so klang, als wolle man mit Gewalt auf den boomenden Rock-HipHop-Crossover-Zug aufspringen. War scheiße.



Dann Auflösung und irgendwann Reunion mit Lee, you know it all, das muss hier nicht wiederholt werden. Seitdem gibt's recht regelmäßig neuen Stoff, alle paar Jahre bringen die Spermbirds eine komplette LP raus und richtig kacke ist keine davon. "Columbus Feeling" war recht mitreißend, und das ist "Go to hell, then turn left" auch. Hübsch neurotisch zwischendurch, das liegt sicher auch am Gesang von Hollis, aber auch an der Routine des jahrzehntelangen Zusammenspiels.

Was mir ein wenig fehlt, aber das ist vielleicht meine Gier nach neuen Klängen geschuldet, ist etwas Abwechslung, ein bißchen Experiment. Einen Moment des bedingungslosen Abfeierns. Den gibt's hier für mich leider nicht, aber wie gesagt, das liegt sicher eher an mir. Das hier ist eben nicht "Common Thread", ich bin nicht 17 und so einen Enthusiasmus kann die neunte LP dann doch nicht abliefern. Aber sonst alles gut, danke. Die Spermbirds spielen einen sehr guten Hardcore-Punk, der immer noch frisch klingt und das muss man nach der Zeit auch mal hinkriegen. So Titel wie "If I only find my pants (someone's gonna die)" auch erstmal.

Das Cover übrigens auch super: Außerirdischer Totenkopf-Spermienangriff auf Mutter Erde. Spermien haben natürlich Schnäbel, wir sind ja bei den Spermbirds. Man darf spekulieren, wer sich beim Zeugungsprozess durchkämpft und was am Ende raus kommt. Frage mich allen Ernstes, wie der Penis aussieht, der diese Spermien ins All ejakuliert hat. Und wessen Penis es ist. Aber das ist ja eine sehr anthropozentrische Perspektive auf einen Befruchtungsprozess. Für Hardcore-Punk-Verhältnisse jedenfalls schon ein fast psychedelischer Ansatz.

Musste beim Hören an das Konzert der Spermbirds mit Youth of Today (also wie alle Konzerterlebnisse kurz nach dem Krieg) vor einige Jahren denken. Da ist mir erst einmal aufgefallen, dass die Band im Vergleich zu Y.o.T. - und sicher auch vielen anderen NYHC-Bands - echt filigran an den Instrumenten ist, ihre Songs gut ausgearbeitet und abwechslungsreich sind.



Ray Cappo und seine Kollegen wirkten dagegen doch eher wie (Achtung, obligatorische Fußballmetapher in einer Punk-Rezension): eine hochmotivierte, aber technisch durchschnittliche Drittliga-Mannschaft, die ihre Sieg durch die reine physische Kraft einfährt und nicht durch technische Finessen. Sie wirkten im Vergleich zu den Spermbirds doch ziemlich... wie soll ich es ausdrücken? Neanderthalesk trifft es ganz gut.

Oh, der Boden ist trocken, ich muss die Möbel wieder richtig hinstellen.

"Go to hell then turn left" bekommt ein solides (F) wie filigraner AWMP (Alte-Weiße-Männer-Punk) auf der 26-teiligen Renfield-Rezensionsskala.

Gary Flanell

Spermbirds - Go to hell, then turn left, erscheint am 13.09.2019 auf Rookie Records.

Dann im Herbst wohl auch auf Tour, Termine finden sich bei FB oder auf der Band-Homepage.

Noch ein Spermbirds-Video verlinken? Well, warum eigentlich nicht?! Aber einen Klassiker in vivo.



Sonntag, 18. August 2019

1. September 2019 Wahl in Brandenburg

In Brandenburg wird am 1.9. ein neuer Landtag gewählt. Dazu könnte ich sagen: Ist mir doch hupe, ich wohn ja in Berlin. Nun ist Brandenburg gleich ums Eck von Berlin, besser gesagt um alle Ecken von Berlin und von daher ist es mir nicht komplett egal, wie diese Wahlen ausgehen.
Vor allem nicht vor dem Hintergrund, dass die AfD voraussichtlich sehr stark abschneiden wird. Das gilt es zu verhindern. Möglicherweise entscheiden sich viele Brandenburger dafür, ihr Kreuz bei der AfDzu machen, ohne mal einen genauen Blick in das Wahlprogramm zu werfen. Schon klar, dass da auch Gefühle des Protestes und der Enttäuschung gegenüber den Parteien mitschwingen, die sich traditionell aufstellen. Aber AfD wählen ist einfach scheiße.
Es ist eine rechte Partei, die gegen Toleranz, Offenheit und gesellschaftliches Miteinander steht. Eine Partei, die mit ihren Einstellungen oder NPD nichts nachsteht. Das ist keine CSU light oder die noch konservativere Version der CDU. Sondern eine rechte, eine rechtsradikale Partei. Faschos, Nazis, nennt es wie ihr wollt. Eine Partei, die lieber heute als morgen alles, was hier demokratisch gewählt und legitimiert wird, abschaffen will.
Das nicht alle Brandenburger Nazis sind, ist eine Tatsache, die man in diesem Zusammenhang auch betonen sollte, um das in Westdeutschland oft zitierte Klischee "Im Osten wohnen eh nur Nazis" zu widerlegen. Natürlich gibt es in Ostdeutschland Nazis, aber die gibt es in Westdeutschland auch.
Es gibt in Brandenburg jede Menge Menschen, die sich gegen rechts engagieren, wie zum Beispiel die "Künstler mit Herz Brandenburg" - die aus gegebenem Anlass ein Video samt Song produziert haben, in dem sie eindeutig positionieren und zur Nichtwahl der AfD aufrufen.
Das nicht mit platten Parolen sondern mit ziemlich genauen Infos aus dem Wahlprogramm der AfD.
Also liebe Brandenburger: Egal, was ihr am 1.9. wählt, wählt alles, nur nicht eben die AfD.



Mittwoch, 7. August 2019

Hoffest in Lichtenberg 31.08. 2019

Sommerzeit ist Hoffest-Zeit. Man muss nur einen Blick in den Terminkalender vom Stressfaktor werfen, da fliegen eine die Termine der Hof-, Sommer- und Solifeste unzähliger Projekte und Kollektive entgegen. OBOA-Umsonst-und-draussen-Festival in Fort Gorgast hier, 40 Jahre Mehringhöfe da, Tortenheber-Solifest im der Regenbogenfabrik und ganz klar, auch auf dem Wagenplatz Lohmühle wird an einem Sonntag im August feiermäßi ab nachmittags eingeschenkt. Wer dann noch kann, kratzt sich kurz am Knie und schleppt sich zur Seawatch-Soli-Sause ins Tommy-Haus, das zu diesem Zweck extra seinen Summerbreak ehm, unterbreakt hat. All crazy and good ideas, one might say. Sage ich ja auch

Um dem geneigten Leser eine gewisse Orientierung im dies-augustigen Sommerfest-Überangebot zu verschaffen, möchte ich an dieser Stelle an ein Hoffest am 31.08.2019 hinweisen, das mir besonders am Herzen liegt. Der Grund ist ganz klar: Es ist nämlich das Hoffest des Hausprojekts in dem ich jetzt seit knapp 5 Jahren wohne.
Die Magdalenenstraße 19 oder auch WiLMa19 hat sich seit dem Bezug als feste alternative Wohnstruktur in Lichtenberg etabliert. Auch das Hoffest findet mittlerweile regen Anklang, keine Ahnung, wieviele Leute letztes Mal da waren, ich habe nicht gezählt, aber im mittleren dreistelligen Bereich tummelten sich die Menschen sicher auf unserem grünen Hinterhof. Das sollte auch dieses Jahr zu schaffen sein.
Deshalb hier mal ein Überblick dessen, was an Musik und Aktionen ab 14 Uhr (und ohne Eintritt) stattfinden wird - fangen wir mal mit dem Nachmittagsprogramm an:

- Kinderschminken

- Zauberer

- Workshops

- Bergstraße 68 - Ein Baum zieht um Comicbuchlesung und - Malaktion mit der Autorin Tina Brenneisen zu ihrem neuen Buch, in dem kindgerecht die Themen Wohnen in berlin, Mietwucher und Verdrängung thematisiert werden

- Antifaschistischer Kiezspaziergang organisiert und durchgeführt von der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA)

- Freaky Wrestlingshow
(Wrestling auf einem Hoffest?! Aber sowas von! Karl Marx vs. Jesus, Jesus vs. den nie funktierenden WLAN-Router. Wer erinnert sich nicht an diese legendäre Wrestling-Performance vom letzten Jahr? Es war ein Fest. Wird es dieses Jahr auch wieder.)

- Capoeira Popular

Ohne Musik geht natürlich nix, neben Live-Acts werden auch DJ*s bis in die tiefe Nacht auflegen. Von Punk bis Techno, Vorwärts-und Backdoor-Beats ist alles dabei - wie das Line-Up zeigt (Achtung: Dies ist kein Zeitplan der Auftritte).

Bands:

- Cellolitas (All female PunkSkaSchlagerPartyMusik)



- Trainingseinheit Katzenkotze (somegender PommesPunk, Berlin)

- Die ErlOichtung (Wie machen die Eso-Skins? Om!Om!Om!)

DJs:

- INC (Downtempo, Berlin)

- Crille & Tamalt

- No Cap No Style (Anti-fascist feminist DJane Collective, Berlin)


- Ante (Afrohouse)

- Schnösel Pöbel (Trash)

- Heavy Mental


Außerdem nice food and nice drinks and nice people!

++++ EINTRITT FREI!! ++++




Samstag, 3. August 2019

und dann war da noch... die Website vom Maximum RocknRoll

Es wurde wohl viel geweint, als es bekannt wurde. Soviele Herzschläge, die einfach mal aussetzten. Soviele verwirrte und traurige Gesichter, als sich die Nachricht durch die sozialen Medien fraß und so langsam bis in die hintersten Ecken sickerte. Als das Maximum RocknRoll vor einigen Monaten den Printgeist aufgegeben hat, war das gefühlt so, als würde Punk aufhören zu existieren. (Was er/sie nicht tut. Soviel Unabhängigkeit von einem einzigen Medium einer Szene, die an sich nur ein Oberbegriff für verschiedenste Wahrnehmungen, Subszenen und Vorstellungen ist, sollte schon sein.)

Keine graue Fischeinwickelpapier-Haptik, kein schlichtes S/W-Layout mehr, stattdessen der Transfer in die komplette digitale Existenz. Kann man machen, wenn sich das ganze Materialisieren in Papierform nicht mehr rechnet.
Der erste Schock ist gerade verwunden, die letzte Träne weggewischt, das letzte Stück Dachboden abgesucht, nach der letzten MRR-Ausgabe (Nr. 433), die man sich vor Jahren mal zugelegt hatte (auch wenn man wusste, wie wichtig und gut das Heft war, darf man sich auch eingestehen, dass man es seltener gekauft hat, als nötig und möglich gewesen wäre), als sich die Frage "Und was passiert jetzt?" in den Kopf gräbt. Es gibt nur einen Weg um herauszufinden, wie die erwähnte Komplett-Online-Ausgabe des MRR sich so schlägt: Selber nachschauen.
Ich muss zugeben, dass ich gar nicht so scharf darauf bin, ausführliche Kolumnen, Bandinterviews oder Konzertberichte online zu lesen. Das war für mich in der Printversion schon angenehmer. Aber in dieser Hinsicht hat mein bedarf insgesamt sehr nachgelassen. Im Netz interessiert es mich eher, neue Bands anzuchecken, gerne auch solche, die nicht konventionell auf ihren Gitarren rumschrubben. Dazu eine Einschätzung eines Schreibers, das reicht meist für mich. Ich muss sagen, dass das MRR diese Aufgabe auf seiner Homepage sehr gut erfüllt. Die Rezensions-Abteilung ist gut auffindbar, ebenso die erwähnten Kolumnen und alles, was es rund ums MRR zu fragen gibt. Wenig Schnick-Schnack, das gefällt mir doch sehr. die Kritiken selber sind kurz und knackig gehalten, meist nicht mehr als zehn Zeilen in leserfreundlicher Größe, dazu einen Link zur Homepage und Bandcamp-Seite.
Klar, das machen viele andere Online-Zines auch. Beim MRR gefällt mir aber die Übersichtlichkeit sehr, wozu auch das einfache Runterscrollen zur nächsten Plattenbesprechung reicht. Wird natürlch auch dadurch serh angenehm gestaltet, dass es (noch!) keine Werbung gibt. Auch dass man nicht mit diesen "Wenn du das magst, gefällt dir vielleicht auch das hier"-Links vom eigentlichen lesen abgelenkt wird, ist super. Davon ab ist es einfach sehr cool, das fast alles besprochen wird, was an Material reinkommt. Jede noch so schlecht aufgenommene Demo-CD scheint ihren Platz zu bekommen. Das führt zu einem schönen und guten Maß an Vielfalt, bei dem wahrscheinlich jede*r sich wiederfinden kann. Also insgesamt ein guter Start in die vollständige digitale Existenz. Was jetzt bleibt, ist abzuwarten und zu beobachten, wohin der Weg des Digi-MRR in Zukunft führen wird. Und wer jetzt immer noch traurig ist, sollte nicht weinend in im Mancave seine Plattensammlung streicheln, sondern zur Erbauung bei den Kollegen von THE HARD TIMES vorbeischauen.

Gary Flanell

Alle Bilder: www.maximumrocknroll.com

Freitag, 19. Juli 2019

Gary Flanell Interview

Zum Zeitvertreib während dieses wechselhaften Sommers hier der Link zum Interview mit Gary Flanell über sein Buch "Angst vor blauem Himmel" auf der Seite des Periplaneta-Verlags.

Die zentrale Frage darin:
Wer darf in Gary Flanells Bart überwintern?


Foto: Gabriele Summen (www.gabriele-summen.de)

https://www.periplaneta.com/wer-darf-in-gary-flanells-bart-ueberwintern/#more-12483

Mittwoch, 17. Juli 2019

It's a dream, it's Punk, It's I drew blank.(Schön, wenn junge Menschen Musik machen, Pt. XII)



Well, was für ein Tag, was für ein Jahr, was für ein Monat! Um mit den Plakaten einer Serie zu sprechen, die ich neulich im Schnelldurchlauf konsumierte: Dieser Sommer wird alles verändern. Aber sowas von. Ihr glaubt es kaum.
Alles wird sich ändern... a) wenn wir groß sind b) wenn wir tot sind c) wenn wir blöd sind.
Sucht euch was aus - es ist alles richtig.

Der Sommer 2019 wird als ein besonders toller Sommer in die menschliche Geschichtsschreibung eingehen.
Wer weiß, was noch alles passiert. Es ist ja schon einiges passiert. Am 28. Juni beispielsweise. Was war da? Wer weiß es? Ich.

Am 28. Juni ist hier in Berlin etwas besonders schönes passiert. Es wurde nämlich eine neue Platte veröffentlicht. Das war sehr schön. Man kann über den Neuigkeits-Wert dieser Information diskutieren, aber schön ist diese Tatsache einer Plattenveröffentlichung auf alle Fälle.
Worüber in diesem Zusammenhang zu diskutieren wäre, ist der Witzigkeitsfaktor eines Bandnamens wie IDREWBLANK, jener Band, die am 28. Juni ihre erste EP 'Interesting Life Choices' veröffentlicht hat. Ob so ein Wortwitz nach drei Minuten noch cool ist, würde ich mal dahinstellen.
Was und wer sich dahinter verbirgt, ist es allerdings allemal wert gehört zu werden. Spontan hätte ich an eine besoffene Jungs-Melodic-Skate-Punk-Combo gedacht, die sich furchtbar witzig vorkommt mit so einem Namen. Ist aber nicht so.



Überraschenderweise stecken dahinter Dom, Eilis, Oyèmi und was sie als Band machen bezeichnen sie als Dream-Punk.
Das kann man wunderbar so als Beschreibung durchgehen lassen, denn eine gewisse wohltuende Verträumtheit haben alle ihre Songs durchaus in sich.
Einerseits gibt es da diesen leicht sphärischen schwebenden Gesang, der sich schmusig über eine schrammelnde Noise-Pop-Gitarre legt, die ihrerseits sanft wie in der ersten REM-Phase (nicht die Band, ihr Deppen, ich meine wirklich die Schlafphase) dahin sägt, und nur manchmal mit diesem Wave-Beat durchaus zackige Akzente setzt. Ein hübscher Soundtrack für die Sommernacht, also. Das Interieur von IDREW-BLANK'schen Schlafgemachs stellt sich folgendermaßen dar. The Jesus& Mary Chain sind das Bettgestell, Robert Smith samt seiner ganzen Cure-Baggage die Matratze, Lush geben das leichte Bettzeug und Lemuria dürfen als kuschelig weiches Kissen herhalten. Irgendwo in der Ecke sitzt eine Bande Pixies und passt auf, dass niemand schlechte Träume hat.
Ich hätte jetzt gern eine Portion Zuckerwatte. Ist aber zu spät, habe ja schon Zähne geputzt.
In diesem Sinne: Dream on, dream until your dreams come true. (Ist geklaut. Eh klar.)

Auf der 26-teiligen Renfield-Rezensions-Skala ein klares B wie "Bettzeit!"

IDREWBLANK - Interesting life choices (über Späti Palace)

Anzuhören bei Soundcloud und auch über Spotify (wer hat).




Montag, 24. Juni 2019

SubCult - Klänge jenseits des Hauptstroms 19.06.2019

In der letzten SubCult-Sendung vom 19.06.2019 hat Timbob Kegler mit Houssam Hamade über sein Buch "Sich prügeln" gesprochen.
Passend dazu - die Playlist der Sendung:

1. Boy Harsher – Pain

2. G.L.O.S.S. - Give violence a chance

3. The Sonics – Psycho

4. Stereo Total – Ich bin cool

5. The Thermals – Born to kill

6. Drug Church – Conflict minded

7. Jennie & The Slingers – Better off dead

8. Kid Congo & the pink monkey birds - Hills Of Pills

9. Big John Bates – All the devils


Dienstag, 14. Mai 2019

Schön, wenn junge Menschen Musik machen Pt. XX

Heute: Nord - Dahinter eine Festung (Kidnap, 2016, nordpunk.de)

Musste erstmal schauen, von wann die Platte ist, solange steht sie schon in der Renfield-Rezikiste. Die jetzt mal renoviert wurde. Vielleicht bringt mich das ja dazu, da öfter mal reinzuschauen. Auf alle Fälle wurde sortiert und das erste Exemplar, das mich in „Mensch-die-musst-du-dir-jetzt-mal-genauer-anschauen“-Schuldgefühle stürzt, ist die LP von Nord. Ob's die noch gibt? Könnte ich recherchieren, aber ich habe ehrlich gesagt keine Lust. Die Chancen, dass es die Band noch gibt, stehen nicht so schlecht, immerhin ist das Album vom Herbst 2016, auf Kidnap raus gekommen, da ist man doch motiviert, länger dran zu bleiben. Wäre ich zumindest, wenn ich eine Band hätte und solche Voraussetzungen bestehen würden. Aber wer weiß; es gab oft genug Bands, die eine Platte gemacht haben, hoffnungsvoll waren und dann ging aus gründen die niemand versteht, nichts mehr. Aber das kann mir ja auch egal sein. Ich nehme diese Platte, der Infozettel ist schon lang den Weg des Altpapiers gegangen. Soweit ich weiß kommen nord aus Münster und Dortmund. Dortmund Nord, oder auch vom Nordpol, welch ein Witz. Da möchte ich nicht wohnen, wenn das alles stimmt, was man sich so sagt. Abgeranzt und voller Nazis. Nord sind glücklicherweise keine von diesen bierbräsigen Streetpunkbands, die es im Ruhrgebiet viel zu oft gibt. Sie sind eher so die Melo-Ollis. So eine homöopathische Dosis Turbostaat lässt sich wohl nicht vermeiden. Das finde ich ja prinzipiell gut, aber irgendwie werde ich mit Nord nicht warm. Klingt zu gewollt, nach zuviel Probe, zu viel Ernst von jungen Männern, die mit Mitte 20 ihre trübsinnigen Gedanken schon so gut in Metaphern und Metaebenen formulieren können, dass es mir Angst wird. Vielleicht bin ich auch nur neidisch, dass ich das mit Mitte 20 nicht so konnte.
Hamburg (vielleicht kommt daher die Nord-Referenz im Namen?). 3000 Yen ohne Gruselfaktor. Oder Bärbel. Dieses Hake-Zeug. Mit leichtem Faible für pathosgeladenen Gesang. Und mit Texten. Ja wirklich, Gesang mit Texten, na sowas. Auch ein bißchen langweilig, Gesang mit Texten. Da habe ich in dieser beschreibenden Art schon sowas von den Kanal voll, dass ich eigentlich ausschalten möchte. Finster und ernst wollen die schon sein, das klappt so mäßig. Aber nunja, hör ich mir das halt mal komplett an. Ernst sein gefällt mir ja ganz gut. Es wird nicht wirklich besser. Ja ja, das Tempo stimmt und alles Formale ist total super, aber mich kriegt der Norden, egal ob Dortmund, Münster oder Hamburg-Nord-Süd leider nicht. Dieses Filmsample mit den Himmelsrichtungen ist super, woher kenne ich das eigentlich? Insgesamt fehlt mir da was, denn von allem wird geklaut, DackelBlumen am Arsch von Oma Pascow, das hört man alles raus. Eine Orgel wie bei den Doors wünsche ich mir ab dem zweiten Song. So läuft alles in ein haariges Ohr rein und aus dem anderen raus. Halt so eine Jungscombo, die in NRW Punk macht. Schulterzucken. "Jetzt geht's nicht mehr weiter." singt man. Wenn der Sänger wüüsste, wi Recht er hat. Das mag besser sein als irgendwas total Bierseliges, das über das Rodeofeld called Ruhrpott hoppelt, bringt mich aber nicht zum Zucken. Infozettel ist doch noch da, hatte sich im Inlay versteckt. Gucke aber jetzt nicht drauf, die 10 Minuten sind eh um. Merke jetzt erstmal, wie müde ich bin. Danke Nord. Geht bitte woanders spielen, ich habe leider keine Zeit mehr für euch.
(m, ein kleines müdes m für diese ernsten jungen selbstzweifelnden Männer aus NRW.)
Mary Flanell

Diese Rezension wurde im FreeWriting-Verfahren nach Ken Macrorie und Peter Elbow innerhalb von 10 Minuten verfasst. Bis auf Rechtschreibfehler wurde nichts verbessert oder redigiert.

Freitag, 19. April 2019

SubCult – Klänge jenseits des Hauptstroms - 17.04.2019

SubCult – Klänge jenseits des Hauptstroms vom 17.04.2019 – mit Timbob Kegler und Studiogast SJ Cora.

Die Playlist:

1. Brute Minou – Désiré


2. Dane Joe – Down and out in Jerusalem and Berlin


3. Botanica – Dead Prophet


4. SJ Cora – Your friend forever


5. Wrackspurts – Rosa


6. Wargirl – Last time


7. Deafkids – Vox Dei


8. Deaf Kids – Pacto des Mascaras
9. Alien Fight Club – Alien Fight Club #1


10. Able Bodies- Punk #2


11. 19 Wiosen - Błękitny Express


12. Gary Flanell feat Felix Navidad – Rockaway beach (Sorry, no link. Too cool for the internet.)

Samstag, 13. April 2019

Krachmittag 2019 - die dritte Lichtenberger Noise-Matinee

Den Sonntagnachmittag darf man nicht dem Jazz überlassen, es muss gekracht werden.
Deshalb wird in der Remise in einem Lichtenberger Hinterhof kräftig gelärmt.

Zwei Bands, vier Personen.
Zwei Schlagzeuger_innen, zwei Bassisten. Liest sich wie Drum'n'Bass, ist aber was anderes.

KRÄLFE (Minimal Noise Rock, Berlin, https://www.facebook.com/kraelfe/)
+

ATOMVULKAN BRITZ (NoiseDubWave, Berlin, so neu, da gibt es nicht mal irgendeine SoundcloudBandcampMyspcaewünschdirwas-Seite)

Inklusive Kinderbetreuung für krachliebende Familien und Alleinerziehende,

05.05.2019
Einlass ab 14 Uhr,
Loskrachen ab 15 Uhr.
Magdalenenstraße 19, Berlin-Lichtenberg (U5, Ubhf Magdalenenstraße)


Sonntag, 24. März 2019

Angst vor blauem Himmel - Termine 2019 so far

Hier die Termine, an denen man Gary Flanell bis Mitte des Jahres live bei Lesungen aus seinem neuen Kurzgeschichtenband "Angst vor blauem Himmel" erleben kann.

29.03.2019 Lesen zwei Männer in einer Bar Soulcat, Pannierstraße 53, 12047 Berlin, 20 Uhr, mit HC Roth (Graz)

06.04.2019 Mokkabär, Frankfurter Straße 266, 38122 Braunschweig, 20 Uhr, m. Abel Gebhardt

23.04.2019 Lies los! - Lesebühne des Studierendenwerks Berlin, Skyline Mensa der TU Berlin, Ernst-Reuter-Platz 7, 10587 Berlin

16.05.2019 Lesereise NRW: Wohnzimmer, Cow Club Vereinsheim, Düsseldorfer Straße 87, 42697 Solingen, 20 Uhr, m. Philip Nussbaum

17.05.2019 Lesereise NRW: Brause - Vereinsheim des Metzgerei Schnitzel Kunstverein e.V., Bilker Straße 233, 40215 Düsseldorf, m. Philip Nussbaum und Alex Gräbeldinger

05.06.2019 Schanzenzelt-Festival, Schanzenpark, Hamburg, m. Abel Gebhardt

18.06.2019
Lies los! - Lesebühne des Studierendenwerks Berlin, Skyline Mensa der TU Berlin, Ernst-Reuter-Platz 7, 10587 Berlin

Montag, 25. Februar 2019

Pure Erschöpfung darf niemals siegen

Schöner Titel für eine Kolumne, das da oben. Wenn es das Renfield mal wieder in gedruckter Form gibt, und es darin überhaupt irgendwas zu schreiben, dann wird das eine Rubrik. Dann wird eh alles rubriziert, alles in Strukturen gepackt. Als hätte man einen Handwerkskoffer mit lauter Fächern, mal größer, mal kleiner, die befüllt werden könnten - mit Werkzeug, mit Schrauben, Ventilen, Klammern, Ösen, all dem Zeug, das hilft, um ein bißchen an dem Getriebe der eigenen geistigen Balance des jeweils Schreibenden zu drehen. Bis die interne Wasserwaage wieder im Gleichgewicht ist.

Ernsthaft, ich denke, das Schreiben an sich hat schon eine ausgleichende Wirkung. Dabei muss es noch nicht einmal zielgerichtet sein. Schreiben, so wie ich es gerade tue, ist derzeit eine kleine Warm-Up-Übung, um mich einzugrooven auf größere Dinge, die bald anstehen und geschrieben werden müssen. Warum also nicht schon mal das Schreibzentrum ein wenig auf Touren bringen, damit die Prokastination nicht all zu wild wird?

Im letzten Post ließ ich mich zu der Überflüssigkeit von Plattenkritiken aus. Dazu stehe ich immer noch. Vor allem, wenn eine Rezension eigentlich nur die basic facts vom Promozettel wiedergibt. Interessanter wird es, wenn der/die Schreibende ein wenig darüber reflektiert, was eine bestimmte Musik bei ihm/ihr auslöst. Dazu finde ich, eignet sich eine Rezension dann schon. Vielleicht probiere ich das jetzt mal aus. Die Stoppuhr stelle ich auf zehn Minuten. Danach ist Schluß. Los geht's.

DIE SCHWARZEN SCHAFE/NAKED AGGRESSION BREAK FREE SPLIT 7" - Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel. Das Wochenende hört scheiße auf, die Woche fängt schlecht an. Guter Grund um wieder ins Bett zu gehen. Komplett. Platten bestellt bei Elfenart, da kam die 7inch von DSS und NA mit. Hatte ich gar nicht bestellt. Wollte mich empören, tat ich aber nicht, denn die war als Reviewexemplar gedacht. Herrje, Deutschpunk und Anarchogeballer. Beides nicht meins, derzeit nicht und sowieso schon lange nicht mehr. Wenn ich jetzt auf dem Teppich liege, dann ist um mich herum folgendes: Angst (Dead Brothers), Reverend Beat-Man, Trixie Trainwreck, Czeslaw Niemen, Wargirl - großartig! Aber kein Schrubbel-Punk. Schwarze Schafe zuerst. Artwork sieht aus wie immer, schwarz-rot, Bröckel-Layout, Quasi-Schreibmaschinenschrift der Texte. Klingt auch so wie immer. Ich tue mich schwer. Verstehen kann ich das. Dass man als langlebige Punkband so seinen Stiefel fährt. Aber wie wär's mal mit was Neuem? Bißchen Experiment? Mal ein paar Dub-Remixe von DSS-Hits? Hörte, dass bei den Schafen jetzt einer von PARANOYA den Bass zupft. Macht es auch nicht frischer. Was sie tun in allen Ehren, aber wenn man eine DSS-Platte von vor, sagen wir 10-15 Jahren nimmt und die hier abspielt, man könnte nicht sagen, was neu wäre und was nicht. Gibt Leute, die nennen, das traditionell. Die wollen dann auch nichts Neues. Das ist dann Punk, oder was? Immer den gleichen Brei nochmal aufkochen? Jaja, auch diese Meckerei ist nicht neu, wir drehen uns im Kreis. Kann ich auch nix für. Spitzen-Lösungsansatz, Herr Flanell, Chapeau dafür. Das hier. Zieht mich aber nicht an und finde ich für mich total uninteressant. DSS sind wie Sterni trinken. Es geht irgendwie runter, aber ich stehe mehr auf Gin Tonic. Keine Ahnung, was das im Vergleich wäre. Sorry Armin. Noch zwei Minuten. Die sind für Naked Aggression. So Split-Buddies aus den USA von DSS. Finde ich tempomäßig etwas cooler, weil es da mehr anzieht, aber insgesamt für meinen Energielevel dann doch zu hektisch. Textlich auch so konkret, als wäre seit 1995 nix mehr passiert. Da... Der Wecker klingelt. (M für Naked Agression und O für Die Schwarzen Schafe auf der 26-teiligen Renfield-Rezensions-Skala)

DIE SCHWARZEN SCHAFE/NAKED AGGRESSION - Break Free SPLIT 7", erschienen in einer Kooperation von Campary Records, Malok Records, Urinal Vinyl Records, Elfenart Rec., Black Wednesday Records und Malditos Vinilos.

Samstag, 29. Dezember 2018

Death of a genre - Pt.II

Ausgehend vom letzten Eintrag hier sind mir in den vergangenen Tagen einige Gedanken zu dem Thema durch den Kopf gegangen. Nach wie vor finde ich, dass Plattenrezensionen, abgesehen von den hard facts (Band, Titel, Label, Erscheinungsjahr, LP/CD/digital, Verfügbarkeit), eigentlich nur mehr wenig Relevanz haben. Wenn das, wie ich vermute, mit der fehlenden Zeit zu tun hat, die zum Schreiben infolge der Geschwindigkeit, mit der sich Informationen mittlerweile verbreiten, fehlt, dann müsste man vielleicht andere Wege des Rezensionsschreibens finden. Ein weiterer Aspekt ist auch die schiere Menge an Musik, die veröffentlicht wird und die Menge an Texten die zu Platten im Netz verfasst werden. Geht man von der Menge an verfügbarer Musik aus und der wenigen Zeit, die zum Schreiben bleibt, hilft vielleicht am besten: Entschleunigung. Die wird hier beim Renfield ja seit einiger Zeit erfolgreich praktiziert. Was Plattenkritiken angeht, ist dieser Blog in den letzten Monaten nicht besonders aktiv gewesen. Was ok ist.

Ein weiterer Punkt hat nur in zweiter Linie etwas mit Menge und Zeit zu tun: Es geht um Relevanz. Wenn ich auf eine sehr große Menge von Veröffentlichter Musik zugreifen kann, mir an jeder Ecke was von Labelmachern angeboten wird und ich mir die zeit nehme, vieles davon zu hören und zu rezensieren, dann wird es um so schwieriger, sich nicht zu wiederholen, nicht wiederzukäuen, was im Infoschrieb steht. Leider sind noch nicht viele Wege gefunden, um aus dem notorisch öden Rezensions-Sprech mit Namedropping, Rock'n'Roll-Floskeln, Nacherzählung der Bandhistorie und pseudo-objektiver Notenvergabe rauszukommen. Vieles bleibt Mittelmaß, denn der Großteil der veröffentlichten Musik ist ja nicht mal richtig schlecht, sondern eben irgendwie gut gemacht, aber nichts besonderes. Für das wirklich grottige Zeug will man seine Zeit und Energie auch nicht verschwenden und die richtig guten Platten - sie sind selten und das ist irgendwie auch gut so.

Wenn ich weiter darüber nachdenke, merke ich, was mir bei vielen Kritiken fehlt. Eine gewisse Subjektivität des/der Autor*in. Wie schon oben gesagt. Die normalen Infos plus Verweis auf Klingt-wie-so-und-so-in-ihrer-Post-80s-90s-Depro-NYC-Phase, das ist schnell gemacht. Für eine formale Beschreibung einer Platte kann man auch auf diverse Algorithmen im Netz zurückgreifen, um herauszufinden, ob es einem/einer taugt. Interessanter wäre es zu lesen, was in dem/der Schreiber*in so vorgeht, wenn sie die Platte hört. Kann von cool inszenierter Langeweile bis zu totaler Euphorie ja alles sein. Vielleicht sollte man in Rezension mehr Bilder, mehr Vergleiche nutzen, um die Stimmung nachzuvollziehen, die eine Platte auslöst. Und vielleicht geht es dann auch weniger darum, die Platte mit einer Bewertung in Form von Noten, Sternchen oder Klötzchen zu versehen. Damit, so finde ich, bietet man dem Leser eine schön rationale Einschätzung, nimmt ihm aber auch die Möglichkeit, mal etwas auszuprobieren. Ich glaube, wenn all diese Bewertungssysteme weg fielen, wären viele Hörer ziemlich irritiert. Denn der erste Blick geht ja mal auf die Zahl der Punkte. Was einem/einer ja schon mal eine erste Einschätzung vorwegnimmt.

Wie könnte man aber an dieses Subjektive, Nicht-Formale herankommen, um eine Kritik interessanter zu machen? Vielleicht macht es Sinn, sich dabei des "Free Writing" zu bedienen, eine Methode, um in einen Schreibfluß zu kommen. Es ist eigentlich ganz einfach. Und macht Spaß.
Es ist sogar so einfach, dass ich sage, wenn es in Zukunft Rezensionen auf dem Renfield-Blog gibt, dann werden die nur noch nach Art des Free Writings verfasst.

Spielen wir das doch mal durch:
Du willst eine Rezension über das neue Album von Band XYZ schreiben.

1. Platte anhören. Dabei schon mal Artwork anschauen. Infozettel lesen. Letzteres nur eventuell. Kann man auch weglassen (großes Sorry an den/diejenige, die den Pressetext dann für Nüsse geschrieben hat. Wir schätzen deine Arbeit trotzdem.).

2. Wecker oder Timer auf 10 Minuten stellen.

3. 10 Minuten schreiben. Ununterbrochen schreiben. Egal ob langsam oder schnell, Hauptsache schreiben. Thema ist diese Platte, aber was du schreibst, ist erstmal vollkommen egal. Du kannst auch 10 Minuten lang schreiben "Mirfälltnichtsein, mirfälltnichtsein, mirfälltnichttseiin" usw. Egal. Hauptsache du schreibst. Es müssen keine Sätze sein. Hauptsache schreiben.

4. Nach 10 Minuten aufhören. Auf eventuelle Rechtschreibfehler checken. Vielleicht schauen, was man rausnehmen will.

5. Wenn es ein Verlangen nach Veröffentlichung auf diesem Blog gibt, den Text an renfield-fanzine@hotmail.de schicken. Es wird von dieser Seite nur zart redigiert. Das hier ist keine Journalistenschule, wir vergeben keine Preise und zahlen auch nix. Dafür wurden wir bisher auch noch nie von Claas Relotius verarscht.

Fertig. Das war es schon.

Ich wünsche allen Lesern dieser Zeilen einen kuschlig weichen Jahresendtransfer.

Gary Flanell

Mittwoch, 26. Dezember 2018

Death of a genre - die Plattenrezension

Kein Mensch braucht mehr Plattenrezensionen. Gut und schlecht geschriebene Kritiken sind mittlerweile total unbrauchbar für die Beschreibung von Musik geworden. Warum?

Die schlecht geschriebenen sind unnötig geworden, weil sie eigentlich nur Umformulierungen dessen sind, was die Labels mit dem Stream oder der Promo-CD schicken und den Redakteuren diverser Musikmedien auf den Zettel schreiben. Formale Informationen sind das. Infos, wer mit wem und wann mal ins Studio gegangen ist, wen man sich als Backgroundsänger für Track Null, acht und 15 dazugeholt hat, welche Techniken und Instrumente diesmal - total verrückt - zum Einsatz gekommen sind und ja außerdem, was noch total wichtig ist, wäre.... PFFFFT! Langweilig! Uninteressant!

Wenn man eh nur das, was auf dem Waschzettel zu Platte X steht, wiederholt, dann kann man es gleich sein lassen. Das passiert leider häufig genug bei schlechten Plattenrezensionen. Die oben genannten Infos kann sich jeder, der im 21. Jahrhundert einigermaßen medienkompetent ist, schnell selber aus dem Netz ziehen, mit freundlicher Unterstützung der Informationshausmeister Google und Discogs.
Ein netter Trick, der allerdings die eigene komplette Hilflosigkeit und Desinteresse gegenüber einer Veröffentlichung darzustellen, ist das Zitat einer älteren Rezension zum gleichen Künstler. Wenn mir nichts mehr einfällt, der Text aber doch noch viel zu kurz ist, dann schreib ich doch mal beim Banknachbarn ab: "Wie ich schon beim Debut schrieb..." oder "Wie XYX schon in seiner Rezension in Heft No. WRXL so treffend bemerkte..."
Auch das: PFFFFT! Langweilig! Uninteressant!

Diese schlechten Rezensionen sind ein Ärgernis, das Problem liegt allerdings woanders: Im Zeitdruck. Dank digitaler Verschiffung passiert alles im popkulturellen Kontext mittlerweile rasend schnell. Platte kommt raus, Info wird verschickt, in zwei Minuten hast du sie auf dem Rechner, kannst alles anhören und anschauen und dann.... muss was passieren. Dann musst du am besten sofort schon was Prägnantes schreiben. Denn die anderen sind genauso schnell und vielleicht sogar schneller. Wie auch immer die das hinbekommen. Aber unter Zeitdruck kommt selten etwas gut geschriebenes raus. War ja schon bei Klassenarbeiten so. Wenn du nach 30 Minuten noch vor dem leeren Blatt sitzt, dann hilft es eben nur beim Banknachbarn abzuschreiben (s.o.), oder den kompletten vorgegebenen Text aus dem Geschichtsbuch zu kopieren. Beides ist am Ende... PFFFFT! Langweilig! Uninteressant!
Genau so ist es mit den schlechten Plattenrezensionen. Und weil das Wiederkäuen der eh schon verfügbaren Information nichts bringt - nicht mal Geld, sind wir mal so ehrlich - können wir es auch einfach lassen und uns den schönen, entspannteren Textformen zuwenden.

Die gut geschriebenen Plattenrezensionen sind aber auch überflüssig. Und so selten geworden wie Einhörner im Hambacher Forst. Um eine gute Plattenkritik zu schreiben braucht es ausreichend Zeit. Und ausreichend Raum. Raum, in dem die Zeichen, Buchstaben und Gedanken so munter galoppieren können wie Wildpferde über eine baumlose Prärie (Nicht Einhörner. Die leben im Wald). Raum auf einem Blog, auf einer Homepage, in einem Magazin. An diesen Aspekten scheitert es. Zeit und Raum und Aufmerksamkeit - gibt's alles nicht mehr.

Vor wenigen Monaten konnte man mit Grausen erleben, wie die Spex untergangen ist (Die Spex! The unsinkable majesty of Diskurs-Bingo! Bitte fügen Sie hier wahlweise eine TITANIC- oder DINOSAURIER-Metapher ein), eben weil sich das Printgeschäft für Musikmagazine
einfach nicht mehr lohnt. Das Interesse an gut gemachten Artikeln und Rezensionen über Alben und Songs ist sicher da, aber es fehlt die Zeit, um sie anständig zu schreiben.
Auch die Aufmerksamkeitsspanne, um etwas konzentriert zu Ende zu lesen ist oft nicht mehr gegeben. Selbst dieser Text wird wahrscheinlich von 3/4 der Anklickenden nicht bis zum Ende gelesen. Das Problem ist das gleiche wie bei schlecht geschriebenen Kritiken: Alles muss sehr schnell gehen. Gerade gehört und während du bei Track 3 bist, am besten schon 4500 Zeichen in Typo3 reingehackt. Schön ist sowas nicht. Aber schnell und gut geschrieben, das schließt sich eigentlich aus.

Wie sähe aber eine gut geschriebene Plattenrezension aus? Wie stelle ich mir das vor?
Vielleicht so: Erstmal in Ruhe einmal die Platte hören. Eine Platte, an der ich wirklich Interesse habe. Nicht irgendwas, das mir der gestresste Redakteur hinknallt, weil es ins Heft muss (weil Plattenfirma Anzeige bezahlt) und für das ich dann eine Rechnung über 30 Euro ausstellen kann. Also anhören. Von vorn bis hinten. Nicht skippen müssen. Am besten zuhause, dann nochmal im Büro. Beim ersten Mal nicht über Kopfhörer, sondern im freien Raum. Später dann nochmal in verschiedenen Situationen: Unterwegs, zuhause, abends, morgens, allein, mit der/dem Freund*in, mit Kolleg*innen. Vielleicht bringst du die Leute in deiner Lieblingsbar dazu, sie mal aufzulegen. Eine Woche Zeit dafür haben. Nur zum Hören. Vielleicht schon mal ein bißchen Recherche betreiben.
Cover anschauen, Texte studieren, Info vom Waschzettel in Ruhe lesen. Dann noch eine Woche Zeit nehmen. Das ganze sacken lassen. Auf kleiner Bewusstseinsflamme köcheln. Dann noch eine Woche, wenn möglich zwei, zum Schreiben. Dann die Deadline reißen. Mit Absicht und Gelassenheit. Noch eine Woche später einen wirklich guten Text abgeben. Über Zeichenzahl können wir reden. Meinetwegen den etwas fahrig wirkenden Redakteur alles zerrupfen lassen. Aber das gute Gefühl haben, eine Platte mit Zeit und Muße einer Begutachtung unterzogen zu haben, die sie und auch der Schreibende verdient. Was der Redakteur mit den Augenringen damit nach der Abgabe macht, ist egal. Mein Baby bleibt bei mir, so wie ich es schuf.

Und jetzt die traurige Wahrheit: Für all das ist keine Zeit mehr. Deshalb sind Plattenkritiken, so wie es sie gibt und wie wir wie seit Jahrzehnten kennen, extrem unnötig geworden. Die eine Variante ist belanglos und die andere heutzutage nicht mehr realisierbar. Vielleicht müsste man sich neue Wege und Techniken zum Schreiben von Rezensionen überlegen. Die die Aspekte zeit und inhaltliche Tiefe gleichermaßen berücksichtigen. Denn die Information über neue Musik zu verbreiten, Künstler und Alben bekannter zu machen, das ist immer noch wichtig. Dazu reichen aber drei Zeilen und ein Link.

Donnerstag, 29. November 2018

Gary Flanell liest und musiziert - die kommenden Termine



Hier also mal die Dates, zu denen man Gary Flanell mit dem Kurzgeschichtenband "Angst vor blauem Himmel" und in guter Begleitung live sehen und hören kann:

07.02. Berlin-Kreuzberg, TR*CKXSDRAS*YL, m. Kent Parson (Ox-Magazin)
21.12. Berlin-Prenzlauer Berg, Lange Nacht der Subkulturen, Periplaneta, Bornholmer Straße 81 a
05.02. Berlin-Mitte, Studentenwerk Berlin
11.02. Berlin-Lichtenberg, Ping Pong Tresen, Magdalenenstraße 19, "Sich prügeln"-Lesung von Houssam Hamade
29.03. Berlin tba.
15.03. Bad Bevensen, tba. m. Abel Gebhardt (Ox-Mag, Stay Wild-Zine)
06.04. Braunschweig. tba. m. Abel Gebhardt



LESEN? VOR PUBLIKUM?
Mache ich immer gern. Nicht nur in Berlin, sondern überall. Wenn ihr Texte aus dem "Stuntman unter Wasser" oder der "Angst vor blauem Himmel" in eurer Stadt hören wollt, dann nehmt Kontakt auf unter renfield-fanzine@hotmail.de. Alles weitere klären wir dann.




(Foto: Gabriele Summen)

Dienstag, 20. November 2018

Autogramme, Autogramme, Autogramme!

Wow - nur noch ein Tag bis morgen! Die Zeit rennt, man glaubt es kaum. Und nur noch vier Tage bis zur BUCH BERLIN 2018, der Berliner Buchmesse.
Auch der Periplaneta-Verlag ist am kommenden Wochenende dort mit einem Stand (No. 97 by the way) vertreten und - welcher Zufall - auch Gary Flanell himself wird da sein.
Am 24.11. wird er an Stand 97 von 16 bis 17 Uhr alles signieren, was er in die Finger bekommt. Am liebsten natürlich eure Exemplare seines neuen Erzählbands „Angst vor blauem Himmel“ - oder auch das Debutwerk „Stuntman unter Wasser“.

Also: Rememember the Spirit of (Stand) 97 und kommt vorbei. Wir freuen uns auf euch!

Noch mal zum Rememberieren:

Die Buch Berlin findet am 24. und 25. November im Mercure Hotel MOA statt.

Alles weitere gibt's hier:

Buch Berlin

Sonntag, 18. November 2018

Voll-, teil- und komplettrasiert: Neue Musik für Arbeit

Dass ich das noch erleben darf! Die Diskussion, wie das alles mit Hartz IV a.k.a. ALG II weitergehen soll, kommt so langsam in die Gänge. Was gut ist. Aber sind wir doch ehrlich, ein sanktionsfreies Grundeinkommen wäre am Ende nicht so schlecht. Da gibt es Hoffnung.
Denn auch in den hintersten Winkeln der betulichen Hart-IV-Erfinderin SPD dräut so langsam die Erkenntnis, dass ALG II nicht so richtig toll ist. Aber diese Erkenntnis beruht wahrscheinlich auf der Angst, dass der seit Jahren anhaltende Liebesentzug der Wähler bei der SPD damit zumindest irgendwie aufzuhalten wäre. Hat zwar ein bißchen gedauert, aber: Well done, Genossen. Besser spät als nie. Ob das der Fallschirm gegen den Absturz in die Bedeutungslosigkeit ist, na ja, mal sehen...

Nun ist es ja nicht so, dass sich nicht schon diverse Bands mit der Thematik Arbeit bzw. Nicht-Arbeit und dem dazugehörigen Ärger beschäftigt haben. Aber mal ehrlich: Das Thema ist ja quasi unerschöpflich. Eine total illegal zusammengestellte Kompilation solcherlei Material wäre mal ein nettes Feature für die immer länger werdende To-Do-Liste.

Ganz sicher mit dabei wären THE TOTEN CRACKHUREN IM KOFFERRAUM. Die haben nämlich jetzt gerade ein neues Video raus gebracht, "Jobcenterfotzen" heißt es ganz subtil. Ist ein erster Teaser für das nächste TTCHIK-Album "bitchlifecrisis". Was dann im Februar kommt. Stilistische Beschreibungen erspare ich mir und euch hier, denn hören ist diesmal mehr als lesen.

Die Jobcenterfotzen sehen gefilmt übrigens so aus...


Hübsch.

Wer nicht beim Jobcenter ist, und sich dafür jeden Montag mit einer weiteren lebenszeitfressenden Woche im Büro konfrontiert sieht (inklusive einer sinnfreien Tätigkeit, die statt in acht auch in fünf bis sechs Stunden effektiver erledigt werden könnte), der findet mit Doom-Metal ein musikalisches Äquivalent zu einem langsam das Hirn durch den Wolf drehenden und wie immer ergebnisoffenen Arbeitstag.

Nun gibt es vermutlich eher weniger Sekretär_innen und Sachbearbeiter_Innen, die sich zum Seelentrost mit Saint Vitus oder Pentagram hochpushen. Möglicherweise hat aber der ein oder andere Büromensch schon mal was von den Känguruh-Chroniken gehört und findet den Marc-Uwe Kling total dufte. Daraus ergibt sich eine astreine Win-Win-Situation, denn ebenjener Herr Kling hat jetzt auch eine Band.
ARBEITSGRUPPE ZUKUNFT heißt die und auch die haben einen Song zum Thema Arbeit rausgehauen. Womit wir wieder beim Metal sind. Schauen Sie sich das an, meine Damen und Herren.
Schade nur, dass, anders als im echten Leben, im Video nur Kerls im Büro sitzen und die Sau rauslassen. Aber vielleicht ist das ja Absicht und sowieso total ironisch, wie man das so tut, wenn man Akteur der Popkultur ist. Könnte man mal Linus Volkmann fragen.



P.S.: Dieser Hype um die Känguruh-Chroniken ist zum Glück komplett an mir vorbeigegangen. Sollen doch andere lachen und sich als Kling-Kenner bei WG-Parties in der Küche enttarnen. Ich gönne es euch und pflege weiterhin meine Ignoranz.

Samstag, 10. November 2018

Angst vor blauem Himmel - das zweite Buch des Herrn Flanell

Seit Mitte Oktober ist er raus: Der zweite Band mit Erzählungen von Gary Flanell. "Angst vor blauem Himmel" heißt das Prachtstück, wieder erschienen in der Edition Subkultur des Periplaneta-Verlags. Zu entdecken gibt es einiges in den 35 Texten (zum Beispiel auch die Tatsache, dass bald Weihnachten ist. Nur so als Tipp, falls ihr noch ein Geschenk sucht.): Von pubertierenden Punks über freischaffende Journalisten auf Abwegen, desillusionierte Autoren auf Lesereise, Menschen, die an Batterien lecken, bis hin zu explodierenden Seelen, Darstellungen des Verbeverhaltens von Tieren und den obligatorischen Abenteuern der kleinen Spinne Pup. Vorgestellt wird das Werk in den nächsten Monaten auf Lesungen in Berlin und anderswo. Die Termine werden bald hier bekanntegegeben,

Gary Flanell - Angst vor blauem Himmel
208 S., 12,50 Euro
Edition Subkultur
print ISBN: 978-3-943412-38-3
epub ISBN: 978-3-943412-39-0

Interessierte können das Buch auch direkt beim Autor erwerben. Kurze Mail an renfield-fanzine@hotmail.de und wir regeln alles weitere.

Anfrage für Lesungen und Veranstaltugnen bitte an das Flanell'sche Management unter tim.kegler@yahoo.de

SubCult -19.10.2018

SubCult 19.10.2018 – mit Timbob Kegler

1. Squarecom広場SOFTWARE - エコージャムDATING SIMULATOR – invitation


2. Timbob Kegler: Auszug aus Aldous Huxley: Die Pforten der Wahrnehmung (in Edward Reavis: „Rauschgiftesser erzählen“)

3. Shakey Graves – Unlucky skin


4. Timbob Kegler: Auszug aus Siegfried Schmidt-Joos: My Backpages

5. The Sloks – Jazz is dead


6. Raw Dog – Drink drank drunk


7. Timbob Kegler: Auszug aus Leitfaden der Bade- und Luftkurort Rumäniens

8. Moki Mcfly - Periodic Halftones


9. Timbob Kegler: Auszug aus Leo Tolstoy – The devil

10. Telemama & Pikolomini – Filmovi


11. Chafouin – Le blues de là bas


12. Timbob Kegler: Auszug aus Kasimir Edschmid – Das beschämende Zimmer

13. Chris Imler – Küchenmesser


14. Pikolomini – Viktorija


15. Timbob Kegler: Auszug aus Jean-Claude Izzo: Aldebaran

16. Wang Wen – Lost in Train Station


17. Timbob Kegler: Auszug aus Paul Krassner: Ein unhöfliches Interview mit Timothy Leary (in Edward Reavis: „Rauschgiftesser erzählen“)

18. Cataya - Destiny



Nachzuhören ist das allea auf der Mixcloud-Seite von Subcult.

Samstag, 22. September 2018

SubCult - Klänge jenseits des Hauptstroms 21 09 - 18

Die Playlist

1. Theodor Shitstorm – Rock'n'Roll


2. Britta – Büro, Büro


3. Kalla Brisella – I'm sorry


Kalla Brisella live: 06.=oktober + Trucks @ Internet Explorer, Berlin

4. Praery – Maybe better


5. Notgemeinschaft Peter Pan – Helikoptereltern - Staffel 1


6. The Callas_w_Lee Ranaldo_Γλυκιά Μου Όμορφη


7. Los Daytonas – Mata y Los vuelve


8. Satan's pilgrims – Que Honda


9. Reverend Beat-Man & Sister Izobel Garcia – Pero te amo
10. Reverend Beat-Man & Sister Izobel Garcia – Macorina


11. We are the city – When I dream, I dream of you


12. Shadow party – Reverse the curse


Donnerstag, 13. September 2018

One flew over the cat flap...

...aber drei andere cool cats lesen alles.
Alles, was sie an unterhaltsamen, witzigen und nachdenklichen Texten geschrieben haben.

VIER LESEN heißt der Spaß, aber wie das Leben so spielt, sind wir diesmal nur zu dritt. Kann passieren. Mr. Roth kann man auch einen Abend vorher, am 21.09., bei der LANGEN NACHT DER SUBKULTUREN erleben. Viola Nordsieck und Gary Flanell auch.

Hier mal die Fakten für die beiden Leseveranstatlungen am 21. und 22.09. in Berlin.

21.09.2018 LANGE NACHT DER SUBKULTUREN bei PERIPLANETA ab 20 Uhr

mit: Viola Nordsieck, HC Roth und Sascha Plach. Musikalischer Support: Gary Flanell

Wo? PERIPLANETA LITERATUR CAFÉ, Bornholmer Straße 81a, 10439 Berlin

(Ringbahn/U2 Schönhauser Allee u. 10 Min. Fußweg o. Tram M13, Station Schönfließer Straße)


20.09.2018 VIER LESEN. ab 20 Uhr

mit: Viola Nordsieck, Mascha Tobe und Gary Flanell (diesmal lesend)

Wo? GARAGE PANKOW, Hadlichstr.3, 13187 Berlin

(U2 Pankow)

Dienstag, 28. August 2018

Der Alte Mann, III

Ich esse morgens gern Ei. Gekocht. D.A.M. nicht. Zugegeben es ist eine ambitionierte Aufgabe sich jeden Tag hinzusetzen, und über das Leben des Alten zu schreiben. Denn es passiert nicht mehr viel bei ihm. Nachts wird geschlafen, morgens dann ein neuer Platz zum Schlafen gesucht, Sofa oder Stuhl, geht alles. Wenn ich aufgestanden bin, zieht er nochmal um, in mein Bett. Komme ich nachmittags oder abends wieder, weil ich Dinge getan habe, die zu tun waren, liegt er immer noch im Bett. Man könnte denken, er hat eine Depression.
Aber das herauszufinden ist schwer, den D.A.M. spricht ja kaum. Außer wenn es ums Essen geht und selbst dann gibt es nur kurze Anweisungen. Frage mich, ob bei ihm früher mal mehr los war. Ist er in jungen Jahren mal um die Häuser gezogen? Hatte er aufregende Affären mit Männern und Frauen? War immer klar, welchen Weg er einschlagen wird? Gabe es Zeiten des Zweifels, der Krise, Zeiten, in denen er sich wie der jeder mal klein, traurig und allein gefühlt hat? Hatte er Stress mit seiner Familie? Ich merke, dass ich kaum etwas über seine Familie weiß. habe keine Ahnung von Eltern, von Geschwistern, Partner_Innen.
War er ein scharfer Zahn, der jede Nacht in einem anderen Bett aufwachte? Der die Hühner nicht zufrieden ließ, bis er satt war? Oder war er schon immer so, wie er jetzt ist: Schläfrig, müde, nur aktiv, wenn es um die Nahrunsgaufnahme geht? Nobody knows the trouble he's seen. nobody but him. Er legt kein Zeugnis ab, von nichts. Was er wahrnimmt, ist gleich wieder vergessen. Ein Goldfisch dürfte ein ähnliches Gedächtnis haben wie D.A.M.. Deswegen ist das Umziehen für ihn auch so anstrengend. Er mag das nicht. Ist zuviel Stress, habe ich selber gesehen. Obwohl es diesmal beim Einzug in meine Hütte schon besser ging als beim ersten mal. Da ging er geduckt von Raum zu Raum, sehr ängstlich, weil ihm das alles fremd war. Hatte Angst, dass ihn was anspringen könnte: Ein Handtuch, das zu Boden fällt, eine Gitarre, die unbekannten Lärm macht, ein dröhnender Bass, der gezupft wird. Und all diese Gerüche, die so ganz anders sind.

Auf dem Tisch eine alte Kiwi. Ist faul und leck und hat Schaum vorm Mund. Sie gärt und das ist nicht gut. Die Wespen kommen schon und freuen sich. Da muss ich was machen. Weg damit. D.A.M. ist nicht zu sehen. Wird schon irgendwo ein. Was passiert, wenn er die Wespe fängt? Wird sie ihn stechen? In den Mund? Und wird er es vertragen? Es bleibt unklar, denn bisher hat er noch keine einzige Wespe gefangen. Vielleicht ist es das Alter.

Montag, 27. August 2018

Der Alte Mann, II

Er springt. Vom Boden auf den Schreibtisch. Von dort auf den Stuhl. Habe ein Handtuch auf den Sitz gelegt. Nicht weil D.A.M. inkontinent ist, sondern weil er haart. Immer wenn er am Schreibtisch sitzt und ein Nickerchen hält, verliert er Haare wie blöd. Und dass sind nur die, die ich sehe. Davon ab, passiert nicht viel. John McCain ist tot, aber das interessiert den alten Mann wenig. Auch wenn Donald Trump tot wäre, würde ihn das nicht interessieren.

Habe heute Gitarre gespielt. Im Schlafzimmer. Wollte es nicht direkt neben dem Alten im Wohnzimmer tun. Denke, das ist zu laut oder zu schrill für ihn. Ich habe ein neues Lied komponiert und es einige Male nacheinander durchzuspielen. Um mich zu erinnern und die Ecken und Kanten für mich ein wenig abzuschleifen. Habe dabei wenig an den Alten gedacht. Irgendwann machte ich eine Pause und überlegte, wo er wohl steckt. Befürchtete, er hätte sich vor Schreck über den Lärm unters Bett verzogen. Saß aber im Wohnzimmer und schaute mich durch die offene Tür interessiert an. Seit langem vermute ich. Es schien ihn irgendwie doch zu interessieren.

D.A.M. mag sein Futter trocken. Das Gelee, welches ich ihm immer mitserviere lässt er so lange verdorren, bis es hart ist. dann schmeckt es ihm. Lecker. Es geht aber nichts über seine Cräcker. Oder Cracker. Wie auch immer. Ich will mich nicht mit Kleinigkeiten aufhalten. Andererseits... warum nicht mal aufhalten lassen?

Wenn ich den Alten sehe, denke ich,dass der sich auch von nichts mehr aufhalten lässt. Er lässt sch von nichts aufhalten, was ihn von einem ausgedehnten Schläfchen abhalten könnte. Dazu legt er sich ins Bett. Mein Bett. Finde ich gut, das ist ein Zeichen von vertrauen, denke ich. Wenn er so lang ausgestreckt, ohne Decke auf der Matratze pennt. Wie hingeflossen liegt er da, die Zierde des gesamten Plattenbaus. Habe vorhin Wäsche aufgehangen und ihm dabei eine Sockenkugel zugeworfen. Dachte, das würde ihm links am Arsch vorbeigehen, aber nein: D.A.M. hat doch noch Spieltrieb in sich und hat die Socken in süßester Manier mit seinen kleinen Beinchen und Nägeln bearbeitet. Es entwickelte sich tatsächlich so etwas wie ein Spiel zwischen uns und das hat mich sehr überrascht, denn so wie ich ihn kenne, weiß ich eins: D.A.M. spielt nie.

Sonntag, 26. August 2018

Der Alte Mann

Freewriting excercise Pt. I

Tag 1
Das hier ist kein Tagebuch. Ich schreibe einfach auf, was mir durch den Kopf geht, wenn es um den alten Mann geht. Es geht nicht um Sinn oder logische Abfolgen. Es geht um das, was mir dazu gerade in den Sinn kommt. Free Writing.

Der Alte Mann. Meine Nachbarin, ist in den Urlaub gefahren, D.A.M. (Der Alte Mann) wollte nicht mit. Also kümmere ich mich um ihn. Wir haben ihn gestern in meine Wohnung gelockt. Mit Milch. Fand er gut. Ich glaube, vieles, was D.A.M. tut, passiert nicht einfach so. Ich glaube, vieles was er tut, ist eine Reaktion auf das, was ich tue. Wenn ich ihm Milch hinstelle, findet er das gut und kommt zu mir rüber. Auch so eine Re-Aktion.

Ich mache morgens etwas Sport. Das scheint ihm völlig unsinnig zu sein. Jedenfalls sitzt er, während ich diverse Workout-Übungen mache, unter dem Bett auf der LKW-Plane, die ich dort verstaut habe und schaut mir ungläubig zu. Ich habe das Gefühl, der alte Mann kann sich nicht vorstellen, warum jemand so etwas machen sollte. Deswegen geht er in Deckung. Vielleicht interpretiert er das, was passiert, auch als feindlichen Akt. Denkt, ich wollte ihn angreifen oder so. Ich weiß es nicht. Weiß eh, wenig, was in dem Alten vorgeht.

Er frisst nicht viel, das war schon mal anders. Er frisst jedenfalls nicht viel, von dem was ich ihm jeden Morgen aufmache. Gestern gab es Fleischstückchen in gelber Glibbersauce. Das hätte ich auch nicht gegessen. Sah aus wie Fleisch in Milch oder Senfsauce. Aber Senf?

D.A.M. isst nicht das, was ich im Kühlschrank habe. Eine Möhre wäre nichts für ihn, ein Kohlblatt auch nicht. Ob er Humus mag? Müsste ich mal probieren. Ich hab gerade eh wenig im Kühlschrank, warum passiert das immer Sonntags? Das Essen von D.A.M. ist in dem Korb, den meine Nachbarin mir für ihn mitgegeben hat. Daran schärft er normalerweise seine Nägel. Deswegen musste der Korb mit rüber. Im Gegenzug habe ich meinen Kontrabass zu meiner Nachbarin gestellt, weil ich nicht wollte, dass D.A.M. daran seine Nägel schärft. Jetzt liegt er auf der Couch und schläft. Das tut er meistens. Couch. Schlafen. Couch. Schlafen. Couch. Schlafen. Dazu Sonne auf dem Rücken. Ab und zu mal strecken. Frage mich manchmal, ob er jetzt gerade vielleicht gestorben ist, während er auf der Couch liegt und ich daneben sitze. Aber dann bewegt er sich wieder. D.A.M. stirbt auch nicht so leicht. Dann würde es sicher auch bald stinken. Sehe außerdem immer wie sich sein Bauch ganz leicht auf und ab bewegt. Süß! Dachte, er könnte mal die Wespe fangen, die mich vorhin geärgert hat. Aber mit Wespen hat er es nicht so. Fliegen könnte er auch mal fangen, aber mit denen hat er es auch nicht so. Ich glaube, D.A.M. hat es mit gar nichts mehr so. Außer trockenen Crackern, die ich ihm jeden Tag hinstelle. Die Cracker sind in einer Blechbox, und die... (Fortsetzung folgt.)

Freitag, 10. August 2018

Hoffest is the neue heiße Dings!

Genau so ist`s! Während sich der der Mob auf immer größeren Festivals zudröhnt, dabei diverse Hangover-, Geschlechts- und Magen-Darm-Krankheiten billigend in Kauf nimmt, entscheidet sich der/die Connaisseur_In heutzutage für die elegante Stadtvariante. Ohne Kommerzbier- und Fress-Monstrositäten und Höher-schneller-lauter-als-Manowar-es-je-waren-Schallanlagen. Braucht man alles nicht!
Feiern kann man auch ohne großen Aufwand im eigenen Karrée, auf der eigenen Betonscholle, im eigenen Kiez. Was nicht heißt, dass Interessierte ausgeschlossen werden, weil sie dort nicht leben. Nur nett zueinander sollte man sein.
Aus gegebenem Anlass möchte ich deshalb für alle, die in den nächsten Wochen in Berlin abhängen, zwei Hoffeste empfehlen:

1. Schon morgen, am 11. August, findet das Hoffest im der Magdalenenstraße 19, einem Hausprojekt in Lichtenberg statt. Was früher mal eine Platte war, in der die Stasi allerlei Bürotätigkeiten verrichtete, ist mittlerweile ein selbstverwaltetes Hausprojekt gewachsen. Gleich sackweise gibt es da dann allerhand coole Unterhaltung. Von der Körperverschönerung (Soli-Tattoo, Kinderschminken, bitte nicht verwechseln) über Kleiderverschönerung (Siebruckwerkstatt) und interessanten Workshops bis zur Fahrradrallye, Kinderbuchlesung, entspannten Infospaziergängen durch den Kiez und einer Wrestlingshow wird alles aufgefahren, was den und die Hoffestbesucher_in interessiert. Dazu kann man immer wieder nett einen Drink nehmen, Sekt, Aperol oder schlicht ein Bierchen - geht alles.

Musik darf bei so einer Veranstaltung natürlich nicht fehlen. Tut sie auch nicht.
Live spielen ab 18 Uhr INFANT SANCHOS (Elektro-Punk, Berlin) und CHERRY BANDORA (Psychedelic-Oriental Party Music).
Anschließend gibt's die große Technosause mit DJs wie Die Babsi, Kaputse, Inc u.a.

Eine Übersicht übers komplette Programm gibt's hier.


Wer eine ordentliche Party-Kondition hat, kann dann eigentlich nahtlos zum nächsten Hoffest übergehen und muss dazu nur in den übernächsten Kiez zeihen. Denn nur eine Woche später, am 18- August, wird in Kreuzberg, am Schlesischen Tor, im Hof der Spiralfabrik gefeiert. Los geht's ab 16 Uhr im Hof u.a. mit entspanntem Singer/Songwriter-Stuff, z.B. vom ehrenwerten Herrn SAM DALE (wohl nicht verwandt mit Dick D. und auch keine Surfmusik spielend, dafür aber der Frontmann von Berlins Partyrockband No. 1 - THE FEMINISTS), RHYE MAN und ANDY KNITTEL; knackigem Soulpunk von MILKY PRAY, Krautrock von STROUM und einem Cumbia-Dub-Set von DJ FREAK ASS E.

Abends, wenn die Sonne langsam hinter den Bergen aus Bierflaschen untergeht und die Pissestrahlen auf der Oberbaumbrücke in ein verwirrend surreales Licht taucht, wird das schönste Schnapsloch im Kiez bespielt. Das genaue Line-Up lässt sich hier einsehen.

In ganz eigener Sache sei dazu gesagt, dass an diesem Abend auch die Kreuzberger Noise-Drum-Bass-Legende ATOMVULKAN BRITZ nach langer krankheits- und verletzungsbedingter Pause mal wieder live zu sehen sein wird - mit dem Herrn Flanell am Bass.
Links zu irgendwelchen Hörproben gibt es vom ATOMVULKAN nicht - die werden nur, auf Traubenzucker gepresst, einem exklusiven Kreis von Interessierten zugereicht und zersetzen sich danach von selbst.



Montag, 23. Juli 2018

Topfschlagen against Gentrifizierungsdingsbums. Also Moppelkotze.

Yeah well...

Es war ein wunderbarer Freitagnachmittag. Sommer, Sonne, im Park rumhängen. Kinder dabei, Rad dabei, Radler dabei. Angenehme Gespräche, Schatten und leichte Bekleidung.

Wie kann man einen solchen Tag angemessen zu Ende bringen?
Im kühlen Altbau sitzen und den dahinziehenden Abend mit etwas Kartoffeldruck-Screamo begreinen?
Oder lieber eine kleine Radtour machen, bei der sich große und kleine Fahrradfahrer aufgereiht wie die Perlen auf einer Schnur durch steril renoviertes Gentrifizierungs-Feindesland bewegen, um die Bewohner einer kleinen Friedrichshainer Gemeinschaft dabei zu unterstützen, nicht aus ihren lieb gewonnenen Wohnungen zu fliegen? Wirklich mit Mann und Maus und der kompletten sozialen Familie mal ganz praktisch Solidarität zu zeigen?

Yeah, well. Die Antwort liegt auf der Hand. War auch gar nicht so schwer.

Wir mussten eigentlich nur ein bißchen Lärm machen. Auf Töpfen und Pfannen und Tabletts rumschlagen. Bis die hohen Töne einem selber in den Ohren schmerzten. Und später gab's noch leckere Gurkensuppe, tolles Hummus und entspannt-kollektives Rumhängen.

Initiiert wurde die ganze Aktion vor der Weserstraße 30. In Friedrichshain. Nicht in Neukölln, das ist wichtig. Obwohl die dortige Weserstraße sowas auch mal gebrauchen könnte.
Jeden Freitag soll dort jetzt gegen die ganz konkrete Gefahr der Verdrängung getrommelt werden.
Wer das gut findet, aber denkt: "Oh, Freitagabend, sieben Uhr? Klingt toll, aber da hab ich ja gar keine Zeit. Ich will ja um 20,21,22 Uhr noch zum Konzert/Grillen/Party/Sofa/Swingerclubwhatever", dem/der sei noch gesagt, dass es sich hierbei um eine zeitlich gut begrenzte Aktion handelt.

Jeden Freitag wird nadelstichartig von 19 bis 19.07 Uhr um den Block spaziert und gelärmt. Danach herrscht Stille und du kannst wieder gehen, wenn du willst. Oder vielleicht doch noch Musik hören, quatschen und mit ein paar wirklich netten Menschen den Freitagabend genießen, bis es dunkel genug für den Clubbesuch ist.

Sieben Minuten, um den Kiez zu retten. War letzten Freitag gut machbar. Und am nächsten sicher wieder.


Mittwoch, 18. Juli 2018

Eis! Eimer! Hühnerherzen!

Heute sah ich auf dem Weg nach Hause ein Eichhörnchen. Vor Jahren sah ich in der Straße, in der ich damals lebte, eine Eiswaffel, die mürbe von einem Stromkasten runterhing. Allerdings so schlapp, dass sie sich im komplett rechten Winkel über den Stromkastenrand bog, ohne zu brechen. Ich war beeindruckt von dieser Flexibilität, die sich nur durch die Ermüdung des Materials zeigte.
Wenn ich einmal alt bin, dachte ich dann, will ich auch so elegant schlapp in der Gegen rumhängen wie diese Eiswaffel.
Das Eichhörnchen hat mit der Eiswaffel übrigens nichts gemeinsam, außer dass ich sie beide lange anglotzte und dabei fast vom Fahrrad gefallen wäre.
Ok, da ist noch eine Gemeinsamkeit: Beide Worte fangen gleich an. Super, das. Was genauso super ist, oder noch viel formidabler, ist das neue Video von Berlin's derzeit greatest Chanson-Band mit Punk-Spirit drin. Ach, ihr wisst, von wem ich rede: ACHT EIMER HÜHNERHERZEN, of course.

"EISENHÜTTENSTADT" war schon ein Traum in beige, und auch "EIS AUF EX", der neueste Video-unterstützte Hit, könnte auch noch in wenigen Monaten den Preis für "Sommerhit 2018" in einer Jahresrückblick-Show bekommen. Wenn das eintritt, ist sicher der Gig im ZDF-Fernsehgarten nicht weit. Kompatibel wäre das sicher und das ist kein miesepetriger Kritikpunkt. Ich hoffe aber, dass es nie dazu kommt. Naja, wenn man es unter dem "Take the money and run"-Aspekt sieht, dann wäre es vielleicht doch überlegenswert.

Aber was mach ich mir da einen Kopf? Ich bin keine Acht Eimer Hühnerherzen (übrigens toll, dass man den Namen nicht wirklich in eine pseudocoole Abkürzung umsetzen kann. 8EHH sieht eher bescheuert aus.), sondern nur ein Mensch, der den Sommer mag und Eis und diesen Song und das Video auch. Damit kann man durchaus mal den Wahnsinn, der gerade auf dieser Welt passiert, für zwei Minuten und zweiunddreißig Sekunden vergessen.
Film ab!

Donnerstag, 31. Mai 2018

Samstag! Platten kaufen in Berlin!

Hmmmm, Yaam, Yaam, lecker! Am Samstag, de. 02.06.2018, steigt im Yaam der wunderbare Freakouternational Vinyl Market. Dort werden sack- und tischweise Platte verkauft, DJs legen auf und engagierte Labels stellen sich vor. Es wird also richtig gemütlich. Auch ich habe mit JOHN STEAM RECORDS einen Stand am Start, sogar inklusive Plattenwaschmaschine. Also kommt vorbei, komplettiert eure JSR-Sammlung und macht für einen kleinen Obulus eure Lieblingsscheiben so hübsch und rein wie am ersten Tag.

Samstag, 12. Mai 2018

Scheiß Nostalgie

Ich habe eigentlich keine Lust, lang vergangene Zeiten aufleben zu lassen. Als mir allerdings neulich eingefallen ist, dass es da ja mal einen Renfield-Account bei Issuu gab. Wo man seine Hefte digital zum anschauen hochladen konnte. Jahre, her, dass ich mich da angemeldet habe. Und Jahre her, dass ich irgendwas gemacht habe. Ok, ich habe damit gar nichts gemacht. Bis jetzt.
Nun gibt es nämlich eine Reihe von bisherigen Renfield-Ausgaben, die dort eingesehen und auch runtergeladen werden können.
Somit gibt es auch die Möglichkeit, recht alte Renfield-Ausgaben, die noch nicht digital publiziert wurden, anzuschauen. Nummer eins ist leider verschollen, aber von No. 2 existiert glücklicherweise noch die Kopiervorlage, die ich vor einiger Zeit mal Seite für Seite eingescannt habe.
Und diese Ausgabe könnt ihr nun HIER bestaunen.

Interviews gabe s damals schon und zwar mit folgenden Bands:

PETROGRAD (Luxemburgs finest Punkband. Und immer noch gut):



UPRIGHT CITIZENS (alte Punklegende aus dem Pott):



VERBRANNTE ERDE (Melancholie-Punk aus... Weimar? Gera? Was auch immer... War gut damals)

Sonntag, 8. April 2018

Fuck you, Turm!

Neulich. Sitze am Eingang meines privaten Partykellers. Kommt da so ein Typ vorbei und fragt, wieviel Leute denn hier rein passen und was es denn kosten würde, wenn er mit seiner Band hier spielen wollen würde. Er präzisiert die Frage und will wissen, was Bands zahlen müssten (!), um in meinem privaten Partykeller spielen zu dürfen. Ich bin einigermaßen verwirrt bis entsetzt ob solcher Fragen.

Im Gegenzug will ich dann was von ihm wissen. Nämlich warum er das alles wissen will. Es ist zwar mein privater Partykeller, aber ab und an bin ich doch etwas paranoid und denke, dass die Leute meinen Keller als einen kommerziellen Musik-Club sehen. Was nicht so ist. Ich sitze halt da rum, höre Musik und trinke Bier. Ohne Geld zu verdienen. Manchmal steht die Tür offen. Also frag ich den Typen, ob er von der Polizei ist. Er so: Nee, ich trink doch Beck's.

Die Konversation war dann schnell am Ende. Ich war maulfaul und der Typ doof und dann ist er abgezischt. Nicht ohne noch zu erzählen, dass er selber in einer Band spielt. Und dass er mal gern in meinem Partykeller spielen wollte, weil er dachte, das wäre ein Club. Wie denn der Name der Band sei, frug ich.

Zuerst habe ich den Namen nicht richtig verstanden. Dann hat er es mir aufgeschrieben. Um dieser Band nicht unnötig Aufmerksamkeit zu verschaffen, (denn wie wir alle wissen, ist heutzutage auch negative Aufmerksamkeit gewollte Aufmerksamkeit) lasse ich den Namen hier weg.
Am nächsten Tag habe ich mir allerdings ein paar Songs angehört und auf Youtube ein paar Videos angeschaut.

Schon beim ersten Clip kommt mir die Kotze hoch.

Denn wenn eine Truppe von Milchbärten zu bräsigen Hard-Rock-Nu-Metal-Schmonz-Riffs über Vergewaltigungsfantasien in Berlin fantasieren, dann würde ich ihnen am liebsten die Instrumente auf die wahrscheinlich nicht besonders gut gefüllten Schädel schlagen. Ich bin selber so ein Weißbrot und habe noch nie eine Vergewaltigung erlebt (zum Glück). Würde es mir aber in Zeiten von #Metoo und einer größer werdenden Sensibilisierung von sexueller Belästigung, einfallen voller Inbrunst Zeilen wie "Mädchen, ich leg mich auf dich heute Nacht, dein Schrei'n ist es, was mir Freude macht" zu gröhlen?

EUER ERNST?

Ich wette, keiner von diesen Typen wurde je vergewaltigt. Ich wünsche es auch keinem von euch glattfrisierten Laffen. Und wenn es so wäre, dann würde er seine Erfahrungen bestimmt in andere Zeilen packen, als in so einen beschissen glatt gereimten, unreflektierten Refrain. Denn das hier sind Zeilen, die jeder Besoffene bei den Konzerten jener Band einfach mitgröhlt, ohne darüber nachzudenken, worum es da geht. Und womöglich die ganze Idee auch noch total geil findet.

Warum schreibt eine Band einen Song über die fiktive Vergewaltigung einer Frau? Schockeffekt? Sex & Violence? Aber nicht consensual? Stellt ihr euch sowas wirklich vor? Dann schaut euch doch ein paar Rape-Fantasy-Videos auf Pornhub an und holt euch in eurem Jugendzimmer einen runter. Aber geht damit nicht auf eine Bühne, blökt so eine Scheiße irgendwelchen gutgläubigen Leuten in die Köpfe und kreiert zusätzlich mit abschließenden Zeilen wie "Mädchen, gib gut acht, es ist Berlin und es ist Nacht." noch so eine beschissene Oh-oh-oh-Berlin-ist-so-böse-Atmo.
Sollte dieser Song ein irgendwie kritischer Beitrag zum Thema Vergewaltigung sein, wäre es konstruktiver gewesen, ihr hättet die Fresse gehalten. Jede Äußerung in künstlerischer oder anderer Form zu dem Thema sollte man denen überlassen, die es betrifft: den Opfern. Und nicht irgendeine Scheiße zusammenfantasieren, weil das ein tolles Thema für einen Rocksong sein könnte.

Wie gesagt: An diesem Punkt hätte ich kotzen können. Dachte aber, ich schau mir noch ein paar andere Videos an. Es wird nicht besser. Blöder Deutschrock, zwar nicht offen rechts oder grauzonig, aber einfach bescheuert, schlecht, von sich selber viel zu überzeugt und langweilig. Jedes weitere beschreibende Wort wäre zuviel. Aber klar ist: Diese Typen werden nie Platz in meinem privaten Partykeller finden. Und hoffentlich keine Bühne in irgendeinem Laden dieser Stadt.

Freitag, 6. April 2018

SubCult 06.04.2018

von 19 bis 20 Uhr mit Timbob Kegler auf Pi-Radio 88,4.

1. Gary Flanell feat. Felix Navidad – Operator (Jim Croce Cover)

2. Reverend Beat.Man & New Wave Blues Trash – But I love you

3. Reverend Beat.Man & New Wave Blues Trash – Today is a beautiful day


4. Trixie & The Trainwrecks – Yodelin' Bayonne Blues


5. Power Solo – Fifteen Minutes


6. Pleasure Venom – Seize


7. LiebeFrauGesangsverein – Es tut mir leid


8. Pisse – Nacht im Ghetto (Razzia-Cover)


9. Pisse – Beerdigung

10. Bloodplums – Dirty Cop
11. The Txlips – Lost ones

12. Galvin Stxne – Revolution
13. Delta 5 – Mind you own business