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Samstag, 25. April 2009

Renfield No. 15 Reviews (Part 2)


Absolutions – Paska CD
Tja Jungs, großartiges Demo, aber ihr macht zwei entscheidende Fehler. Fehler eins: Ihr seid zu ehrlich. Ihr bietet das Ding unter eurem eigenen Namen an, als  holländische Crustband anno 2006? Wieso verkauft ihr dieses hübsche Teil nicht als obskures Demo-Bootleg von einer dieser großartigen japanischen 80erHardcorebands wie Outo, SIC oder Gauze? JEDER, der das hört und drauf steht, würde das vom Fleck weg glauben, wäre hin und weg und würde teure Sammlerpreise bei ebay für euch zahlen und ihr wärt richtig reich. Und wenn ihr richtig reich seid, könnt ihr auch Fehler 2 umgehen. Zweiter Fehler (nicht ganz so schlimm): Das Ding ist zu kurz. 11 Songs, 10 Minuten, die Länge der Tracks ist ja ok, mehr wäre echt über, aber ich hasse es, alle 10 Minuten dieselben Nummern zu hören. Macht doch mal mehr, ich brauch das!! (Kam als Beilage vom Impact Drill-Zine)

A hundred times beloved - EP

Eine graue Wolke schwebt über einer Dachantenne hinweg. Keine Farben – nur Ruhe und Gemächlichkeit vermittelt das Artwork dieser EP. Und genauso grau, trist und wenig abwechslungsreich wie das Artwork, ist das, was das Ohr vernimmt, sobald man sich dem eigentlichen Produkt annimmt. Sphärische Synthesizer-Begleitung, zurückhaltende Gitarrenakkorde und träger Gesanggeben bei 4 Tracks 17 Minuten Auszeit – mehr aber auch nicht. Das Release-Info wirbt mit Vergleichen zu Mogwai, Slowdive oder gar Sigúr Ros. Von Vergleichsmomenten ist die Rede und... nun ja, Momente sind gut und ein Stückweit wahr, aber auch leicht hoch gepokert, denn dieser Moment, der sich in Stücken von Sigúr Ros einige Sekunden Zeit lässt, zieht sich bei a hundred times beloved durch die komplette Laufzeit jedes einzelnen Tracks. Dennoch hat diese EP auch ihre positiven Aspekte – eine kurze Einschlafphase ist garantiert und vielleicht auch beabsichtigt.  r’n’rico

Go-Kart-Paper #1
Das EMP-Syndrom würd ich sagen, wenn’s böse gemeint wäre. ist es aber nicht. Die Herren von Go-KartRecords machen jetzt auch ihr eigens kleines Heft, daß sich schnell als getarnter Mailorder-Katalog entpuppt. Das Go-Kart-papaer kostet (im Gegensatz zum Slam von EMP) nix, ist gerade mal 22 Seiten stark und neben der Eigenwerbung gibt’s noch Interviews mit labeleigenen Bands wie RIFU, The Shocker, den Cougars und The Very Job Agency (schönen Gruß von den Sceptic Jazzern übrigens). Dazu ein paar Kolumnen und Gedichte. Ach ja, und ganz unauffällig seitenweise Angebote aus dem Go-Kart-Sortiment. (liegt in jedem Konzerthaus o. Plattenladen zum Abgreifen rum)

Mutter – Das ganze Spektrum des Nichts
Nichts – lateinisch nihil. oder so. woher soll ich das wissen, ich hatte nie Latein, aber so grob weiß ich, was ein Nihilist ist. Einer, der Mutter richtig gut finden könnte. Was schreibt man sonst noch über Mutter? Vielleicht ein paar Adjektive, die mir dazu durch den Kopf gehen – schleppend, verstörend, monoton, zäh. Bin leider nicht so bewandert in der Geschichte dieser „Kultband“ aber der Name taucht immer irgendwo wieder auf. recht? Na irgendwie schon, hat jedenfalls eine recht hohe Bring-mich-soweit-von-den-charts-weg-wie-möglich-Garantie. Deutsche Texte (strahlen nicht gerade vor Fröhlichkeit - zum Glück), zähe sperrige Gitarren, Keyboardgeaber, damit kann sich schon mal man schon mal zum Berliner Underground zählen – zumindest in den letzten 26 Jahren. Vielleicht schlagen alle Westberliner Szenehasen die Hände über dem Haarlosen Kopf zusammen, aber ich lehne mich noch weit aus dem Fenster meiner Prenzl-Berger Altbau-WG und sage: Was dem New Yorker seine Sonic Youth, das ist dem Berliner seine Mutter. (www.staatsakt.de)

Voxer No. 04 
Viele Bilder, wenig englischer Text, das sieht ziemlich kunstmäßig aus, aber nicht künstlich. Nee, denn das Voxer ist eigentlich ein ganz sympathisches Heft, auch wenn es nicht mehr so ganz in den Fanzinerahmen passt. Wenig Musik (Gang of four – ist ja gerade angesagt, Robert Moog, Twisted Charm, Modeselektor) und dafür einige Künstler aus dem Graffiti/PopArt-Bereich wie z.B. Benjamin Marra, Skwak, Honet. Da die sich ja meist über ihr Schaffen definieren, braucht es halt eine etwas großzügigere Heftgestaltung für all die hübschen Fotos. Sieht aber trotzdem nicht zu leer aus und damit dieses angenehm schicke (und wahrscheinlich endlos hippe) Heft nicht pleite geht, gönnt man sich zwischendurch noch ein bisschen Werbung von angesagten Klamotten- bzw. Plattenlabels. Trotzdem irgendwie töfte, as i would like to say. (Voxer, Avenue du roi, 49, 1060 Brussels, Belgium, www.voxer.org)

Overpowering/ Looking for an answer – Split 7inch
Auch in Spanien wird gern mal gegrunzt, und so haben es hier zwei Bands zu einer knatschgelben Splitsingle bei unseren Krachlieblingen von P.I.U. geschafft. Overpowering klingen dabei wie eine Grindversion von Ministry, das Schlagzeug klingt verdächtig nach Drumcomputer, so dass da irgendwie so ein gewisser elektronischer Touch mitschwingt. Die Songs sind jedenfalls großartig chaotisch und frickelig. Looking for an answer sind da im direkten Vergleich, tja, fast schon eine traditionelle Grindband, zwei Schreihälse, einer hoch, einer tief, dazu der fette erdige Sound, dafür haben sie aber auch etwas schlichter gehäkelte Songs als Overpowering. Gegurgelt wird bei beiden Fraktionen auf Spanisch, was den Flow beim Gesang aber keineswegs schmälert. Vamos Companeros! (Power it up-rec.)

Looking for an answer/ Comrades – Split 7 inch
Je mehr Grind ich mir so anhöre, desto mehr fällt mir auf, dass das nicht nur unkoordiniertes Rumgeballer ist, sondern die Unterschiede im Detail liegen, genau wie der Teufel. Vielleicht sind Grind/Thrash/DeathFans einfach die besseren Zuhörer, das sollten sich manch einsame Frau mal überlegen, ob sie sich nicht doch einen verständnisvollen Crustie angeln will. Aber wenn mir die Unterschiede nicht mehr auffallen würden, wär ich wahrscheinlich im gleichen Stadium wie meine Eltern, für die jede Punkrockscheibe immer der gleiche Krach ist. Auf dieser Splitsingle finden sich noch mal 6 Songs von Looking for an answer, wobei die mich jetzt beim mehrmaligen Hören immer mehr positiv an Unholy Grave erinnern. Liegt vielleicht an den beiden Grunzern. Die andere Seite der Medaille wird von den Comrades besetzt, die dem Hörer drei, irgendwie recht unspektakuläre Crustcoresongs vor den Knopf knallen, da hilft das Rorschach-Cover „My mind in a vice“ auch nix. LFAA kommen im Vergleich hier besser weg, klingt einfach engagierter, was die machen. (Power it up-Rec.)

The Cheeks – Disappointed – CD-Single
War ne Beilage zum Moloko Plus. Komisch, ich hatte die Cheeks irgendwie als ramonesmäßige Punkband auf dem Schirm, aber vielleicht verwechsle ich die auch. Diese Cheeks jedenfalls machen netten Gitarrenbeatpop, der ein bisschen wie aus den 60ern klingt. „Disappointed“ gefällt mir von den beiden Songs besser, auch wenn es 2-3-mal Hören gebraucht hat, bis er sich ganz festgesetzt hat, aber dann bin ich ihn nicht mehr losgeworden. Somit hat diese Promobeilage (inkl. Multimediavideoclip) ihre Mission ganz erfüllt, denn jetzt hätte ich doch schon Bock auf mehr von denen. (www.wolverine-records.de)

The Sainte Catherines – Dancing for decadence
Wird das gerade Mode bei diversen amerikanischen/französischen Bands, mindestens einen Song mit deutschem Titel zu versehen? The Sainte Catherines haben das gute alte „Hau weg die Scheiße“ mit auf die Platte genommen, das hat ihnen bestimmt kein Deutschlehrer auf dem Lycee in Montreal reingepaukt. Vielleicht haben sie’s beim Schüleraustausch in Essen am Baldeneysee von ein paar Punkern aufgeschnappt. Auf alle Fälle sympathisch, nicht nur dieser deutsche Songtitel, sondern auch der Rest der CD, der wie eine melodischere Leatherfaceversion daherkommt. Wird ja auch mal Zeit, Leatherface sind eh schon alte Schluffen, da kommen diese Herren aus Kanada gerade recht. Wer allerdings eine Punkplatte mit großen Überraschungen haben will, sollte woanders suchen. Bester Song: „Hau weg die Scheiße“, bester Text: „Emo-Ti-Cons: Punkrock Experts“ (auf Fat Wreck) 

Dirty Faces Vol 1 1/2 The Eps 2005  
Schon eine ganze Weile her das ich mir „die“ angehört habe. 
Ich hatte auch überhaupt keine Lust dazu. Überhaupt finde Ich das Zeitalter der „Reviews“ ist vorbei. Naziboldt Rezitan ist zurückgekehrt in den großen 
Vinylschlund. Was bleibt sind Tonnen von CD-Schrott. Und bald noch mehr Tonnen von Festplatten. Das hier der freundliche Laden Dirty Faces aus Bochum, die freundlichen Experten aus dem Hause „Kassierer“, also 
Die Ihrer Meinung nach wichtigen 7“ der Kapellen Creeks, Kamikatze und den Revolvers zusammen auf diese hässliche CD (hässlicher als das Leben obwohl die Kamikatzen ganz und gar nicht hässlich sind) packen und mich dabei zurückdenken lassen an den alten Ubu-Buchladen, überhaupt Bochum, die gute alte Zeit in Bochum Gerthe, das könnt ihr auch nicht wissen, ich weiss es doch auch nicht, und diese CD tut auch nix zur Sache. Als Vinyl für Fans wahrscheinlich essentiell, als CD ein ödes Tool für Deinen CD-Wixer hinten drin in Deinem alten Granada der mehr Öl schluckt als du dir jemals wieder leisten wirst. (auf Dirty faces Rec.)
Calvin Currywurst 

Stockyard Stoics – Catastrophe 
Oimocore! Strassenschlacht! Die ganze Ficke! Ich höre mir gar keinen Oi mehr an, Tim. Das hier macht unbedingt Sinn, wenn man Bock hat auf: Hosenträger, Fred Perry-Hemden, die 80er Jahre, Schlagstock und Zeug, Fussball, Polizeirazzia, Kneipe, Nikotin, Teer, Asphalt, Stolz, Vorurteile und letztlich aber Credibilität bis zum abwinken hat. Man kann denen hier gar nichts vorwerfen weil man Auch sonst was auf die Fresse bekommt. 
Ich fand Oi immer eine starke Musik. Viel stärker als Punkrock.. 
Weil diese nicht abgestreifte proletarische Haltung drinnen einfach dermaßen Test-Testoron und Adrenalin im Affenkäfig sind das einem die Birne platzt. Und diese homophobe „wir stecken uns bei 2 Promille“ aber gegenseitig Die Zunge in den Rachen - die Eier schön fest in der engen Jeansbuchse. Schon geil! Kann ich heute aber alles nur noch bedingt nachvollziehen, schaffe es ja nicht mal mehr ins Fußballstadion zu gehen! Let it go! (MSM/Broken Silence) Christoph Stachinger 

Kapitain Sun Blood, Rock´n Roll & Black Angels 
Metal? Ich mag Metal fast gar nicht. Lediglich Saint Vitus Und Venom schafften es durch die großen V´s In Schlangenlinien bei mir so etwas wie echte Geilheit auszulösen. Geilheit auf schwarze Miederwäsche, weisse Schminke, Leder, Striemen, Dunkelheit, Kerzenwachs gepaart Mit einer hybriden „White Men got a God Complex“- aggressiven Melancholie. Mit Kapitain Sun verbinde ich das aber alles gar nicht. Mit Nichten! Schlechte mystisch verklärte Texte mit einfach nur solidem Handwerk ohne einen echten Hang zum Wahnsinn, zur Selbstzerstörung oder Mordgelüsten. Visionen haben die auch keine. Kein Hexenhandwerk. Keine Magiker. 
Wer weiß, vielleicht sind die Jungs auch echt und haben ordentlich einen an der Klatsche. Die Wände streich ich mir wegen denen aber nicht noch mal schwarz, Und in den nebeligen Duncker Gehe ich wegen Kapitain Sun auch nicht. . Außerdem klingt „Kapitain Sun“ eher nach einer Limonade. Das ist kein Name für eine Katze, Fremde. Hexen, Feen und Vampire finde ich aber nach wie vor im höchsten Maße erotisch. Den Spaß lass ich mir auch nicht verderben. Amir Penelope Zacharias Hustensaft (Metal Breed Records) 

Riot Brigade – Here’s our answer
Noch klischeehafter ging’s beim Namen nicht, oder?! Na ja, es kam nicht so schlimm, wie ich erwartet habe. Erwartet habe ich nämlich eine schlechte CockSparrer-Kopie und irgendwas, dass sich als hymnenhaften Oi!-Punk bezeichnet, also schnarchlangsamen Glatzenpunk. Aber die Riot Brigade kommt trotz Sid-Vicious-Outfit mehr wie ein Hardcoreband rüber, ist überraschend politisch (und überraschend unpoetisch) und textmäßig schon sehr deutlich. Ist jetzt nicht die Revolution im Punk-Tagesgeschäft, aber man geht sehr engagiert ans Werk. Als Vergleiche werden im Infoblättchen Antiflag und Crass erwähnt. Passt so halb: erstere jö, letztere eher nö. Beim letzten Track wird’s sogar überraschenderweise sehr crossovermäßig, da holpert deutscher Sprechgesang über einen Rockriffacker – hätte auch vor 10 Jahren von Such a Surge sein können. (MSN Rec.) 

Alf Garnett #9
100%pure asshole streetpunk rag steht vorne drauf. Was is’ n Rag? Egal. Beim A.G. sind Leute so richtig pissig, oder wollen es sein, wie es sich für Punker gehört. Neben dem ganzen Streetpunkerkolumnendasein inkl. Oi-Band-Verarsche, gibt’s im Alf No.9 einen informativen Themenschwerpunkt Frankreichpunk, obwohl das mit dem Schwerpunkt wollen die Macher vielleicht gar nicht hören, denn das klingt so wie Themenabend auf arte und arte wär ja irgendwie Kunst und wir sind doch Streetpunk und Dosenbiertrinker und sehen aus, wie wir glauben dass Punker 1977 ausgesehen haben und so voll authentisch mit Spirit und so. Die einzigen Bands, die ich auf den über100 Seiten kenne sind Oppressed und Anti-Flag und das sind nicht gerade meine Favoriten. Schön auf alle Fälle der Festuvalbericht aus Pula samt Rauschangriff-Diss. Bin aber auch kein beinharter Streetpunk, sondern eher brilletragender Budenhocker. Deswegen mach ich auch ein Fanzine, das aussieht wie ’ne Schülerzeitung. Für authentische Streetpunker, die ein gutes Heft wollen, gibt’s ja das Alf Garnett. 
(www.alfgarnett.de)

Punk is dad-Zine
Gutes Heft aus...? Regensburg. Sagt mir gar nichts, diese Stadt, außer daß sie in Bayern liegt? Na, egal. das wäre ja schon mal ein guter Grund, ein Fanzine zu machen. Auf geschätzten 60 Seiten wird geklebt, kopiert und geschnipselt und inhaltlich einiges auf die Beine gestellt. z.B. Interviews mit Pascow, La Par Force bzw. Static 84, aber auch lustige gute Anleitungen für die alltäglichen Schwierigkeiten im Leben: z. B. Wie man eine Homepage-selber baut (sollte ich mir mal genauer ansehen, öhm), wie man blöd parkende Autos überwindet (drübersteigen, wie sonst), was man über die Geschichte der Vagabunden in Deutschland wissen sollte (sehr geil), natürlich Kolumnen as fuck. Und so hat man dann ratzfatz ein gut geschnipseltes, abwechslungsreiches Fanzine zur Hand. Hoffen wir, dass es so weitergeht.

The Loved ones – Keep your heart
This is not my Baustelle! Wer allerdings auf sehr melodischen Emo-Punkrock abfährt (und wissen möchte, was die Menschen, die früher bei Kid Dynamite oder The Curse waren, jetzt machen) und auch noch der x-ten Pop-Punkband ohne Ecken und Kanten was abgewinnen kann, darf sich hier gern bedienen. Punkrock fürs Stadion. Macht mich nicht satt. (Fat Wreck)

Propagandhi – Potemkin City Limits
Da schmeckt mir die letzte Propagandhi-Platte um einiges besser. Nicht weil sie viel bekannter sind, sondern weil die einfach bessere Songs haben. Abwechslungsreicher. Da bin ich schon beim ersten Song überrascht, weil der nicht sofort losbollert, sondern fast wie ein entspannter Jam anfängt. Sowas machen die Gandhis dann gern mal öfters. Und schaffen es, damit auch ne gewisse Spannung über den gesamten Lauf der Platte zu halten. Zu lesen gibt’s auch genug, nicht nur Texte, sondern Infos, Linernotes, Kommentare zu den Songs usw. Natürlich wird auch oft genug schnell und melodisch losgebrettert – aber wie gesagt, nicht so 08/15-vorhersehbar. Doch, coole Platte, und wenn dann noch das Artwork von Eric Drooker ist, dann, tja dann weiß ich gar nicht wohin mit all der Euphorie. (auf Fat Wreck) 

Voice of a culture – No.4
Das ist mir jetzt zum zweiten Mal in die Finger gekommen und diese 6- 8 fleißige Leutchen um Herrn Mieschka Mayonnaise schaffen es wieder mal ein sehr informatives buntes Heftchen zusammenzubasteln – das sieht schon sehr professionell aus, wobei man sich halt auch auf Musik (Bad manners Yellow Umbrella, Ohrbooten, Mad Sin, Senor Coconut, Ojos de Brujo u.a.) konzentriert und irgendwie auch auf Berlin. Gibt ja schließlich auch genug an Bands her, diese Stadt. „Persönliche“ Kolumnen gibt’s im VoC eher weniger, dafür nebenbei noch sackweise Reviews – von Platten wie von Zines. Am besten fand ich ja den Südafrika-Punkrockszene-Report mit der Band Half Price – blöd nur, daß ich genau dasselbe auch vor hatte. na ja, Schwamm drüber – dann gibts im Renfield eben bald „Punk in der Arktis“ (VoC c/o Mieschka Mayonäse, Naugarder Str. 2, 10409 Berlin, www.voiceofaculture.de)

Sedlmeir – Hardrockroboter
Stimme aus dem billigen Lautsprecher im Cockpit: „ACHTUNG ACHTUNG!!! Der Ein-Mann-Rock’n’Roll-Darth-Vader aus dem Saarland greift an!! DIES IST KEINE ÜBUNG!! “ Stell dir vor, Trio wären nur einer gewesen und hätten ihre Peter-Maffay-Phase nie ganz überwunden. Und hätten zu dem auch noch diverse F.R.-David-Ähnlichkeitswettbewerbe gewonnen. Wären dann aber noch insgesamt viel cooler, dreckiger und angepisster von der Welt um sich herum gewesen als es Maffay je in seinen Texten hätte sein können. Und wollen ein schmutziges Leben führen – das jedenfalls 15 Songs lang und für 100 Auftritte pro Jahr. So könnte man das zusammenfassen. Ich hoffe nur, Sedlmeir macht nie ein kitschiges Musical über kleine grüne Drachen. Ich will auch ein schmutziges Leben!!! (www.sedlmeir-rock.de) 

NOFX – Wolves on Wolfes clothes
Das war’s mit lustig – „I am not here to entertain you“. Damit gehen NOFX auf klare Konfrontation mit Robbie Williams und verabschieden sich auch vom Spaßpunkimage. Kann man ihnen das glauben? Naja, so halb zumindest. Spätestens seit der letzten Platte, seit der Rock- against-Bush-Aktion und der Punkvoter-Tour, dürfte auch dem letzten nie erwachsenwerdenden Pisspunk klar sein, daß NOFX mehr sind als ewigpubertierende Idioten. Eine 100zentige Kehrtwendung gibt’s auch auf „Wolves…“ nicht, aber ein bisschen vielfältiger sind sie schon geworden – „The marxist brothers“ klingt irgendwie gar nicht nach NOFX, der „Canzon espanol“ und „Getting high on the down low“ oder „One celled creature“ auch nicht. Aber dann gibt’s ja noch so Dinger wie „USA-Holes“ oder“ You will loose faith“, die so NOFX sind, wie man es kennt (und manchmal auch nicht mehr hören kann). Manche Songs sind so kurz, dass man denken könnte, es sind nur Skizzen für die nächste Platte, aber vielleicht soll das so sein. Und? Sind die jetzt erwachsen und ernst geworden? Hmmja, nee, und doch irgendwie. Auf alle Fälle sympathischer als früher. (Fat Wreck)

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