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Donnerstag, 19. Februar 2026

Schön, wenn das Trotzdem Weiter macht, Pt. XXVI


MARIA BC - Marathon

"Zehn Minuten", sagt Gary. "Stell dir am besten die Uhr. Und wenn der Alarm bimmelt..." Darf man das Schicksal herausfordern, also, es wieder und wieder und wieder tun?
Irgendwann geht's schief, alles ist vorbei, und am Ende heult einer.

Andererseits: Heißt es nicht, aller guten Dinge seien drei? Unbesorgt voran also! Moment. Ist's überhaupt die mystische Drei? Hm, Gedächtnis und Nachweis weg, oh nein. Ohne Sorge ist wohl unmöglich.
Einfach weiter machen. Weiter. Machen.

Wie bei einem Marathon zum Beispiel. Gleichzeitig so sinnlos und albern als sogenannter „Sport“, an und für sich selbstverständlich allein in dieser Hinsicht wenigstens zweifelhaft, wenn nicht bereits disqualifiziert, wie auch transzendierend und in andere Sphären führend als blubbernde Mischung aus Zerstörung, Schmerz und dem schließlichen Hinfallen und Verschwundensein. Nicht gegen eine antike Strecke, sondern am Ende gegen alle Umstände, die ganze Welt, sich selbst.
Das Weiter- und das Dagegen- und das Trotzdem-Machen.

Nicht so das Einfachste, der Tage die Musik eines Amerikaners zu erkennen, denn parallel ballert per Sperrfeuer die menschenverachtende Kirmeskulisse aus Bildern und Wörtern eines immer schneller in den Wahnsinn strudelnden alten, ekligen, bösen Mannes und seiner geilen, geifernd und verschwitzt dazu tanzenden Entourage von Opportunisten, Hetzern und Faschisten, laut, billig, fies, mörderisch.

Kaum mehr etwas anderes zu hören und überhaupt nichts zu verstehen. Es aber also ganz bleiben lassen, sich die Ohren zuhalten und sich von allem abwenden, was über den erfreulich großen Teich kommt? Größtmögliche Vermeidung nicht nur von Pepsi, Google, amazon und Tesla, sondern auch von aller Kultur? Hoffen, dass dann alles irgendwie zu einer Art Schwarzes Loch wird und mit einem Knall schließlich in sich selbst zusammenstürzt? Hm.


Weiter- und Dagegen- und Trotzdem-Machen besser. Und aufpassen, natürlich.
Maria BC geht nicht mit Krawall gegen den Alptraum an. Mit schneidender Zärtlichkeit, schmerzhaft dringlich, klar, reduziert und mächtig singt und musiziert sie mit Gitarre und ein bisschen Elektrokrams inmitten des Irrsinns und stört ihn vielleicht.

Sorgen nimmt das nicht und tröstet kaum, doch es ist unüberhörbar und gibt so eine gewisse Hoffnung, u. a. nämlich die, dass im Hier und Jetzt und an viel zu vielen Orten und zu viel zu vielen Gelegenheiten zwar eine Unmenge verblödeter fetter Rednecks mit Knarre, geschniegelter Nazis oder degenerierter Päderasten sind, trotz derer es aber auch noch die Guten gibt.

Zehn Minuten, gefüllt mit Musik, wirren Gedanken, Wut, dem Gefühl von Ohnmacht, gelenkknackendem Schulterzucken, Seufzen.

Ich höre mir Marathon jetzt nochmal ohne Herrn Trump an.

Philip Nussbaum

Das Album „Marathon“ von MARIA BC erscheint am 27. Februar 2026 auf Sacred Bones Records.

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