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Donnerstag, 29. Oktober 2026
Im Zentrum des Scheiterhaufens
CENTER OF PYRE
„Zehn Minuten", sagt Gary. „Stell dir am besten die Uhr. Und wenn der Alarm bimmelt…" Zeit. Raum. Was soll das eigentlich alles? Alles nur Verwischungen und Unschärfen, Als ob-Dimensionen und unruhige Träume. Bissl Schweiß, bissl Gänsehaut, knackende Gelenke und krumme Finger, der Rücken, der Rücken, der Rücken. Und die schlurfenden Schritte und das Flattern der staubigen Flügel.
Mauls Einfall kurz nach dem nachmittäglichen Aufwachen gefällt mir immer besser. Eine übergroße Drohne als Bühne, die über allem schwebt und zittert und strauchelt, sich dreht und die Töne und den Gesang wie einen seltsamen, mal kalten, dann plötzlich wieder warmen Wind in die Welt schickt. Welt aus, nun, Welt aus Jetzt und Hier, aus Zeug, Kram und Figuren, die man zugleich mag und hasst.
Vertraut und fremd im selben schmerzhaften Blinzeln, schön stumpf, gedanken- und aktionsparend und wiederkehrend, immer gleich, langweilig, nervend und hässlich.Das eine jeweils ein wenig mehr als das andere. Darüber dann eben das monströse Frisbee-Dings, wie aus einem Jack Arnold Film! Mit dieser ungeheuerlichen Band drauf, die über die unwirkliche Unwirklichkeit Gitarrenbreitseiten, Synthesizer, Echogesänge, Choralartiges und Gegrunze aus der Gruft dröhnt, mit Ha ohne Ha, haha, har, Haar.
Schnitt.
Eine Art Diskothek, irgendwo in etwas, das so lala als Stadt durchgeht. Vielleicht fünfhundert, vielleicht auch tausend Besucher, oder Bewohner?, alles recht düster, denn das Licht, das mag da niemand nicht, keine Halle-le-le-le-le, oder vielleicht doch?, in Bewegung, hordig, Schritt nach vorne, Schritt zurück, tanz die alten Tanzschulschritte, die nach den Kursen, wenn der DJ durfte und die Nichtaufgeforderten not-durften, Schweiß in der Luft, leider auch Patchouli, Bier, Leibesatmen. Und im Gefunzel auf der Bühne wird geschrien, gesungen, sich umhalst, die Seele Richtung Ausgangstür oder direkt in die Stratosphäre geschickt. Es hallt, es scheuert, es ist so wunderschön, dass man sich wieder fühlt wie auf den Parties, auf die Lumpi gegangen ist und auf denen Riff Raff und Magenta gevögelt haben.
Andere Filme. Sieht das nur so aus, oder hebt das Ganze jetzt ab und fliegt taumelnd weg?
Wie es so mitten in einem lodernden Scheiterhaufen ist, können nur die erzählen, die da mal waren. Also, realiter, Jean D’Arc z. B. und weiß das dumme Buch der Geschichte, wie viele, viele, viele andere ohne Namen, Gesicht und Story noch.
Wahrscheinlich ist's da recht scheiße und final heiß und schmerzhaft und eklig und beängstigend und fürchterlich alleine und schließlich zornig und rasend machend. Und dann irgendwann quäkend harmonisch, gleißend wie ein Sonnenaufgang und unendlich. Mutmaßungen, man mag nachfragen, wenns gerade auskommt. Oder eben Center of the Pyre hören.
PHILIPP NUSSBAUM
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