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Samstag, 25. Juni 2016

Lange Nacht, Lesenacht


Ok, man kann sich in den nächsten 48 Stunden in Neukölln rumtreiben, kann mit seiner peer group zum x-ten mal alle derzeitigen Post-Brexit-Szenarien durchkauen und sich bei Nüsschen und Bier die ersten EM-Achtelfinals anschauen.

ABER DAS IST ALLES TOTALER QUATSCH!

Der rational gut aufgestellte und kulturinteressierte Mensch begibt sich heute abend in die Bornholmer Traße 81 in Prenzlauer Berg.
Da lesen nämlich die Alissa (Wyrdguth), der Gary (Flanell) und der Thomas (Manegold) bei der Langen Nacht der Subkultur im sicher angenehm temperierten Literaturcafé des periplaneta-Verlags.
Wie es bei Periplanetas sonst lesenderweise zugeht, zeigt die folgende Kollegenbeobachtung von Alissa Wyrdguth bei der VISION&WAHN-Lesebühne, erschienen in Renfield Nummer 32


VISION UND WAHN (jeden 1. Montag im Monat, im Periplaneta Literaturcafé in der Bornholmer Straße)


Die meinen es ernst und fangen pünktlich an. Sind ja auch Profis, nämlich die führenden Verleger der Subkultur (nicht nur) dieser Stadt. Dafür ist ihr kleines Café mit Tresen und Stuhlreihen auch hübsch voll, und als ich im letzten Moment noch an der Tür kratze, werde ich rasch eingelassen und schlüpfe auf einen letzten Platz am Boden auf meinem Mantel.

Die Periplanetas nutzen ihre Montags-Lesungen, um wechselnd etablierte und neue Autoren vorzustellen. Chef Thomas Manegold gibt den „Conférencier“, Chefin Marion Müller steht am Tresen. Beide sind in der Lesebühnen-Anthologie „Schindluder und Moralapostel“ mit eigenen Texten vertreten. Die musikalische Begleitung kommt heute von Guido Kreutzmüller, und zwar so gut, dass die Lesenden sich etwas anstrengen müssen. Der Eintritt ist frei.
Unter den Periplaneta-Autoren heute ist auch Renfieldisto Gary Flanell, über dessen viele Qualitäten ich hier vornehm schweige.
Da ich noch nicht wusste, dass ich dies schreiben würde, habe ich mir den Namen der Autorin nicht gemerkt, die jene äußerst gruselige Leichenfindungs-Szene darbot (Periplaneta hat auch eine Krimi-Edition). Im Gegensatz zu ihrem, der auch auf der Seite des Verlags nicht zu finden war(?), ließ sich der Name des dritten Lesenden leicht recherchieren: er ist gerade so etwas wie ein Verkaufsstar, heißt Mikis Wesensbitter und stellt sein neues Buch „Wir hatten ja nüscht im Osten... nich mal Spaß“ vor.
In der zweiten Lese-Runde zeigt er sich vielfältig und entwirft ein Extrem-Horror-Skurril-Szenario. Insgesamt haben wir Spaß, obwohl wir uns tief im Prenzlauer Berg befinden, die Lesenden bekommen eine charmante Moderation, die Zuhörer eine Pause zum Bierholen, und dass wir uns auf dem Heimweg verlaufen haben, ja nun, daran sind wir selber schuld.

periplaneta.com

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