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Freitag, 25. November 2022
THANK YOU GARY MUCH - Michel Piccoli
Nach kurzer Pause, geht es jetzt weiter mit Seite 2: Zu jedem Song auf dem "Thank You Gary Much"-Tape ein paar Liner-Notes, in 10 Minuten nach einer Free Writing Methode aufgeschrieben und nur sanft korrigiert.
7. Michel Piccoli
Niemand hat die Absicht, einen Polizisten zu essen. Ich weiß auch gar nicht, wie das geht. Kannibalismus ist nicht so mein Ding. Habe gehört, sie schmecken wie Hühnchen. Aber was weiß ich? Weder weiß ich wie Polizisten gebraten, geschmort, gedünstet, geröstet oder gekocht schmecken. Soll man ja auch nicht machen. Es könnte strafbar sein. Der Verzehr von Ordnungshütern und Kräften der Exekutive ist nicht gestattet. Gibt dazu bestimmt einen Paragrafen im Grundgesetz. Aber ween der Polizist/die Polizistin keine Uniform mehr trägt, und ich ihn oder sie DANN esse, ist es dann noch ein*e Polizist*in? Macht die Uniform erst den Geschmack, rauchig, moschusartig, alt-socken-schweißig, leicht buttrig-ranzig, das darunter liegende Aroma nach Bullenwanne, Pickelhaube und Schutzweste? Ich werde es nie herausfinden. Bin ja 3/4 Vegetarier und solche Mengen an Fleisch, wie da zu verzehren wären (guter Bulle kann sicher schon mal 90-100 Kilo wiegen) , kann ich schon lange nicht mehr ab. Außerdem wäre da noch die Frage der Haltung? Ich bin ja großer Verfechter von Freilandhaltung. Einfache Bodenhaltung ist einfach zu wenig. Ich will saftige Wiesen, auf denen sanfte Bullen stehen, die Köpfe gebeugt, die Nacken breit, den Rest der Welt mißtrauisch beäugend und nicht einmal ahnend, welches Schicksal sie erwartet. Am besten wäre für die zu Verzehrenden natürlich ein Gnadenhof. Wo sie - nach einem langen Leben im Dienste der öffentlichen Ordnung und Sicherheit ihre letzten Jahre in Ruhe und Freiheit verbringen dürfen. Wo gehen all die Polizisten hin, wenn sie nicht mehr auf der Straße sind? Nach Hause, klar. Aber gibt es so Schwerpunktsiedlungen, wo Polizisten alle zusammen wohnen? Wie bei Copland? Das wäre ja was. Polizei-Stadt, nicht Polizeisiedlung. Kleingartenverein "Zur grünen Uniform", mit Kneipe "Am Blaulicht". Ecke Sirenensteig/Schlagstockstraße (nicht zu verwechseln mit olle Klopstockstraße). Da wohnen sie dann alle, alle Kontaktbereichsbeamten und Kripomenschen und Polizeihelikopterpiloten, Lederjacke-mit-Bündchen-Träger, all die Anwärter für den inneren und äußeren Dienst haben da alle ihr Einfamilienhaus mit Zaun und Wiese und am zan noch ne Hecke, warum, weiß keiner, und vorm Haus ein dunkles Nadelgehölz, das kein Licht ins gardinenbehangene Wohnzimmer lässt, und blickdicht nach innen ist. Was drinnen im Eigenheim passiert, weiß nur der Polizist und seine Frau und die Kinder. Ich weiß es auch nicht. Ich gehe hier nur ab und zu spazieren. Singend. Einen Grill und einen Sack Holzkohle hinter mir herziehend.
P.S.: Wer wissen will, was Michel Piccoli mit all dem zu tun hat, muss THEMROC gucken.
Montag, 21. November 2022
THANK YOU GARY MUCH - Selten mach Ich Spaß
Wie angekündigt, zu jedem Song auf dem "Thank You Gary Much"-Tape ein paar Liner-Notes, in 10 Minuten nach einer Free Writing Methode aufgeschrieben und nur sanft korrigiert.
6. Selten mach Ich Spaß
Geistert schon sehr lange im Kopf herum, dieser Satz. Aufgeschnappt auf Mallorca, ja wirklich. Der Insel, die auch schöne Ecken hat. Geheimratsecken wahrscheinlich. Ich war bisher einmal dort, beruflich irgendwie. Habe mit einer Gruppe von Menschen mit Behinderungen dort Urlaub gemacht, auch schon ewig her. Da fiel dann der Satz und er fiel und fiel und fiel direkt in meinen Kpf, direkt ins Hirn. Blieb dort dann hängen, wie ein Schlüssel, der aus Versehen aus der Tasche fällt und die Stufen runter in den Keller purzelt, bis er auf dem letzten Absatz liegenbleibt. oder in einer unmöglichen Ecke verschwindet, von der man denken würde, da KANN er doch gar nicht hingefallen sein. Kann er aber doch. Der Schlüssel genauso wie der Satz. Der Satz blieb mir also im Gedächtnis, es war relativ schnell klar, dass es mal einen Song damit geben würde. Mehr Text muss auch nicht sein. So eine Zustandsbeschreibung, bzw. eine Wesens/Charakterbezeichnung reicht ja auch aus. Damit wäre dann alles gesagt. Es scheint, als wäre diese Eigenbeschreibung eine recht düstere. Selten Spaß machen und manchmal traurig sein. Aber wäre das schlimm? Blöde Witze über mich selber habe ich oft genug gemacht. Das ist ja auch kein Problem, so lange du dich selber ernst nimmt. und das, was du tust. Das war oft der Knackpunkt: Sich selber ernst nehmen, das eigene Tun und Handeln ist wichtig. Das kann auch das eigene Witze machen betreffen. Wenn du dich selber nicht ernst nimmst also nicht für voll, also dich selber für eine Witzfigur hältst, dann ist alles nix. Dann kannst du alles, was du vorhast, knicken. Das bedeutet wiederum nicht dass du das oder der einzige sein solltest, den du ernst nimmt, überhöhtes Ego, das zu viel Raum einnimmt, ist auch kacke. Das kannst du tun, indem du beispielsweise einen Blog voll schreibst, da ist genug Platz. Erwarte aber nicht, dass alle deine Ergüsse immer mit absolutem Interesse lesen, oder du dafür immer Resonanz bekommst. Musst du halt mit leben, mit dem Wagnis, dass du was schreibst, aber es keiner lesen will. oder dass du Musik machst, sie aufnimmst, sie dokumentierst, aber niemand will es eventuell hören. Reicht das? Reicht dir das? Musst du selber herausfinden. Aber nimm dich ernst, auch wenn du lustige Dinge tust, schreibst, sagst, singst. Karnevalsvereine, traditionelle wie alternative, machen es ähnlich. Sie wollen lustig sein, nehmen aber ihr Tun sehr ernst. Woher würde sonst die Sorgfalt kommen für all die Karnevalswagen, die Kostüme, die Tänze, die Reden, die Sitzungen? Sowas muss geplant sein und das nehmen sie ernst. Also: Feier deinen inneren Karneval, meinetwegen jeden Tag, aber mach keinen Witz aus dir. Wow, was ein 10-Minuten-Coaching.
Sonntag, 20. November 2022
THANK YOU GARY MUCH - Trauriger Hund
Wie angekündigt, zu jedem Song auf dem "Thank You Gary Much"-Tape ein paar Liner-Notes, in 10 Minuten nach einer Free Writing Methode aufgeschrieben und nur sanft korrigiert.
5. Trauriger Hund
Ich mag Katzen lieber als Hunde. Wobei Hunde nicht schlecht sind. Schon süß. Davon ab hatte ich irgendwann die Ambition, einen sehr traurigen Song zu schreiben. Ich verstieg mich zu der Idee, den traurigsten Song ever zu schreiben. Cat content hilft da. Dog content wohl auch. Über Content zu sprechen klingt aber irgendwie scheiße, allein dieser Begriff, cat /dog content, als wäre das hier eine verschissene Werbeagentur. Der Hund, um den es geht, lebt mit seiner Familie auf der Straße. Man liebt sich und beißt sich. Ist aber insgesamt zufrieden. Hier was zu fressen, da schlafen und sicher ab und zu auch mal ficken. Leben funktioniert. Bis zu einem bestimmten Punkt. Da kommen die Menschen ins Spiel. Wobei die Menschen ja immer im Spiel sind, bzw. im Kontext als Akteur dabei, den die Hunde als gegeben annehmen und die Menschen als Faktor mit in ihre sozialräumliche Wahrnehmung einbauen. Aber eigentlich ist der Mensch aus Hundeperspektive ein Akteur, der da ist, aber halt nicht besonders stört. Bis zu diesem Moment, an dem von Menschen geschaffene Strukturen mit den Interessen des Hundes kollidieren. Menschliche Strukturen: Straße. Urbane Bebauung. Graben. Kein Hund braucht sowas. Nur Menschen denken sich sowas aus. Weil sie nicht mehr zu Fuß unterwegs sind. Sondern Gefährte erfunden haben (hier könnte man besser sagen "entwickelt". Kleiner Tipp: Sage nie, dass du was erfunden hast. Sage immer, du hast was entwickelt. Macht mehr Eindruck. Entwickler klingt nicht so nach wirrköpfigem, zerstreutem Professor. Weniger nach Daniel Düsentrieb, mehr nach Steve Jobs.), um sich damit fortzubewegen. Zum Fahren braucht man ebene Flächen, nicht breit, sondern lang. Die nehmen dann Platz weg. Den Platz, wo Tiere unterwegs sind. Der Hund zum Beispiel. Der Hund, um den es geht, ist übrigens ein sehr schöner Hund. Wäre ihm nicht was blödes passiert, wäre er in seinem Rudel ohne menschliche Einfluss sehr zufrieden gewesen. Miteinander rumtollen. Sich zärtlich in den Nacken beißen, In der Hitze aufeinander rumliegen. Gemeinsam Beute teilen. Achja, Tierromantik aus menschlicher Perspektive. Wahrscheinlich gibt es da ganz andere Prozesse, die ich nicht mal ansatzweise verstehe. Der Hund hat hellbraunes Haar. Recht kurz, struppig, obwohl es niemand trimmt. Kein Schnauzer, auch kein Schnauzer-Mischling. Halt eine schöne lange Schnauze, lange Beine, langer Schweif. Er ist dünn und das ist gut. Muskulös. Sehnig, aber nicht als Nazi-Ideal brauchbar. Als junger Hund waren seine Pfoten so niedlich dick und wirkten tollpatschig, aber nun ist er ein echter Kämpfer. Fühlt sich gut in seiner Crew. Würde nie was ändern, tut es aber dann doch. Nicht mal absichtlich, sondern weil die Umwelt ihn reinreißt. In Situationen, von denen er selber nicht weiß, wie er da rein und wie er wieder rauskommen wird. Einen Namen hat er nicht. Sowas machen nur Menschen. Trauriger Hund.
Mittwoch, 16. November 2022
THANK YOU GARY MUCH - AMHIG
Wie angekündigt, zu jedem Song auf dem "Thank You Gary Much"-Tape ein paar Liner-Notes, in 10 Minuten nach einer Free Writing Methode aufgeschrieben und nur sanft korrigiert.
4. AMHIG
Einfache Worte knallen manchmal richtig, direkt ins Herz und dann sind alle Laken blutig. AMHIG, All my happiness ist gone. Geklaut ist das, von David Berman, dem Typen von den Silver Jews und Purple Moutains. Silver Jews habe ich früher nie gehört, aber Freunde von mir. Besonders einer fand die richtig gut, der wohnt jetzt in einem winzigen Dorf auf dem Land. Was ich davon hörte, damals, war ok. Purple Mountains haben mich dann voll umgenietet, mitten ins Herz, mitten durch die Brust. Hätte auch keine Schutzweste was geholfen. So schön. Richtige Platte, richtiger Spieler, richtige Zeit, richtiger Ort. Berman übrigens tot, für die Uneingeweihten. Selbstmord. 2020, oder 2019 oder 2018? Ich guck jetzt nicht nach, scheiß auf Recherche, Wikipedia wird's wissen. All my happiness is gone. Muss sagen: Da ist was dran. Früher hatte ich prekäre Umstände, aber viel Zeit zum Aufschreiben und Ausmalen von Dingen (MALT! ALLES! VOLL!), vieles davon Mist, aber lustig, vieles monetär und nach ökonomischen Maßstäben grober Unfug. Aber darum geht es nicht. Wenn wir den Kapitalismus knacken wollen, müssen wir von diesen Maßstäben, ob etwas Geld bringt oder ob sich etwas verkaufen lässt, weg. Klaaaar, Geld IST wichtig, sogar sehr, aber es frustet, immer daran denken zu müssen und frisst Lebensfreude. Meine jedenfalls, weil ich mich nur eingeschränkt dem widmen kann, was wirklich gut ist. Also das Geld an sich ist nicht das Problem, aber der Erwerb. VGWA = Viel Geld, wenig Arbeit, da bin ich sofort dabei. Jetzt mitten im Erwerbsarbeitsleben drin. Ein Job und noch ein Job und ein ganzer Kladderaradatsch, der da mit dran hängt. Strukturen, auf die ich ehrlich gesagt gar keinen Bock habe: Urlaubsplanung Monate im voraus? Fuck. Fortbildungen hier und da? Fuck. Netzwerktreffen und permanentes Austauschen mit „super Leuten, die da ein total tolles Projekt machen“? Lass mich in Ruhe. Aber die Kekse sind gut. Ständige Reflexionen des eigenen Tuns und Supervisionen bis zu Migräne und Hirnblutung? Fuck. Teamsitzung, After-Work-Treffen, kollegiales Zwangs-Ankumpeln? Ich will ins Bett. Allein. Steuererklärung, weil "Da kannst du sicher was wieder kriegen." bzw. "Du verschenkst da echt Geld!" ? Dafür spare ich Zeit und Nerven, also: Fuck. Zielvereinbarunge? Bin ich ein Navi? Fuck. Monatsabrechnungen? Fördertöpfe? Budgetdingsbums? All that Jazz? Fuck. Ich hatte früher weniger Geld. Das war scheiße. Jetzt habe ich etwas mehr und regelmäßiger Geld, dafür weniger Zeit für die guten Sachen sowie einen Arsch voll Verpflichtungen und Kalendereinträge. Das ist auch scheiße. (Gibt's keinen Zustand, der nicht Scheiße ist? Muss ich den erst zu denken wagen?) Dazu Stress und auch weniger Lust auf alles und Verkrampftheit und weniger Gedankenkarussell, ob ich nicht noch was vergessen habe. Too many structures eat my brain, ihr Wanzen. Man könnte sagen: Gewöhn dich dran. Haben wir alle. Sorry, auch wenn ich diesen Affenzirkus mitmache, um irgendwie halbwegs anständig zu überleben. Dran gewöhnen werde ich mich nicht, das hat mit Mitte 20, Mitte 30 und Mitte 40 nicht geklappt. Wir wissen natürlich alle, dass so ein Rant nur Ausdruck großer Erschöpfung ist. Dann soll es so sein. Aber: Bietet sich der erste gute Ausweg aus diesem Irrsinn, dann bin ich weg, versprochen. Ist aber erstmal nicht in Sicht. Also keine Hoffnung. Das tut weh. Lohnarbeit nur dazu da, um irgendwie durchzukommen. Deshalb unterstreiche ich voll und ganz: All my happiness is gone. Berman, du alte Sau, hast alles richtig ausgedrückt. Ob du alles richtig gemacht hast, müsste diskutiert werden. Weil's so wahr ist, wird alles leider nicht besser. Was danach kommt, ist nur Hommage. Ich singe nur für dich, Berman. Aber echt lieb gemeint. Quizfrage: Das Leben ist a) scheiße b) nicht fair c) voll schön. Such dir was aus, aber quatsch mich nicht voll.
Dienstag, 15. November 2022
THANK YOU GARY MUCH - 2 Jahre oder weniger
Wie angekündigt, zu jedem Song auf dem "Thank You Gary Much"-Tape ein paar Liner-Notes, in 10 Minuten nach einer Free Writing Methode aufgeschrieben und nur sanft korrigiert.
3. 2 Jahre oder weniger
Auf dem Floß waren wir unterwegs, als das Ding in irgendeiner Playlist unbeabsichtigt abgespielt wurde. Sun Ra Bullock meinte, das wäre der Gary-Blues, die anderen rauchten einfach weiter. Vielleicht kommt der Eindruck durch das Tambourin, oder die 1-Ton-Orgel. Jedenfalls schunkelten wir genauso an einem sonnigen Mai-Tag dahin. Aber diese dräuende Routine, diese immergleiche Aussichtslosigkeit, die ringförmige Eintöngkeit, die soundgewordene S-Bahn ohne Ende und Anfang, die waren wir dann doch nicht. Schließlich konnten wir irgendwo anlegen. Das kann die Wüste Routine, durch die wir alle im Alltagsnebel schlendern, nicht. Da bist du drin, da gibt's keine Endstation, die fährt immer im Kreis und das irre ist: Du merkst das nicht. Hast du eigentlich auch so nicht bestellt, aber der alte mürrische Ober Schicksal knallt dir den Drink halt einfach auf den Tisch. Also sauf. Was anderes gibt’s nicht, besser wird’s nicht. Du weißt, dass das irgendwo ein Kreis ist, sowie alles irgendwie (Leben, Regenschirm, Rihanna-Platte, Papstkrone) aber merken tust du es nicht. Höchstens, wenn du mal hingucken würdest, du Irrer. Nach einer durchfeierten Nacht, da könntest du eventuell mal was merken. Wenn du ganz genau drauf achtest, oder mal eine ganze Runde drehst. Das passiert natürlich nie, denn die Zeit gibt dein Leben ja gar nicht mehr her. Gehetzt. Jeden Tag, bei Tages- und Nachtfreizeit. Nicht das alte Lied, aber das alte Thema. und es wird neblig, mein Gott, ist das neblig. Da gab es dieses Spiel, das wir uns ausgedacht, aber nie gespielt haben: Drink The Ring, nannte Schätzeken das. Ich könnte es eh nicht mehr spielen. Das Spiel geht so. Alle steigen an der gleichen Station ein, an jeder Haltestelle steigen alle aus und suchen die nächstgelegene Kneipe auf. Dort wird ein Bier getrunken. Dann verlässt man die Bar wieder, steigt in die nächste Ringbahn, steigt an der nächsten Haltestelle aus, sucht die nächste Kneipe auf und so weiter und sofort. Wer die meisten Stationen schafft, hat gewonnen. Ist dann Ring-König*in. Alle anderen haben verloren und müssen ohne Hilfe nach hause kriechen. Vielleicht schafft auch jemand alle Stationen, das stelle ich mir sehr spannend vor. Aber möglicherweise haben ein paar Neuköllner Kneipenkatzen das Spielchen schon mal mitgemacht und jeden Level durchgespielt. Statt Bier einen Schnaps an jeder Haltestelle, aber erstmal die nächste Bar dort finden, am Westhafen wäre das schon interessant, Jungfernheide hielte sicher auch ein paar spannende sozialräumliche Aneignungsexperimente parat. Oer wir verkaufen die Idee. Schätzeken, sag mir, wie wäre das? An irgendwelche Partytouristen, die ein Wochenende in der Stadt sind und von 48 Stunden die Hälfte in der Ringbahn saufend, am Ende vollgekotzt, eingepisst und eingekotet, mit einer Plastiktüte um den Hals und Edding-Penis-Tattos auf der Stirn wieder in den Flieger steigen. Wie wäre das, Schätzeken? Wäre das nicht schön?
Montag, 14. November 2022
THANK YOU GARY MUCH - Mann mit der Torpedohaut
Wie angekündigt, zu jedem Song auf dem "Thank You Gary Much"-Tape ein paar Liner-Notes, in 10 Minuten nach einer Free Writing Methode aufgeschrieben und nur sanft korrigiert.
2. Mann mit der Torpedohaut
Wir reisen, wir reisen, wir reisen. Ein Punk-Boogie wie eine Fahrt durch unbekanntes Land. Hier Steppe, da meterhohe Schilfe, runter geht's und dann wieder hoch. Da, in der Ferne, diesig blaue, malerische Bergzüge, mit irgendwas bewachsen, das geduldige Büffel mit ausladendem Gehörn seelenruhig abfressen, tagein tagaus. Solche Berge sind das, an deren Fuß sich Strände befinden - ohne Surfdudes und ohne den kleinsten Partikel Mikroplastik. Die Sonne scheint darob, ein paar Wolken kreuzen den Weg, aber es ist nicht zu heiß. Wir kommen gut voran, liegt vielleicht an unserem Gefährt, das wir vor ein paar Tagen gemeinsam eingeschmissen haben, nachts um drei in dieser Bar, in der das Licht auch nüchtern seltsam blinkte, und auf dem wir jetzt durch die Dimensionen heizen. Ich trage einen Sombrero, einen strohgemachten, extra für mich geflochten und mit einer bestickten Banderole und ener blauen Feder unbekannter Herkunft geschmückt. Meine Hände mit dem Kunstleder des Lenkrads verschmolzen, die rechte Hand nur manchmal sanft den Schaltknauf mit dem Marienbildnis betätigend. Du neben mir, hübsch wie immer, süß, geheimnisvoll, zweiköpfig. Sphinxig. Deine schmalen Augen, die eher einer Viper angemessen wären, lachen mich an, alles ist gut. Im Mundwinkel hast du einen riesigen Pappbecher (1,5 l mindestens) Latte Macchiatto, mehr Schoko als Kaffee. Hauptsache Koffein. So brausen wir dahin, unter Brücken durch, über Paß-Strassen, die durch regenbogenartige Landschaften führen, immer weiter vorwärts. Pausen werden nur selten gemacht, an den Motels, an den Tankstellen, an den einsamen Grillstuben, wo im der Blechtonne seltsame Dinge vor sich hingaren. Vielleicht sind wir die ganze Zeit auch nur bekifft. Es wär nicht so wild, eigentlich eher förderlich, Reist sich eher noch besser. Runter und wieder rauf. Es ist alles ein bißchen wie bei Mario Kart, nur in echt. Bunte Straßen, lustige Gefährten, mit denen wir uns spaßige Rennen liefern. Kurve links, Kurve rechts, jetzt auf die Regenbogenstrecke. Bowser hinter mir, die Prinzessin deckt die rechte Seite, Vorsicht da kommt so eine komische Obstbombe, die wird uns voll raushauen, weich aus! Mann, was habe ich die Regenbogenstrecke geliebt! So wie diese Strecken ist das hier, Mann. Wie bei allen Strecken von Mario Kart, nur in Natur und man kann mal rechts ranfahren, aussteigen, sich alles angucken. Stell dir vor, du machst bei Mario Kart eine Pause auf dem Rastplatz und schaust dich mal eine Stunde in der Gegend um! Na, wie wär das? Wie wäre das, Mann? Wäre das geil? Und dann wieder los. Hoch, runter, rechts herum, links herum und auf dem Rücksitz brodelt ein Topf mit heißer Suppe vor sich hin.
Sonntag, 13. November 2022
THANK YOU GARY MUCH - Badewanne Selbstmitleid morgens
Wie angekündigt, zu jedem Song auf dem "Thank You Gary Much"-Tape ein paar Liner-Notes, in 10 Minuten nach einer Free Writing Methode aufgeschrieben und nur sanft korrigiert.
1. Badewanne Selbstmitleid
Jetzt muss alles schnell gehen. Anziehen, Zähne putzen, Tee trinken, Brot essen. dann raus, Treppe runter, zur Haustür raus, schnell schnell. Der Tag wartet nicht, nicht auf dich, er rennt dir davon, du siehst ihn immer nur von hinten und hörst dieses höhnische, elsterhafte Keckern: dukriegstmichnicht, dukriegstmichnicht,dukriegstmichnicht, hahaha. zack, ist die Zeit davon gerauscht, niemand weiß wohin, vielleicht um die nächste Ecke, wahrscheinlich eher zum nächsten Punkt auf der To-Do-Liste. Friseur, Einkaufen, Fitnessstudio, zum Arzt (oft), zum Notar (nicht sooft), Bude putzen, eine Rechnung überweisen, Urlaub planen, Wochenende planen, Job planen, Essen planen, Sport planen, Entspannung planen, Serie schauen planen (Wofür? Plan kaputt, was dich kaputt macht), Freundin treffen. Freunde wollen auch getroffen werden, alle zusammen am besten jedes mal mitten ins Herz. Das heißt ja heute netzwerken, alles muss Nutzen haben, sogar Bier trinken in der Kneipe. Mit Menschen zusammen sein, die einem so gar nichts zu bieten haben, außer einer guten Zeit, ist verpönt, denn die sind ja netzwerktechnisch nicht nützlich. Freundschaft im 21. Jahrhundert. Manche schon so lange nicht mehr gesehen. Die Bandpiepel namens Zeit, Interesse, Konzentration, spielen dabei alle nicht synchron, nicht im selben Rhythmus, nicht mal in derselben Band, nicht im selben Proberaum, schon gar nicht auf dem selben Gig. Die kennen sich nicht mal wirklich. Mein Netzwerk? funktioniert super, schön dass du fragst. So. Alles analysiert, mit wem und wann man zusammen sitzt und Dinge tut. Alles muss Nutzen haben, kapier's doch endlich mal. Well, und dann zwischendurch ein Moment der Ausschöpfung einer Ruhe. Kurz an der Wand lehnen, aber nicht so, als würde man besoffen aussehen. Wie schön wäre es, sich einfach auf die stufen eines U-Bahnaufgangs zu setzen und für zwei Minuten die Augen zuzumachen. ich haue auf die Couch, dann ist der Kopf wieder an, war kurz defekt, weil immer immer immer immer immer immmer immer immerimmerimmerimmerimmerimmmerimmerimmmerimmerimmmerimmerimmerimmerimmerimmmer zu viel zu tun. immer. öfter in die tasten gehauen, ergibt das Wort einen guten shuffle. diese 5 Buchstaben. Mit ever geht das anders. ever ever ever ever ever ever ever ever ever ever, ever ever ever ever ever ever. Ever ever ever ever. Fast wie der Auftakt beim Anfang der Addams-Family-Titelmelodie. siempre noch schwerer. siempre, fast schon eins von diesen Breaks aus alten Soulsongs, die immer gecovert werden. ja, und so sitze ich beim Sonnenaufgang im Nebel, kloppe Buchstaben ins Plastik und das muss sein. So viele Dinge müssen sein aber Ruhe ist nicht zu finden. Gute Freunde wohnen jetzt ganz weit weg und wenn ich ganz weit sage dann meine ich das auch so. schon zig mal versprochen, mal vorbei zu kommen, aber für 2 Tage lohnt das nicht, so weit weg ist das, es müssten schon vier Wochen sein, ha, vier Wochen, wo sollen die herkommen am Stück. Wollte ich in solche Überlegungen je sein?
THANK YOU GARY MUCH - Gary Flanells erstes Solo-Tape
Aufgemerkt, liebe Freunde der rhythmischen Tanzmusik:
Nächste Woche Freitag wird das erste Solo-Tape vom Herrn Flanell veröffentlicht.
"THANK YOU GARY MUCH" heißt es, komplett weiß ist es, 11 Songs enthält es, auf 50 Exemplare limitiert ist es. Soweit die Fakten.
Nach Jahrzehnten des Fanzine Machens und in diversen musikalischen Projekten Involviert Seins (früher: ESEL, MERCEDES Z, SCEPTIC JAZZ, ELLA & GARY, heute: ATOMVULKAN BRITZ, KUNSTKACKE SOUNDSYSTEM), nun also erstmalig eine Auswahl dessen, was ich in den letzten Jahren aufgenommen habe.
Die 11 Tracks tragen allesamt eine große Portion Punk- und DIY-Spirit in sich, auch wenn es in musikalischer Hinsicht nicht alles Schrammelgitarre ist, sondern zuweilen etwas elektronisch daherkommt. Das meiste wurde in den eigenen vier Wänden eines Ost-Berliner Plattenbaus konzipiert, aufgenommen, arrangiert. Es gibt noch diverse Songs mit englische Lyrics, auf diesem Tape sind alle Texte allerdings komplett auf deutsch.
Bei der Realisierung dieses Tapes gab es Support von wirklich lieben Menschen, ohne die es nie so hübsch geworden wäre, wie es ist:
Baba Jaga hat wunderbare Vocals auf dem Track "Europa" eingesungen, Atomvulkan-Brudi Sun Ra Bullock seine subtilen Kaos-Pad-Echo-Skills auf "Die Ideen gehen aus" beigesteuert und Bernard Fruithagel, der großartige grafic artist, hat das hübsche stilvolle Coverdesign samit Banderole und Gary-Score A perfekt umgesetzt.
Und dann will ich noch Alissa Wyrdguth erwähnen, die mit klugem und wichtigem Feedback geholfen hat, manch peinliche Untiefe zu umschiffen.
Anhören und runterladen kann man sich alle Tracks des Tapes ab dem 18.11.2022 über die Bandcamp-Seite von JOHN STEAM RECORDS. Dort kann auch das Tape bestellt werden.
Einen Vorgeschmack gibt es jetzt schon, denn der Track "Michel Piccoli" wurde bereits am 11.11. veröffentlicht und ist hier hörbar.
In den nächsten Tagen werde ich den Renfield-Blog nutzen, um zu jedem Track auf "THANK YOU GARY MUCH" ein paar Liner-Notes zu hinterlassen.
Diese Texte werden nach einer Free writing-Methode verfasst.
Das bedeutet: Ich werde jedes Mal 10 Minuten ununterbrochen schreiben. Alles, was mir zum jeweiligen Song in den Sinn kommt. Wichtig ist es, nicht aufzuhören mit dem Schreiben. 10 Minuten lang. Dann ist Schluß. Jeder Text wird dann noch sanft orthografisch korrigiert, aber inhaltlich wird nichts verändert.
Los geht es mit "Badewanne Selbstmitleid morgens".
Hier schon einmal die Tracklist aller Songs des "THANK YOU GARY MUCH TAPES":
1. Badewanne Selbstmitleid morgens
2. Mann mit der Torpedohaut
3. 2 Jahre oder weniger
4. AMHIG
5. Trauriger Hund
6. Selten mach ich Spaß
7. Michel Piccoli
8. Die Ideen gehen aus
9. Europa
10. Woher ich komme
11. Badewanne Selbstmitleid abends
THANK YOU GARY MUCH von Gary Flanell erscheint am 18.11.2022 uf John Steam Records in einer limitierten Auflage vn 50 Tapes und als digitaler Download über die Bandcamp-Seite von JOHN STEAM RECORDS.
Am 18.11. ab 21 Uhr wird das Tape bei der JSR DOUBLE RELEASE PARTY im Trxteria Nova in Kreuzberg vorgestellt - gemeinsam mit der Veröffentlichung des Tapes "First We Tape Manhattan" von LUTZILLA (Indierock/Post-Punk, Berlin) und ATOMVULKAN BRITZ (Regressive Rock), DJ-Set by Untanzbare Zustände (Indie-Rock).
Nächste Woche Freitag wird das erste Solo-Tape vom Herrn Flanell veröffentlicht.
"THANK YOU GARY MUCH" heißt es, komplett weiß ist es, 11 Songs enthält es, auf 50 Exemplare limitiert ist es. Soweit die Fakten.
Nach Jahrzehnten des Fanzine Machens und in diversen musikalischen Projekten Involviert Seins (früher: ESEL, MERCEDES Z, SCEPTIC JAZZ, ELLA & GARY, heute: ATOMVULKAN BRITZ, KUNSTKACKE SOUNDSYSTEM), nun also erstmalig eine Auswahl dessen, was ich in den letzten Jahren aufgenommen habe.
Die 11 Tracks tragen allesamt eine große Portion Punk- und DIY-Spirit in sich, auch wenn es in musikalischer Hinsicht nicht alles Schrammelgitarre ist, sondern zuweilen etwas elektronisch daherkommt. Das meiste wurde in den eigenen vier Wänden eines Ost-Berliner Plattenbaus konzipiert, aufgenommen, arrangiert. Es gibt noch diverse Songs mit englische Lyrics, auf diesem Tape sind alle Texte allerdings komplett auf deutsch.
Bei der Realisierung dieses Tapes gab es Support von wirklich lieben Menschen, ohne die es nie so hübsch geworden wäre, wie es ist:
Baba Jaga hat wunderbare Vocals auf dem Track "Europa" eingesungen, Atomvulkan-Brudi Sun Ra Bullock seine subtilen Kaos-Pad-Echo-Skills auf "Die Ideen gehen aus" beigesteuert und Bernard Fruithagel, der großartige grafic artist, hat das hübsche stilvolle Coverdesign samit Banderole und Gary-Score A perfekt umgesetzt.
Und dann will ich noch Alissa Wyrdguth erwähnen, die mit klugem und wichtigem Feedback geholfen hat, manch peinliche Untiefe zu umschiffen.
Anhören und runterladen kann man sich alle Tracks des Tapes ab dem 18.11.2022 über die Bandcamp-Seite von JOHN STEAM RECORDS. Dort kann auch das Tape bestellt werden.
Einen Vorgeschmack gibt es jetzt schon, denn der Track "Michel Piccoli" wurde bereits am 11.11. veröffentlicht und ist hier hörbar.
In den nächsten Tagen werde ich den Renfield-Blog nutzen, um zu jedem Track auf "THANK YOU GARY MUCH" ein paar Liner-Notes zu hinterlassen.
Diese Texte werden nach einer Free writing-Methode verfasst.
Das bedeutet: Ich werde jedes Mal 10 Minuten ununterbrochen schreiben. Alles, was mir zum jeweiligen Song in den Sinn kommt. Wichtig ist es, nicht aufzuhören mit dem Schreiben. 10 Minuten lang. Dann ist Schluß. Jeder Text wird dann noch sanft orthografisch korrigiert, aber inhaltlich wird nichts verändert.
Los geht es mit "Badewanne Selbstmitleid morgens".
Hier schon einmal die Tracklist aller Songs des "THANK YOU GARY MUCH TAPES":
1. Badewanne Selbstmitleid morgens
2. Mann mit der Torpedohaut
3. 2 Jahre oder weniger
4. AMHIG
5. Trauriger Hund
6. Selten mach ich Spaß
7. Michel Piccoli
8. Die Ideen gehen aus
9. Europa
10. Woher ich komme
11. Badewanne Selbstmitleid abends
THANK YOU GARY MUCH von Gary Flanell erscheint am 18.11.2022 uf John Steam Records in einer limitierten Auflage vn 50 Tapes und als digitaler Download über die Bandcamp-Seite von JOHN STEAM RECORDS.
Am 18.11. ab 21 Uhr wird das Tape bei der JSR DOUBLE RELEASE PARTY im Trxteria Nova in Kreuzberg vorgestellt - gemeinsam mit der Veröffentlichung des Tapes "First We Tape Manhattan" von LUTZILLA (Indierock/Post-Punk, Berlin) und ATOMVULKAN BRITZ (Regressive Rock), DJ-Set by Untanzbare Zustände (Indie-Rock).
Dienstag, 1. November 2022
Schön, wenn Menschen Musik machen Part XXI
G31 - Die Insel der versunkenen Arschlöcher
Normalerweise trägt diese Review-Sekton ja noch das Adjektiv "junge" in bezug auf Menschen im Titel. Das lasse ich diesmal weg, aus Gründen. Denn das Bandfoto zeigt mir, dass G31 und ich ungefähr in der gleichen Alterskohorte sein dürften.
Also nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht im Stadium der senilen Bettflucht angekommen.
Das heißt ja nicht, dass man kein Musik mehr machen dürfe.
Punk mag vielleicht ein Nachwuchsproblem haben, aber es ist älteren Szenegraurücken ja nicht verboten, weiterhin Platten aufzunehmen und live zu spielen.
Sowas kann zuweilen ganz schön in die Hose gehen (denke ich manchmal, wenn ich z.B. aktuelle Exploited-Live-Mitschnitte sehe. Warum ich damit wertvolle Lebenszeit verschwende, sollte ich mich auch mal fragen) aber auch gut laufen.
Was mich zu G31 bringt.
Denn hier läuft's gut.
G31 haben im Mai 2022 ein zweites Album mit sehr lustigem Titel rausgebracht, und das sogar auf Vinyl.
Mir liegt nur die CD vor, aber die reicht, um einen guten Einblick zu bekommen.
Und gut ist der Eindruck von G31 auf alle Fälle: Denn souverän gespielten Deutschpunk mit gewitzten Lyrics, einfallsreichen Song- und Soundstrukturen kann ich mir zuweilen immer noch geben, gerne auch, wie in diesem Fall mit einer Sängerin.
Die Diskussion über die Sichtbarkeit und das zahlenmäßige Auftreten von Frauen in Sachen Punk ist immer noch aktuell und wichtig. Und jede Frau die sich in einer Band auf die Bühne stellt und Raum zwischen all den Typenbands einnimmt ist wichtig, egal ob sie in einer Crustcore-Combo den Bass schrubbt, in einer Gothic-Waveband Gitarre spielt oder wie hier, einer Deutschpunkband wichtige Impulse gibt - sie sind alle wichtig. Mehr davon ist immer noch nötig.
Das wäre als formales Kriterium für die Bewertung dieser Platte sicher zu wenig, aber die guten Texte (meine Faves: Sonne im Park, Revolution spielen) und die kraftvolle Stimme von Mitra ist nicht alles.
G31 wissen wie man aus bekannten Punkrockstrukturen noch einfallsreiche Songs stricken und die nach dem DY-Prinzip auch gut produzieren kann. Hinzu kommt, dass thematisch alles klar thematisiert wird, was man von einer (Hambrger) Punkband erwarten kann: Es geht gegen Nazis, gegen Bullen, gegen das ganze Scheiß-System. An all dem Abarbeiten geht anscheinden noch immer sehr gut.
Jetzt wären wahrscheinlich noch ein paar bekannte Namen als Name-Dropping wichtig, damit auch die einfachsten Gemüter diese Band genau einordnen können. Kommen jetzt.
Auf dem Waschzettel werden als selbstgewählte Referenzen SLIME, BUTTAT; RAZZIA, SCATTERGUN und ANTIKÖRPER (die wohl auch, weil AK-Gitarrist Peter jetzt bei G31 mitmischt) genannt. Das kann man so stehen lassen, so düser wie RAZZIA kommen G31 allerdings nicht rüber, sondern eher wie eine typische kämpferische HH-Punkband, die so auch gut in den 90ern auf St. Pauli einiges hätte abräumen können. Von Mitras Stimme her und der Art, wie sie singt, muss ich zuweilen auch an Hans-A-Plast denken, der Sound hier ist allerdings doch ein anderer.
(E) auf der 26-teiligen Renfield-Rezensionsskala.
Gary Flanell
"Die Insel der versunkenen Arschlöcher" von G31 wurde von G31 in Kooperation mit STERBT ALLE Records im Mai 2022 veröffentlicht und ist als LP im Gatefoldcover erschienen CD liegt auch bei).
G31 im Netz:
Auf Facebook
https://g31punk.org/
Normalerweise trägt diese Review-Sekton ja noch das Adjektiv "junge" in bezug auf Menschen im Titel. Das lasse ich diesmal weg, aus Gründen. Denn das Bandfoto zeigt mir, dass G31 und ich ungefähr in der gleichen Alterskohorte sein dürften.
Also nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht im Stadium der senilen Bettflucht angekommen.
Das heißt ja nicht, dass man kein Musik mehr machen dürfe.
Punk mag vielleicht ein Nachwuchsproblem haben, aber es ist älteren Szenegraurücken ja nicht verboten, weiterhin Platten aufzunehmen und live zu spielen.
Sowas kann zuweilen ganz schön in die Hose gehen (denke ich manchmal, wenn ich z.B. aktuelle Exploited-Live-Mitschnitte sehe. Warum ich damit wertvolle Lebenszeit verschwende, sollte ich mich auch mal fragen) aber auch gut laufen.
Was mich zu G31 bringt.
Denn hier läuft's gut.
G31 haben im Mai 2022 ein zweites Album mit sehr lustigem Titel rausgebracht, und das sogar auf Vinyl.
Mir liegt nur die CD vor, aber die reicht, um einen guten Einblick zu bekommen.
Und gut ist der Eindruck von G31 auf alle Fälle: Denn souverän gespielten Deutschpunk mit gewitzten Lyrics, einfallsreichen Song- und Soundstrukturen kann ich mir zuweilen immer noch geben, gerne auch, wie in diesem Fall mit einer Sängerin.
Die Diskussion über die Sichtbarkeit und das zahlenmäßige Auftreten von Frauen in Sachen Punk ist immer noch aktuell und wichtig. Und jede Frau die sich in einer Band auf die Bühne stellt und Raum zwischen all den Typenbands einnimmt ist wichtig, egal ob sie in einer Crustcore-Combo den Bass schrubbt, in einer Gothic-Waveband Gitarre spielt oder wie hier, einer Deutschpunkband wichtige Impulse gibt - sie sind alle wichtig. Mehr davon ist immer noch nötig.
Das wäre als formales Kriterium für die Bewertung dieser Platte sicher zu wenig, aber die guten Texte (meine Faves: Sonne im Park, Revolution spielen) und die kraftvolle Stimme von Mitra ist nicht alles.
G31 wissen wie man aus bekannten Punkrockstrukturen noch einfallsreiche Songs stricken und die nach dem DY-Prinzip auch gut produzieren kann. Hinzu kommt, dass thematisch alles klar thematisiert wird, was man von einer (Hambrger) Punkband erwarten kann: Es geht gegen Nazis, gegen Bullen, gegen das ganze Scheiß-System. An all dem Abarbeiten geht anscheinden noch immer sehr gut.
Jetzt wären wahrscheinlich noch ein paar bekannte Namen als Name-Dropping wichtig, damit auch die einfachsten Gemüter diese Band genau einordnen können. Kommen jetzt.
Auf dem Waschzettel werden als selbstgewählte Referenzen SLIME, BUTTAT; RAZZIA, SCATTERGUN und ANTIKÖRPER (die wohl auch, weil AK-Gitarrist Peter jetzt bei G31 mitmischt) genannt. Das kann man so stehen lassen, so düser wie RAZZIA kommen G31 allerdings nicht rüber, sondern eher wie eine typische kämpferische HH-Punkband, die so auch gut in den 90ern auf St. Pauli einiges hätte abräumen können. Von Mitras Stimme her und der Art, wie sie singt, muss ich zuweilen auch an Hans-A-Plast denken, der Sound hier ist allerdings doch ein anderer.
(E) auf der 26-teiligen Renfield-Rezensionsskala.
Gary Flanell
"Die Insel der versunkenen Arschlöcher" von G31 wurde von G31 in Kooperation mit STERBT ALLE Records im Mai 2022 veröffentlicht und ist als LP im Gatefoldcover erschienen CD liegt auch bei).
G31 im Netz:
Auf Facebook
https://g31punk.org/
Sonntag, 23. Oktober 2022
Doppelt hält: Neues von JOHN STEAM RECORDS
Es ist kein großes Geheimnis, dass ich in meiner unendlich verfügbaren Zeit nicht nur irgendwelche Hefte rausbringe oder Blogs unregelmäßig bestücke, sondern seit einiger Zeit auch ein kleines Label betreibe. Aus Gründen, die nichts mit wirtschaftlichen Handlungsweisen zu tun haben. Sondern... weil's Spaß macht. Sinnhaftes Tun galore steckt dahinter, sozusagen.
Jetzt stehen wieder zwei Veröffentlichungen auf JOHN STEAM RECORDS (Das Label mit dem "Got beer?"-Hut) an und die werden an einem Freitagabend im November vorgestellt.
1. LUTZILLA - FIRST WE TAPE MANHATTAN
Mehr Post als Punk. Rarer Un-Sinn. Eifrig. Subversiv. Go with the flow und ab dagegen!
Januar 2021: In einem Kreuzberger Proberaum funkt es gewaltig zwischen den langjährigen Band-Musikanten Carola, Uli und Lutz – kurz darauf erblickt “Lutzilla” das Licht der Band-Welt +++ Große Liebe: LIVE +++ Dezember 2021: Song "Pflaster aus Beton" auf dem Benefiz-Sampler "Don't piss here, piss there" von John Steam Records (Berlin) +++ 30.01.22: Song “Zucken unterm Augenlid” auf Radio T in der Sendung “Soundsplash” +++ Im November 2022 erscheint die erste EP “First we tape Manhattan” mit 8 Songs als Tape und online bei John Steam Records. Eingespielt im Probekeller; aufgenommen und abgemischt von Uli Albers; Mastering: Nils Rech. Release-Konzerte im Trixxtr (18.11.) und Schokoladen (7.12.) in Berlin.
VÖ-Datum: 18.11.2022
Limitierte Tape-Edition in hemdsärmelig-grün (50 Stück)
Digital erhältlich über Lutzillas Bandcamp-Imperium.
2. GARY FLANELL - THANK YOU GARY MUCH
Das erste Solo-Tape von Mr. Flanell. 10 Songs, 10 süße musikalische Kätzchen, alle sorgfältig gepflegt mit einer gesunden Mischung aus Punk-Spirit, Lo-Fi-Aufnahmen und ein wenig Melancholie. Das wird uns alle gut durch den Winter bringen.
VÖ-Datum: 18.11.2022
Limitierte Tape-Edition in Kernseifenweiß (50 Stück),
digital erhältlich über John Steams Tonträger-Imperium
JOHN STEAM DOUBLE RELEASE-PARTY
18.11.2022, ab 21 Uhr
Live:
LUTZILLA
+
GARY & THE FLANELETTES
+
special guest: ATOMVULKAN BRITZ
+
DJ-Set by UNTANZBARER ZUSTAND (Indie)
@ TRIXTEROVA NOVA, Berlin, Europa, Planet Erde.
Jetzt stehen wieder zwei Veröffentlichungen auf JOHN STEAM RECORDS (Das Label mit dem "Got beer?"-Hut) an und die werden an einem Freitagabend im November vorgestellt.
1. LUTZILLA - FIRST WE TAPE MANHATTAN
Mehr Post als Punk. Rarer Un-Sinn. Eifrig. Subversiv. Go with the flow und ab dagegen!
Januar 2021: In einem Kreuzberger Proberaum funkt es gewaltig zwischen den langjährigen Band-Musikanten Carola, Uli und Lutz – kurz darauf erblickt “Lutzilla” das Licht der Band-Welt +++ Große Liebe: LIVE +++ Dezember 2021: Song "Pflaster aus Beton" auf dem Benefiz-Sampler "Don't piss here, piss there" von John Steam Records (Berlin) +++ 30.01.22: Song “Zucken unterm Augenlid” auf Radio T in der Sendung “Soundsplash” +++ Im November 2022 erscheint die erste EP “First we tape Manhattan” mit 8 Songs als Tape und online bei John Steam Records. Eingespielt im Probekeller; aufgenommen und abgemischt von Uli Albers; Mastering: Nils Rech. Release-Konzerte im Trixxtr (18.11.) und Schokoladen (7.12.) in Berlin.
VÖ-Datum: 18.11.2022
Limitierte Tape-Edition in hemdsärmelig-grün (50 Stück)
Digital erhältlich über Lutzillas Bandcamp-Imperium.
2. GARY FLANELL - THANK YOU GARY MUCH
Das erste Solo-Tape von Mr. Flanell. 10 Songs, 10 süße musikalische Kätzchen, alle sorgfältig gepflegt mit einer gesunden Mischung aus Punk-Spirit, Lo-Fi-Aufnahmen und ein wenig Melancholie. Das wird uns alle gut durch den Winter bringen.
VÖ-Datum: 18.11.2022
Limitierte Tape-Edition in Kernseifenweiß (50 Stück),
digital erhältlich über John Steams Tonträger-Imperium
JOHN STEAM DOUBLE RELEASE-PARTY
18.11.2022, ab 21 Uhr
Live:
LUTZILLA
+
GARY & THE FLANELETTES
+
special guest: ATOMVULKAN BRITZ
+
DJ-Set by UNTANZBARER ZUSTAND (Indie)
@ TRIXTEROVA NOVA, Berlin, Europa, Planet Erde.
Sonntag, 11. September 2022
Schön, wenn... Pt. XXI
...Zeit keine Rolle spielt.
Und Aktualität ebenso wenig.
Und junge Menschen trotzdem Musik machen.
Deshalb ist es hier auf dem Renfield-Blog total schnuppe, ob und wann eine Rezension veröffentlicht wird.
Ich finde eh, dass gerade im Kontext von Zines und ähnlichen unkommerziellen Veröffentlichungen, die Zeit bzw. der Anspruch, zeitnah nach einer Veröffentlichung eine Rezension zu einer Platte zu schreiben, total egal ist. Erstens liest es eh fast niemand in der täglichen Flut, die so gepostet wird und zweitens hängt auch keine Konsequenz dran, wenn ein Text früher oder später geschrieben wird.
Also erstmal Salbeitee.
Und weil das keine Rolle spielt, wann die Rezension kommt - für diesen Blog zumindest - lasse ich mir Zeit, wenn es um Besprechungen geht. Ein gutes Gefühl, denn davon hängt nun wirklich nichts ab. Und diese Ruhe wahrzunehmen, nimmt dem ganzen Irrsinn, den ich täglich im Internet wahrnehme, all dieser Hektik, Hysterie und der immer schneller Abfolge von News, den Schrecken.
Die Bremse treten und sich mal wieder ordentlich verweigern: Fühlt sich ganz gut an.
Im Folgenden also die Einschätzung zu zwei Alben, die schon vor einiger Zeit im Renfield-Postksten lagen. Beide sind bei Kidnap Music erschienen.
1. WONK UNIT - Uncle Daddy
Die WONK UNIT wurde vor einiger Zeit hier schon mal besprochen, aber andere Platte. Ich habe den Eindruck, dass sie seit einiger Zeit ziemlich abgefeiert werden, aber da ich kaum noch den Bau verlasse, kann ich mich natürlich täuschen, Trotzdem: Ein paar gute Rezensionen habe ich mitbekommen, und wenn es um zeitgenössischen britischen Punk geht, der nicht irgendwas Exploited-GHB-Opa-haftes widerkäut (ist wahrscheinlich auch ein Klischee, sowas spielen sicher nur noch Ü-50er, die dass eh schon seit den 80ern kennen - und nun wirklich Punk-Opas sind), dann sind W.U. schon die richtigen.
Angenehm melodisch, hübsch abwechslungsreich und ziemlich guten Lyrics, soweit ich die beim Hören und nicht Mit-Lesen beurteilen kann. Ich weiß, dass ich bei der letzten Kritik etwas schlecht gelaunt war, weil ich irgendwie mehr Experiment erwartet habe.
Nun weiß ich, was ich bei Alex Wonk und seiner Crew zu erwarten habe und das ist total ok. Es muss ja nicht immer bis ins Unhörbare gehen, manchmal reichen ein paar hübsche Melodiebögen und gute Vocals - hier besonders, wenn Alex gesanglich von Keyboaderin Vez unterstützt wird, um die Seele zu streicheln. Dann kann es auch mal schlicht gut gemachter melodischer Punkrock sein. Zwischendurch muss ich echt an meine Lieblinge PETROGRAD denken. Würde mir sogar glatt einWonk-Unit- T-Shirt besorgen, wenn es ein hübsches gibt. Das ist schon eine große Auszeichnung.
WONK UNIT - Uncle Daddy ist so vor ca. einem Jahr bei Kidnap Music erschienen. Gibts als LP und mit DL-Code. Das wisen die, die es interessiert, sicher eh schon seit letztem Oktober.
F auf der 26-teiligen Renfield-Rezensions-Skala.
2. LYVTEN - Offbeast
Die zweite Platte, die die Kidnapskis vor einiger Zeit mal vorbei geschickt haben.
Während das Ofengemüse in der Röhre vor sich hin dampft, bleibt Zeit,um dieses Album genauer unter die Lupe zu nehmen. Gebe zu, ich habe vorher schon mal reingehört. Ist die dritte Lytven-Platte, aber das erste Album mit neuem Sänger. Soweit die Fakten. Hier, genau hier zu dieser Platte, passt der Name dieser Rezensionskolumne am besten:
Ich finde es echt gut, wenn junge Menschen, egal ob hierzulande oder in der Schweiz (da kommen Lytven her) Musik machen. Laute, schnelle Stromgitarrenmusik.
Aber..., jetzt kommt's, die bittere Wahrheit: Es rührt mich meist nicht an. Berührt mich nicht ansatzweise. Löst nix aus. Nicht mal Schulterzucken.
So ordentlich gespielter, deutschsprachiger Punk mit sackweise Melancholie, Mid-Tempo, nicht so stumpfen Lyrics, alles so TURBOSTAAT- und PASCOW-like, das ist alles schön und gut, aber es lässt mich so komplett kalt wie ein Bergsee.
Na, der Vergleich passt nicht, ein Bergsee verpasst mir echt ein großes Glücksgefühl, ob ich am Rand stehe oder mitten rein springe. Das tut "Offbeast" leider so gar nicht. Ein Song nach dem anderen, einer rein, der nächste raus.
Sorry, das ist mir alles zu gleichförmig und das ist schon seit langem das Hauptproblem mit Punkrock. Ausnahmen gibt's immer, wie z.B NOXE, aber das ist eine Band unter zig hunderten Schlappo-Lahmbands. Es wird sicher Leute geben, die Lytven total toll finden, mir fehlt hier einfach an guten, herausragenden Ideen. Offbeast von Lytven is auf Kidnap Records, erschienen, im Aril 2022. Gibt's ur auf LP, das ist gut und gelb. Das Vinyl ist gelb, heißt das. J auf der 26-teiligen Renfield-Rezensions-Skala.
Gary Flanell
Und Aktualität ebenso wenig.
Und junge Menschen trotzdem Musik machen.
Deshalb ist es hier auf dem Renfield-Blog total schnuppe, ob und wann eine Rezension veröffentlicht wird.
Ich finde eh, dass gerade im Kontext von Zines und ähnlichen unkommerziellen Veröffentlichungen, die Zeit bzw. der Anspruch, zeitnah nach einer Veröffentlichung eine Rezension zu einer Platte zu schreiben, total egal ist. Erstens liest es eh fast niemand in der täglichen Flut, die so gepostet wird und zweitens hängt auch keine Konsequenz dran, wenn ein Text früher oder später geschrieben wird.
Also erstmal Salbeitee.
Und weil das keine Rolle spielt, wann die Rezension kommt - für diesen Blog zumindest - lasse ich mir Zeit, wenn es um Besprechungen geht. Ein gutes Gefühl, denn davon hängt nun wirklich nichts ab. Und diese Ruhe wahrzunehmen, nimmt dem ganzen Irrsinn, den ich täglich im Internet wahrnehme, all dieser Hektik, Hysterie und der immer schneller Abfolge von News, den Schrecken.
Die Bremse treten und sich mal wieder ordentlich verweigern: Fühlt sich ganz gut an.
Im Folgenden also die Einschätzung zu zwei Alben, die schon vor einiger Zeit im Renfield-Postksten lagen. Beide sind bei Kidnap Music erschienen.
1. WONK UNIT - Uncle Daddy
Die WONK UNIT wurde vor einiger Zeit hier schon mal besprochen, aber andere Platte. Ich habe den Eindruck, dass sie seit einiger Zeit ziemlich abgefeiert werden, aber da ich kaum noch den Bau verlasse, kann ich mich natürlich täuschen, Trotzdem: Ein paar gute Rezensionen habe ich mitbekommen, und wenn es um zeitgenössischen britischen Punk geht, der nicht irgendwas Exploited-GHB-Opa-haftes widerkäut (ist wahrscheinlich auch ein Klischee, sowas spielen sicher nur noch Ü-50er, die dass eh schon seit den 80ern kennen - und nun wirklich Punk-Opas sind), dann sind W.U. schon die richtigen.
Angenehm melodisch, hübsch abwechslungsreich und ziemlich guten Lyrics, soweit ich die beim Hören und nicht Mit-Lesen beurteilen kann. Ich weiß, dass ich bei der letzten Kritik etwas schlecht gelaunt war, weil ich irgendwie mehr Experiment erwartet habe.
Nun weiß ich, was ich bei Alex Wonk und seiner Crew zu erwarten habe und das ist total ok. Es muss ja nicht immer bis ins Unhörbare gehen, manchmal reichen ein paar hübsche Melodiebögen und gute Vocals - hier besonders, wenn Alex gesanglich von Keyboaderin Vez unterstützt wird, um die Seele zu streicheln. Dann kann es auch mal schlicht gut gemachter melodischer Punkrock sein. Zwischendurch muss ich echt an meine Lieblinge PETROGRAD denken. Würde mir sogar glatt einWonk-Unit- T-Shirt besorgen, wenn es ein hübsches gibt. Das ist schon eine große Auszeichnung.
WONK UNIT - Uncle Daddy ist so vor ca. einem Jahr bei Kidnap Music erschienen. Gibts als LP und mit DL-Code. Das wisen die, die es interessiert, sicher eh schon seit letztem Oktober.
F auf der 26-teiligen Renfield-Rezensions-Skala.
2. LYVTEN - Offbeast
Die zweite Platte, die die Kidnapskis vor einiger Zeit mal vorbei geschickt haben.
Während das Ofengemüse in der Röhre vor sich hin dampft, bleibt Zeit,um dieses Album genauer unter die Lupe zu nehmen. Gebe zu, ich habe vorher schon mal reingehört. Ist die dritte Lytven-Platte, aber das erste Album mit neuem Sänger. Soweit die Fakten. Hier, genau hier zu dieser Platte, passt der Name dieser Rezensionskolumne am besten:
Ich finde es echt gut, wenn junge Menschen, egal ob hierzulande oder in der Schweiz (da kommen Lytven her) Musik machen. Laute, schnelle Stromgitarrenmusik.
Aber..., jetzt kommt's, die bittere Wahrheit: Es rührt mich meist nicht an. Berührt mich nicht ansatzweise. Löst nix aus. Nicht mal Schulterzucken.
So ordentlich gespielter, deutschsprachiger Punk mit sackweise Melancholie, Mid-Tempo, nicht so stumpfen Lyrics, alles so TURBOSTAAT- und PASCOW-like, das ist alles schön und gut, aber es lässt mich so komplett kalt wie ein Bergsee.
Na, der Vergleich passt nicht, ein Bergsee verpasst mir echt ein großes Glücksgefühl, ob ich am Rand stehe oder mitten rein springe. Das tut "Offbeast" leider so gar nicht. Ein Song nach dem anderen, einer rein, der nächste raus.
Sorry, das ist mir alles zu gleichförmig und das ist schon seit langem das Hauptproblem mit Punkrock. Ausnahmen gibt's immer, wie z.B NOXE, aber das ist eine Band unter zig hunderten Schlappo-Lahmbands. Es wird sicher Leute geben, die Lytven total toll finden, mir fehlt hier einfach an guten, herausragenden Ideen. Offbeast von Lytven is auf Kidnap Records, erschienen, im Aril 2022. Gibt's ur auf LP, das ist gut und gelb. Das Vinyl ist gelb, heißt das. J auf der 26-teiligen Renfield-Rezensions-Skala.
Gary Flanell
Mittwoch, 5. Januar 2022
Schön, wenn junge Menschen Musik machen Pt.XXIII
Schubladendenken #2 Labelsamler von Bakraufarfita Records, dem Label, bei dem ich mich immer noch frage, ob der Name irgendwas bedeutet. Ein Label, dessen Releases ich bisher nicht immer bedingungslos gut fand. Da ist ein Label-Samler über 2 CDs ganz gut, um das Urteil mal etwas schärfer zu formulieren. Ich nehm mal as vorweg: Es wird nicht leichter. Dieser Sampler im angenehmen Papptray, zeigt, dass das Label im Bereich "Deutschsprachiger Punkrock und Artverwandtes" ganz gut aufgestellt ist. Insgesamt gibt's 34 Tracks, einige davon unveröffentlicht, und weil es eh gerade draussen jahreszeitbedingt recht trüb ist, seine hier nur die Songs erwähnt, die mir in denn letzten Tagen ein kleines Leuchten in Gesicht gezaubert haben:
DETLEF - Deutsche Männer (mid-Tempo-Punkrock mit sehr guten Lyrics über - eben - deutsche Männer)*** TOTEN CRACKHUREN IM KOFFERRAUM - Punkrock hat mein Leben zerstört (Von der letzten Platte. War da schon eins meiner Lieblingsstücke)*** INWIEFERN - Euer Stammbaum ist ein Kreis (Titel schon gut, Song mit abwechselndem Frau/Mann-Gmecker auch großartig)*** KUMPELBASIS - Generalausstieg (Waren lange Zeit meine Berliner Punkrocklieblinge. Und der Song sowieso)*** LACHE - Stein (Guter Text. Wieso muss ich so an Knochenfabrik denken?) *** SOKO LINX - Sehnsucht nach Retrotopia (Jaja, so Ärzte-Melodic-Punk zieht nicht immer die Wurst vom Teller. Mit dem Text aber schon.)*** DXBXSX - Das passiert (Stonerrock mit Berliner Schnauze und Bierfleck auf der Kutte. Seit Jahren Immer stabil am Glas und stabil gut.) *** PIEFKE - Satellitenstadt (Auch die Sparte KlingtwieFrüh80er-Punk wird also abgedeckt. Fällt schon allein durch den Sound etwas aus dem Rahmen.)*** HUELSE - Rede von (Echo-Gitarre vor durchrollendem Bass. Angenehm raue Stimme. Ist das nun Wave oder Post-Punk?)*** VULWAR - Iron Clit (Komisch-übergedrehter Metal-Punk mit durchaus unterhaltsamen Text. I like.)
Der Rest ist mir entweder zu melodisch, zu mitgröhlig, zu turbo-pascowig oder schlicht zu belanglos. Ist leider so.
Gary Flanell
Sonntag, 26. Dezember 2021
Anker (Zine Review)
Oh boy, lange kein echtes Zine mehr in der Hand gehabt. Wüsste auch gar nicht mehr, wo ich eins kriegen sollte. Zine-Treffen, -Frühstücke oder -Messen sind ja ähnlich wie Konzerte jetzt gerade nicht so möglich. Muss auch sagen, dass ich lange kein echtes Interesse an Zines hatte. Liegt eventuell an der eigenen Selbstausbeuterei fürs Renfield - konnte das alles irgendwann nicht mehr sehen.
Jetzt hat mir allerdings völlig überraschend Chriz, den ich schon seit einigen Jahren kenne und unsere gemeinsamen, wenn auch seltenen Spaziergänge auf Berliner Kiez-Friedhöfen sehr schätze, sein neuestes Heft zukommen lassen. Früher dachte ich immer: Zines brauchen so eine Regelmäßigkeit. Wenn du ein Heft machst, dann musst du immer stringent dabei bleiben, was Name, Struktur und Layout angeht. Merke aber mittlerweile: So eine dämliche Corporate-Identity-Strategie braucht es gar nicht. Und das ist ja das Schöne am Zine-machen. Chriz hat das ganz gut verinnerlicht. Das hier ist nämlich keine neue Ausgabe seiner früheren Zines (Z.B. Massenmörder züchten Blumen), sondern eins mit neuem Namen - ANKER.
Der ANKER ist Zine im besten Sinne: Cut & Paste (a.k.a. Schnipsellayout. Mag den Begriff gar nicht mehr so.), aber weniger so punkrock-schockmäßig, sondern recht aufgeräumt. Inhaltlich gibt es sehr persönliche und gute Texte, vieles davon kann ich sehr gut nachvollziehen, gerade die Texte, in denen es um Erschöpfung aufgrund von Arbeit und Coronabedingungen geht und wie man da raus kommen kann. Ich merke, dass Zine machen für Chriz eine sehr wichtige kreative Tätigkeit ist, um einen Ausgleich zu finden zu den täglichen Anforderungen der Lohnarbeitsstrukturen und allem, was dadurch an den Rand gedrängt wird.
Sehr cool finde ich im Anker den ausführlichen Urlaubsbericht aus Portugal inklusive des Interviews mit Nürni vom CASA DO BURRO, einem wohl selbstverwalteten Bauernhof/Raum/Platz am Monchique-Gebirge in Portugal. Scheint ein sehr schöner und guter Ort zu sein - sofort mal auf die Liste der zu besuchenden Orte setzen. Leider wurde die Casa 2020 von einem Brand heimgesucht, der Nürni und seiner Familie und Crew die komplette Lebensgrundlage entzogen hat. Nun ist es Ende 2021, ich habe keine Ahnung, wie es um das "Eselshaus" heute steht, aber wer helfen will und kann, kann sich gern unter casadoburro@web.de mit Nürni in Verbindung setzen.
Insgesamt hat mir das "ANKER"-Zine gezeigt, dass man sich das ganze Brimborium ums Zine-Machen, wie es bei vielen anderen Fan/Musik-Zies, auch beim Renfield lange Zeit üblich war - regelmäßige Erscheinungsweise, hohe Auflage, Print not Copy, Layout am Rechner, Fest zum Erscheinen, Werbeanzeigen diesdas - sparen kann, wenn das eigene Auskommen davon icht abhängt. Finde, dass diese reduzierte Produktionsweise wieder dazu führt, dass Zinemachen Spaß macht und nicht in belastende Arbeit, von der mensch eh schon genug an den Hacken hat, ausartet. Merke, dass ich so langsam doch mal wieder Bock hätte, ein Heft zu machen. Wer weiß, was kommt.
Anker-Zine: A5, s/w, 34 S., Kontakt: chriz@42zines.de
Gary Flanell
P.S.: Die Musikreferenz: Irgendwo im Anker erwähnt Chriz den Song "Arbeit ist Scheiße (keine aber auch)" von MÖNSTER. Kannte ich nicht, musste ich mir dann doch mal anhören. Gutes Ding, I like.
Sonntag, 24. Oktober 2021
Warnung. Aus der Distanz beobachtet.
Gibt so Platten, die könnte ich derzeit den ganzen Tag hören.
Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.
Von Tag-Nachtgleiche zu Tag-Nachtgleiche.
Von Wintersonnenwende zu Sommersonnenwende.
Vom Brocken bis Stonehenge.
Von Beltane zu Samhain.
Von hier bis dort.
Von Zimmer bis Bradley bis Lovecraft bis Del Rey (eine schöne Reise im roten Cadillac Melo Cabrio).
Von der Garage bis zum Swimmingpool.
Von der Remise bis ins Souterrain. Von Hinterhof zu Hinterhof.
Von der Misere bis zum hellen Licht.
Von da bis dort. Von Traurigkeit zu Traurigkeit.
Von Übergang zu Übergang.
Von mir zu dir.
Dieses Video bitte jetzt.
Groß UND zentriert.
Black Sabbath of the 21st century.
Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.
Von Tag-Nachtgleiche zu Tag-Nachtgleiche.
Von Wintersonnenwende zu Sommersonnenwende.
Vom Brocken bis Stonehenge.
Von Beltane zu Samhain.
Von hier bis dort.
Von Zimmer bis Bradley bis Lovecraft bis Del Rey (eine schöne Reise im roten Cadillac Melo Cabrio).
Von der Garage bis zum Swimmingpool.
Von der Remise bis ins Souterrain. Von Hinterhof zu Hinterhof.
Von der Misere bis zum hellen Licht.
Von da bis dort. Von Traurigkeit zu Traurigkeit.
Von Übergang zu Übergang.
Von mir zu dir.
Dieses Video bitte jetzt.
Groß UND zentriert.
Black Sabbath of the 21st century.
Freitag, 22. Oktober 2021
Geile Meckertypen
Die Momente, in denen mir alles am Arsch vorbeigeht, mehren sich fatal. Menschen nerven mich an oder sind mir scheißegal. Ich seh sie kaum noch, nur graue Masse, durch die ich hindurchschlupfe, von einem Termin zum anderen. Das hat nichts mit Herbst zu tun, obwohl der auch scheiße ist. Herbst ist scheißer als Winter, Winter ist scheißer als Frühling Frühlng ist ok. Sommer auch ok. Ich will immer Sommer. Aber keine Klimakatastrophe.
Hier auf dem Blog war ich einige Jahreszeiten lang nicht mehr. Tja, so ist das im Leben der arbeitenden Menschen - Zeit für Muße und gesellschaftlich verachtetes Nichts-Tun ist nicht mehr. Nicht mal Zeit für einen kleinen Blogtext. Warum? Weil dich die Erschöpfung und die Geschwindigkeit, die die Strukturen von dir erwarten, jeden Abend ermattet ins Sofa pressen.
Andererseits... hätte ich jetzt keinen Job, der Tagesstruktur gibt, wäre ich bestimmt nicht hier dabei, einen Text zu schreiben. Ich hoffe, ihr versteht. Wenn nicht, auch egal. Ich war jedenfalls lange nicht mehr hier in meinem kleinen Schreibraum. Kurze Info: Das Renfield-Zine in Printform schläft immer noch. Bringt ja kein Geld. Würde mir das meine Miete zahlen und nicht nur die, dann würde ich eventuell über eine zeitnahe Auferweckung nachdenken. So bleibt der Blog. Und auch der bewegt sich sooft wie ein Grizzly im Winterschlaf beim Pupsen. Eine schöne Musik.
Ich pack hier jetzt mal ein Video von ATOMVULKAN BRITZ rein, sonst sieht das her alles so nach Textwüste aus. Das will ja niemand. Ich jedenfalls nicht. Außerdem ist es ein schönes Video zu einem Song von unserem nächsten Tape.
Ich höre derzeit eigentlich nur digital Musik. Nicht überraschendes am Ende des 21. Jahres am Anfang des 21. Jahrhunderts. Der Verstärker von der Anlage ist kaputt, jetzt für immer. Ich hab keine Zeit, einen neuen zu besorgen oder den alten reparieren zu lassen. Ok, ihr habt es verstanden: Ich habe keine Zeit für nix und irgendwas. Werd's nicht mehr erwähnen. Jedenfalls hör ich deshalb vermehrt digital Musik. Platte ist aber immer noch geiler. Ab und zu schwemmt die Promo-Post Neuigkeiten über neue Platten ins Postfach. Viel deutschsprachiges und ehrlich gesagt: Das meiste ist schrecklich langweilig. Unglaublich öde und doof. Hab ich ein Glück, dass ich drüber nichts schreiben MUSS. Ich könnte schöne beschissene Verrisse schreiben, aber dafür will ich keine Energie aufwenden. Denke eh schon immer negativ, das kostet genug Kraft.
Und gute Musik, ja die gibt es, aber die Faszination über SPELLLING, ALGIERS, ZEAL & ARDOUR und ähnliches, will ich gar nicht teilen. Ich behalte mein Vergnügen für mich, nicht mal Links zu Videos der oben genannten wird es hier geben. Das ist der Tribut ans Informationszeitalter. Keine Information preisgeben, über das, was mich wirklich umtreibt. Ha, da erzähl ich mir ja selber ein Märchen. Meine Spuren im Netz düfte eh überall zu finden sein. Aber in Sachen Musik steh ich auf den Rückzug ins Analoge. Aufs gute alte HörenSagen. Keine Info über das, warum ich was gut finde. Keine tiefe Analyse der guten Platten. Mach dir selber ein Bild.
Was mich zum LUNSEN TRIO bringt. Wollte neulich eine 7inch bei Tapete Records bestellen, weil der Bandname so interessant war. "Nix" hieß die Single. War aber ausverkauft. Hab mir dann das Video angeschaut und war begeistert. Keine Ahnung, was Lunsen sind. Ich hoffe, etwas total unnützes und absurdes. Das Wort erinnert mich an Rumlungern und auch an irgendwas Essbares, das früher mal Kuh war. Ach nee, das waren Kutteln. Schreckliches Zeug. Gabs mal kalt auf einer Party in Polen, direkt aus dem Glas. Schmeckte schrecklich.
Schrecklich ist das LUNSEN TRIO keineswegs. Eher dem wenigen guten Deutschsprachigen zuzurechnen, das ich in letzter Zeit gehört habe. Ich glaub die sind aus Wien, es klingt ein bissl so. Hat so einen leichten VOODOO JÜRGENS-trifft-auf-CHRISTIANE_RÖSINGER-Touch, also Wiener und Berliner Atmo, sowas geht ja immer gut zusammen. Auch ein bißchen wie die letzte Platte von MEKANIK DESTÜKTIV KOMMANDO. Erklären kann ich das nicht. Die Lunsen haben jedenfalls viel Folk und Indie-Rock drin in ihren 69 ways of pubrock, hier und da mal durchaus auch etwas Ska. Also sowas, was Eddie & The Hot Rods Ende der 70er in London auf die Bühnen gebracht haeb. Interesanterweise fällt mr spontan keine andere deutschssprachige Pub Rock-Band ein. Auch deshlab ist das Lunsentrio sehr interessant. Ganz klar ist hier ein großstädtischer Habitus zu erkennen. hier gehts nicht um die Schönheit der entlegenen Natur. Urbane Orte werden gewürdigt, alle Nase lang, ganz klar in dem Gertrudenplatz-Song, die Provinz dagegen gern mal mit Lust zertrümmert, z.B. in der Offenbacher Küchenzerstörung. Gesungen wird schon auf hochdeutsch, dazu hat der Sänger eine schöne meckerige Nöhligkeit. Ich mag das.
Geile Mecker-Typen in zu engen Pullis und altmodischen Brillen sind das. Stelle mir vor, wie dieses Trio an einem pitoresken Springbrunnen (Kreuzberg!) rumhängt, den ganzen Tag. Und da nur meckert, lästert, Menschen beobachtet, Touristen bespuckt, Bier trinkt. Wenn's nötig ist, mal zwei Stunden in den Proberaum geht, um einen neuen Song aufzunehmen. Bezahlt wird das dann natürlich super. Damn, so ein Leben, das wär geil.
Gute Texte sind das auch. Das Nix-Lied ist auch im Album-Kontext ein Knaller. "Die Offenbacher Küchenzerstörung" auch, besonders charmant wegen der kleinen STUNDE X-Referenz. "Gertrudisplatz (OI! The Tresen)" und "Reggae für Paul-Peter Zahl" auch geil. Ganzes gutes Album. Ok, den Titel kann ich auch mal erwähnen. "69 Arten, den Pubrock zu spielen". Und genau das bekommt man. Und ich liebe es, obwohl ich gar nicht mehr ins Pub gehe. Die Gicht und so, ihr wisst schon. Es spielt übrigens auch einer von FRANZ FERDINAND da mit. Macht mit dieser Information, was ihr wollt.
Gary Flanell
C auf der 26-teiligen Renfield-Rezensions-Skala.
"69 Arten den Pubrock zu spielen" vom LUNSEN TRIO erscheint heute, dem 22.Oktober 2021 auf Tapete Records.
Labels:
69 Arten den Pubrock zu spielen,
Berlin,
Fuck You,
Lunsentrio,
Rumhängen macht Laune,
Schlechte Laune macht Laune,
Tapete Records,
Wien
Standort:
Berlin, Deutschland
Montag, 30. November 2020
Don't piss here, piss there - a John Steam x-mas benefit compilation
Coming very soon on John Steam Records (via Bandcamp ) !
Watch out for the whole december!
Sonntag, 21. Juni 2020
Lil' Naitsebas Rebok / Gary Flanell Split Tape RELEASE STREAM
YES, WE DID IT!
Es hat etwas gedauert, bis alles zusammen passte, aber nun ist es soweit:
Die erste Veröffentlichung auf JOHN STEAM RECORDS seit langer Zeit!
Das (goldene) Split-Tape von Little Naitsebas Rebok und Gary Flanell. 60 Minuten, je 30 Minuten von jedem Künstler. Pure handmade noise experiments, instrumentals, lo-fi sketches and soundscapes.
Limitierte Auflage von 50 Stück, 5 Euro/Stück. Alle Tracks sind bald auch digital über johnsteam.bandcamp.com zu hören und zu erwerben.
Präsentiert wird das goldene Tape am 23.06.2020 von 20-22 Uhr im Livestream auf roach.fm.
Es hat etwas gedauert, bis alles zusammen passte, aber nun ist es soweit:
Die erste Veröffentlichung auf JOHN STEAM RECORDS seit langer Zeit!
Das (goldene) Split-Tape von Little Naitsebas Rebok und Gary Flanell. 60 Minuten, je 30 Minuten von jedem Künstler. Pure handmade noise experiments, instrumentals, lo-fi sketches and soundscapes.
Limitierte Auflage von 50 Stück, 5 Euro/Stück. Alle Tracks sind bald auch digital über johnsteam.bandcamp.com zu hören und zu erwerben.
Präsentiert wird das goldene Tape am 23.06.2020 von 20-22 Uhr im Livestream auf roach.fm.
Dienstag, 16. Juni 2020
Bernd gefällt das
Nice! In der aktuellen Ausgabe vom Trust-Zine gibt es eine Rezension der "Zarya"-CD von ATOMVULKAN BRITZ.
Das gefällt mindestens einem der zwei dabei involvierten Musikmachenden doch sehr.
Aber lest selbst...
Zum Anhörenvon Zary geht's hier entlang.
Das gefällt mindestens einem der zwei dabei involvierten Musikmachenden doch sehr.
Aber lest selbst...
Zum Anhörenvon Zary geht's hier entlang.
Montag, 15. Juni 2020
Kaninchenpunk (Schön, wenn junge Menschen Musik machen Pt. XXII)
Angora Club - Hasenangst
Was ziehen wir heute an, was ziehen wir heute an, wo gehen wir heute hin?
Dicken Parka raus und ab nach Norddeutschland. Erst ins Flache, dann ins Tief. Langsam vortasten.
Dorthin, wo die Jungs-Punkbands so klingen, als könnte man an einem verregneten Sonntagnachmittag in der Einfamilienhaus-Siedlung nichts anderes tun, als in der Tempo-30-Zone rumzustehen oder Unterschlupf in dem Holzhäuschen auf dem neu gestalteten Spielplatz (für den du natürlich seit mindestens 10 Jahren zu alt bist) zu suchen.
Während am Himmel bleistiftgraue Wolken den ersten geilen Gig beim mehrmonatigen Rock-against-Sun-Festival abliefern. Dazu Tropfen deine LEATHERFACE-Kapu, deine Vans, deine olle Jeans und deine vegane Baseballjacke durchnässen.
Du stehst aber weiter rum, siehst das Wasser auf deine Finger-Tattoos platschen und rauchst. Denn bald ist Probe.
Du und deine drei Buddies. Habt früher schon eine Punk-Band gehabt. Hieß wie eine Hass-Figur von den Simpsons, passt ja zu einer Punkband. Jetzt habt ihr eine neue. Wo der Unterschied ist, keine Ahnung, erzähl du es mir. Der Name klingt ganz süß. Und das Cover ist es auch, herrje. Kaninchen, keine Hasen. Die werden oft verwechselt, keiner weiß warum. Kaninchen sind süßer, auch die auf dem Cover eurer Platte. Kulleraugen und Kindchenschema - so süüüß! Aber drinnen, da ist es dann so deprimierend wie eben das nie endende Schlechtwetter in der flachen Trostlosigkeit, die ihr so gut kennt. Und das ist ein bißchen der hübsche Gegensatz zu eurer Musik. Was auch die Faszination ausmacht. Süß und manchmal bitter. So ist wohl alles und immer.
Wetten, ihr mal Turbostaat gehört, und auch mal Pascow? Nicht nur eine Platte, sondern einige, was? Deswegen um so schöner, dass ihr auf diesem Label gelandet seid. Mal ehrlich, wo sonst könntet ihr hinpassen? Ich weiß es nicht. Soundmäßig genau das, was man dort erwartet. Und nein, ihr seid nicht einfach so langweilige Klone, wirklich, ihr macht das schon gut. All die Melancholie und die Tristesse, ich kenne das und mag es. Diese kurzen treffenden Texte, manchmal alle so nah dran an der Depression. Das wirkt. Doch, schon gut das alles. Nicht die Revolution, aber ein guter musikalischer Taschenwärmer.
(F auf der 26-teiligen Renfield-Rezensions-Skala)
P.S: Überlege, ob ich mir das süße große Kaninchen im Inlay nicht als Tattoo-Motiv klaue. Aber dann erkennt eventuell jemand, dass das von eurer Platte ist und hält mich für den Die-hard-AngoraClub-Fan. Das wäre schmeichelhaft, aber trotz Sympathie nicht ganz der Fall.
Gary Flanell
Angora Club - Hasenangst ist im Mai 2020 auf Kidnap Music erschienen.
Was ziehen wir heute an, was ziehen wir heute an, wo gehen wir heute hin?
Dicken Parka raus und ab nach Norddeutschland. Erst ins Flache, dann ins Tief. Langsam vortasten.
Dorthin, wo die Jungs-Punkbands so klingen, als könnte man an einem verregneten Sonntagnachmittag in der Einfamilienhaus-Siedlung nichts anderes tun, als in der Tempo-30-Zone rumzustehen oder Unterschlupf in dem Holzhäuschen auf dem neu gestalteten Spielplatz (für den du natürlich seit mindestens 10 Jahren zu alt bist) zu suchen.
Während am Himmel bleistiftgraue Wolken den ersten geilen Gig beim mehrmonatigen Rock-against-Sun-Festival abliefern. Dazu Tropfen deine LEATHERFACE-Kapu, deine Vans, deine olle Jeans und deine vegane Baseballjacke durchnässen.
Du stehst aber weiter rum, siehst das Wasser auf deine Finger-Tattoos platschen und rauchst. Denn bald ist Probe.
Du und deine drei Buddies. Habt früher schon eine Punk-Band gehabt. Hieß wie eine Hass-Figur von den Simpsons, passt ja zu einer Punkband. Jetzt habt ihr eine neue. Wo der Unterschied ist, keine Ahnung, erzähl du es mir. Der Name klingt ganz süß. Und das Cover ist es auch, herrje. Kaninchen, keine Hasen. Die werden oft verwechselt, keiner weiß warum. Kaninchen sind süßer, auch die auf dem Cover eurer Platte. Kulleraugen und Kindchenschema - so süüüß! Aber drinnen, da ist es dann so deprimierend wie eben das nie endende Schlechtwetter in der flachen Trostlosigkeit, die ihr so gut kennt. Und das ist ein bißchen der hübsche Gegensatz zu eurer Musik. Was auch die Faszination ausmacht. Süß und manchmal bitter. So ist wohl alles und immer.
Wetten, ihr mal Turbostaat gehört, und auch mal Pascow? Nicht nur eine Platte, sondern einige, was? Deswegen um so schöner, dass ihr auf diesem Label gelandet seid. Mal ehrlich, wo sonst könntet ihr hinpassen? Ich weiß es nicht. Soundmäßig genau das, was man dort erwartet. Und nein, ihr seid nicht einfach so langweilige Klone, wirklich, ihr macht das schon gut. All die Melancholie und die Tristesse, ich kenne das und mag es. Diese kurzen treffenden Texte, manchmal alle so nah dran an der Depression. Das wirkt. Doch, schon gut das alles. Nicht die Revolution, aber ein guter musikalischer Taschenwärmer.
(F auf der 26-teiligen Renfield-Rezensions-Skala)
P.S: Überlege, ob ich mir das süße große Kaninchen im Inlay nicht als Tattoo-Motiv klaue. Aber dann erkennt eventuell jemand, dass das von eurer Platte ist und hält mich für den Die-hard-AngoraClub-Fan. Das wäre schmeichelhaft, aber trotz Sympathie nicht ganz der Fall.
Gary Flanell
Angora Club - Hasenangst ist im Mai 2020 auf Kidnap Music erschienen.
Donnerstag, 4. Juni 2020
Coming soon: Little Naitsabes Rebok/ Gary Flanell - Split-Tape
Yep, es ist soweit, die erste Veröffentlichung auf JOHN STEAM RECORDS seit langer Zeit steht an:
Das Split-Tape von Little Naitsabes Rebok und Gary Flanell!
60 Minuten Musik, je eine Seite auf dem tape wurde von Rebok und Flanell bestückt. Vieles ist im letzten Winter entstanden, das meiste instrumental und vieles in Lo-Fi-Home-Recording-Akustik.
Die Erstauflage besteht aus 50 goldenen Tapes und ist stark limitiert.
Einen ersten Eindruck, wie das klingt, gibt es hier .
Alles weitere bald!
Das Split-Tape von Little Naitsabes Rebok und Gary Flanell!
60 Minuten Musik, je eine Seite auf dem tape wurde von Rebok und Flanell bestückt. Vieles ist im letzten Winter entstanden, das meiste instrumental und vieles in Lo-Fi-Home-Recording-Akustik.
Die Erstauflage besteht aus 50 goldenen Tapes und ist stark limitiert.
Einen ersten Eindruck, wie das klingt, gibt es hier .
Alles weitere bald!
Montag, 11. Mai 2020
Roach.fm #3 - Livestream 12.05.2020
Liebe Leute!
Wir freuen uns euch die mittlerweile 3. roach.fm DIY and open source Radio-Session live aus der Remise ankündigen zu können. Nebst den hottesten 140-Tunes und ein bischen dnb-Extase werden wir morgen am 12.05.2020 von 19 bis 23 Uhr von unseren Gästen auf eine Reise durch die Geschichte des Punkrocks genommen und wollen so auf gewisse Weise auch zur kulturellen Verständigung dieser doch selten in einem Atemzug genannten Musikrichtungen beitragen... Wie immer erwartet euch ein Kessel Buntes... :slight_smile:
Wie immer könnt ihr natürlich eure Liebsten grüßen, wir freuen uns euch im https://roach.fm/chat Chat zu treffen!
Roach to the World!
Mittwoch, 8. April 2020
Roach Radio tonight

Wie gestern bereits angekündigt, gibt es heute von 20 bis 23 Uhr den Live-Stream eines DJ-Sets aus Lichtenberg auf Roach.FM.
Reihenfolge wird wohl so aussehen:
- 20-21 Uhr ScaryGary (NoisePunkWave und Anverwandtes, Ex-SubCult, Renfield-Zine)
21 - 22 Uhr Lay:ze b2b D3Bug (Deep Dubstep [Duploc Finest])
22 - 23 Uhr - GFC
Anzuhören gibt es das live unter...
https://radio.schnuffi.pw/public/roachfm
Roach to the world!
Montag, 6. April 2020
Schön, wenn junge Menschen Musik machen Pt. XXI
Seltsame Zeiten. Ich weiß, das sagen gerade alle. Ich ja auch. Bester Satz, um derzeit ein Gespräch zu beginnen. Covid Small Talk. Seltsame Zeiten, was? Ja. Soviel Unverständnis in allen Bereichen. Kalter Virus-Krieg (oh, große Worte), der alle Lebensbereiche erfasst. Und alle wollen immer schon beschreiben, was gerade passiert und es erklären.
Bleierne Zeit irgendwie. Aber auch weniger Radfahrer. Weniger Fußgänger. Weniger Autos. Mehr Platz. mehr Ruhe. Mehr Insekten, die man sonst nicht sieht. Mehr Vögel, die man sonst nicht hört. Überhaupt Hören, sehr wichtig gerade. Gibt ja immer noch neue Musik. Tragisch halt, dass vieles, was gerade erscheint, kurzfristig nicht live zu begutachten sein wird. Sag die Tour ab, spiel allein im Wohnzimmer und lass die Welt per Stream zugucken. Kann das aber jetzt schon alles nicht mehr sehen. Dazu viel Unverständnis. Bleierne Zeit, dazu passt bleierne Musik, die nicht schlecht ist. L'appel Du Vide. Der Ruf der Leere. Danke Google. Chemnitz. Da sicher auch Mundschutz gegen Mundschmutz. Corona gegen Naziaufmärsche, wer hätt's gedacht.
Ruf der Leere, recht passend, wenn ich auf die Straße gehe. L'APPEL DU VIDE klingen wie wir's in den 80ern und 90ern gern gehört haben, vorzugsweise im November. Jetzt aber Frühling, und in der derzeitigen Stimmung auch ok (Wie's mir geht? Erstaunlich gut, danke. Vom Erleben ändert sich derzeit ja wenig. Für viele andere schon mehr. Willkommen in meiner normalen Lebens- und Stimmungsrealität.). Unsere Tage waren dunkel, unsere Hemden waren schwarz, ihr wisst schon.
Wann haben sie das wohl aufgenommen? Sicher im Herbst. Right time, right music. Right place? Vielleicht so: Nebelmaschine vernebelt Räume und Sinne, alle in schwarz gekleidet, so stell ich mir das vor. Bunkerclub, ein unangekündigtes Konzert. Keine Fenster, eine gut gewartete Nebelmaschine. Projektionen von irgendwas. Stimme wie EA80, Musik wie EA80 am Strand von Kalifornien. Keine Kopie. California Screaming. Bißchen Surf, viel düstere Fassungslosigkeit in vier Songs gepackt. Stelle mir vier Tüpen vor, die sich ganz in schwarz auf der Bühne konzentrieren. Warum gerade vier? Könnte passen. Zurückhaltung in Gesten und Ansagen. Songs wirken durch das, was sie sind. Stellt sie auf eine Bühne. In einen Keller, dessen Wände schwarz bemalt sind. Mit EA80, wie gesagt. Oder LEBANON HANOVER. Oder X-Mal DEUTSCHLAND. oder sowas. Was mit Post-Post-Post.
Das Tape ist limitiert, weil liebevoll gestaltet. 100 Stück mal so, 150 Stück mal anders. Mag diese Hingabe. Ich esse jetzt ein Trockeneis.
F wie auf der 26-teiligen Renfield-Rezensionsskala
L'APPEL DU VIDE - die Selbstauskunft: "„L‘APPEL DU VIDE entstand im Herbst 2019 in Chemnitz als Projekt von Leuten ehemaliger und aktueller Bands wie BLACK LAGOON, DIE TUNNEL, MVRMANSK und OUT ON A LIMB. Düsterer (Post)Punk wird von melodischen Surfgitarren-Leads angetrieben und von Noise-Parts flankiert. Das „Demo 2020“ umfasst 4 Songs mit einer Spielzeit von rund 12 Minuten. Das Tape kommt im Risodruck Pappschuber."
Diese Rezension wurde im FreeWriting-Verfahren nach Ken Macrorie und Peter Elbow innerhalb von 10 Minuten verfasst. Bis auf Rechtschreibfehler wurde nichts verbessert oder redigiert.
Gary Flanell
Dienstag, 24. März 2020
Musikgruppen mit Zukunft in Zeiten der Pandemie Pt. II
Weiter geht's mit der alphabetischen Aufführung von MusikantInnen, die auch trotz social distancing den Rehearsal-Betrieb aufrecht erhalten können.
Hier also die Tipps der interessantesten 2-Personen-Bands aus Sicht der Renfield-Crew.
Diese Liste ist erstmals in Renfield No. 27 im Jahre 2013 erschienen. Soviel hat sich da gar nicht geändert.
2013: LAS GRECAS oder LIAISONS DANGEREUSES: Lässt man sich auf erstere ein, könnte das früher oder später zu zweiten führen. Wörtlich gesprochen.
2020: LUTZILLA ziehen ins Feld. Zwei Berliner Kumpels machen in klassischer Garage-Punk-Besetzung (Drums, Gitarre, Vocals) das späte Abi in der Hamburger Schule.
MODERN TALKING - Ein Verweis auf den ersten Gedanken bei HURE wäre angemessen. Werden hier nur aufgeführt, weil man sie, was den Output von schrecklichen Plastik-Hits angeht, gar nicht ignorieren kann. Wer’s nicht aushält, darf sich an MEL & KIM halten, gleiches Zeitalter, weniger Plattenverkäufe, dafür hübscher.
Weil Bohlen und Anders eh schon so sauviel Aufmerksamkeit bekommen haben, als sie noch aktiv waren, hier mal eine schöne Coverversion. Der Gesang ist viel besser als im Original.
NEW YORK WANNABEES- Sowas wie die White Stripes aus Südwestdeutschland. Reicht als grobe Einordnung, alles andere klärt sich aufm Platz.
OUTKAST - Rapper. Oder doch Hip-Hopper? Die kennt sogar der Gitarrenmusikhörer, auch wenn er das Publikum auf einem Konzert nicht leiden könnte. Gefällt ihm aber zuhause zeitweise ganz gut. Hey-Ya.
PET SHOP BOYS - Grau. Alt. Schwul. Poppig. Britisch. Aber immer noch würdevoll. Und ziemlich gute Songschreiber. Somit als Großmeister der in Würde ergrauten gealterten schwulen britischen Poppig-Musik durchaus eine Empfehlung wert.
Q-TIPS - Ab ins Ohr damit. Und am besten mit der Watte vornweg. Wahrscheinlich der Name, der als Metapher für die dargebotene Musik (irgendwas mit Trash-Punk, für die Plattensammler-Nerds) am besten funzt.
RUINS oder ROXETTE: Japan oder Schweden. Krach oder Kommerz, Maigabutsu oder EMI. Graviyaunosch oder Joyride. Die Wahl fällt nicht leicht. Sollte man beides irgendwie kennen.
STEREO TOTAL - Kein Grund zur Begründung. Beste Zweimenschband ever. In eigenen Worten: „Die Frau in der Musik stört!“ Ja bitte.
Knapp dahinter, 2013 noch nicht existent, dafür aber 2019 und 2020 medial sehr umtriebig: STUMPF - elektronisches, experimentelles Finsterzeug. Passend zur Zeit eben. Zu ihrem Superhit "Schmutz" gibt es ein großartiges Video.
TEARS FOR FEARS oder TENACIOUS D - Da fällt die Wahl schwer. Die ersteren hatten natürlich die hübscheren Selbstmitleid-Hits. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt sind Jack Black und Kyle Gass, die dir gutgemeint bierdosenweise simple Rockweisheiten über den Schoß kippen, einfach überlebenstauglicher.
UNERWÜNSCHT - Vaters alte Pink-Floyd-Scheiben als Becken fürs Schlagzeug zu benutzen, ist schon ziemlich Punk. Die Pioniere des rustikalen Zwei-Teenie-Jungs-ohne-Freundin-Kellerlärms aus dem westfälischen Nirgendwo der 90er-Jahre sind heute stolze Eigenheimbesitzer und fahren ihre Kinder zweimal die Woche zum Training des Schützenvereins Horst-Wessel.
V - Das Niemandsland im Alphabet der Zweimenschbands. Ok, es gibt VERN & RAY, THE VERONICAS, THE VYGORS, VULGAR UNICORN und sowas. Aber braucht die jemand unbedingt? Nein.
WHITE STRIPES – Originell? Nein. Gut? Auf jeden Fall. Garage? Aber mit roten und weißen Kuschelkissen ausgekleidet. Das Streifenshirt übrigens stammt von Jonathan Richman – und das allein würde schon reichen zum Verlieben.
TRIKE - 1. Es sind Kanadier. 2. Endlich mal Straßenmusiker, die mit ihrem Synthesizer-Violinen-Discotrash in der Berliner U8 wirklich unterhalten und nicht genervt haben. Xania wird mittlerweile wieder in Kanada, Stephen aber als Solo-Straßenmusiker desöfteren am Kottbusser Damm gesichtet. Zumindest war es um 2013 so.
XIU XIU - Allein für die wunderbare Zeile "I like my neighborhood I like my gun" sollten die beiden mit Preisen überschüttet werden. Wenn die erst hauchende, dann sich irgendwann fast überschlagende Stimme von Jamie Stewart noch "I am your girl and I will protect you" hinzufügt, möchte man einfach nur noch in die Knie gehen.
YOU'RE ONLY MASSIVE – Punk ist Pop ist Punk, DIY. Alles selber machen und noch was erfinden, was sonst keiner macht. Musik ist Leben. Male-fronted Feminism. GG Allin knutscht Britney in Spezialblond. Fucking amazing. Try this at home.
Alternativ: YAHOO - Netter Versuch der Irreführung, hehehe. Gemeint ist natürlich YAZOO. Die TAZ titelte am 03. Mai 1982: “Alison Moyet ist nicht fett und Vince Clarke nicht schwul, die beiden sind schlicht Mutter und Sohn.” Der folgende Artikel drehte sich dann um Popmusik und Inzest, irgendwie so was.
ZWEIKANT - Nehmen keine Mikros auf die Bühne mit. Warum auch, sie reden nicht und singen auch nicht. Nie. Helme auf und rein ins Unwetter. Auf die Fresse aber melodisch, laut, laut, verzerrt, Gitarre, Schlagzeug, Schlagzeug, Gitarre, direkt, ohne jeden Quatsch, durchdringend, intensiv, noch einen, puh, das fühlt sich so, so gut an.
Fun Fact: Eine diese Bands ist Fake und nichtexistent. Wer rausfindet, welches Duo das sein könnte, kriegt das erste Album dieser Band zugeschickt.
Antworten in Mailform bitte an renfield-fanzine@hotmail.de oder PM an Gary Flannell auf Facebook.
Stichwort: Dalli Dalli
Hier also die Tipps der interessantesten 2-Personen-Bands aus Sicht der Renfield-Crew.
Diese Liste ist erstmals in Renfield No. 27 im Jahre 2013 erschienen. Soviel hat sich da gar nicht geändert.
2013: LAS GRECAS oder LIAISONS DANGEREUSES: Lässt man sich auf erstere ein, könnte das früher oder später zu zweiten führen. Wörtlich gesprochen.
2020: LUTZILLA ziehen ins Feld. Zwei Berliner Kumpels machen in klassischer Garage-Punk-Besetzung (Drums, Gitarre, Vocals) das späte Abi in der Hamburger Schule.
MODERN TALKING - Ein Verweis auf den ersten Gedanken bei HURE wäre angemessen. Werden hier nur aufgeführt, weil man sie, was den Output von schrecklichen Plastik-Hits angeht, gar nicht ignorieren kann. Wer’s nicht aushält, darf sich an MEL & KIM halten, gleiches Zeitalter, weniger Plattenverkäufe, dafür hübscher.
Weil Bohlen und Anders eh schon so sauviel Aufmerksamkeit bekommen haben, als sie noch aktiv waren, hier mal eine schöne Coverversion. Der Gesang ist viel besser als im Original.
NEW YORK WANNABEES- Sowas wie die White Stripes aus Südwestdeutschland. Reicht als grobe Einordnung, alles andere klärt sich aufm Platz.
OUTKAST - Rapper. Oder doch Hip-Hopper? Die kennt sogar der Gitarrenmusikhörer, auch wenn er das Publikum auf einem Konzert nicht leiden könnte. Gefällt ihm aber zuhause zeitweise ganz gut. Hey-Ya.
PET SHOP BOYS - Grau. Alt. Schwul. Poppig. Britisch. Aber immer noch würdevoll. Und ziemlich gute Songschreiber. Somit als Großmeister der in Würde ergrauten gealterten schwulen britischen Poppig-Musik durchaus eine Empfehlung wert.
Q-TIPS - Ab ins Ohr damit. Und am besten mit der Watte vornweg. Wahrscheinlich der Name, der als Metapher für die dargebotene Musik (irgendwas mit Trash-Punk, für die Plattensammler-Nerds) am besten funzt.
RUINS oder ROXETTE: Japan oder Schweden. Krach oder Kommerz, Maigabutsu oder EMI. Graviyaunosch oder Joyride. Die Wahl fällt nicht leicht. Sollte man beides irgendwie kennen.
STEREO TOTAL - Kein Grund zur Begründung. Beste Zweimenschband ever. In eigenen Worten: „Die Frau in der Musik stört!“ Ja bitte.
Knapp dahinter, 2013 noch nicht existent, dafür aber 2019 und 2020 medial sehr umtriebig: STUMPF - elektronisches, experimentelles Finsterzeug. Passend zur Zeit eben. Zu ihrem Superhit "Schmutz" gibt es ein großartiges Video.
TEARS FOR FEARS oder TENACIOUS D - Da fällt die Wahl schwer. Die ersteren hatten natürlich die hübscheren Selbstmitleid-Hits. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt sind Jack Black und Kyle Gass, die dir gutgemeint bierdosenweise simple Rockweisheiten über den Schoß kippen, einfach überlebenstauglicher.
UNERWÜNSCHT - Vaters alte Pink-Floyd-Scheiben als Becken fürs Schlagzeug zu benutzen, ist schon ziemlich Punk. Die Pioniere des rustikalen Zwei-Teenie-Jungs-ohne-Freundin-Kellerlärms aus dem westfälischen Nirgendwo der 90er-Jahre sind heute stolze Eigenheimbesitzer und fahren ihre Kinder zweimal die Woche zum Training des Schützenvereins Horst-Wessel.
V - Das Niemandsland im Alphabet der Zweimenschbands. Ok, es gibt VERN & RAY, THE VERONICAS, THE VYGORS, VULGAR UNICORN und sowas. Aber braucht die jemand unbedingt? Nein.
WHITE STRIPES – Originell? Nein. Gut? Auf jeden Fall. Garage? Aber mit roten und weißen Kuschelkissen ausgekleidet. Das Streifenshirt übrigens stammt von Jonathan Richman – und das allein würde schon reichen zum Verlieben.
TRIKE - 1. Es sind Kanadier. 2. Endlich mal Straßenmusiker, die mit ihrem Synthesizer-Violinen-Discotrash in der Berliner U8 wirklich unterhalten und nicht genervt haben. Xania wird mittlerweile wieder in Kanada, Stephen aber als Solo-Straßenmusiker desöfteren am Kottbusser Damm gesichtet. Zumindest war es um 2013 so.
XIU XIU - Allein für die wunderbare Zeile "I like my neighborhood I like my gun" sollten die beiden mit Preisen überschüttet werden. Wenn die erst hauchende, dann sich irgendwann fast überschlagende Stimme von Jamie Stewart noch "I am your girl and I will protect you" hinzufügt, möchte man einfach nur noch in die Knie gehen.
YOU'RE ONLY MASSIVE – Punk ist Pop ist Punk, DIY. Alles selber machen und noch was erfinden, was sonst keiner macht. Musik ist Leben. Male-fronted Feminism. GG Allin knutscht Britney in Spezialblond. Fucking amazing. Try this at home.
Alternativ: YAHOO - Netter Versuch der Irreführung, hehehe. Gemeint ist natürlich YAZOO. Die TAZ titelte am 03. Mai 1982: “Alison Moyet ist nicht fett und Vince Clarke nicht schwul, die beiden sind schlicht Mutter und Sohn.” Der folgende Artikel drehte sich dann um Popmusik und Inzest, irgendwie so was.
ZWEIKANT - Nehmen keine Mikros auf die Bühne mit. Warum auch, sie reden nicht und singen auch nicht. Nie. Helme auf und rein ins Unwetter. Auf die Fresse aber melodisch, laut, laut, verzerrt, Gitarre, Schlagzeug, Schlagzeug, Gitarre, direkt, ohne jeden Quatsch, durchdringend, intensiv, noch einen, puh, das fühlt sich so, so gut an.
Fun Fact: Eine diese Bands ist Fake und nichtexistent. Wer rausfindet, welches Duo das sein könnte, kriegt das erste Album dieser Band zugeschickt.
Antworten in Mailform bitte an renfield-fanzine@hotmail.de oder PM an Gary Flannell auf Facebook.
Stichwort: Dalli Dalli
Montag, 23. März 2020
Musikgruppen mit Zukunft in Zeiten der Pandemie
Um die Ansteckungsgefahr durch Capt'n Corona noch weiter einzudämmen, ist es in Deutschland nur noch gestattet, sich zu zweit zu treffen.
Das bringt natürlich allerlei Probleme für Bands und Musikgruppen mit sich. Ska-Bands sind auf Eis gelegt, die klassische Rockbesetzung auch, DJs haben irgendwie noch Glück und zum PingPong an den Turntables reicht es auch noch.
Es ist also die Zeit der Duette.
Man könnte denken, dass das Renfield über die Gabe des In-die-Zukunft-Sehens verfügt. Anders kann ich gar nicht erklären, wie wir schon 2013 in Renfield No.27 als kleine Handreichung eine Liste der BESTEN ZWEI-MENSCH-BANDS VON A-Z zusammengestellt haben.
Solche wichtigen Informationen wollen wir der Stay-At-Home-Menge natürlich nicht vorenthalten.
Deshalb hier Teil 1 der besten Zwei-Mensch-Bands von A-K.
ACTION ATTENTION – die einzige Band jemals, bei der eine Renfield-Schreiberin durchgehend auf und ab gehüpft ist und aus vollem Hals geschrien hat. Das Restpublikum ebenso. Danach wurde vor Freude ganz viel getrunken und geknutscht. Erinnerungen daran sind ungenau. Die Erinnerung an diese Band dagegen glasklar.
BRUCE & BONGO - G-g-g-g-geil, nicht nur die und ihre überragenden Frisen. Was mag aus denen geworden sein? Vermutlich sitzen die noch immer in irgendeiner niederländischen TV-Maske und warten auf den Auftritt. Lasst sie uns da abholen! (ganz heiß in der Diskussion um die zu nennenden Bands wären unter B natürlich auch die BLACK KEYS, BENAUTIC oder BEEHOOVER. Scheint ein guter Buchstabe für diese Kategorie zu sein).
THE CONGREGATION - So süß und so retro, als wären sie aus Grant Woods American Gothic-Bild gesprungen. Und dann machen sie auch noch Blues, der so trocken und reduziert daherkommt, dass Holly Golightly vor Rührung ein Tränchen aus dem Augenwinkel plumpsen würde. Plumps.
DŸSE - Vielleicht sowas wie die Pioniere, der Noise-Instro-Frickel-zwei-Typen-Combos. Würde mich freuen, bald mal eine eigene Schublade dieses Genres im Plattenladen meines Vertrauens zu sehen. Natürlich mit DYSE-Platten vorne weg.
ERASURE- Oh l’amour. Eine Platte die ich mir als Teenager öfter mal von meiner Schwester ausgeliehen habe. Und im stillen Kellerchen ganz gut fand. Wäre aber total peinlich gewesen, das vor den Kumpels mit den Metalkutten und EXPLOITED-Aufnähern zuzugeben.
FICKI FACKI FRUCHTEIS - Schlüpfrig bescheuerter Name. Klingt nach Freibad, Minigolf und israelischen Teenagerkomödien. Ist aber für eine Billo-Trash-Nur-die-Frauen-Deutschpunk-Band mehr als passend. Achja, rumpelig aufgenommen muss sowas natürlich auch sein.
GUTS PIE EARSHOT - Merke: Cello kann doch Punk sein. Könnten so langsam mal Pflichtaudioprogramm im Musikunterricht werden. Würde die Beliebtheit des Instruments bei angeödeten Zehntklässlern sicher ins Unermessliche steigern.
HURE – Musik? Nein, Kunst mit Kettensäge. Hannibal the Cannibal trifft Freddy Krueger mit einem Soundsystem in deinem Kopf. Der Name? Ist das Gegenteil von gut gemeint.
IFA WARTBURG - Seltsames Phänomen der Neunziger: Zwei Schweden im kompletten DDR-Ornat schrieben mit Hilfe des Wörterbuchs so staatstreue Sozialismushymnen, auf die Erich Mielke nicht mal im Kolchosentraum gekommen wäre. Große Verwirrung, als sich nach Konzerten rausstellte, dass sie gar kein Deutsch sprachen. Was die wohl jetzt so machen?
JUCIFER - Zwei Namen wie bei Dr. Snuggles: Frau Gazelle Amber Valentine und ihr Ehemann Edgar Livengood aus Athens, Georgia lassen schon seit Jahren die Noise-Keule anstelle des Nudelholzes schwingen und thematisieren dabei auch gern mal französische Kaiserinnen, die der Revolution zum Opfer gefallen sind. Das scheint ein ganz gutes Mittel zu Ehehygiene zu sein.
KRISS KROSS: Kriss Kross heißen eigentlich Jada Pinkett und Will Smith und waren damals noch Geschwister. Gehupft wie gesprungen, dachte man sich. Erst zu spät konnten Studien abgeschlossen werden, dass Batzentaschen am Sack und Knöpfungen am Arsch zu irreversiblen Schäden bei sich selbst und schlechtestenfalls der Umwelt führen.
Die besten Zwei-Mensch-Bands von L-Z gibt's morgen. Hier auf dem Renfield-Blog.
Das bringt natürlich allerlei Probleme für Bands und Musikgruppen mit sich. Ska-Bands sind auf Eis gelegt, die klassische Rockbesetzung auch, DJs haben irgendwie noch Glück und zum PingPong an den Turntables reicht es auch noch.
Es ist also die Zeit der Duette.
Man könnte denken, dass das Renfield über die Gabe des In-die-Zukunft-Sehens verfügt. Anders kann ich gar nicht erklären, wie wir schon 2013 in Renfield No.27 als kleine Handreichung eine Liste der BESTEN ZWEI-MENSCH-BANDS VON A-Z zusammengestellt haben.
Solche wichtigen Informationen wollen wir der Stay-At-Home-Menge natürlich nicht vorenthalten.
Deshalb hier Teil 1 der besten Zwei-Mensch-Bands von A-K.
ACTION ATTENTION – die einzige Band jemals, bei der eine Renfield-Schreiberin durchgehend auf und ab gehüpft ist und aus vollem Hals geschrien hat. Das Restpublikum ebenso. Danach wurde vor Freude ganz viel getrunken und geknutscht. Erinnerungen daran sind ungenau. Die Erinnerung an diese Band dagegen glasklar.
BRUCE & BONGO - G-g-g-g-geil, nicht nur die und ihre überragenden Frisen. Was mag aus denen geworden sein? Vermutlich sitzen die noch immer in irgendeiner niederländischen TV-Maske und warten auf den Auftritt. Lasst sie uns da abholen! (ganz heiß in der Diskussion um die zu nennenden Bands wären unter B natürlich auch die BLACK KEYS, BENAUTIC oder BEEHOOVER. Scheint ein guter Buchstabe für diese Kategorie zu sein).
THE CONGREGATION - So süß und so retro, als wären sie aus Grant Woods American Gothic-Bild gesprungen. Und dann machen sie auch noch Blues, der so trocken und reduziert daherkommt, dass Holly Golightly vor Rührung ein Tränchen aus dem Augenwinkel plumpsen würde. Plumps.
DŸSE - Vielleicht sowas wie die Pioniere, der Noise-Instro-Frickel-zwei-Typen-Combos. Würde mich freuen, bald mal eine eigene Schublade dieses Genres im Plattenladen meines Vertrauens zu sehen. Natürlich mit DYSE-Platten vorne weg.
ERASURE- Oh l’amour. Eine Platte die ich mir als Teenager öfter mal von meiner Schwester ausgeliehen habe. Und im stillen Kellerchen ganz gut fand. Wäre aber total peinlich gewesen, das vor den Kumpels mit den Metalkutten und EXPLOITED-Aufnähern zuzugeben.
FICKI FACKI FRUCHTEIS - Schlüpfrig bescheuerter Name. Klingt nach Freibad, Minigolf und israelischen Teenagerkomödien. Ist aber für eine Billo-Trash-Nur-die-Frauen-Deutschpunk-Band mehr als passend. Achja, rumpelig aufgenommen muss sowas natürlich auch sein.
GUTS PIE EARSHOT - Merke: Cello kann doch Punk sein. Könnten so langsam mal Pflichtaudioprogramm im Musikunterricht werden. Würde die Beliebtheit des Instruments bei angeödeten Zehntklässlern sicher ins Unermessliche steigern.
HURE – Musik? Nein, Kunst mit Kettensäge. Hannibal the Cannibal trifft Freddy Krueger mit einem Soundsystem in deinem Kopf. Der Name? Ist das Gegenteil von gut gemeint.
IFA WARTBURG - Seltsames Phänomen der Neunziger: Zwei Schweden im kompletten DDR-Ornat schrieben mit Hilfe des Wörterbuchs so staatstreue Sozialismushymnen, auf die Erich Mielke nicht mal im Kolchosentraum gekommen wäre. Große Verwirrung, als sich nach Konzerten rausstellte, dass sie gar kein Deutsch sprachen. Was die wohl jetzt so machen?
JUCIFER - Zwei Namen wie bei Dr. Snuggles: Frau Gazelle Amber Valentine und ihr Ehemann Edgar Livengood aus Athens, Georgia lassen schon seit Jahren die Noise-Keule anstelle des Nudelholzes schwingen und thematisieren dabei auch gern mal französische Kaiserinnen, die der Revolution zum Opfer gefallen sind. Das scheint ein ganz gutes Mittel zu Ehehygiene zu sein.
KRISS KROSS: Kriss Kross heißen eigentlich Jada Pinkett und Will Smith und waren damals noch Geschwister. Gehupft wie gesprungen, dachte man sich. Erst zu spät konnten Studien abgeschlossen werden, dass Batzentaschen am Sack und Knöpfungen am Arsch zu irreversiblen Schäden bei sich selbst und schlechtestenfalls der Umwelt führen.
Die besten Zwei-Mensch-Bands von L-Z gibt's morgen. Hier auf dem Renfield-Blog.
Samstag, 21. März 2020
Reviews in Zeiten von Covid-19
Body Count - Carnivore
Zeitschleife. Nee, Zeitreise. Zurück ins Jahr 1992. Erste BODY COUNT-Platte haut mich voll von den Socken. HipHop und Metal und so cool und derb, wir haben es alle geliebt. Die Metaller und Punks und HipHop-Typen in den Vorortsiedlungen. Crossover muss gesagt werden. Mehr Crossover ging nicht. Also Crossover als Stil, nicht als Methode. Im Golf II durch die Spielstraßen cruisen und dabei "Body Count's in the house" oder "Cop Killer" aus dem werkseigenen Autoradio hören. Sich dabei wie ein Gangster in L.A. fühlen. Mama machte die Wäsche.
BC brachten den westdeutschen weißen Kleinbürger-Kids realen US-Rassismus nahe. Heute leider immer noch großes Thema. Hat sich in 28 Jahren irgendwas geändert? Die Probleme sind dieselben, dazu noch aktuelle unglaublich viele neue, aber klar, Rassismus - immer noch an der Tagesordnung. Ist somit Ice-Ts Lebensthema. Damn, der ist ja auch schon 60. Krieg bloß kein Corona, Alter.
Neue Platte, die achte wohl. Die sechs Platten dazwischen haben mich alle nicht interessiert. Mal reingehört auf Youtube. War aber alles nix.
Was geht auf "Carnivore"? "The Hate is real" ist ok, klingt wie ausm Slayer-Proberaum, "6 in the morning" wie 90er-Flair mit einem schicken Prince-von-Bel-Air-flow. Ice-T insgesamt immer noch voll sauer. Gestus, Habitus, Wahl der Waffen, alles dasselbe wie vor knapp 30 Jahren. Musikalisch allerdings auch. Keine neuen Zutaten dabei. Metal halt. In allerlei Spielarten. Kaum Überraschungen. Keine Experimente. Alles solide. Weiß halt was er tut, der Ice-T. Und seine Leute halt auch. Von der Originalbesetzung sind fast alle tot, fuck. Jetzt aber gute neue Leute dabei. Naja, vielleicht etwas härter geworden, dazu ein paar Gäste (Sepultura-Max, Evanescence-Amy, puh, das ist echt hart), die die Sache aufpeppen, aber it is all in there. Metal, political lyrics, Gangsta-Habitus, spoken word intros vor Rocksongs. Alles wie immer. Wer kann es Body Count verdenken? Ich seufze, weil es so aussieht, als hätte sich wirklich nichts verändert. Hat sich wohl auch nicht. In vielerlei Hinsicht.
Mittendrin ein Motörhead-Cover, Ace of Spades. Echt jetzt? Ach, komm schon. Muss das echt sein? 1000 Motörhead-Songs und ihr nehmt den abgedroschensten? Da war das Exploited-Medley mit Slayer vor x Jahren pfiffiger. Vgl. OST "Judgment Night", 1993.
Schon schön alles, aber spannend? Nee, nicht so ganz. Die Zeiten sind immer noch finster, vielleicht war es lang nicht mehr so finster. Ice-T ist ein alter wütender Mann, nicht weiß, der seinen Groll in Rockmusik packt, mit der seine Alterskohorte gut was anfangen kann. Schon gut, dass er's immer noch macht. Aber er kriegt mich nicht wirklich. "Carnivore" ist zu solide insgesamt. Vielleicht auch etwas zu ernst. Erste Platte hat noch einen kruden, schwarzen Humor, vgl. "KKK Bitch" oder "Evil dick". Finde ich auf "Carnivore" nicht. Nur Wut. Ist alles soviel schlimmer geworden?
Das wäre es dann wohl. Vor Corona verblasst derzeit auch wirklich alles. Schulterzucken und zuhören. Könnte ich damit im Elektro-Golf durch Ostberliner Vorortsiedlungen fahren und mich wie ein South-Central-L.A.-Gangster-Graurücken fühlen? Ehmn, nein. Liegt aber eher an mir, nicht an Ice-T und seinen Kumpels.
(H) wie (Handwerk, solide gemacht und solide Handwerker kann die Welt immer brauchen) auf der 26-teiligen Renfield-Rezensions-Skala
Gary Flanell
Diese Rezension wurde im FreeWriting-Verfahren nach Ken Macrorie und Peter Elbow innerhalb von 10 Minuten verfasst. Bis auf Rechtschreibfehler wurde nichts verbessert oder redigiert.
Zeitschleife. Nee, Zeitreise. Zurück ins Jahr 1992. Erste BODY COUNT-Platte haut mich voll von den Socken. HipHop und Metal und so cool und derb, wir haben es alle geliebt. Die Metaller und Punks und HipHop-Typen in den Vorortsiedlungen. Crossover muss gesagt werden. Mehr Crossover ging nicht. Also Crossover als Stil, nicht als Methode. Im Golf II durch die Spielstraßen cruisen und dabei "Body Count's in the house" oder "Cop Killer" aus dem werkseigenen Autoradio hören. Sich dabei wie ein Gangster in L.A. fühlen. Mama machte die Wäsche.
BC brachten den westdeutschen weißen Kleinbürger-Kids realen US-Rassismus nahe. Heute leider immer noch großes Thema. Hat sich in 28 Jahren irgendwas geändert? Die Probleme sind dieselben, dazu noch aktuelle unglaublich viele neue, aber klar, Rassismus - immer noch an der Tagesordnung. Ist somit Ice-Ts Lebensthema. Damn, der ist ja auch schon 60. Krieg bloß kein Corona, Alter.
Neue Platte, die achte wohl. Die sechs Platten dazwischen haben mich alle nicht interessiert. Mal reingehört auf Youtube. War aber alles nix.
Was geht auf "Carnivore"? "The Hate is real" ist ok, klingt wie ausm Slayer-Proberaum, "6 in the morning" wie 90er-Flair mit einem schicken Prince-von-Bel-Air-flow. Ice-T insgesamt immer noch voll sauer. Gestus, Habitus, Wahl der Waffen, alles dasselbe wie vor knapp 30 Jahren. Musikalisch allerdings auch. Keine neuen Zutaten dabei. Metal halt. In allerlei Spielarten. Kaum Überraschungen. Keine Experimente. Alles solide. Weiß halt was er tut, der Ice-T. Und seine Leute halt auch. Von der Originalbesetzung sind fast alle tot, fuck. Jetzt aber gute neue Leute dabei. Naja, vielleicht etwas härter geworden, dazu ein paar Gäste (Sepultura-Max, Evanescence-Amy, puh, das ist echt hart), die die Sache aufpeppen, aber it is all in there. Metal, political lyrics, Gangsta-Habitus, spoken word intros vor Rocksongs. Alles wie immer. Wer kann es Body Count verdenken? Ich seufze, weil es so aussieht, als hätte sich wirklich nichts verändert. Hat sich wohl auch nicht. In vielerlei Hinsicht.
Mittendrin ein Motörhead-Cover, Ace of Spades. Echt jetzt? Ach, komm schon. Muss das echt sein? 1000 Motörhead-Songs und ihr nehmt den abgedroschensten? Da war das Exploited-Medley mit Slayer vor x Jahren pfiffiger. Vgl. OST "Judgment Night", 1993.
Schon schön alles, aber spannend? Nee, nicht so ganz. Die Zeiten sind immer noch finster, vielleicht war es lang nicht mehr so finster. Ice-T ist ein alter wütender Mann, nicht weiß, der seinen Groll in Rockmusik packt, mit der seine Alterskohorte gut was anfangen kann. Schon gut, dass er's immer noch macht. Aber er kriegt mich nicht wirklich. "Carnivore" ist zu solide insgesamt. Vielleicht auch etwas zu ernst. Erste Platte hat noch einen kruden, schwarzen Humor, vgl. "KKK Bitch" oder "Evil dick". Finde ich auf "Carnivore" nicht. Nur Wut. Ist alles soviel schlimmer geworden?
Das wäre es dann wohl. Vor Corona verblasst derzeit auch wirklich alles. Schulterzucken und zuhören. Könnte ich damit im Elektro-Golf durch Ostberliner Vorortsiedlungen fahren und mich wie ein South-Central-L.A.-Gangster-Graurücken fühlen? Ehmn, nein. Liegt aber eher an mir, nicht an Ice-T und seinen Kumpels.
(H) wie (Handwerk, solide gemacht und solide Handwerker kann die Welt immer brauchen) auf der 26-teiligen Renfield-Rezensions-Skala
Gary Flanell
Diese Rezension wurde im FreeWriting-Verfahren nach Ken Macrorie und Peter Elbow innerhalb von 10 Minuten verfasst. Bis auf Rechtschreibfehler wurde nichts verbessert oder redigiert.
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