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Sonntag, 8. April 2018

Fuck you, Turm!

Neulich. Sitze am Eingang meines privaten Partykellers. Kommt da so ein Typ vorbei und fragt, wieviel Leute denn hier rein passen und was es denn kosten würde, wenn er mit seiner Band hier spielen wollen würde. Er präzisiert die Frage und will wissen, was Bands zahlen müssten (!), um in meinem privaten Partykeller spielen zu dürfen. Ich bin einigermaßen verwirrt bis entsetzt ob solcher Fragen.

Im Gegenzug will ich dann was von ihm wissen. Nämlich warum er das alles wissen will. Es ist zwar mein privater Partykeller, aber ab und an bin ich doch etwas paranoid und denke, dass die Leute meinen Keller als einen kommerziellen Musik-Club sehen. Was nicht so ist. Ich sitze halt da rum, höre Musik und trinke Bier. Ohne Geld zu verdienen. Manchmal steht die Tür offen. Also frag ich den Typen, ob er von der Polizei ist. Er so: Nee, ich trink doch Beck's.

Die Konversation war dann schnell am Ende. Ich war maulfaul und der Typ doof und dann ist er abgezischt. Nicht ohne noch zu erzählen, dass er selber in einer Band spielt. Und dass er mal gern in meinem Partykeller spielen wollte, weil er dachte, das wäre ein Club. Wie denn der Name der Band sei, frug ich.

Zuerst habe ich den Namen nicht richtig verstanden. Dann hat er es mir aufgeschrieben. Um dieser Band nicht unnötig Aufmerksamkeit zu verschaffen, (denn wie wir alle wissen, ist heutzutage auch negative Aufmerksamkeit gewollte Aufmerksamkeit) lasse ich den Namen hier weg.
Am nächsten Tag habe ich mir allerdings ein paar Songs angehört und auf Youtube ein paar Videos angeschaut.

Schon beim ersten Clip kommt mir die Kotze hoch.

Denn wenn eine Truppe von Milchbärten zu bräsigen Hard-Rock-Nu-Metal-Schmonz-Riffs über Vergewaltigungsfantasien in Berlin fantasieren, dann würde ich ihnen am liebsten die Instrumente auf die wahrscheinlich nicht besonders gut gefüllten Schädel schlagen. Ich bin selber so ein Weißbrot und habe noch nie eine Vergewaltigung erlebt (zum Glück). Würde es mir aber in Zeiten von #Metoo und einer größer werdenden Sensibilisierung von sexueller Belästigung, einfallen voller Inbrunst Zeilen wie "Mädchen, ich leg mich auf dich heute Nacht, dein Schrei'n ist es, was mir Freude macht" zu gröhlen?

EUER ERNST?

Ich wette, keiner von diesen Typen wurde je vergewaltigt. Ich wünsche es auch keinem von euch glattfrisierten Laffen. Und wenn es so wäre, dann würde er seine Erfahrungen bestimmt in andere Zeilen packen, als in so einen beschissen glatt gereimten, unreflektierten Refrain. Denn das hier sind Zeilen, die jeder Besoffene bei den Konzerten jener Band einfach mitgröhlt, ohne darüber nachzudenken, worum es da geht. Und womöglich die ganze Idee auch noch total geil findet.

Warum schreibt eine Band einen Song über die fiktive Vergewaltigung einer Frau? Schockeffekt? Sex & Violence? Aber nicht consensual? Stellt ihr euch sowas wirklich vor? Dann schaut euch doch ein paar Rape-Fantasy-Videos auf Pornhub an und holt euch in eurem Jugendzimmer einen runter. Aber geht damit nicht auf eine Bühne, blökt so eine Scheiße irgendwelchen gutgläubigen Leuten in die Köpfe und kreiert zusätzlich mit abschließenden Zeilen wie "Mädchen, gib gut acht, es ist Berlin und es ist Nacht." noch so eine beschissene Oh-oh-oh-Berlin-ist-so-böse-Atmo.
Sollte dieser Song ein irgendwie kritischer Beitrag zum Thema Vergewaltigung sein, wäre es konstruktiver gewesen, ihr hättet die Fresse gehalten. Jede Äußerung in künstlerischer oder anderer Form zu dem Thema sollte man denen überlassen, die es betrifft: den Opfern. Und nicht irgendeine Scheiße zusammenfantasieren, weil das ein tolles Thema für einen Rocksong sein könnte.

Wie gesagt: An diesem Punkt hätte ich kotzen können. Dachte aber, ich schau mir noch ein paar andere Videos an. Es wird nicht besser. Blöder Deutschrock, zwar nicht offen rechts oder grauzonig, aber einfach bescheuert, schlecht, von sich selber viel zu überzeugt und langweilig. Jedes weitere beschreibende Wort wäre zuviel. Aber klar ist: Diese Typen werden nie Platz in meinem privaten Partykeller finden. Und hoffentlich keine Bühne in irgendeinem Laden dieser Stadt.

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