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Sonntag, 13. August 2017

Schön, wenn (junge) Menschen Musik machen Pt. VI

Akne Kid Joe -haste nich gesehn! (7inch)

Gibt so Tage, da passt einfach alles. Und es gibt immer noch Bandnamen, da passt einfach alles. Ich spiele ja mit dem Gedanken, in ferner Zukunft den Leitfaden für die ultimative richtige Namensfindung für Punkbands (möglicher Titel: "Gary Flanells ultimate guide for the right choice of your personal punk bands name". Kurz und knackig halt.) herauszugeben. Da wird dann akribisch und wissenschaftlich die Formel erklärt, wie ein ordentlicher Punkbandname auszusehen hat, damit man die nächsten fünf Jahre im Sommer garantiert auf allen einschlägigen Open-Air-Festivals gebucht wird.



Einen ganz ordentlichen Ansatz haben in dieser Hinsicht AKNE KID JOE aus Nürnberg. Eine schöne Referenz an eine zu recht lange vergessene One-Hit-Wonder-Alternative-Schmockband aus den 90ern sichert schon mal erste Aufmerksamkeit. Der stirnrunzelnde Rezensent fragt sich allerdings direkt im Anschluß, ob dieser originelle Esprit auch auf die Musik transferiert werden kann. In dieser Hinsicht lohnt sich ein Blick auf das Label, das hinter diesem Release steht. Tante Guerilla hat's nämlich gemacht. Die sind ja sowas wie die Marke für deutschsprachigen Punk, der Klischees aus dem Weg gehen will, zuweilen aber doch einen Tacken zu ernst auf sich selbst schaut. Junge Männer mit abstrakten Tattoos und langen Bärten, die ihr Unwohlsein meist kryptisch in die Welt hinausschreien. Wo war da nochmal das Quentchen Dilettantismus, wo der erfrischende Spritzer Selbstironie?



Den haben AKNE KID JOE auf ihren fünf Tracks ihrer zitronengelben Platte ganz charmant dazugemischt. Für Tante Guerilla ein recht ungewöhnliche Veröffentlichung, denn AKJ klingen mit ihrem Billo-Keyboard, das sich da über die Lo-Fi-Gitarren legt, eher wie eine Garage-Punkband mit NDW-Einschlag. Perfektionismus ist hier nicht angesagt, dafür herrscht eine Spontaneität in Wort und Klang, den man bei vielen deutschsprachigen Bands vermisst. Texte, die kurz und knackig sind und sich - wie in "ein morgen ohne Deutschland" - irgendwo zwischen direkt-politisch, Dada und einer gesunden Deutschland-Aversion wiederfinden. So bierbäuchig-asozial wie diversen Deutschpunk-Neanderthalerbands aus der Frühzeit des Genres wird es aber zum Glück nie. Vielmehr zeigt sich hier schon der Einfluß, den PISSE in den letzten Jahren gelegt haben. An diese Urinals aus Hoyerswerda, HEIMATGLÜCK, KFC oder (sehr sehr raue) IDEAL erinnern AKNE KID JOE in ihren besten Momenten. Vielleicht nicht zu 100% in Sound, aber von der Idee, die dahintersteckt.
(F) wie Find ich abgrundtief dufte auf der 26-teiligen Renfield-Rezensions-Skala

Gary Flanell

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