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Montag, 15. Juni 2020

Kaninchenpunk (Schön, wenn junge Menschen Musik machen Pt. XXII)

Angora Club - Hasenangst

Was ziehen wir heute an, was ziehen wir heute an, wo gehen wir heute hin?

Dicken Parka raus und ab nach Norddeutschland. Erst ins Flache, dann ins Tief. Langsam vortasten.
Dorthin, wo die Jungs-Punkbands so klingen, als könnte man an einem verregneten Sonntagnachmittag in der Einfamilienhaus-Siedlung nichts anderes tun, als in der Tempo-30-Zone rumzustehen oder Unterschlupf in dem Holzhäuschen auf dem neu gestalteten Spielplatz (für den du natürlich seit mindestens 10 Jahren zu alt bist) zu suchen.
Während am Himmel bleistiftgraue Wolken den ersten geilen Gig beim mehrmonatigen Rock-against-Sun-Festival abliefern. Dazu Tropfen deine LEATHERFACE-Kapu, deine Vans, deine olle Jeans und deine vegane Baseballjacke durchnässen.
Du stehst aber weiter rum, siehst das Wasser auf deine Finger-Tattoos platschen und rauchst. Denn bald ist Probe.



Du und deine drei Buddies. Habt früher schon eine Punk-Band gehabt. Hieß wie eine Hass-Figur von den Simpsons, passt ja zu einer Punkband. Jetzt habt ihr eine neue. Wo der Unterschied ist, keine Ahnung, erzähl du es mir. Der Name klingt ganz süß. Und das Cover ist es auch, herrje. Kaninchen, keine Hasen. Die werden oft verwechselt, keiner weiß warum. Kaninchen sind süßer, auch die auf dem Cover eurer Platte. Kulleraugen und Kindchenschema - so süüüß! Aber drinnen, da ist es dann so deprimierend wie eben das nie endende Schlechtwetter in der flachen Trostlosigkeit, die ihr so gut kennt. Und das ist ein bißchen der hübsche Gegensatz zu eurer Musik. Was auch die Faszination ausmacht. Süß und manchmal bitter. So ist wohl alles und immer.



Wetten, ihr mal Turbostaat gehört, und auch mal Pascow? Nicht nur eine Platte, sondern einige, was? Deswegen um so schöner, dass ihr auf diesem Label gelandet seid. Mal ehrlich, wo sonst könntet ihr hinpassen? Ich weiß es nicht. Soundmäßig genau das, was man dort erwartet. Und nein, ihr seid nicht einfach so langweilige Klone, wirklich, ihr macht das schon gut. All die Melancholie und die Tristesse, ich kenne das und mag es. Diese kurzen treffenden Texte, manchmal alle so nah dran an der Depression. Das wirkt. Doch, schon gut das alles. Nicht die Revolution, aber ein guter musikalischer Taschenwärmer.

(F auf der 26-teiligen Renfield-Rezensions-Skala)

P.S: Überlege, ob ich mir das süße große Kaninchen im Inlay nicht als Tattoo-Motiv klaue. Aber dann erkennt eventuell jemand, dass das von eurer Platte ist und hält mich für den Die-hard-AngoraClub-Fan. Das wäre schmeichelhaft, aber trotz Sympathie nicht ganz der Fall.


Gary Flanell

Angora Club - Hasenangst ist im Mai 2020 auf Kidnap Music erschienen.

Samstag, 20. Oktober 2012

HA! HA! HA! XAXAXA!

Was fuer eine Freitagnacht - Und ich habe sie komplett miterlebt. Der Anlass war allerdings weniger erfreulich, denn da das geliebte Soulcat bald fuer immer seine Pforten schliesst, wird an diesem Wochenende zum letzten Mal gefeiert. Grund genug also, einen Augenblick mal etwas melancholisch zu werden und ein Traenchen verhuscht in meinen graugesichigen Milchkaffee tropfen zu lassen.
Aber auch fuer solche Tage (diese Tage, an denen man um 6 ins Bett wankt und um 15 Uhr langsam ein improvisiertes Fruehstuck aus drei glibberigen Spiegeleiern in sich reinschlingt. Am besten Spiegeleier, die in der gleichen Pfanne angebraten wurde, in der man gestern abend noch ein koestliches Gemisch aus Tomate, Huehnchen, Mais, Knoblauch angebraten hat, denn dann koennen die Spiegeleier noch gleich das verbleibende Aroma der letzten Mahlzeit voll in sich aufsaugen - sehr huebsch!) gibt es die passende Musik. Gluecklicherweise lag vor kurzem ein Packerl von Moonlee Records im Briefkasten. Hatte aber bis gestern noch nicht die Ruhe (wuerde gern Musse sagen, aber auf einer amerikanischen Tastatur ohne S-Zett sieht Musse entweder aus wie eine Muse - oder einfach Scheisse. Obwohl... so koennte es gehen: Musze halt), da mal ordentlich reinzuhoeren, aber heute war der richtige Tag dafuer.
Bei Moonlee-Releases geht eigentlich nie was schief, richtigen Mist hat das Label aus Slowenien eigentlich noch nie rausgebracht: ANALENA, BERNAYS PPROPAGANDA, sowas sind schon sehr gute Bands, sehr unterschiedlich, aber gerade das mag ich ja schon gern. Jetzt kommen also XAXAXA, Nebenprojekt von eben jenen BERNAYS PROPAGANDA aus Mazedonien, mit ihrer "Siromasni i bogati"-CD um die Ecke. Bin gespannt, ob das auch so in diese sehr rhythmische GANG-OF-FOUR/GOSSIP-Ecke geht. Faende ich irgendwie doof und zum Glueck ist es auch nicht so - Mann hab ich ein Glueck. Denn XAXAXA (das, by the way, kyrillisch geschrieben ist und somit eher wie ein gefauchtes HAHAHA ausgesprochen wird) sind auf ganz anderen Pfaden unterwegs. Eher auf jenen, die schon die WIPERS, LEATHERFACE oder HUESKER DUE beschritten haben. Wunderbar melancholischer Punk, meist im Mid-Tempo, fliegt mir hier um die Ohren, schoen abwechslungsreich und etwas latent CURE-maessiges ist irgendwie auch noch mit drin, vielleicht ist es der Gesang. Voll Emo denke ich, waehrend draussen ein paar Blaetter vom Baum purzeln, aber diese Art von Emo, die man mit der Silbe -CORE versehen muss und aus der Dischord-Ecke der End-80er kennt, um nicht in doofe Verwechslungen mit dem Mist zu geraten, der heute unter diesem Etikett vermarktet wird. Bei soviel seelenvoller, zerissener Huebschness faellt mir auch gar nicht weiter auf, dass ich kein einziges Wort von den mazedonischen Lyrics verstehe, aber da reicht schon der Ausdruck in der Stimme, um zu wissen, dass das hier richtig gut ist. Wunderbar! (D) (www.moonleerecords.com, xaxaxa.bandcamp.com)