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Donnerstag, 16. Juli 2026
RIKE VAN KLEEF - Billige Plätze - Gender, Macht und Diskriminierung in der Musikbranche
Rike van Kleef arbeitet in „Billige Plätze“ schonungslos die Missstände in der Musikbranche auf, die auf patriarchalen und rassistischen Strukturen fußen und fesselt durch ihren mitfühlenden und ehrlichen, aber keineswegs zurückhaltenden Schreibstil. Ich habe mich wiedererkannt.
Das Buch zeigt, dass dieses Gefühl, das ich verspüre, wenn mich wieder einer der Tontechniker mansplained, oder wenn die ganzen Kerle zu unserem Gitarristen rennen, um ihm ganz in der Bro-Culture-Manier auszudrücken, wie er abgerissen hat und man ja merke, dass er das Genie hinter der Band sei, und das, obwohl der Front-Gesang von einer Flinta* besetzt ist, eigentlich kein Gefühl ist, sondern die Wahrnehmung einer benachteiligenden Struktur.
Besonders spannend waren für mich die beschriebenen Rollen, die Flinta*-Besetzungen in Alternative Rock Bands einnehmen. Insbesondere die tragende, zurückhaltende Rolle am Bass hatte in mir einen Reflexionsprozess ausgelöst. Denn genau diese Rolle habe ich ja auch angenommen.
Ich bin generell kein super extrovertierter Mensch, und auch, wenn ich die Bühne liebe, gibt es für mich jene Tage, an denen ich mich lieber im Hintergrund halte. Das liegt jedoch nicht nur in subjektiven Dispositionen, sondern entspringt auch der Erfahrung, immer wieder abgewertet zu werden. Sprüche wie „Das, was du da spielst, könnte ich ja auch.“ oder „Machst ja ‘ne ziemliche Show!“ – Sprüche, die unserem Gitarristen und unserem Schlagzeuger nie unterkämen.
Flinta* müssen in der Musikszene immer mehr geben als ihre männlichen Kollegen, sie müssen besser sein. Auch das wird in „billige Plätze“ thematisiert. Das Buch wirkt wie eine schmerzliche Genugtuung, die Bestätigung einer Wahrnehmung, die ich am liebsten nicht hätte.
Als Künstlerin kann ich viel aus dem Buch mitnehmen. Ich habe mir erneut bewusst machen können, dass meine Fragen, wie viele Flinta* im Team sind, ob für Awareness an den Veranstaltungsorten gesorgt ist und welche Maßnahmen man ergreift, um die Orte inklusiver zu gestalten, weder zu viel verlangen noch übertrieben sind, sondern etwas Notwendiges zeigen: mehr Bewusstsein für Veränderungsbedürftigkeit in den Bereich der Kulturlandschaft zu bringen. Denn der alte weiße Mann im Anzug sitzt noch am Hebel. Ich werde auf jeden Fall in Zukunft die Veranstalter und Teams dazu animieren, sich dieses Buch zu kaufen in der Hoffnung, dass die Lektüre von „Billige Plätze“ auch bei ihnen einen Prozess der Reflexion auslöst.
Nadja Miemiec
RIKE VAN KLEEF - Billige Plätze - Gender, Macht und Diskriminierung in der Musikbranche ist im Ventil-Verlag erschienen.
Dienstag, 31. Dezember 2024
Schön, wenn Menschen ihre Lieblingsplatten des Jahres benennen. Können.
Jahresrückblicke kann jeder und macht jeder. Wir ebenfalls. Auch wenn's knapp ist.
Deshalb hier die Hit-not-Shit-Listen der Renfield-Blogsters, mit allem, was die Menschen, die diesen Blog wie fleißige Bienchen mit Text und Witz bestücken, 2024 gern gehört haben.
Kollege Abel empfiehlt übrigens jahresunabhängig alles von Brahms und Schubert. (Die haben leider letztes Jahr kein neues Album rausgebracht. Kommt vielleicht noch.) Und Rachmaninoff. Ein Mann mit Geschmack.
Gary Flanell (der Punk-Garage-Lo-Fi-Outsider-Rock'n'Roll-Blogsatz-Mogul):
PEKKA LAINE - The enchanted sounds of... (Svart)
Geile Instro-Surfmusik wie aus Omas finnischer Musikbox. Wenn das hier läuft, eskapiere ich total und denke, die Welt ist doch ganz ok und gut wird sowieso alles. Genau richtig zur Orientierung in Raum und Zeit an einem Sonntag morgen.
TRUST ISSUES - Too white to be real (Break The Silence)
Soviele Punkplatten gehen mir mittlerweile am Arsch vorbei, die hier kriegt einen besonderen Platz. Warum? Weil's eine der besten Punkplatten der letzten Zeit ist. Von alten Helden, die wissen, wie man's machen muss.
DAVID HOLMES feat. RAVEN VIOLET: Blind on a galloping horse (Heavenly)
Von David Holmes könnte ich alles nehmen, egal ob UNLOVED oder sein Solozeug. Diesmal mit der unglaublichen Raven Violet, was eine tolle Valiumstimme. Hit auf der Hitplatte: It's over now, if we run out of love. Da hat der eine Oasis-Typ mit geschraubt. Hört man auch.
STUMPF - SAND (Edelfaul)
Ein Höhepunkt des Jahres: Die Stumpfen haben Sand aufs Vinyl gepackt. Ein Monument, geschaffen, um mächtige Felsen kleinzukriegen. Es schleift und knirscht und sägt und dröhnt. Und es braucht Zeit. Höre ich in Augenblicken, in denen ich merke: So schnell muss alles nicht gehen. Schmeiß mal mal 'ne Fuhre Sand in den Kalender. Dit bremst.
TONY SLUG EXPERIENCE- s/t (Whoop Shoo Dop)
Tony Slug war einer der ausdauerndsten Punkrocker der Niederlande, leider in diesem Jahr gestorben. Das hier also ein letztes Dokument für den PunkROCK, den er seit den 80ern konsequent betrieben hat. Beindruckend, wer hier alles an Mikros und Instrumenten zusammengekommen ist: Jello Biafra, Nikke von den Hellacopters, Jerry A. von Poison Idea und soviele mehr. Habe ein unpeinliches Supergroup-Feeling. Geil.
Wolfgang Noise
(der Jazz-Polyrhythmik-Weltmusik-Elektro-DubStep-Drum'n'Bass-Berlin-Kreuzberg-Korrespondent)
PAINKILLER– Samsara (Tzadik)
Die Rückkehr der alten Götter: Anders als früher weil Mick Harris nicht mehr Schlagzeug spielt, aber genauso zerstörerisch, befriedigend und schmerzlindernd.
CHELSEA WOLFE - She Reaches Out To She Reaches Out To She (Loma Vista)
Die Fürstin der Finsternis mit wie üblich genialem Album, diesmal mehr zwischen Gothic Ambient und Doomstep, falls es das gibt.
PETER SOMUAH - Highlife (ACT)
Sympathischer ghanaischer Trompeter aus den Niederlanden mit qualitativ hochwertigem Strain aus Highlife und Jazz.
PΞB – IAMCHAINSAW (Edelfaul)
Debüt-Tape vom Kreuzköllner Kettensägen-Couple mit nix wie Schlagzeug, Stimme, moderner Technik und, wie Zweikant sagen würden: bedingungsloser Grundeinstellung.
IBELISSE GUERDA FERRAGUTI & FRANK ROSALY – Mestizx (International Anthem) Verwunschene Folkmusik, die, wenn sie erst mal angefangen hat, nicht so leicht wieder aufhört.
Philipp Nussbaum
(Der NRW-Korrespondent. Der Reydter der Apokalypse. Hat ATOMVULKAN BRITZ im Herbst safe durch die Hood von Mönchengladbach geleitet und saß wie der Pate von MG beim Gig rum. Stark.)
Die Musiken, garantiert unvollständig und garantiert morgen in einer anderen Zusammenstellung:
ARXX "Good Boy" - Getränk dazu: Gin Tonic
ANTILOPEN GANG "Alles muss repariert werden" - Getränk dazu: Gin Gin
EA80 "Stecker" (oder wie auch immer) - Getränk dazu: Malzbier oder Fanta
INCISURAT "Zurren" - Getränk dazu: einige Helle
SAFI "Groteske" - Getränk dazu: sieben Fässer Wein
Ergänzung:
Zu EA80 mag auch Herdecker Sackträger genossen werden.
Gustav Roland Reudengeutz
(der Free-Jazz-Techno-Atonal-Experimental-Ost-Berlin-Checker-Korrespondent)
Mit unterschwelligem Erschrecken auf die Frage nach den fünf favorisierten Tracks in diesem Jahr, stelle ich fest, dass ich wirklich wieder mehr und intensiver Musik hören muss! Aber ein paar alte Fundsachen sind dabei - nix Neues, aber für mich aktuell.
ESBJÖRN SVENNSON TRIO – The Left Lane
Treibend auf der Autobahn mit 180, aber gefühlt mit 300 und darum besser gleich mit Air Wings einen norwegischen Berg runter über Schweden in den Bottnischen Meerbusen. Angenehme, treibende dreizehneinhalb Minuten Triojazz. Jazz, Jazz, Jazz, dabei hat Esbjörn auch abgefahrene Noise-Kompositionen am Start gehabt – aber is ja eh alles Jazz…
POETS OF THOUGHT – The Rhyme Goes On
Den eher auf der Überlandstraße bei Abendsonne und mit Ellenbogen aus dem Fenster. Was für ein Bounce! Viel jazziger konnte elektronische Musik damals kaum klingen. Und super einfach gescratcht, aber es reicht sowas von aus…
P-TRIX – I Just Play Terror Routine
Hier die Platten auf einem ungleich höheren Niveau zerkratzt, eigentlich auch kein genuiner Track, aber eigentlich doch und apropos Bounce: Yeah!! Super funky, sehr innovativ und extrem cool performend, ist P-Trix als Turntablist um die Jahrtausendwende mit seinen Motor-off-skills bekannt geworden. Hab ich ziemlich oft gebannt wie eine schwingende Marionette am PC gehört und kann man sich eigentlich auch nur dort geben. Ich mag die 1999 USA DMC Finals Version.
RYOJI IKEDA – Ultratronics 04
Im brütenden Sommer zuerst gehört, völlig unpassend, denn Ikedas Klangkonzeption ist grundsätzlich außerordentlich kühl und eher dunkel. Ultratronics 04 indessen zählt zu den groovigeren, runderen Kompositionen, zu der man einen Veitstanz um Konrad Zuses Z3-Rechner machen sollte.
APHEX TWIN – Bucephalus Bouncing Ball
Tja, anscheinend war 2024 besonders schwungvoll oder einfach nur wieder ballaballa. Gut, wenn man dazu die passende Musik parat hat. Aphex Twin holt mich da voll ab. Bucephalus Bouncing Ball – die elektronische Idealvertonung des Menschen in der mehr oder weniger fortschrittlichen Welthermetik. Kann überall auf der Metaebene gehört werden.
Mr. Stonebridge (Der Indie-Post-Punk-Pop-Hamburger-Schule-Korrespondent)
2024 – Beste Musik zum...
NICHTSEATTLE: „Frau Sein“ & „Treskowallee“ … zum am Wasser sitzen oder in Bewegung sein
KRATZEN: „Reichtum“ … zum Durchs-Zimmer-Hüpfen
SLEAFORD MODS & HOT CHIPS: „Nom Nom Nom“ - auf der Torstraße mit dem Autostrom radeln
HUNDEFUTTERGRUPPE: „Kerze und Taschenmesser“ - zum Frühstück, Mittag, Abendbrot
FRITZI ERNST: „Ich bin so dumm“ - zum morgendlichen In-den-Spiegel-kucken
SOLTERO: „A True Indication“ - Tag in der Natur oder am Meer
TINY DORIS: „Nackt aufm Pelz“ - Beim Schnibbeln
JENSAUSDERWÄSCHE: „Grenzen“ - abends im Bettliegen
Das war es gewesen für 2024. Und ja, leider sind hier derzeit nur Männer unterwegs. Allesamt gute Männer, allerdings halt eben...wisst ihr auch. Das darf sich gerne ändern, von daher: Mitschreiberinnen sind hier herzlich willkommen.
Girls to the Blog, bei Interesse gern melden unter renfield-fanzine@hotmail.de. Niedrigschwelligkeit is the key, musikalisch/thematisch geht fast alles, the vielfältiger, the better quasi.
Guten Rootsh,
Gary Flanell
Deshalb hier die Hit-not-Shit-Listen der Renfield-Blogsters, mit allem, was die Menschen, die diesen Blog wie fleißige Bienchen mit Text und Witz bestücken, 2024 gern gehört haben.
Kollege Abel empfiehlt übrigens jahresunabhängig alles von Brahms und Schubert. (Die haben leider letztes Jahr kein neues Album rausgebracht. Kommt vielleicht noch.) Und Rachmaninoff. Ein Mann mit Geschmack.
Gary Flanell (der Punk-Garage-Lo-Fi-Outsider-Rock'n'Roll-Blogsatz-Mogul):
PEKKA LAINE - The enchanted sounds of... (Svart)
Geile Instro-Surfmusik wie aus Omas finnischer Musikbox. Wenn das hier läuft, eskapiere ich total und denke, die Welt ist doch ganz ok und gut wird sowieso alles. Genau richtig zur Orientierung in Raum und Zeit an einem Sonntag morgen.
TRUST ISSUES - Too white to be real (Break The Silence)
Soviele Punkplatten gehen mir mittlerweile am Arsch vorbei, die hier kriegt einen besonderen Platz. Warum? Weil's eine der besten Punkplatten der letzten Zeit ist. Von alten Helden, die wissen, wie man's machen muss.
DAVID HOLMES feat. RAVEN VIOLET: Blind on a galloping horse (Heavenly)
Von David Holmes könnte ich alles nehmen, egal ob UNLOVED oder sein Solozeug. Diesmal mit der unglaublichen Raven Violet, was eine tolle Valiumstimme. Hit auf der Hitplatte: It's over now, if we run out of love. Da hat der eine Oasis-Typ mit geschraubt. Hört man auch.
STUMPF - SAND (Edelfaul)
Ein Höhepunkt des Jahres: Die Stumpfen haben Sand aufs Vinyl gepackt. Ein Monument, geschaffen, um mächtige Felsen kleinzukriegen. Es schleift und knirscht und sägt und dröhnt. Und es braucht Zeit. Höre ich in Augenblicken, in denen ich merke: So schnell muss alles nicht gehen. Schmeiß mal mal 'ne Fuhre Sand in den Kalender. Dit bremst.
TONY SLUG EXPERIENCE- s/t (Whoop Shoo Dop)
Tony Slug war einer der ausdauerndsten Punkrocker der Niederlande, leider in diesem Jahr gestorben. Das hier also ein letztes Dokument für den PunkROCK, den er seit den 80ern konsequent betrieben hat. Beindruckend, wer hier alles an Mikros und Instrumenten zusammengekommen ist: Jello Biafra, Nikke von den Hellacopters, Jerry A. von Poison Idea und soviele mehr. Habe ein unpeinliches Supergroup-Feeling. Geil.
Wolfgang Noise
(der Jazz-Polyrhythmik-Weltmusik-Elektro-DubStep-Drum'n'Bass-Berlin-Kreuzberg-Korrespondent)
PAINKILLER– Samsara (Tzadik)
Die Rückkehr der alten Götter: Anders als früher weil Mick Harris nicht mehr Schlagzeug spielt, aber genauso zerstörerisch, befriedigend und schmerzlindernd.
CHELSEA WOLFE - She Reaches Out To She Reaches Out To She (Loma Vista)
Die Fürstin der Finsternis mit wie üblich genialem Album, diesmal mehr zwischen Gothic Ambient und Doomstep, falls es das gibt.
PETER SOMUAH - Highlife (ACT)
Sympathischer ghanaischer Trompeter aus den Niederlanden mit qualitativ hochwertigem Strain aus Highlife und Jazz.
PΞB – IAMCHAINSAW (Edelfaul)
Debüt-Tape vom Kreuzköllner Kettensägen-Couple mit nix wie Schlagzeug, Stimme, moderner Technik und, wie Zweikant sagen würden: bedingungsloser Grundeinstellung.
IBELISSE GUERDA FERRAGUTI & FRANK ROSALY – Mestizx (International Anthem) Verwunschene Folkmusik, die, wenn sie erst mal angefangen hat, nicht so leicht wieder aufhört.
Philipp Nussbaum
(Der NRW-Korrespondent. Der Reydter der Apokalypse. Hat ATOMVULKAN BRITZ im Herbst safe durch die Hood von Mönchengladbach geleitet und saß wie der Pate von MG beim Gig rum. Stark.)
Die Musiken, garantiert unvollständig und garantiert morgen in einer anderen Zusammenstellung:
ARXX "Good Boy" - Getränk dazu: Gin Tonic
ANTILOPEN GANG "Alles muss repariert werden" - Getränk dazu: Gin Gin
EA80 "Stecker" (oder wie auch immer) - Getränk dazu: Malzbier oder Fanta
INCISURAT "Zurren" - Getränk dazu: einige Helle
SAFI "Groteske" - Getränk dazu: sieben Fässer Wein
Ergänzung:
Zu EA80 mag auch Herdecker Sackträger genossen werden.
Gustav Roland Reudengeutz
(der Free-Jazz-Techno-Atonal-Experimental-Ost-Berlin-Checker-Korrespondent)
Mit unterschwelligem Erschrecken auf die Frage nach den fünf favorisierten Tracks in diesem Jahr, stelle ich fest, dass ich wirklich wieder mehr und intensiver Musik hören muss! Aber ein paar alte Fundsachen sind dabei - nix Neues, aber für mich aktuell.
ESBJÖRN SVENNSON TRIO – The Left Lane
Treibend auf der Autobahn mit 180, aber gefühlt mit 300 und darum besser gleich mit Air Wings einen norwegischen Berg runter über Schweden in den Bottnischen Meerbusen. Angenehme, treibende dreizehneinhalb Minuten Triojazz. Jazz, Jazz, Jazz, dabei hat Esbjörn auch abgefahrene Noise-Kompositionen am Start gehabt – aber is ja eh alles Jazz…
POETS OF THOUGHT – The Rhyme Goes On
Den eher auf der Überlandstraße bei Abendsonne und mit Ellenbogen aus dem Fenster. Was für ein Bounce! Viel jazziger konnte elektronische Musik damals kaum klingen. Und super einfach gescratcht, aber es reicht sowas von aus…
P-TRIX – I Just Play Terror Routine
Hier die Platten auf einem ungleich höheren Niveau zerkratzt, eigentlich auch kein genuiner Track, aber eigentlich doch und apropos Bounce: Yeah!! Super funky, sehr innovativ und extrem cool performend, ist P-Trix als Turntablist um die Jahrtausendwende mit seinen Motor-off-skills bekannt geworden. Hab ich ziemlich oft gebannt wie eine schwingende Marionette am PC gehört und kann man sich eigentlich auch nur dort geben. Ich mag die 1999 USA DMC Finals Version.
RYOJI IKEDA – Ultratronics 04
Im brütenden Sommer zuerst gehört, völlig unpassend, denn Ikedas Klangkonzeption ist grundsätzlich außerordentlich kühl und eher dunkel. Ultratronics 04 indessen zählt zu den groovigeren, runderen Kompositionen, zu der man einen Veitstanz um Konrad Zuses Z3-Rechner machen sollte.
APHEX TWIN – Bucephalus Bouncing Ball
Tja, anscheinend war 2024 besonders schwungvoll oder einfach nur wieder ballaballa. Gut, wenn man dazu die passende Musik parat hat. Aphex Twin holt mich da voll ab. Bucephalus Bouncing Ball – die elektronische Idealvertonung des Menschen in der mehr oder weniger fortschrittlichen Welthermetik. Kann überall auf der Metaebene gehört werden.
Mr. Stonebridge (Der Indie-Post-Punk-Pop-Hamburger-Schule-Korrespondent)
2024 – Beste Musik zum...
NICHTSEATTLE: „Frau Sein“ & „Treskowallee“ … zum am Wasser sitzen oder in Bewegung sein
KRATZEN: „Reichtum“ … zum Durchs-Zimmer-Hüpfen
SLEAFORD MODS & HOT CHIPS: „Nom Nom Nom“ - auf der Torstraße mit dem Autostrom radeln
HUNDEFUTTERGRUPPE: „Kerze und Taschenmesser“ - zum Frühstück, Mittag, Abendbrot
FRITZI ERNST: „Ich bin so dumm“ - zum morgendlichen In-den-Spiegel-kucken
SOLTERO: „A True Indication“ - Tag in der Natur oder am Meer
TINY DORIS: „Nackt aufm Pelz“ - Beim Schnibbeln
JENSAUSDERWÄSCHE: „Grenzen“ - abends im Bettliegen
Das war es gewesen für 2024. Und ja, leider sind hier derzeit nur Männer unterwegs. Allesamt gute Männer, allerdings halt eben...wisst ihr auch. Das darf sich gerne ändern, von daher: Mitschreiberinnen sind hier herzlich willkommen.
Girls to the Blog, bei Interesse gern melden unter renfield-fanzine@hotmail.de. Niedrigschwelligkeit is the key, musikalisch/thematisch geht fast alles, the vielfältiger, the better quasi.
Guten Rootsh,
Gary Flanell
Donnerstag, 10. Oktober 2024
Schön, wenn junge Leute Musik machen Pt.LXL
Manchmal langweile ich mich fürchterlich, wenn ich mich mit aktueller deutschsprachiger Musik beschäftige. Klingt alles nach dem gleichen Scheiß, nichts dabei, was die Wurst vom Teller zieht. Ist vielleicht auch das Ältere-Mann-Syndrom. Scheiß Punk.
Viel gehört, viel gesehen, auf so einem snobby Kissen der Erwartungshaltungen ist es gar nicht so leicht, aus der dunklen Zelle der gepflegten Tristesse in den Palast der Euphorie getragen zu werden. Auf einer Sänfte, geschnitzt aus wohlriechenden Intarsien aus Aufregung und Neugier. Getragen von wohlgelaunten Einhörnern mit Regenbögen an den Hufen.
Aber diesmal ist es so. Gleich zwei Bands, die mindestens einen guten Song auf deutsch rausgepumpt haben. Ob das reicht, die ganze Platte zu kaufen? Ich weiß es nicht. Aber zwei gute Songs sind eine Menge wert, in Zeiten totaler Unübersichtlichkeit.
Da wären zunächst mal BASSED mit "Deutsche Praktiken". Geiles Intro mit hübscher Nikel-Pallat-Hommage, Song danach auch super. Haben die viel "Die Sterne" und anderes Hamburger-Schule-Zeug in Augsburg konsumiert? Klingt jedenfalls so. Guter Text, sehr tagesaktuell in Bezug auf den Rechtsruck und dazu gibt es ein schickes Video und ein cheesy Gitarrensolo am Ende. Wenn damit genug Leute erreicht werden, sehr gerne mehr davon.
Wir erinnern uns: Ich schrub von zwei Bands. Bevor ich mich wieder dorthin zurückziehe, wo den ganzen Tag aus Nostalgiegründen der Bro-Hymn-Remix von BASSNECTAR läuft, also hier das nächste Überraschungs-Ei.
Der Bandname ist nicht so ein Catcher, aber die Musik ist es: Die Rede ist von THE BACKYARD BAND. Das klingt wenig einfallreich oder gar experimentell, aber - solide. Scheinen diese Jungs (alles Jungs, auch im Video) auch zu sein. Erdige Typen, die völlig altmodischen Boogie-Garage-Punk-RocknRoll spielen. So Zeug, was komplett aus der Zeit gefallen ist. Dazu manchmal auch, und das ist das Schöne, Texte auf Deutsch. Kerniger Rock'n'Roll mit deutschsprachigen Texten, die Kombi ist schon wieder so alt, dass man sie für innovativ halten könnte. Ist sie natürlich nicht. Hol das Ouija-Board raus und frag Opa.
Hörbeispiel 1: Der sehr gute Song "Haltet einfach mal die Fresse". Und ja, wir bewegen uns hier in einem homosozialen Raum, also nur junge Männer, die auch sehr maskulin auftreten. Eine Truppe, die nur aus Jungsfreunden besteht, gemeinsam imm Proberaum abhängt und dort eben jungsmäßigen, angeprollten Quatsch macht. Klischee, Klischee, I know.
Aber ich denke, das sind welche von den Guten. Und "Haltet einfach mal die Fresse" singe ich schnell mit, weil auch hier gerade aktuelle Konflikte auf sehr alltagsnahe Weise thematisiert werden. Ist außerdem so eloquent, dass ich manchmal an den guten alten Dendemann denken muss. Ganz andere Mucke, ich weiß, aber so vom Gefühl under Rotzigkeit, die drin steckt,sehe ich Parallelen.
Die ganzen hard facts um das Album, welche Prominenz da wie und wann im Studio mitgeholfen hat - fuck it, diese Infos kriegt ihr auch so schnell raus.
Gary Flanell
Aber diesmal ist es so. Gleich zwei Bands, die mindestens einen guten Song auf deutsch rausgepumpt haben. Ob das reicht, die ganze Platte zu kaufen? Ich weiß es nicht. Aber zwei gute Songs sind eine Menge wert, in Zeiten totaler Unübersichtlichkeit.
Da wären zunächst mal BASSED mit "Deutsche Praktiken". Geiles Intro mit hübscher Nikel-Pallat-Hommage, Song danach auch super. Haben die viel "Die Sterne" und anderes Hamburger-Schule-Zeug in Augsburg konsumiert? Klingt jedenfalls so. Guter Text, sehr tagesaktuell in Bezug auf den Rechtsruck und dazu gibt es ein schickes Video und ein cheesy Gitarrensolo am Ende. Wenn damit genug Leute erreicht werden, sehr gerne mehr davon.
Wir erinnern uns: Ich schrub von zwei Bands. Bevor ich mich wieder dorthin zurückziehe, wo den ganzen Tag aus Nostalgiegründen der Bro-Hymn-Remix von BASSNECTAR läuft, also hier das nächste Überraschungs-Ei.
Der Bandname ist nicht so ein Catcher, aber die Musik ist es: Die Rede ist von THE BACKYARD BAND. Das klingt wenig einfallreich oder gar experimentell, aber - solide. Scheinen diese Jungs (alles Jungs, auch im Video) auch zu sein. Erdige Typen, die völlig altmodischen Boogie-Garage-Punk-RocknRoll spielen. So Zeug, was komplett aus der Zeit gefallen ist. Dazu manchmal auch, und das ist das Schöne, Texte auf Deutsch. Kerniger Rock'n'Roll mit deutschsprachigen Texten, die Kombi ist schon wieder so alt, dass man sie für innovativ halten könnte. Ist sie natürlich nicht. Hol das Ouija-Board raus und frag Opa.
Hörbeispiel 1: Der sehr gute Song "Haltet einfach mal die Fresse". Und ja, wir bewegen uns hier in einem homosozialen Raum, also nur junge Männer, die auch sehr maskulin auftreten. Eine Truppe, die nur aus Jungsfreunden besteht, gemeinsam imm Proberaum abhängt und dort eben jungsmäßigen, angeprollten Quatsch macht. Klischee, Klischee, I know.
Aber ich denke, das sind welche von den Guten. Und "Haltet einfach mal die Fresse" singe ich schnell mit, weil auch hier gerade aktuelle Konflikte auf sehr alltagsnahe Weise thematisiert werden. Ist außerdem so eloquent, dass ich manchmal an den guten alten Dendemann denken muss. Ganz andere Mucke, ich weiß, aber so vom Gefühl under Rotzigkeit, die drin steckt,sehe ich Parallelen.
Die ganzen hard facts um das Album, welche Prominenz da wie und wann im Studio mitgeholfen hat - fuck it, diese Infos kriegt ihr auch so schnell raus.
Gary Flanell
Sonntag, 24. Oktober 2021
Warnung. Aus der Distanz beobachtet.
Gibt so Platten, die könnte ich derzeit den ganzen Tag hören.
Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.
Von Tag-Nachtgleiche zu Tag-Nachtgleiche.
Von Wintersonnenwende zu Sommersonnenwende.
Vom Brocken bis Stonehenge.
Von Beltane zu Samhain.
Von hier bis dort.
Von Zimmer bis Bradley bis Lovecraft bis Del Rey (eine schöne Reise im roten Cadillac Melo Cabrio).
Von der Garage bis zum Swimmingpool.
Von der Remise bis ins Souterrain. Von Hinterhof zu Hinterhof.
Von der Misere bis zum hellen Licht.
Von da bis dort. Von Traurigkeit zu Traurigkeit.
Von Übergang zu Übergang.
Von mir zu dir.
Dieses Video bitte jetzt.
Groß UND zentriert.
Black Sabbath of the 21st century.
Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.
Von Tag-Nachtgleiche zu Tag-Nachtgleiche.
Von Wintersonnenwende zu Sommersonnenwende.
Vom Brocken bis Stonehenge.
Von Beltane zu Samhain.
Von hier bis dort.
Von Zimmer bis Bradley bis Lovecraft bis Del Rey (eine schöne Reise im roten Cadillac Melo Cabrio).
Von der Garage bis zum Swimmingpool.
Von der Remise bis ins Souterrain. Von Hinterhof zu Hinterhof.
Von der Misere bis zum hellen Licht.
Von da bis dort. Von Traurigkeit zu Traurigkeit.
Von Übergang zu Übergang.
Von mir zu dir.
Dieses Video bitte jetzt.
Groß UND zentriert.
Black Sabbath of the 21st century.
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