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Samstag, 22. September 2018

SubCult - Klänge jenseits des Hauptstroms 21 09 - 18

Die Playlist

1. Theodor Shitstorm – Rock'n'Roll


2. Britta – Büro, Büro


3. Kalla Brisella – I'm sorry


Kalla Brisella live: 06.=oktober + Trucks @ Internet Explorer, Berlin

4. Praery – Maybe better


5. Notgemeinschaft Peter Pan – Helikoptereltern - Staffel 1


6. The Callas_w_Lee Ranaldo_Γλυκιά Μου Όμορφη


7. Los Daytonas – Mata y Los vuelve


8. Satan's pilgrims – Que Honda


9. Reverend Beat-Man & Sister Izobel Garcia – Pero te amo
10. Reverend Beat-Man & Sister Izobel Garcia – Macorina


11. We are the city – When I dream, I dream of you


12. Shadow party – Reverse the curse


Donnerstag, 13. September 2018

One flew over the cat flap...

...aber drei andere cool cats lesen alles.
Alles, was sie an unterhaltsamen, witzigen und nachdenklichen Texten geschrieben haben.

VIER LESEN heißt der Spaß, aber wie das Leben so spielt, sind wir diesmal nur zu dritt. Kann passieren. Mr. Roth kann man auch einen Abend vorher, am 21.09., bei der LANGEN NACHT DER SUBKULTUREN erleben. Viola Nordsieck und Gary Flanell auch.

Hier mal die Fakten für die beiden Leseveranstatlungen am 21. und 22.09. in Berlin.

21.09.2018 LANGE NACHT DER SUBKULTUREN bei PERIPLANETA ab 20 Uhr

mit: Viola Nordsieck, HC Roth und Sascha Plach. Musikalischer Support: Gary Flanell

Wo? PERIPLANETA LITERATUR CAFÉ, Bornholmer Straße 81a, 10439 Berlin

(Ringbahn/U2 Schönhauser Allee u. 10 Min. Fußweg o. Tram M13, Station Schönfließer Straße)


20.09.2018 VIER LESEN. ab 20 Uhr

mit: Viola Nordsieck, Mascha Tobe und Gary Flanell (diesmal lesend)

Wo? GARAGE PANKOW, Hadlichstr.3, 13187 Berlin

(U2 Pankow)

Dienstag, 28. August 2018

Der Alte Mann, III

Ich esse morgens gern Ei. Gekocht. D.A.M. nicht. Zugegeben es ist eine ambitionierte Aufgabe sich jeden Tag hinzusetzen, und über das Leben des Alten zu schreiben. Denn es passiert nicht mehr viel bei ihm. Nachts wird geschlafen, morgens dann ein neuer Platz zum Schlafen gesucht, Sofa oder Stuhl, geht alles. Wenn ich aufgestanden bin, zieht er nochmal um, in mein Bett. Komme ich nachmittags oder abends wieder, weil ich Dinge getan habe, die zu tun waren, liegt er immer noch im Bett. Man könnte denken, er hat eine Depression.
Aber das herauszufinden ist schwer, den D.A.M. spricht ja kaum. Außer wenn es ums Essen geht und selbst dann gibt es nur kurze Anweisungen. Frage mich, ob bei ihm früher mal mehr los war. Ist er in jungen Jahren mal um die Häuser gezogen? Hatte er aufregende Affären mit Männern und Frauen? War immer klar, welchen Weg er einschlagen wird? Gabe es Zeiten des Zweifels, der Krise, Zeiten, in denen er sich wie der jeder mal klein, traurig und allein gefühlt hat? Hatte er Stress mit seiner Familie? Ich merke, dass ich kaum etwas über seine Familie weiß. habe keine Ahnung von Eltern, von Geschwistern, Partner_Innen.
War er ein scharfer Zahn, der jede Nacht in einem anderen Bett aufwachte? Der die Hühner nicht zufrieden ließ, bis er satt war? Oder war er schon immer so, wie er jetzt ist: Schläfrig, müde, nur aktiv, wenn es um die Nahrunsgaufnahme geht? Nobody knows the trouble he's seen. nobody but him. Er legt kein Zeugnis ab, von nichts. Was er wahrnimmt, ist gleich wieder vergessen. Ein Goldfisch dürfte ein ähnliches Gedächtnis haben wie D.A.M.. Deswegen ist das Umziehen für ihn auch so anstrengend. Er mag das nicht. Ist zuviel Stress, habe ich selber gesehen. Obwohl es diesmal beim Einzug in meine Hütte schon besser ging als beim ersten mal. Da ging er geduckt von Raum zu Raum, sehr ängstlich, weil ihm das alles fremd war. Hatte Angst, dass ihn was anspringen könnte: Ein Handtuch, das zu Boden fällt, eine Gitarre, die unbekannten Lärm macht, ein dröhnender Bass, der gezupft wird. Und all diese Gerüche, die so ganz anders sind.

Auf dem Tisch eine alte Kiwi. Ist faul und leck und hat Schaum vorm Mund. Sie gärt und das ist nicht gut. Die Wespen kommen schon und freuen sich. Da muss ich was machen. Weg damit. D.A.M. ist nicht zu sehen. Wird schon irgendwo ein. Was passiert, wenn er die Wespe fängt? Wird sie ihn stechen? In den Mund? Und wird er es vertragen? Es bleibt unklar, denn bisher hat er noch keine einzige Wespe gefangen. Vielleicht ist es das Alter.

Montag, 27. August 2018

Der Alte Mann, II

Er springt. Vom Boden auf den Schreibtisch. Von dort auf den Stuhl. Habe ein Handtuch auf den Sitz gelegt. Nicht weil D.A.M. inkontinent ist, sondern weil er haart. Immer wenn er am Schreibtisch sitzt und ein Nickerchen hält, verliert er Haare wie blöd. Und dass sind nur die, die ich sehe. Davon ab, passiert nicht viel. John McCain ist tot, aber das interessiert den alten Mann wenig. Auch wenn Donald Trump tot wäre, würde ihn das nicht interessieren.

Habe heute Gitarre gespielt. Im Schlafzimmer. Wollte es nicht direkt neben dem Alten im Wohnzimmer tun. Denke, das ist zu laut oder zu schrill für ihn. Ich habe ein neues Lied komponiert und es einige Male nacheinander durchzuspielen. Um mich zu erinnern und die Ecken und Kanten für mich ein wenig abzuschleifen. Habe dabei wenig an den Alten gedacht. Irgendwann machte ich eine Pause und überlegte, wo er wohl steckt. Befürchtete, er hätte sich vor Schreck über den Lärm unters Bett verzogen. Saß aber im Wohnzimmer und schaute mich durch die offene Tür interessiert an. Seit langem vermute ich. Es schien ihn irgendwie doch zu interessieren.

D.A.M. mag sein Futter trocken. Das Gelee, welches ich ihm immer mitserviere lässt er so lange verdorren, bis es hart ist. dann schmeckt es ihm. Lecker. Es geht aber nichts über seine Cräcker. Oder Cracker. Wie auch immer. Ich will mich nicht mit Kleinigkeiten aufhalten. Andererseits... warum nicht mal aufhalten lassen?

Wenn ich den Alten sehe, denke ich,dass der sich auch von nichts mehr aufhalten lässt. Er lässt sch von nichts aufhalten, was ihn von einem ausgedehnten Schläfchen abhalten könnte. Dazu legt er sich ins Bett. Mein Bett. Finde ich gut, das ist ein Zeichen von vertrauen, denke ich. Wenn er so lang ausgestreckt, ohne Decke auf der Matratze pennt. Wie hingeflossen liegt er da, die Zierde des gesamten Plattenbaus. Habe vorhin Wäsche aufgehangen und ihm dabei eine Sockenkugel zugeworfen. Dachte, das würde ihm links am Arsch vorbeigehen, aber nein: D.A.M. hat doch noch Spieltrieb in sich und hat die Socken in süßester Manier mit seinen kleinen Beinchen und Nägeln bearbeitet. Es entwickelte sich tatsächlich so etwas wie ein Spiel zwischen uns und das hat mich sehr überrascht, denn so wie ich ihn kenne, weiß ich eins: D.A.M. spielt nie.

Sonntag, 26. August 2018

Der Alte Mann

Freewriting excercise Pt. I

Tag 1
Das hier ist kein Tagebuch. Ich schreibe einfach auf, was mir durch den Kopf geht, wenn es um den alten Mann geht. Es geht nicht um Sinn oder logische Abfolgen. Es geht um das, was mir dazu gerade in den Sinn kommt. Free Writing.

Der Alte Mann. Meine Nachbarin, ist in den Urlaub gefahren, D.A.M. (Der Alte Mann) wollte nicht mit. Also kümmere ich mich um ihn. Wir haben ihn gestern in meine Wohnung gelockt. Mit Milch. Fand er gut. Ich glaube, vieles, was D.A.M. tut, passiert nicht einfach so. Ich glaube, vieles was er tut, ist eine Reaktion auf das, was ich tue. Wenn ich ihm Milch hinstelle, findet er das gut und kommt zu mir rüber. Auch so eine Re-Aktion.

Ich mache morgens etwas Sport. Das scheint ihm völlig unsinnig zu sein. Jedenfalls sitzt er, während ich diverse Workout-Übungen mache, unter dem Bett auf der LKW-Plane, die ich dort verstaut habe und schaut mir ungläubig zu. Ich habe das Gefühl, der alte Mann kann sich nicht vorstellen, warum jemand so etwas machen sollte. Deswegen geht er in Deckung. Vielleicht interpretiert er das, was passiert, auch als feindlichen Akt. Denkt, ich wollte ihn angreifen oder so. Ich weiß es nicht. Weiß eh, wenig, was in dem Alten vorgeht.

Er frisst nicht viel, das war schon mal anders. Er frisst jedenfalls nicht viel, von dem was ich ihm jeden Morgen aufmache. Gestern gab es Fleischstückchen in gelber Glibbersauce. Das hätte ich auch nicht gegessen. Sah aus wie Fleisch in Milch oder Senfsauce. Aber Senf?

D.A.M. isst nicht das, was ich im Kühlschrank habe. Eine Möhre wäre nichts für ihn, ein Kohlblatt auch nicht. Ob er Humus mag? Müsste ich mal probieren. Ich hab gerade eh wenig im Kühlschrank, warum passiert das immer Sonntags? Das Essen von D.A.M. ist in dem Korb, den meine Nachbarin mir für ihn mitgegeben hat. Daran schärft er normalerweise seine Nägel. Deswegen musste der Korb mit rüber. Im Gegenzug habe ich meinen Kontrabass zu meiner Nachbarin gestellt, weil ich nicht wollte, dass D.A.M. daran seine Nägel schärft. Jetzt liegt er auf der Couch und schläft. Das tut er meistens. Couch. Schlafen. Couch. Schlafen. Couch. Schlafen. Dazu Sonne auf dem Rücken. Ab und zu mal strecken. Frage mich manchmal, ob er jetzt gerade vielleicht gestorben ist, während er auf der Couch liegt und ich daneben sitze. Aber dann bewegt er sich wieder. D.A.M. stirbt auch nicht so leicht. Dann würde es sicher auch bald stinken. Sehe außerdem immer wie sich sein Bauch ganz leicht auf und ab bewegt. Süß! Dachte, er könnte mal die Wespe fangen, die mich vorhin geärgert hat. Aber mit Wespen hat er es nicht so. Fliegen könnte er auch mal fangen, aber mit denen hat er es auch nicht so. Ich glaube, D.A.M. hat es mit gar nichts mehr so. Außer trockenen Crackern, die ich ihm jeden Tag hinstelle. Die Cracker sind in einer Blechbox, und die... (Fortsetzung folgt.)

Freitag, 10. August 2018

Hoffest is the neue heiße Dings!

Genau so ist`s! Während sich der der Mob auf immer größeren Festivals zudröhnt, dabei diverse Hangover-, Geschlechts- und Magen-Darm-Krankheiten billigend in Kauf nimmt, entscheidet sich der/die Connaisseur_In heutzutage für die elegante Stadtvariante. Ohne Kommerzbier- und Fress-Monstrositäten und Höher-schneller-lauter-als-Manowar-es-je-waren-Schallanlagen. Braucht man alles nicht!
Feiern kann man auch ohne großen Aufwand im eigenen Karrée, auf der eigenen Betonscholle, im eigenen Kiez. Was nicht heißt, dass Interessierte ausgeschlossen werden, weil sie dort nicht leben. Nur nett zueinander sollte man sein.
Aus gegebenem Anlass möchte ich deshalb für alle, die in den nächsten Wochen in Berlin abhängen, zwei Hoffeste empfehlen:

1. Schon morgen, am 11. August, findet das Hoffest im der Magdalenenstraße 19, einem Hausprojekt in Lichtenberg statt. Was früher mal eine Platte war, in der die Stasi allerlei Bürotätigkeiten verrichtete, ist mittlerweile ein selbstverwaltetes Hausprojekt gewachsen. Gleich sackweise gibt es da dann allerhand coole Unterhaltung. Von der Körperverschönerung (Soli-Tattoo, Kinderschminken, bitte nicht verwechseln) über Kleiderverschönerung (Siebruckwerkstatt) und interessanten Workshops bis zur Fahrradrallye, Kinderbuchlesung, entspannten Infospaziergängen durch den Kiez und einer Wrestlingshow wird alles aufgefahren, was den und die Hoffestbesucher_in interessiert. Dazu kann man immer wieder nett einen Drink nehmen, Sekt, Aperol oder schlicht ein Bierchen - geht alles.

Musik darf bei so einer Veranstaltung natürlich nicht fehlen. Tut sie auch nicht.
Live spielen ab 18 Uhr INFANT SANCHOS (Elektro-Punk, Berlin) und CHERRY BANDORA (Psychedelic-Oriental Party Music).
Anschließend gibt's die große Technosause mit DJs wie Die Babsi, Kaputse, Inc u.a.

Eine Übersicht übers komplette Programm gibt's hier.


Wer eine ordentliche Party-Kondition hat, kann dann eigentlich nahtlos zum nächsten Hoffest übergehen und muss dazu nur in den übernächsten Kiez zeihen. Denn nur eine Woche später, am 18- August, wird in Kreuzberg, am Schlesischen Tor, im Hof der Spiralfabrik gefeiert. Los geht's ab 16 Uhr im Hof u.a. mit entspanntem Singer/Songwriter-Stuff, z.B. vom ehrenwerten Herrn SAM DALE (wohl nicht verwandt mit Dick D. und auch keine Surfmusik spielend, dafür aber der Frontmann von Berlins Partyrockband No. 1 - THE FEMINISTS), RHYE MAN und ANDY KNITTEL; knackigem Soulpunk von MILKY PRAY, Krautrock von STROUM und einem Cumbia-Dub-Set von DJ FREAK ASS E.

Abends, wenn die Sonne langsam hinter den Bergen aus Bierflaschen untergeht und die Pissestrahlen auf der Oberbaumbrücke in ein verwirrend surreales Licht taucht, wird das schönste Schnapsloch im Kiez bespielt. Das genaue Line-Up lässt sich hier einsehen.

In ganz eigener Sache sei dazu gesagt, dass an diesem Abend auch die Kreuzberger Noise-Drum-Bass-Legende ATOMVULKAN BRITZ nach langer krankheits- und verletzungsbedingter Pause mal wieder live zu sehen sein wird - mit dem Herrn Flanell am Bass.
Links zu irgendwelchen Hörproben gibt es vom ATOMVULKAN nicht - die werden nur, auf Traubenzucker gepresst, einem exklusiven Kreis von Interessierten zugereicht und zersetzen sich danach von selbst.



Montag, 23. Juli 2018

Topfschlagen against Gentrifizierungsdingsbums. Also Moppelkotze.

Yeah well...

Es war ein wunderbarer Freitagnachmittag. Sommer, Sonne, im Park rumhängen. Kinder dabei, Rad dabei, Radler dabei. Angenehme Gespräche, Schatten und leichte Bekleidung.

Wie kann man einen solchen Tag angemessen zu Ende bringen?
Im kühlen Altbau sitzen und den dahinziehenden Abend mit etwas Kartoffeldruck-Screamo begreinen?
Oder lieber eine kleine Radtour machen, bei der sich große und kleine Fahrradfahrer aufgereiht wie die Perlen auf einer Schnur durch steril renoviertes Gentrifizierungs-Feindesland bewegen, um die Bewohner einer kleinen Friedrichshainer Gemeinschaft dabei zu unterstützen, nicht aus ihren lieb gewonnenen Wohnungen zu fliegen? Wirklich mit Mann und Maus und der kompletten sozialen Familie mal ganz praktisch Solidarität zu zeigen?

Yeah, well. Die Antwort liegt auf der Hand. War auch gar nicht so schwer.

Wir mussten eigentlich nur ein bißchen Lärm machen. Auf Töpfen und Pfannen und Tabletts rumschlagen. Bis die hohen Töne einem selber in den Ohren schmerzten. Und später gab's noch leckere Gurkensuppe, tolles Hummus und entspannt-kollektives Rumhängen.

Initiiert wurde die ganze Aktion vor der Weserstraße 30. In Friedrichshain. Nicht in Neukölln, das ist wichtig. Obwohl die dortige Weserstraße sowas auch mal gebrauchen könnte.
Jeden Freitag soll dort jetzt gegen die ganz konkrete Gefahr der Verdrängung getrommelt werden.
Wer das gut findet, aber denkt: "Oh, Freitagabend, sieben Uhr? Klingt toll, aber da hab ich ja gar keine Zeit. Ich will ja um 20,21,22 Uhr noch zum Konzert/Grillen/Party/Sofa/Swingerclubwhatever", dem/der sei noch gesagt, dass es sich hierbei um eine zeitlich gut begrenzte Aktion handelt.

Jeden Freitag wird nadelstichartig von 19 bis 19.07 Uhr um den Block spaziert und gelärmt. Danach herrscht Stille und du kannst wieder gehen, wenn du willst. Oder vielleicht doch noch Musik hören, quatschen und mit ein paar wirklich netten Menschen den Freitagabend genießen, bis es dunkel genug für den Clubbesuch ist.

Sieben Minuten, um den Kiez zu retten. War letzten Freitag gut machbar. Und am nächsten sicher wieder.


Mittwoch, 18. Juli 2018

Eis! Eimer! Hühnerherzen!

Heute sah ich auf dem Weg nach Hause ein Eichhörnchen. Vor Jahren sah ich in der Straße, in der ich damals lebte, eine Eiswaffel, die mürbe von einem Stromkasten runterhing. Allerdings so schlapp, dass sie sich im komplett rechten Winkel über den Stromkastenrand bog, ohne zu brechen. Ich war beeindruckt von dieser Flexibilität, die sich nur durch die Ermüdung des Materials zeigte.
Wenn ich einmal alt bin, dachte ich dann, will ich auch so elegant schlapp in der Gegen rumhängen wie diese Eiswaffel.
Das Eichhörnchen hat mit der Eiswaffel übrigens nichts gemeinsam, außer dass ich sie beide lange anglotzte und dabei fast vom Fahrrad gefallen wäre.
Ok, da ist noch eine Gemeinsamkeit: Beide Worte fangen gleich an. Super, das. Was genauso super ist, oder noch viel formidabler, ist das neue Video von Berlin's derzeit greatest Chanson-Band mit Punk-Spirit drin. Ach, ihr wisst, von wem ich rede: ACHT EIMER HÜHNERHERZEN, of course.

"EISENHÜTTENSTADT" war schon ein Traum in beige, und auch "EIS AUF EX", der neueste Video-unterstützte Hit, könnte auch noch in wenigen Monaten den Preis für "Sommerhit 2018" in einer Jahresrückblick-Show bekommen. Wenn das eintritt, ist sicher der Gig im ZDF-Fernsehgarten nicht weit. Kompatibel wäre das sicher und das ist kein miesepetriger Kritikpunkt. Ich hoffe aber, dass es nie dazu kommt. Naja, wenn man es unter dem "Take the money and run"-Aspekt sieht, dann wäre es vielleicht doch überlegenswert.

Aber was mach ich mir da einen Kopf? Ich bin keine Acht Eimer Hühnerherzen (übrigens toll, dass man den Namen nicht wirklich in eine pseudocoole Abkürzung umsetzen kann. 8EHH sieht eher bescheuert aus.), sondern nur ein Mensch, der den Sommer mag und Eis und diesen Song und das Video auch. Damit kann man durchaus mal den Wahnsinn, der gerade auf dieser Welt passiert, für zwei Minuten und zweiunddreißig Sekunden vergessen.
Film ab!

Donnerstag, 31. Mai 2018

Samstag! Platten kaufen in Berlin!

Hmmmm, Yaam, Yaam, lecker! Am Samstag, de. 02.06.2018, steigt im Yaam der wunderbare Freakouternational Vinyl Market. Dort werden sack- und tischweise Platte verkauft, DJs legen auf und engagierte Labels stellen sich vor. Es wird also richtig gemütlich. Auch ich habe mit JOHN STEAM RECORDS einen Stand am Start, sogar inklusive Plattenwaschmaschine. Also kommt vorbei, komplettiert eure JSR-Sammlung und macht für einen kleinen Obulus eure Lieblingsscheiben so hübsch und rein wie am ersten Tag.

Samstag, 12. Mai 2018

Scheiß Nostalgie

Ich habe eigentlich keine Lust, lang vergangene Zeiten aufleben zu lassen. Als mir allerdings neulich eingefallen ist, dass es da ja mal einen Renfield-Account bei Issuu gab. Wo man seine Hefte digital zum anschauen hochladen konnte. Jahre, her, dass ich mich da angemeldet habe. Und Jahre her, dass ich irgendwas gemacht habe. Ok, ich habe damit gar nichts gemacht. Bis jetzt.
Nun gibt es nämlich eine Reihe von bisherigen Renfield-Ausgaben, die dort eingesehen und auch runtergeladen werden können.
Somit gibt es auch die Möglichkeit, recht alte Renfield-Ausgaben, die noch nicht digital publiziert wurden, anzuschauen. Nummer eins ist leider verschollen, aber von No. 2 existiert glücklicherweise noch die Kopiervorlage, die ich vor einiger Zeit mal Seite für Seite eingescannt habe.
Und diese Ausgabe könnt ihr nun HIER bestaunen.

Interviews gabe s damals schon und zwar mit folgenden Bands:

PETROGRAD (Luxemburgs finest Punkband. Und immer noch gut):



UPRIGHT CITIZENS (alte Punklegende aus dem Pott):



VERBRANNTE ERDE (Melancholie-Punk aus... Weimar? Gera? Was auch immer... War gut damals)

Sonntag, 8. April 2018

Fuck you, Turm!

Neulich. Sitze am Eingang meines privaten Partykellers. Kommt da so ein Typ vorbei und fragt, wieviel Leute denn hier rein passen und was es denn kosten würde, wenn er mit seiner Band hier spielen wollen würde. Er präzisiert die Frage und will wissen, was Bands zahlen müssten (!), um in meinem privaten Partykeller spielen zu dürfen. Ich bin einigermaßen verwirrt bis entsetzt ob solcher Fragen.

Im Gegenzug will ich dann was von ihm wissen. Nämlich warum er das alles wissen will. Es ist zwar mein privater Partykeller, aber ab und an bin ich doch etwas paranoid und denke, dass die Leute meinen Keller als einen kommerziellen Musik-Club sehen. Was nicht so ist. Ich sitze halt da rum, höre Musik und trinke Bier. Ohne Geld zu verdienen. Manchmal steht die Tür offen. Also frag ich den Typen, ob er von der Polizei ist. Er so: Nee, ich trink doch Beck's.

Die Konversation war dann schnell am Ende. Ich war maulfaul und der Typ doof und dann ist er abgezischt. Nicht ohne noch zu erzählen, dass er selber in einer Band spielt. Und dass er mal gern in meinem Partykeller spielen wollte, weil er dachte, das wäre ein Club. Wie denn der Name der Band sei, frug ich.

Zuerst habe ich den Namen nicht richtig verstanden. Dann hat er es mir aufgeschrieben. Um dieser Band nicht unnötig Aufmerksamkeit zu verschaffen, (denn wie wir alle wissen, ist heutzutage auch negative Aufmerksamkeit gewollte Aufmerksamkeit) lasse ich den Namen hier weg.
Am nächsten Tag habe ich mir allerdings ein paar Songs angehört und auf Youtube ein paar Videos angeschaut.

Schon beim ersten Clip kommt mir die Kotze hoch.

Denn wenn eine Truppe von Milchbärten zu bräsigen Hard-Rock-Nu-Metal-Schmonz-Riffs über Vergewaltigungsfantasien in Berlin fantasieren, dann würde ich ihnen am liebsten die Instrumente auf die wahrscheinlich nicht besonders gut gefüllten Schädel schlagen. Ich bin selber so ein Weißbrot und habe noch nie eine Vergewaltigung erlebt (zum Glück). Würde es mir aber in Zeiten von #Metoo und einer größer werdenden Sensibilisierung von sexueller Belästigung, einfallen voller Inbrunst Zeilen wie "Mädchen, ich leg mich auf dich heute Nacht, dein Schrei'n ist es, was mir Freude macht" zu gröhlen?

EUER ERNST?

Ich wette, keiner von diesen Typen wurde je vergewaltigt. Ich wünsche es auch keinem von euch glattfrisierten Laffen. Und wenn es so wäre, dann würde er seine Erfahrungen bestimmt in andere Zeilen packen, als in so einen beschissen glatt gereimten, unreflektierten Refrain. Denn das hier sind Zeilen, die jeder Besoffene bei den Konzerten jener Band einfach mitgröhlt, ohne darüber nachzudenken, worum es da geht. Und womöglich die ganze Idee auch noch total geil findet.

Warum schreibt eine Band einen Song über die fiktive Vergewaltigung einer Frau? Schockeffekt? Sex & Violence? Aber nicht consensual? Stellt ihr euch sowas wirklich vor? Dann schaut euch doch ein paar Rape-Fantasy-Videos auf Pornhub an und holt euch in eurem Jugendzimmer einen runter. Aber geht damit nicht auf eine Bühne, blökt so eine Scheiße irgendwelchen gutgläubigen Leuten in die Köpfe und kreiert zusätzlich mit abschließenden Zeilen wie "Mädchen, gib gut acht, es ist Berlin und es ist Nacht." noch so eine beschissene Oh-oh-oh-Berlin-ist-so-böse-Atmo.
Sollte dieser Song ein irgendwie kritischer Beitrag zum Thema Vergewaltigung sein, wäre es konstruktiver gewesen, ihr hättet die Fresse gehalten. Jede Äußerung in künstlerischer oder anderer Form zu dem Thema sollte man denen überlassen, die es betrifft: den Opfern. Und nicht irgendeine Scheiße zusammenfantasieren, weil das ein tolles Thema für einen Rocksong sein könnte.

Wie gesagt: An diesem Punkt hätte ich kotzen können. Dachte aber, ich schau mir noch ein paar andere Videos an. Es wird nicht besser. Blöder Deutschrock, zwar nicht offen rechts oder grauzonig, aber einfach bescheuert, schlecht, von sich selber viel zu überzeugt und langweilig. Jedes weitere beschreibende Wort wäre zuviel. Aber klar ist: Diese Typen werden nie Platz in meinem privaten Partykeller finden. Und hoffentlich keine Bühne in irgendeinem Laden dieser Stadt.

Freitag, 6. April 2018

SubCult 06.04.2018

von 19 bis 20 Uhr mit Timbob Kegler auf Pi-Radio 88,4.

1. Gary Flanell feat. Felix Navidad – Operator (Jim Croce Cover)

2. Reverend Beat.Man & New Wave Blues Trash – But I love you

3. Reverend Beat.Man & New Wave Blues Trash – Today is a beautiful day


4. Trixie & The Trainwrecks – Yodelin' Bayonne Blues


5. Power Solo – Fifteen Minutes


6. Pleasure Venom – Seize


7. LiebeFrauGesangsverein – Es tut mir leid


8. Pisse – Nacht im Ghetto (Razzia-Cover)


9. Pisse – Beerdigung

10. Bloodplums – Dirty Cop
11. The Txlips – Lost ones

12. Galvin Stxne – Revolution
13. Delta 5 – Mind you own business

Freitag, 2. März 2018

SubCult 02.03.2018

Playlist SubCult 02.03.2018 mit Tim Bob Kegler

1. Gary Flanell feat. Felix Navidad – Bro Hymn (Pennywise Cover)

2. Atomic Suplex – Who do you love (from the Compilation OUR VOLTAGE)


3. Germ House – 7 into 7 (from the Compilation OUR VOLTAGE)


4. Freak Genes – He's unhappy (from the Compilation OUR VOLTAGE)


5. Virvon Varvon – What did you say (from the Compilation OUR VOLTAGE)


6. Individual Distortion – waste

7. Individual Distortion – Eyehatetypicalsludgebands


8. Cerumentric – Dreamlandia


9. Doc Schoko – Hirnfriedhof


10. Reverend Dabeler und Helge Dube – Nimm mich auf dein Boot


11. Dead Brothers – Everything is dead


12. Punčke – Valovi


13. Algiers – The Underside of Power

Donnerstag, 15. Februar 2018

Schön, wenn junge Menschen Musik machen Pt. VIII

Die Klappe zu dieser Gruft wurde schon länger nicht mehr geöffnet. War eben keine Zeit, sorry. Anderer Dinge mussten getan werden, nochmal sorry. Anderes musste geschrieben werden, nochmal sorry. Sorry, sorry, sorry.
Und ja, ein wenig fehlte es auch an Motivation. Woran es nicht fehlte, war Material. Würde ich mich anstrengen und täglich fleißig recherchieren, dann könnte ich wohl jeden Tage hier eine Rezension reinhacken. Aber dieses routinenhafte Besprechen geht mir leider gerade sehr gegen den Strich und vieles, was besprechenswert wäre, ödet mich derzeit unglaublich an.



Vielleicht ist es etwas schwer zu verstehen, aber anstatt überall Promoexemplare von irgendwelchen Bands abzugreifen (und dann vom für die Promotion zuständigen Labelmenschen noch drei Bands aus dem Rooster der Plattenfirma dazugeschmuggelt bekommen, die noch weniger interessieren), mit dem nie ausgesprochenen Versprechen, die dann auch zu rezensieren, tue ich derzeit lieber das, was mal irgendwann hinter dem Schreiben über Musik stand: Musik hören. Konsumieren, ja wirklich. Ganz korrekt in den Plattenladen gehen und eine Vinylscheibe kaufen, statt über diverse Wege ein liebloses Ansichtsexemplar zu schnorren.
Ich konsumiere also derzeit wieder Musik. Ich höre sie wieder. Wähle dabei mehr aus, weil das für mich derzeit der einzige Weg ist, mit der Masse an Veröffentlichungen umzugehen. Masse macht es nicht mehr. Schlicht und einfach und mache mir keinen Kopf darüber, was ich dazu schreiben könnte oder wie ich sie wo popkulturell einordnen könnte. Das ist ein gutes Gefühl.

Ich möchte nicht mehr zu Architektur tanzen, sondern eben wieder zu: Musik.

Es gibt aber auch Ausnahmen. Eine davon ist "Standby me", die neue Platte von den MALADROITS aus Schopfheim (Never been there). Jedenfalls aus der Gegend da unten in Süddeutschland. Fürs Ox habe ich mal vor Jahren eine Rezension über eine ihrer Platten geschrieben und war ganz entzückt von dem Garagesound, den sie da abgeliefert haben.

So viel hat sich seit Sommer 2013 nicht verändert. Ok, anderes Label (Flight 13), möglicherweise jetzt auch größerer Bekanntheitsgrad, aber das Fundament ist immer noch quirlig-hektischer Garage-Punk, wie ihn die BRIEFS und SHOCKS auch gut können oder konnten. Ab und an scheint es aber doch so zu sein, dass die Maladroits, ihren Sound etwas erweitert haben: "No heart/No soul" hat eher was von all diesen englischen Indie-Pop-Bands "of 2005". HOT HOT HEAT, ART BRUT, FRANZ FERDINAND etc, wenn ihr wisst, was ich meine. Ähnliches gilt für das daran anschließende "Afterhour". Da blitzt also ab und zu mal was auf, das den Garage-Kosmonauten in einen anderen Orbit schießt. Das Bild vom Garage-Kosmonauten habe ich mir nicht ganz allein ausgedacht, der ist eher ein blitzgescheiter Hinweis auf das hübsch gestaltete Cover. Das wäre dann doch wieder ein Anreiz, wie Otto-Normal-Musikhörer in den Plattenladen zu gehen und nach der neuen Vinyl-LP der MALADROITS zu fragen - ohne auf anbiedernde "Haste mal n Promo-Exemplar"-Masche machen zu müssen.

Gary Flanell

(F) auf der 26-teiligen Renfield-Rezensionsskala

TEH MALADROITS - STANDBY ME
Flight 13 Records, 2017
LP/CD

Wo ich gerade davon sprach - 10 oder weniger Platten, die ich in letzter Zeit sorgfältig und immer wieder höre und für deren Vinylversionen ich durchaus im Plattenladen meines Vertrauens eine Bestellung aufgeben würde. Werde. Schon getan habe.

1. Algiers - The Underside of Power
2. Lebanon Hanover - Tomb for two
3. The World/Inferno Friendship Society - The Anarchy and the Ecstasy
4. Jack of none - Who shot Bukowski?
5. Balg - The heavy listening
6. Voodoo Jürgens - Ansa Woar
7. Jo Strauss - Berlin stirbt
8. Boy Division/Venus Vegas - Warsaw Split-7inch
9. Zea - The Beginner
10. The Ting Tings - We started nothing

Samstag, 6. Januar 2018

SubCult 05.01.2018

SubCult - Klänge jenseits des Hauptstroms mit Timbob Kegler auf Pi-Radio 88,4
Playlist vom 05.01.2018, 20-21 Uhr.

Felix Navidad feat. Gary Flanell – Queen Bee (live im Studio, original by Freakwater)

Reptilians from Andromeda – Doomsday


Reptilians from Andromeda – Wicky Wacky Witches
Reptilians from Andromeda – Jungle

Baronen & Satan – Satan is a lady


Mean Motor Scooter – Wavespotting


Escobar – Changeover


Arcane Frost – Shapeless Essence


Purple X – Meathead Blues


Jaya The Cat – Sweet Eurotrash


Cracker – Eurotrash girl



Yaramiso – Tomic Energy


Dirty Fences – Teen Angel

Montag, 11. Dezember 2017

SubCult - Klänge jenseits des Hauptstroms

...mit Timbob Kegler - Playlist vom 01.12.2017
1. Gary Flanell - I've been everywhere (live im kleinen gemütlichen SubCult-Studio)

2. Cannibal One - Prevalent Thrattle

3. Coffin Spell - Heroin Sheikh


4. Harvey Rushmore & The Octopus - Alchemy


5. Urgent Matter - Don't wanna


6. Urgent Matter - I hate you

7. Insulin - Anti Selebris


8. Reptilians from Andromeda - Burning inside


9. Žen - Sonicna taktica


10. Seine - Spavam
11. Seine - Janko


12. I MARC4 - Distorsion Mind


13. I MARC4 - Deep bass

14. The 99ers - Merry Xmas really sucks

15. The Silos - Let's take drugs and drive around.

Freitag, 8. Dezember 2017

Gruseliges Handwerk?

Wer kann sich eigentlich noch an den Soundtrack von Blair Witch Project erinnern? Gab es sowas überhaupt? Es gab natürlich einen Soundtrack, der wurde in diesem fast zwanzig Jahre alten Meisterwerk des Pseudo-Doku-Horrors zwar fast gar nicht verwendet, aber irgendwie doch in die Geschichte um die drei wild campenden Studenten mit eingeflochten. Überhaupt Blair Witch Projekt: Drei Studenten jagen eine Hexe in den Wäldern Marylands, halten alles mit der Kamera fest und sind am Ende ziemlich im Eck. Hui, war das gruselig damals. Und das alles ohne unheimliche Begleitmusik. Respekt.

Warum dieses kurze Nachdenken über einen Gruselfilm, der vor fast 20 Jahren einiges Aufsehen erregt hat? Weil ich vor einigen Tagen recht zufällig auf ein winziges Label gestoßen bin, von dem ich sagen würde, dass die dort erscheinenden Releases den wahrscheinlich besten OST für Blair Witch Project hergeben würden, der nie erschienen ist.

Eigentlich klingt alles, was man an Infos zu HANDWERK Records aus Pennsylvania kriegen kann, klingt einigermaßen obskur. Es stellt sich bei näherer Betrachtung allerdings die Frage, ob alles, was mit Handwerk Records zusammenhängt, nicht eher ein Fall für die Rubrik "Geschichten aus der Gruft" von den Kollegen vom Plastic Bomb ist. Ansässig ist das Label mit dem zupackenden Namen in dem 6000-Seelen-Dorf (ich hoffe, die Zahl der Einwohner deckt sich mit denen der Seelen) Selinsgrove in Pennsylvania. Möglicherweise ist die Abgelegenheit eher ein Standortvorteil für ein solches Label, um in aller Ruhe der Veröffentlichung allerlei obskurer und experimenteller Bands und Projekte nachgehen zu können.
Noise, Experimentelles, NeoFolk und manchmal schwer zu hörendes Synthie-Geklimper findet sich dort zuhauf, WARSHRIMP (bester Name seit langem!), CANNIBAL ONE, MIDNIGHT OFFICE oder THE HAWK AND THE GROUNDHOG heißen die Bands.

Aber möglicherweise sollte man nicht von Bands sprechen. Vielleicht sollte man auch nicht von einem Label sprechen, sondern einem Band-Projekt-Vertriebs-Konstrukt, hinter dem genau ein Mann namens Sean David Stoltenberg steckt. Der ist nicht nur Musiker und Labelbetreiber, sondern auch Buchautor mit einem Faible für alte italienische Horrorstreifen, wie Argento oder Fulci sie produziert haben. Stoltenbergs Faszination für dieses Genre geht soweit, dass er nicht nur den Soundtrack zu einem fiktiven 70er-Jahre-Italo-Splatter-Film namens NYMPHO ZOMBIE CULT aufgenommen hat, sondern auch gleich noch ein Buch mit der Story dazu veröffentlicht hat. Das klingt erstmal verwirrend: Ein Zombie-Film, den es nicht gibt, dessen Existenz aber suggeriert wird und dazu komponiert ein Typ den Soundtrack und veröffentlicht die Story plus "behind the scenes"-Stories in Buchform. Ach, ich wusste es, dieses Internet ist voll mit Verrückten, die alle irgendwas machen.


Ähnlich verwirrend ist eigentlich alles, was Stoltenberg musikalisch und literarisch rausbringt und auch das Artwork, mit dem er seine Publikationen umgibt. Da wimmelt es von Tiergebeinen im Herbstlaub, sackweise okkult anmutende Plattencover und esoterisch bis spirituell-schamanisch angehauchte Essays bei Facebook. Wo sich Stoltenberg und seine lustige Handwerker-Plattenfirma politisch verorten, lässt sich schwer sagen, aber wie oben schon erwähnt, im Bereich gerade Neo-Folk und Industrial gibt es gerade in diesem Punkt ja einige neurechte Irrlichter. Dass der gute Sean in dieser Hinsicht nicht komplett verwirrt ist, könnte man eventuell an der Tatsache festmachen, dass er, bevor er in seine experimentelle Phase gegangen ist, in einigen recht konventionellen, wenn auch gar nicht so schlechten Punk/Rockbands gespielt hat (wobei Punk nicht zwangsläufig bedeutet, dass man eine linke Einstellung pflegt, wie das Beispiel Johnny Ramone bewiesen hat).
Erwähnenswert wären dabei COFFIN SPELL, eine grundsolide Horrorpunkband, die sicher das gesamte Schaffen der MISFITS sorgfältig studiert hat. Die komplette CS-Discografie lässt sich bei Bandcamp runterladen, nicht weniges sogar kostenlos. Darunter - welch Überraschung - auch eine MISFITS-Tribute-EP.
Kostenlos - und damit endlich der Grund für diesen Post - gibt es seit September auch einen Labelsampler von Handwerk Records mit eben all dem, was Sean David Stoltenberg unter diesem Label raus gebracht hat. Und allein diese Compilation würde eine passable Filmmusik zu einem weiteren Blair-Witch-Streifen abgeben. Bleibt die Frage, ob der Mann nur unheimlich kreativ oder vielleicht doch ein wenig wahnsinnig ist. Eine Frage, die zu klären ich der Stammesältestenversammlung von Selinsgrove und ihrem Tierknochen-Orakel überlasse.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Kurze Veranstaltungstipps

Bus- und Zugtickets sind gecheckt, es kann losgehen. Nächste Woche fährt Gary in den Norden, um mit Abel Gebhardt zweimal zu lesen.
Die Woche drauf kommt Abel nach Berlin, um was?
Genau. Um mit Gary in Kreuzberg zu lesen. Viel Literatur also in der nächsten Zeit. Aber das ist ja im Herbst genau das richtige...


Und weil das mit der Auflösung von dem Flyer hier gerade nicht so funzt, nochmal alle drei Termine hier:

20.10. Lüneburg, Gasthausbrauerei Nolte, 20 Uhr
21.10. Hamburg, Shebeen-Bar, 19 Uhr
27.10. Berlin, Wiener Blut, 20 Uhr

Mittwoch, 4. Oktober 2017

The Tarjas

Gibt ja nichts, was es nicht gibt. Und auch in Sachen Punkrock sind die Innovationen nach... wieviel? - du meine Güte, doch schon über 40 Jahren?! - eher rar gesät. *entsetzt guck und Lockenwickler schüttel* Manchmal ist's alles doch gar langweilig.
Was ich bisher noch nicht kannte, und auch gar nicht an deren Existenz gedacht habe, das waren finnische Versionen von alten G.G. Allin-Klassikern.
Gibts aber - zum Beispiel von The Tarjas aus - quelle surprise - Finnland. Bite it you scum heißt jetzt Pure mua, sonst ändert sich nix.

Mittwoch, 16. August 2017

Die Sendung


Gestern war Timbob Kegler im Radio zu hören, und zwar auf einem wirklich großen Sender, nämlich bei Radio Eins. Maurice Summen, Staatsakt-Chefboss, Sänger der Türen und mit Timbob über alte Kölner Zeiten verbunden (u.a. durch die gemeinsame Band ESEL) hat ihn ins Studio eingeladen, um einiges an Musik zum Thema "Underground" vorzustellen. Wer das gestern nicht hören konnte, weil er/sie beispielsweise beim Patti-Smith-Konzert in der Zitadelle Spandau war, hat nun noch sieben Tage Zeit sich die Sendung auf der RADIO EINS-Homepage anzuhören. Und wo? Hier!

Montag, 14. August 2017

Schön, wenn (junge) Menschen Musik machen Pt. VII

Neulich morgen. Habe mit meiner Freundin darüber diskutiert, was eigentlich Punk sei. Frage mich seitdem, wie wir darauf gekommen sind, auf dieses total durchgekaute Thema, wo es doch gerade weißGottBuddhaShivaAllahSpaghettimonster mal ganz andere, wichtigere Dinge auf der Welt gibt, die man diskutieren könnte. Wahrscheinlich hat es was mit dem Ausraster von Leonard Graves Phillips zu tun. Mit dem Mann, den die meisten in dem Folder "Sänger der Dickies" im Hirn abgelegt haben. Der hat nämlich bei der Warped Tour eine Zuschauerin übelst beschimpft, weil sie während des Gigs ein Pappschild dabei hatte, das ihm wohl nicht passte. Auf dem Schild stand "Teenagerinnen sollten sich keine herabwürdigenden Witze von einem widerlichen alten Mann anhören müssen." Da fühlte sich Leo wohl persönlich angegriffen und ließ eine ganze Salve von Beleidigungen ab, die allesamt total daneben waren.



Ist das Punk? Von der Bühne runter einzelne Personen beschimpfen? Ist es nicht. Es ist ziemlich armselig, sich vom sicheren Platz auf der Bühne herab eine Person aus dem Publikum rauszupicken und runterzumachen. Das ist fiese Ausnutzung einer Hierarchie, die sich durch die Situation ergibt: Hier der immer noch gefeierter Punkrock-Veteran, der sich der persönlichen Auseinandersetzung gar nicht stellen muss, weil er ja gerade eh räumlich von der Person getrennt ist, die er angemoppert hat. Und der sich vielleicht noch geil dabei vorkommt, wenn er eine Frau so vorführt. Wahrscheinlich hat es auch was damit zu tun, das es eine Frau war, die das Schild dabei hatte. Wie wäre es wohl gewesen, wenn das ein typischer Dickies-Konzertbesucher-Punk-Typ gewesen wäre?

Wir kamen dann, wie es oft der Fall ist, wenn es um das seltsame Bühnenverhalten von Punkrockern geht, auf G.G. Allin. Guter alter G.G. Allin. Der hat auch Leute beschimpft, egal ob das Frauen oder Typen waren. Aber: G.G. Allin hat das nie wie ein Prediger von der Kanzel herunter gemacht. Er war sich wahrlich nicht zu schade, in den Infight zu gehen und selber was auf die Mütze zu kriegen. Wahrscheinlich hätte er sich auch nicht einfach durch ein Pappschild derart provozieren lassen, sondern wäre komplett ohne Grund ausgerastet. Was ab einem bestimmten Punkt fester Teil der Kunstfigur Allin war, aber das ist ein anderes Thema. Er hat allerdings nie das Risiko gescheut, bei all dem selber ordentlich verprügelt zu werden. Leonard Graves Phillips (file under "der Sänger von den Dickies", you know) dagegen schon. Ist also nicht Punk, sondern eher feige und deshalb ziemlich armselig. Außerdem steht der Mann seit 40 Jahren auf der Bühne - und lässt sich dann von einer (einer!) einzigen Person derart mit einem Schild provozieren? Nicht Punk. Definitiv nicht.



Provokation. Die hat viel mit Punk zu tun. Gehörte schon, seit den Pistols und den Ramones dazu. Aber irgendwann, so scheint es, ist der Zug in die falsche Richtung abgebogen. Dann ging es nur noch darum die Leute zu provozieren, die bei den Konzerten vor der Bühne stehen. Und für die ist das dann meist aber nur ein großer Spaß. Provokation auf die eigenen Leute zu richten, ist ein bißchen sinnlos, finde ich. Denn die wissen eh, wie es gemeint ist. Oder haben eher Verständnis dafür. und mal ehrlich: Will man wirklich die Leute ärgern, die eigentlich deine Musik geil finden und eine Platten kaufen? Viel schicker wäre es doch, wenn man diejenigen ein wenig trietzen und verwirren könnte, die Punk/Punkrock nicht so wohlwollend gegenüberstehen. Dazu müsste man aber mal woanders auftreten als auf den bekannten Open-Airs oder Szenerevieren. Könnte schwierig sein, was? Aber schwierig war es für Punks am Anfang immer. Ich behaupte, dass der Punkrocker von heute aber keine große Lust mehr auf Schwierigkeiten mit der Außenwelt hat. warum auch? In seinem Umfeld fühlt er sich wohl, unter seines gleichen mit den bekannten Codes und allem drum und dran, kann ja nix passieren. Und mittlerweile weiß ja auch die letzte Oma auf dem Dorf, dass Punks ganz liebe Jungs sein können, wenn man ihnen nicht die Flausen mit Gewalt aus dem Kopf treiben will. Also ist Punk mittlerweile doch eine sehr konservative Einrichtung.



Möglicherweise muss aber eine kleine Unterscheidung vorgenommen werden zwischen Punk und Punkrock. Bela B. hat das mal in einem Interview ganz gut gesagt: Punk ist die Haltung und Punkrock ist eine Musikrichtung. Punk kann man wahrscheinlich sein, ohne es selber zu merken. Indem man immer wieder die provoziert, die es verdient haben, die halt nicht die eigene Meinung und den eigenen Geschmack teilen. Und ja, Punk hat sicher auch was mit Offenheit und Toleranz zu tun. Und auch damit, die Dinge in der Welt, die offensichtlich scheiße sind, anzuprangern. Und auch damit, andere Leute zu ermutigen, ihren Scheiß durchzuziehen, wie schwierig das auch sein mag. Offenheit, Toleranz, Empowerment - klingt wirklich sehr nach Sozialarbeitertum - vielleicht kein Zufall, dass viele Menschen mit Punkaffinität im sozialen Bereich arbeiten.
Womit Punk wenig zu tun hat, ist das reine Fachsimpeln über musikalische Feinheiten, die andauernde Erinnerung an die geilen Konzerte, die man gesehen hat und warum Band X nach dem Weggang von Gitarrist Y und dem Einsatz von Keyboards und Samples auf der neuen Platte ja überhaupt nicht mehr Punk seien. Das ist genau das, was die langhaarigen, nach Schweiß und Wein miefenden Blues-Opas in den 70ern schon gemacht haben und wogegen Punk mal angetreten ist. Scheint bei jeder Subkultur der gleiche Mist zu sein.




Puh, eigentlich wollte ich jetzt elegant zur neuen Platte von MDK überleiten. MEKANIK DESTRÜKTIW KOMANDÖH waren eine der ersten, möglicherweise die erste Punkband Berlins - den Platz könnten sie sich mit PVC teilen. So rockig wie bei Gerrit Meijer (R.I.P.) und Kollegen ging es bei der Band von Volker Hauptvogel aber nie zu. MDK waren eher dem Experimentellen zugeneigt, was verständlich ist, denn als Hauptvogel 1976 in Berlin anladet, macht er in Kreuzberg erstmal Straßentheater. Daraus entsteht dann die Band. Dass die nicht ausschließlich von stumpfen Rock beeinflusst war, lässt sich schon am Namen sehen, denn der war von einer Platte der französischen Progrock-Band Magma entliehen. Anfang der 80er sind MDK live in ganz Europa unterwegs und spielen mit der Birthday Party, den Dead Kennedys, den Einstürzenden Neubauten und allerlei ähnlichem, was später groß und berühmt werden sollte.



2017. Mit einem neuen MDK-Album (im Juni auf Destiny Records erschienen) hat wohl 1.) keiner wirklich gerechnet und 2.) möglicherweise haben auch nicht viele Leute darauf gewartet. Die Hochzeit der Band ist über 30 Jahre her, für alles, was in einer Subkultur passiert, ist sowas mit Äonen gleichzusetzen. Ist Manifestation also eine furchtbar altmodische Platte geworden? Nö. Interessant ist dieses neue MDK-Album aber schon. Weil sie so gar nichts mehr mit dem zu tun hat, was heutzutage unter Punk gemeinhin verstanden wird. Würde man es einem jungen tätowierten Menschen, der gerade bei Core-Tex oder VoPo Records die neusten Hardcore-Erscheinungen durchdiggt, vorspielen, würde er das wohl nicht wirklich als Punk bezeichnen. Durchgehend dröhnt ein Saxofon, als hätte es sich auf dem Weg zum nächsten Free-Jazzclub in der Location verirrt. Der Gesang hat nichts mit den Punkrock-üblichen Melodien zu tun, vielmehr wirkt das, was Volker Hauptvogel von sich gibt, wie Sprechgesang, der darauf scheißt, ob sich was reimt oder eben nicht. Insgesamt macht "Manifestation" eher den Eindruck einer Krautrock-Platte, die durch die Kreuzberger Punkschule gegangen ist und dabei den ein oder anderen NDW-Zeichenkurs mitgenommen hat. Monoton, treibend, aber eben nicht den Punkklischees entsprechend, die sich im Laufe der Jahre so ausgebildet haben. Ist das also Punk? Meiner Meinung nach mehr als das, was die Dickies auf den Bühnen dieser Welt so von sich geben.

(E) auf der 26teiligen Renfield-Rezensions-Skala

Gary Flanell

Sonntag, 13. August 2017

Schön, wenn (junge) Menschen Musik machen Pt. VI

Akne Kid Joe -haste nich gesehn! (7inch)

Gibt so Tage, da passt einfach alles. Und es gibt immer noch Bandnamen, da passt einfach alles. Ich spiele ja mit dem Gedanken, in ferner Zukunft den Leitfaden für die ultimative richtige Namensfindung für Punkbands (möglicher Titel: "Gary Flanells ultimate guide for the right choice of your personal punk bands name". Kurz und knackig halt.) herauszugeben. Da wird dann akribisch und wissenschaftlich die Formel erklärt, wie ein ordentlicher Punkbandname auszusehen hat, damit man die nächsten fünf Jahre im Sommer garantiert auf allen einschlägigen Open-Air-Festivals gebucht wird.



Einen ganz ordentlichen Ansatz haben in dieser Hinsicht AKNE KID JOE aus Nürnberg. Eine schöne Referenz an eine zu recht lange vergessene One-Hit-Wonder-Alternative-Schmockband aus den 90ern sichert schon mal erste Aufmerksamkeit. Der stirnrunzelnde Rezensent fragt sich allerdings direkt im Anschluß, ob dieser originelle Esprit auch auf die Musik transferiert werden kann. In dieser Hinsicht lohnt sich ein Blick auf das Label, das hinter diesem Release steht. Tante Guerilla hat's nämlich gemacht. Die sind ja sowas wie die Marke für deutschsprachigen Punk, der Klischees aus dem Weg gehen will, zuweilen aber doch einen Tacken zu ernst auf sich selbst schaut. Junge Männer mit abstrakten Tattoos und langen Bärten, die ihr Unwohlsein meist kryptisch in die Welt hinausschreien. Wo war da nochmal das Quentchen Dilettantismus, wo der erfrischende Spritzer Selbstironie?



Den haben AKNE KID JOE auf ihren fünf Tracks ihrer zitronengelben Platte ganz charmant dazugemischt. Für Tante Guerilla ein recht ungewöhnliche Veröffentlichung, denn AKJ klingen mit ihrem Billo-Keyboard, das sich da über die Lo-Fi-Gitarren legt, eher wie eine Garage-Punkband mit NDW-Einschlag. Perfektionismus ist hier nicht angesagt, dafür herrscht eine Spontaneität in Wort und Klang, den man bei vielen deutschsprachigen Bands vermisst. Texte, die kurz und knackig sind und sich - wie in "ein morgen ohne Deutschland" - irgendwo zwischen direkt-politisch, Dada und einer gesunden Deutschland-Aversion wiederfinden. So bierbäuchig-asozial wie diversen Deutschpunk-Neanderthalerbands aus der Frühzeit des Genres wird es aber zum Glück nie. Vielmehr zeigt sich hier schon der Einfluß, den PISSE in den letzten Jahren gelegt haben. An diese Urinals aus Hoyerswerda, HEIMATGLÜCK, KFC oder (sehr sehr raue) IDEAL erinnern AKNE KID JOE in ihren besten Momenten. Vielleicht nicht zu 100% in Sound, aber von der Idee, die dahintersteckt.
(F) wie Find ich abgrundtief dufte auf der 26-teiligen Renfield-Rezensions-Skala

Gary Flanell

Donnerstag, 20. Juli 2017

Fassade, Fassade, alles nur Fassade

Die Hochschule, an der ich studiere, hat einen Wettbewerb zur Neugestaltung ihrer Außenfassade ausgerufen.
Bisher prangte dort ein Gedicht von Eugen Gomringer.
Konkrete Poesie scheint aber nicht mehr so ganz angesagt zu sein, deshalb kann man als ASH-Mitglied bis zum 15.10.2017 Beiträge zur Neugestaltung einreichen - externe Personen können das über eine/n Angehörige/n der FH machen.
Wer also eine Idee hat, kann sich gern an mich wenden.

Im Augenblick sieht es an der Fassade noch so aus...


Die genauen Vorgaben, denen das neue Wandgemälde entsprechen muss, finden sich hier.

Das Renfield wäre nicht das Renfield, wenn nicht alle Kreativ-Zentren sofort Halli-Galli-Überstunden machen würden, um bei so einer Gelegenheit mitzumischen.
Wir hätten da schon mal folgende Ideen... (auch wenn nicht ein einziges unserer Bilder allen Kriterien entsprechen würde.)

Für alle, die den Umzug von Schöneberg in den Osten auch nach fast 20 Jahren blöd finden...

Für die Freunde des guten alten ScumPunks...

Für die Star Wars-Fans...

Für die Beat-Literaten...

Für die Blondie-Fans...

Für die Proto-Punk-Fraktion...

Für die Bar-Fuß-oder-Lackschuh-Aficionados...

Für die Rocker...

und zum Schluß, der Entwurf für das marxistische Sesamstraßenseminar...

Ganz demokratisch lassen wir das Volk entscheiden, welcher Entwurf am schönsten ist. Einfach den namen eures Lieblingsmotivs in die Kommentare schreiben. Vielleicht wird's ja doch was mit einer hübschen Fassade.

Oh, noch eins vergessen...

Freitag, 14. Juli 2017

Ohne Sommermix...

ist der Sommer nix.

Playlist SubCult - Sommermix 13.07.2017, 19-20 Uhr Pi Radio 88,4 Berlin

1. Rosa Vertov – aubade


2. Yoonkee Kim – 새로운 세계(New world)


3. Pram – Narwhal


4. Kometa – Czarny Roman


5. Jack Of None – X-Y-Sex

6. Die! Chiwawa Die! - Good (live)


7. 無高潮 Nein or Gas Mus – Could be no


8. Bing Austria and the Flippin Soul Stompers – Rosas Ng Ulan


9. Saló – Son of man

10. Playboy Manbaby – I'm so affluent


11. Notilus – Sapin


12. Les Discrets – Jour d'or


13. Desechables Golpe – Surfin' bird


14. Dangerous Rhythms – No No No


15. The Lyres – She pays the rent


16. Suicide generation – Why can't I play with you


17. Svart Katt – Rosta sönder


18. Susijat – Haze


19. Yagow - Non-contractual


Mittwoch, 12. Juli 2017

Sharla Records - Free sampler

Wenn überhaupt mal was an Musik aus Mazedonien hier anlandet, dann materialisiert sich das meist in Form einer neuen Platte von BERNAYS PROPAGANDA. Aber in Mazedonien a.k.a. FYROM tut sich anscheinend einiges mehr. Von SHARLA RECORDS habe ich noch nie was gehört, aber es macht den Anschein, als wären sie eher auf die melancholischeren Bands spezialisiert. Zumindest ist das der Eindruck des Labelsamplers, den man sich jetzt für lau auf der Bandcamp-Seite des Labels runterladen kann. Mal davon abgesehen, dass ich schon immer mal was von einer Band namens KLO hören wollte, lässt sich hier einiges an Dreampop und Artverwandtem finden. Indiepop aus Mazedonien - das kann man jetzt natürlich superobskur nennen, aber das ist ja gar nicht der Punkt. Denn qualitativ ist das, egal ob bekannt oder nicht, nicht schlechter als vieles, was hierzulande so rumturnt.
Der einzige etwas bekanntere Name auf dieser Compilation ist möglicherweise SUSIJAT, die vor gar nicht langer Zeit eine recht gute Split-LP mit der französischen Postrock-Combo PORTRON PORTRON LOPEZ rausgebracht haben. Wenn ich mir diese durchaus interessante und abwechslungsreiche Zusammenstellung länger anhöre, denke ich, dass das hier auch der Soundtrack zu einem sehr melancholischen Independentfilm sein könnte. Na sowas, den aben TELEMAMA & PIKOLOMINI zu ihrem Song ANIKA eigentlich schon ganz gut hingekriegt.


Sonntag, 2. Juli 2017

If I can't dance, it's not my relegation


Gestern in Hamburg gewesen. Wunderbare Lesung in der Tortugabar gehabt, vor wunderbar sympathischem Publikum und gemeinsam mit dem wie immer dufte aufgelegten Abel Gebhardt. Wetter wie überall, aber mehr Plakate. Haben ja auch bald G20 und all das. Was könnte man da als Soundtrack zum Dagegen-Sein auflegen? Slime, klar. Die laufen ja fast schon unter Volksmusik da oben. ...But Alive sicher auch. Allen HSV-Anhängern zwischen Eppendorf und Lüneburg könnte man zwischendurch mal ein kerniges "Hasta la relegation siempre" zurufen. Kriegen sie in der nächsten Saison sicher wieder hin. Ewige Relegation... das hat schon sowas Fegefeuermäßiges.
Davon ab ist es derzeit so, dass viele alte kämpferische 90er-Helden wieder antreten, deren Gesamtwerke man den Einsatzkräften gut über das Soundsystem aller G20-Gegner dröhnen lassen könnte. Platten aus einer Zeit, als es total aufregend war, Stile zusammenzumischen, die bis dahin eigentlich wie Feuer und Wasser waren. Und zusammen eben sehr gutes Feuerwasser ergaben. HipHop und Rock bzw. Punk bzw. Metal zum Beispiel. Die älteren unter den Lesern dieses Heimwerker-Blogs erinnern sich bestimmt.

Rollt also jetzt das großes 90er-Crossover-Revival auf uns zu? Ist wahrscheinlich schon in vollem Gange. Folgt alles den bekanntem Revival-Subkultur-Aufkoch-Nostalgie-Zyklus, wäre es demnach an der Zeit. Und es gibt wirklich ein paar Beispiele von alten Helden, die jetzt, möglicherweise auch inspiriert durch das kreative Tun und Lassen des derzeitigen US-Präsidenten, ihre runzligen Köpfe nicht nur zusammenstecken, sondern sie voller Wut erheben.

BODY COUNT wären in dieser Sache das erste prominente Beispiel. Deren "Bloodlust"-Platte, gerade erst ein paar Monate alt, ist ein hübsches, bolleriges Metalcore-Album geworden (und alle, wirklich alle können mittlerweile ihre Instrumente spielen). Kommt vielleicht immer noch nicht an die erste LP ran, aber die hatte damals ja auch den Bonus, dass Ice-T mit seiner Rockcombo einen wirklich neuartigen Crossover wagte.



Dann wären da noch PROPHETS OF RAGE - diese Ansammlung der wütendsten (!) und kapitalismuskritischsten (!!) und am meisten-für-Revolution-dafür-sein-wollsten (!!!) Helden der 90er Jahre (quasi die Alternative-Version dessen, was uns Formatradios immer als das beste der vergangenen Jahrzehnte verkaufen wollen): Rage against the Machine, Run DMC und einer von Cypress Hill (kiff kiff, bellt mein kleiner grüner Mops da heiser) - alle in einem Topf respektive auf einer Bühne und fertig ist der Aufguss für die Ü-40-Party in der instandbesetzten 90er-Jahre-Sauna.

Nun ja. Es ist nicht zu überhören, dass POR eigentlich komplett nach RATM klingen (inklusive total gefährlich wirkender Alarmsirenensamples), allerdings angereichert mit zwei Rappern, die der gleichen Alterskohorte entstammen. Zack de La Rocha, immerhin normalerweise ziemlich lautes und wütendes Sprachrohr von RATM, ist bei diesem Ding allerdings nicht mit dabei.
Blöd nur, dass vor den Prophets of Rage-Videos auf diversen Plattformen ausgerechnet die Werbung von Konzernen wie Coca Cola vorgeschaltet wird. Passt dann doch nicht so recht. Aber vielleicht muss ich mich daran gewöhnen, dass sowas kein Widerspruch mehr ist.

Davon abgesehen: Die Besetzung dieser (Achtung Scheißwort-Alarm!) "Allstar-Band" war für viele, die mit diesem Sound großgeworden sind, möglicherweise genau der eine Grund, sich das Ticket für die riesigen Open-Airs vom Munde zusammenzusparen, auf denen POR dann gespielt haben. Revolutionäre Töne schwingen und das dann den Massen auf dem kommerzigsten aller Kommerzfestivals, Schlock am Ring, servieren, passt für mich allerdings trotzdem nicht. Immer noch nicht. Passte auch bei RATM früher nicht. Wenn ich jetzt allerdings anfange daran rumzugranteln, klinge ich wie ein alter Mann, der nur noch verbittert ab und zu an seiner Club Mate nuckelt.

Soundmäßig ist das alles natürlich total solide (übersetzt: wenig überraschend) und hat auch nach 20 Jahren genug Biss - und dass diese Band immer noch was zu sagen hat, zeigt der Clip vom Anti-Inauguration-Ball. Musikalische Revolutionen finden aber sicher mittlerweile woanders statt - nicht nur stilistisch, sondern auch geographisch.



Allerdings sind mir Tom Morello, Chuck D und B-real in dieser Konstellation immer noch lieber als irgendwelche altgewordenen deutschen Hüpfaffen, die glauben, sie müssten beim Bühnenacting mit 45 noch ihre Hüfte riskieren. Ich fürchte mich wirklich vor dem Tag, an dem die H-Blockx, Guano Apes oder Clawfinger wieder anfangen, mit den Re-Releases ihrer alten Scheiben die Presswerke dieser Welt zu verstopfen.

Wer früher auch nicht fehlen durfte, wenn Rocker ihre stilistische Offenheit präsentieren wollten und eine Hip-Hop-CD kauften (aber nur eine mit "Parental Advisory"-Sticker, ohne ging gar nichts) waren sicher PUBLIC ENEMY. Die ließen sich möglicherweise durch die Aufmerksamkeitswelle des Prophets-of-Rage-Projekts dazu bewegen, ihrerseits eine neue Platte rauszuhauen. Dabei bedient man sich für das Werk mit dem vor Weisheit strotzenden Titel "Nothing Is Quick In The Desert" durchaus zeitgemäßer Vertriebswege. Soll heißen: Es gibt einen Public-Enemy-Bandcamp-Seite und als gar nicht so blöder Schachzug lässt sich die Platte dort derzeit kostenlos runterladen. Allerdings nur bis zum 4. Juli. Bis zum 4. Juli! Symbolträchtiger geht's für eine US-amerikanische HipHop-Crew gar nicht. ("Runtergeladen am 4. Juni" - könnte ein zeitgenössisches Drama sein. Mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Iiih, Tom Cruise.)
Ach, diese alten Kämpfer. Schmeißen nicht nur wie die irren Hexenmeister of Rap unglaubliche Mengen und Vielfalten an Samples in den Kessel, sondern haben jetzt also das Clickbaiting für sich entdeckt.

Ihr seht, liebe Freunde aus Stützstrumpf-City, es ist nie zu spät, um einen Fuß auf Neuland zu setzen. Also husch husch, beeilen und rein in den 90er-Jahre-Zeitmaschinen-Whirpool. Und beim Hüpfen schön auf Hüfte, Meniskus und Fußknöchel achten.


Sonntag, 18. Juni 2017

SubCult 15.06.2017

...mit Timbob Kegler.

Die Playlist:

1. Deadbolt - Tijuana Hit Squad


2. El Conjunto Nueva Ola - Dancing with myself (Billy Idol-Cover)


3. CACHICAMOCONCASPA y leyko el perro de la IIII dimensión - I bet you look good on the dancefloor (Arctic Monkeys-Cover)

4. Rolando Bruno - Los Sentimientos


5. The Champs - Tequila Twist


6. The Barbarians - Moulty


7. Trash County Dominators - 99th Floor (Moving Sidewalks-Cover)


8. The Ballon Farm - A question of Temperature


9. New Salem Witchhunters - 6 miles of dead


10. Cobras - I wanna be your love


11. Olympic - Telefon


12. Olympic - Zahod làsku
13. Johnny Fred and his Playboy band - Hey Bunny bunny


14. Hot Water Music - Never going back


15. Body Count (feat. Max Cavaleras) - All love is lost

Freitag, 12. Mai 2017

Pixel? Geil!

Gibt es eigentlich schon eine retrospektive Aufarbeitung der Auswirkung von 80er-Jahre-Spielzeugwerbung auf die Entwicklung der sozialen Fähigkeiten der damaligen Kids? Ja? Nee? Egal.
Rolando Bruno, des Teufels Cumbialectro-Meister, hat sich zu seinem Song "TORTUGUITA MARINA" von Andy Sinboy ein schickes Video in 1A-Mega-Sega-C64-So-Bunt-werden-die-Grafikklötzchen-nie-wieder-Design basteln lassen. Den Tortuguita-Song gab's auch auf Rolandos "Bailazo"-Album, dass vor gar nicht langer zeit bei VOODOO RTHYTM erschienen ist.
Der Clip ist für Anhänger des gepflegten 80er-Retro-Chics eine wahre Freude. Als grobkörniger Superheld kämpft sich der Herr Bruno sich durch eine Jump'n'Run-Zauberwelt, reitet auf niedlichen Schildkröten von Insel zu Insel und haut in einer finsteren Ghettogegend streetfightermäßig alles klein. Am Ende seines kleinen fast vierminütigen Pixeladventures wird dann natürlich eine hübsche Prinzessin befreit. Warum die unbedingt blond sein muss, gehört zu den Fragen, die ich Rolando gerne mal stellen würde.
Für die werte Renfield-Crew gibt es hierzu eine Quizfrage: In welcher Szene (bitte die Minutenzahl im Clip angeben), taucht im Clip von "TORTUGUITA MARINA" das G.G._Allin-Plakat auf? Erster Preis: ein Pixel. Oder zwei.

Freitag, 5. Mai 2017

Alien reacts Alien

Ich gebe zu: Ich bin ziemlich gespannt, wie "Alien_Covenant" so sein wird.
Dazu habe mich mir in den letzten Tagen zig mal die Trailer angeschaut. Außerdem diverse Videoblogs mit allerlei Spekulationen, was Michael Fassbender mit dem Human-Alienfutter so alles im Schilde führt (oder eben auch nicht).
Alles, was an Bildern und Screenshots und Kommentaren zu kriegen war - von "Android David ist eigentlich ein mutiertes Einhorn" bis hin zu "Die Engineers sind eigentlich eine pflanzlicher Hybrid aus E.T. und Angela Merkel". Orgednwann war es wie bei einme guten Essen. Alles zuviel und ein bißchen schwer. Und weil der angehende Sozialarbeiter ja gerne mal daran denkt, die Perspektive zu wechseln, ist der beste Trailer, der in dem das Alien selber mal einen Trailer kommentieren darf.
Sehr hübsch!




Donnerstag, 4. Mai 2017

SubCult-Klänge jenseits des Hauptstroms

Playlist 04.05.2017

1. The Twang – Remmidemmi (Deichkind-Cover)



2. The Twang – Die Welt kann mich nicht mehr verstehn (Tocotronic-Cover)

3. Sound8 Orchestra – Mr. Minigolf made nine mistakes


4. Notilus – Kuku


5. Alex Chilton – Summertime Blues

6. Dangerous Rhythm – No No No


7. Bolanow Brawl – On the Run


8. Sàlo – Son of man

9. Portron Portron Lopez – En attendant


10. Susijat - Nerv

Donnerstag, 9. März 2017

Afropunk - new Mixtape

Afropunk.com ist sicher eine der interessantesten Communities, die es im Netz gibt. Nicht vom quasi-exotischen Standpunkt eines Weißbrotes aus, wie ich eines bin. Das ist ja auch scheißegal, ob ich ein weißer Typ bin, der das gut findet. Vielmehr mag ich AfroPunk, weil die Menschen dahinter regelmäßig sehr gute und spannende Themen rund um Musik, Kunst, Subkultur und Politik (insbesondere wenn es um Rassismus und Sexismus geht) bearbeiten, alles eben alles aus der Sicht von und für PoC - und für Menschen, die mit ihnen sympathisieren udn sich für ihre Belange interessieren. Recht regelmäßig stellt die AfroPunk-Crew dazu noch ein Mixtape auf Soundcloud zusammen. Mittlerweile ist man der 27. Mix am Start und ich kann das Ding nur wärmstens empfehlen. Nicht nur, weil Ice-T und Body Count einen hübsch knalligen Anfang machen.

Mittwoch, 8. März 2017

Schön, wenn (junge) Menschen Musik machen Pt. V

Greg Graffin - Millport

Es gibt da dieses seltsame Internetphänomen, bei dem irgendwelche Witzbolde Justin-Bieber-Songs um 800% verlangsamen und das so Erschaffene dann bei Youtube hochladen. Warum es gerade 800% sein müssen, bleibt unklar. Ist es irgendein Code, ein seltsamer Insider-Witz oder macht allein die absurde Vorstellung dieser Verlangsamung den Gag aus? Ich weiß es nicht. Beziehungsweise war ich mit wichtigerem beschäftigt, als das jetzt wirklich mal zu recherchieren. Justin Bieber hört sich in Super-mega-Monsi-Monster-Slo-Motion überraschend gut an. Natürlich ist vom Original eigentlich gar nichts mehr zu verstehen, der Song löst sich fast in Langsamkeit auf und verwandelt sich in irgendwas sehr seltsam sphärisches, das gut zum Vorglühen für ein SunnO)))-Konzert passen würde.

Als hier auf meinem Rechner also derart zum ersten Mal überhaupt was von Justin Bieber lief und mir diese Sache mit der Verlangsamung sehr gut gefiel, dachte ich an das neue Greg Graffin-Album. Es wäre natürlich ein eher lahmer Joke, wenn man annehmen würde, dass der gute Greg darauf irgendetwas auffahren könnte, was wie eine 800% langsamere Version von BAD RELIGION klingen würde.
Obwohl... so schlecht wäre der Witz nicht. Es wäre ehrlich gesagt ziemlich überraschend. Aber das mit der Überraschung ist bei Greg Graffin so eine Sache.
(Fun Fact am Rande: Wenn Greg nicht gerade als Evolutionsprofessor arbeitet, ist er doch wirklich Sänger der über jede Kritik erhabenen Melodycore-Urzeitechsen BAD RELIGION. Verrückt, ich weiß, aber so steht es geschrieben. Nicht nur hier.)



Alle neun bis zehn Jahre scheint der Turnus zu sein, den Graffin für ein Solowerk braucht. 1997 erschien "American Lesion", 2006 dann "Cold als Clay" und jetzt, es sind auch schon wieder elf Jahre ins Land gegangen, das dritte, "Millport". Es ist dabei kein großes Geheimnis mehr, dass er auf diesen Soloplatten seiner Leidenschaft für alten, sehr alten Country und Folk freien Lauf lässt. In dieser Hinsicht ist Millport (übrigens eine winzige Stadt auf einer winzigen Insel in Schottland. Und wahrscheinlich auch der Name von 20 winzigen Käffern in den USA, wo man noch glaubt, dass Donald Trump Amerika wieder groß machen wird. Noch so ein Fun Fact. Vielleicht auch einfach Fake News.)

Kennt man Graffins frühere Platten, ist Millport eigentlich genauso überraschend wie alle Bad Religion-Alben nach AGAINST THE GRAIN: Nämlich gar nicht. Es gibt viel Country und Folk, manchmal gemischt mit sehr mainstreamtauglicher Rockmusik. Den Überraschungseffekt dämpft auch die Tatsache, dass man Graffins typische Gesangsmelodien, (genau die, die er auch auf all den B.R.-Platten drauf hat) auch hier findet, nur eben mit reduzierter Instrumentierung.

Wenn so ein gestandener Punkrocker eine Countryplatte raushaut, sollte man nicht erwarten, dass dabei automatisch ein etwas alternativ klingendes Americana-Album rauskommt.
Eher das Gegenteil ist der Fall und das ist vielleicht das Problem, dass ich mit "Millport" habe: Die meisten Songs sind so glatt und unauffällig, dass sie sicher auch ihren Platz auf einem Mainstream-Country-Sender zwischen Nashville und ehm, Nashville finden können. Mit "Backroads on my mind" und "Shotgun" sind gleich zwei unglaublich glatt gespülte Countryrock-Songs dabei, die noch nicht mal zum ironischen Doch-gut-Finden taugen.



Selbst die erste Single-Auskopplung "Lincoln's Funeral train" ist so ein pathetischer AOR-Schieber, den nicht mal Mike Ness auf seinen Countryplatten gewagt hätte. Die Banjo-Stomper "Sawmill" und "Echo on the hill" könnten sich auch die DropkickMcKenzies in den Hafenstädten dieser Welt ausgedacht haben. Genau die Musik, mit der man mich aus jeder Kneipe treiben kann.

Etwas unerwartetes gibt es dann doch noch: Dass der Evolutionswissenschaftler Griffin bei "Time of need" mal ganz tief in die Gospelkiste greift, mit fetten Backgroundchören und ganz viel Pathos, überrascht dann doch. Bevor zuviel Schmalz die Festplatte runterläuft, schiebt er zum Glück mit "Making time" eine lockere Country-Popnummer nach, die mit E-Gitarren und fetter produzierten Schlagzeug auch in einem Bad-Religion-Set gar nicht auffallen würde.

Aber das sind zwei Stücke, die ganz ok sind. Insgesamt, vom Schaukelstuhl auf der Veranda betrachtet, wenn man also alle 10 Songs zusammen nimmt, ist Millport leider nicht die Platte, dass ich empfehlen würde, würde mich jemand bei einem Barbeque nach einem herausragenden Countryalbum von einem bekannten Punkrocker fragen. Dazu ist sie zu nett und zu unauffällig. Ein wenig zu beiläufig. Was mir fehlt, ist eine latent desperate Stimmung. Oder ein ätzender Punk-typischer Humor. Und was das betrifft, geht eigentlich nichts über Jello Biafras "Prairie Home Invasion"-Kollabo mit Mojo Nixon. Und das Ding ist schon 23 Jahre alt, herrje.

L wie Low Brow ist irgendwie anders auf der 26-teiligen Renfield-Rezensionsskala.

Gary Flanell

Greg Graffin - Millport
erscheint am 10. März 2017 auf ANTI- Records.