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Dienstag, 21. Juni 2016

Lygo, Trügo, Heiterkeit (Ach, die Musik)


Sommeranfang. Jetzt, heute und nächstes Jahr wohl auch wieder um die gleiche Zeit. Ich hasse es. Der Gedanke, dass jeder Tag in diesem Jahr bis kurz vor Weihnachten (Weihnachten! Nur noch sechs Monate, verdammt!) kürzer sein wird als der vorhergehende hat mir bisher immer ganz schön die Laune verhagelt.
Dieses nun mal nicht zu verhindernde Ereignis, das jedes Jahr so sicher eintritt wie irgendwann der eigene Tod, war schon schnell mal ein Grund, inaktiv zu werden.
Nach dem Motto: Ach, das Jahr... jetzt ist es eh bald um. Wird eh bald wieder dunkel. Bald schon wieder Herbst. Dann Winter. Maikäfer gibt`s auch schon nicht mehr, ist ja schon Mitte Juni. Ach ach ach. Lohnt gar nicht mehr, jetzt noch was neues anzufangen. Noch n Kaffee und dann wieder ins Bett und endlos your personal Lieblingsserie HowImetTheTheBigBreakingbadWalkingDesperateMisfitsThroneoftheSimpsons gucken. Vielleicht noch eine Rolle Klopapier zum Eigenverbrauch häkeln, mitten im August. Aber sonst - schon alles passé und längst Zeit, die heimische Sasse winterfest zu machen.
Aber gut, ich bin lernfähig, selbst im hohen Alter von über 40. Denn die Erfahrung ist mein Dozent, und da höre ich doch immer aufmerksam zu, was es da neues gibt. Zum Beispiel wurde mir erst kürzlich die Tatsache bewusst, dass nach der Phase der kürzer werdenden Tage... DIE TAGE AUCH WIEDER LÄNGER WERDEN! Auch das jedes Jahr dasselbe, es ist und bleibt ein Wahnsinn! Da lohnt es sich ja gar nicht trübselig werden ob der dräuenden Finsternis, die über uns in den nächsten Monaten hereinbrechen zu droht. Denn heller wird es dann ja auch wieder. Dann wieder dunkler, dann wieder heller und so fort. Yeah. Ich glaube, ich habe jetzt verstanden, wie das so geht mit dem Jahresablauf.

Was ich noch nicht so ganz verstanden habe, ist die Tatsache, warum ich mich manchmal davor drücke, Rezensionen über bestimmte Platten zu schreiben. Die Mini-LP "Misere" von LYGO ist so ein Ding. Ich finde nichts zu meckern, das ist schon mal ein Punkt, warum das so lange gedauert hat. Es ist eine hübsche 6-Song-EP geworden. Das Cover schlicht und edel in dunkler Pappe gehalten, rein äußerlich könnte man es fast für eine Doom-Metalplatte halten.
Als visuell veranlagter Mensch haben sie mich damit schon fast auf ihrer Seite. Und die Musik? Die ist ja das wichtigste, bei einer Schallplatte oder?

Dann also mal aufgelegt, das gute rote Stück Vinyl. Und sofort werde ich genatzt. Ja, es ist eine 12inch, die spiele ich nun mal gewohnheitsmäßig auf 33 Umdrehungen ab.. Hört sich aber einfach nur scheiße und nicht mal lustig an, also schnell den Hebel auf 45 U/Min gestellt. Dann geht's besser.



Punkrock, deutsche Texte, beides sehr wütend und voller Energie, nicht zu platt, schön kämpferisch und mit einer gewissen Melancholie versehen. Sturm und Drang-Punk, gibt's sowas? Ich nenne das jetzt mal so. Sehr gut hätten LYGO schon auf ein Projekt wie dem TURNITDOWN-Sampler gepasst. Der ist allerdings schon 2004 raus gekommen. Zeigt also, dass dieser Sound so frisch nun auch nicht mehr ist.

Textlich gibt man sich etwas persönlich bis kryptisch, wie man das von diversen Bands kennt, die sich intensiv mit dem Werk Jens Rachuts, TURBOSTAAT, PASCOW, DUESENJAEGER und so weiter befasst haben. In diese Ecke deines Plattenregals passen LYGO ganz gut, sie kennen die dazugehörigen Riffs, und wissen auch wie man die Songs strukturiert. Kleines Beispiel gefällig? Erster Song, erste Seite, "Da sind Fragen" heißt der. Fängt quasi a capella an, also einer schreit sehr wütend, fast fanalmäßig seine Wut und Verzweiflung in die Welt raus. Guter Aufhänger, um ne Platte zu starten, aber auch ziemlich offensichtlich bei TURBOSTAAT abgeguckt.

Tja, und da wären wir also. Sechs Songs von diesem melancholisch eingefärbten Wutpunkrock. Läuft zwar wunderbar in einem Rutsch durch, gibt es leider schon sehr oft und ein echtes Alleinstellungsmerkmal finde ich bei LYGO leider nicht. Vielleicht mal zwischendurch mal das Tempo rausnehmen? Dynamik rein? Spannung aufbauen? Was mit einer Djembe machen? Oder soll das so sein, damit auch der etwas intelligentere, wenn auch soundkonservative Punkrocker nun mal weiß, was er unter dem Namen LYGO kriegt und es deshalb auch umso lieber frißt, als mal ein Experiment zu wagen? Wärt ihr dann eventuell nicht bei Kidnap Music gelandet, dem Fachlabel für diesen Sound? Aber vielleicht wären Experimente von einer Punkband ja auch einfach zuviel verlangt...
Auf der 26-teiligen Renfield-Plattenbewertungsskala ein gutes, handwerklich soldides G wie Gut gemacht, Lygo-Boys.

Noch was?
Yeah, fünf Songs von fünf Bands, an die ich beim Anhören von LYGOs Misere spontan denken musste.

Turbostaat - Harm Rochel


Disco/Oslo - Teenage Angst


Dackelblut - Mach's nach deinem Leben


Grizou - Flaschenpost


Pascow - Merkeljugend



Montag, 24. Oktober 2011

...but a nice cover


Es gibt eine Menge Platten, von denen man schnell sagen kann: Irgendwie kickt das nicht so richtig. Platten die weder abgrundtief schlecht noch superwahnsinnnig toll sind. Das sind genaugenommen wahrscheinlich 90% aller je erschienenen Platten. 5 Prozent würde man jederzeit gegen die eigene Großfamilie eintauschen und die anderen 5%, nunja, kann man gut als Brechmittel oder zur Lösung einer fiesen Obstipation einsetzen. Die sind so schlecht, dass einem beim Hören die Scheiße durch den Darm rutscht. Für die etwas grobe Ausdrucksweise möchte ich mich sofort entschuldigen, aber fiese Platten brauchen auch drastische Begrifflichkeiten. Und dann gibt es noch Platten wie die "Love Songs & Battle Hymns" eines Trios namens Muffalo. Die sind ungefähr so, wie die Leute im Klassenraum, die inder dritten Reihe von vorn, zweiter Platz von links sitzen und sich selten gemeldet haben. Man könntre sie Hinterbänkler nennen, wenn sie dafür nicht zu weit vorn gesssen hätten. Diese Leute waren immer eher ruhig, trotzdem nett, keine Riesenarschlöcher, aber auch niemand, mit denen man siene erste Zigarette auf dem Klo geteilt hätte. Sie waren einfach da. Und erst in der Distanz duch ihre stinknormale Unauffälligkeit wieder inteerssant. Ähnliche Eindrücke vermitteln Muffalo, die irgednwo aus den USA kommen und sich latent im Kyuuss-Umfled formiert haben. Mein erster Gedanke beim Hören der "Love Hymns and Battlesongs" war: Wieso nimmt man so eine Platte auf? Eine Gitarrenrockplatte mit einem leichten QUOTSA-Touch, aber ohne total in die dumpfe basslastige Sound-Wüste zu kippen. Die Songs sind gut gespielt, aber nie überragend, es findet sich nicht so recht der Aufschrei, der Hit, bei dem man sagen könnte, nur deshalb ist das hier eien Kaufempfehlung wert.
Gut, dachte ich, vielleicht habe ich sie nur noch nicht oft genug gehört. Also dann noch 5mal durchlaufen lassen. Ich muss kapitulieren. Es bleibt nichts hängen. Gitarrenlastige Rockmusik. Schnörkellos, gut gemacht, aber auch etwas graumäusig. Wenn man ein Album veröffentlicht, rechnet man vielleicht damit, dass es zumindest eine kleine Schar gibt, die die Songs hemmungslos abfeiert, selbst das kann ich mir bei Muffalo schwer vorstellen. Das Album läuft durch, als wäre alles mit angezogener Handbremse gespielt worden und die Herren Trautman, Myers und Gunderson
nicht so explodieren wollen, wie es bei einem Rockalbum sein muss, das Aufsehen erregen soll - und seien wir ehrlich - das ist doch das Ziel jeder Gitarrenrockplatte: Aufmerksamkeit erregen, egal ob durch laut oder leise, schnell oder langsam, extrem tricky oder total stumpf - es muss nur zumindest teilweise den Hörer aus seinem dumpfen Aufmerksamkeitsdefizit reissen - oder wie der Fachman sagt: es muss rocken, ansonsten kann man's gleich lassen. Was ziemlich gut mein Problem mit dem Durchschnitts-noch-nicht-mal-luschige-Kiffermucke von Muffalo beschreibt. Es fehlt einfach der Kick und ich frage mich immer noch: Warum so eine Platte rausbringen? Vielleicht brauche ich einfach 10 Jahre Distanz, um das hherauszufinden (Q) (Buttamilk Rec.)