26. November 2015. Renfield-Magazin Nummer 31 ist gerade knapp eine Woche raus. Das Fest zur Veröffentlichung war rauschend, auch dank der netten Bands KÜKEN und RAZOR CUNTS Und , nicht zu vergessen, dank des famosen DJs Angelika und seinem spontan eingerittenen Sidekick.
Weil das Heft so picke-packevoll mit geilen Stories geworden ist, wurden ein paar Rezensionen auseelagert. Aber nicht auf dem Müllhaufen der in Ehren vergessenen Tonträger, sondern hier und jetzt - auf den Blog.
ACID BABY JESUS – Selected Recordings (Slovenly)
Yeah, du. Voll verdrogte Hippiekacke mit übersteuerten Höhen, die dir mal echt einen fetten Horrortrip verpassen, man. Morgens vor der Arbeit eine echte Herausforderung für den Biorhythmus. Aber: Nach Feierabend und in entgrenzter Runde, in der man sich unbekleidet nachrennt und versucht, die anderen mit den primären oder sekundären Geschlechtsmerkmalen abzuklatschen, ist das tatsächlich recht kurzweilig zum einen, nicht unerheblich hypnotisch defokussierend für die dann erforderlichen Verschnauf- und Inhalierpausen zum anderen. Ein wenig aus der Zeit gefallen, ein ganz kleines bisschen zu plakativ, aber yeah, du, wenn wir erst alle verschmolzen sind wie die Klumpen in der Lavalampe doch immer noch so easy, du. Philip Nussbaum
DER FEIND - 7inch (Bleeding Heart Nihilist)
Herr Harley, es ist mir eine Ehre. Der werte Chef schickt mir die erste 7“ ever, und dann ist es nicht irgendetwas, sondern eben das Ihre Machwerk. Rumms. Noch Fragen nach dem Abspielen? Nö. Danke, weitermachen. Da gibts mit Anlauf auf die Fresse und das unglaublicherweise gleich acht Mal auf einer popeligen Single, so lässt es sich leben in all der ankotzenden Unlebbarkeit. Faster faster! Kill kill kill! Zum Beispiel eine Pussycat, aber nur zum Beispiel und/ oder als Anfang. Herr Harley, ich ziehe meinen Hut vor Ihrer vehementen Kriegsführung, Gefangene sind tatsächlich überbewertet und stehen eh meistens nur im Weg herum. Sehr gerne biete ich eine Koalition an, denn als Feind möchte ich Sie gerade nicht so gerne. Philip Nussbaum
East Ends – What’s the furthest place from here? (Homebound Records)
Auch in Menden weiß man: Eine Zwei-Mann-Kapelle muss nicht unbedingt billigen Garage-Trash dudeln. Vielleicht sind die East Ends Deutschlands erstes Emocore-Duo. Oder einfach ein Duo, das Popsongs schreibt, denn eigentlich ist es Popmusik. Einfach nur schlichte, von Gitarren getragene, gute Popmusik. Sowas wie Jimmy eat World oder die Get-Up-Kids oder wer sich sonst so ins Emo-Diary eingetragen hat, in den 90ern gemacht haben. Nur halt zu zweit. Da klingt natürlich alles ein bisschen reduzierter, aber schlecht ist das nun nicht. Auch der Schulband-Alarm bleibt nach dem Textstudium seltsamerweise ganz aus. Sowas wie „Is it light depression or just some dark days?” kann man durchaus mal schreiben. Und singen. (G) Gary Flanell
Loser Youth – Livin‘ la vida loca – LP (amsa-records.de)
Der Trend geht zum einseitigen, warum auch nicht? Deshalb hat Hamburgs Verlierernachwuchs alle ihre neun Songs auf eine Seite einer neongrünen Vinylplatte gepackt. Reicht ja auch, wenn man ultraschnelle Deutschpunkhacker spielt. Ist aber nicht der klassische, schon etwas miefige Asi-Dicke-Männer-Deutschpunk, sondern eher so eine hektische HC-Kante. Man ist hörbar sauer auf alles und jeden und hält nicht hinterm Berg damit. So schnörkellos hingerotzt gefällt mir das besser als manche Band, die den hundertsten Turbostaat-Abklatsch liefert. Der Titel in Zusammenhang mit dem Cover (Band auf Spielplatzschaukeln, gelangweilt guckend) zeigt, dass die Herren auch im GK Humorverständnis fleißig mitgemacht haben. Und ein Refrain wie „Astrologie ist wichtiger als Geld“ sowieso. (F) Gary Flanell
METEORIT - Tape (Greatberry Tapes, Kassette)
Beim Zivi haben wir einen Typen gefahren, der sich die Augäpfel rausgedrückt hat, um Farben zu sehen. Er konnte „Kassette“ und eine Zusammenschleifung von „Ivona“ (seine Mutter) und „Tischlampe“ sagen. Ich hätte auf ihn hören sollen. METEORITs Best of wäre in anderen Bewertpostillen unzweifelhaft die „Schönheit der Ausgabe“. Ein kopfstehendes Reh als Cover, lustige Stickerchen der Band als Gimmick und zwölf deutschsprachige Poppereien aus den beiden für Ömme kriegbaren Alben der Musikanten. Gewinnerding für Die Sterne- und Geschichtenmittieren-Möger. Und sicher auch für Augäpfelrausdrücker. Philip Nussbaum
MOVIE STAR JUNKIES – Evil Moods (Voodoo Rhythm Records)
Nick Cave goes "Die Straßen von San Francisco" und meets there ein paar Typen, die mit ihren Instrumenten das eine oder andere Noisige anstellen. Draußen ist's grad was kühl, also geht man mal zusammen irgendwohin und haut sich da ein paar Flaschen Kaffee in den Kopp. Großstadtinderspätsommersonnesoundtrack. Mit deutschen Landschaften leider irgendwie inkompatibel, so dass vorzuschlagen ist, den musikalischen Film um sieben Uhr im abgedunkelten Verwaltungsbüro oder kurz nach Mitternacht während einer Autofahrt auf einer Pottbundesstraße laufen zu lassen und sich die passende Beleuchtung vorzustellen. Philip Nussbaum
PRECIOUS FEW – Tales (Tumbleweed Records)
Wäre es ein etwas hochstimmiger Sänger, dann hätte es vielleicht sogar etwas. Vielleicht wenigstens. Tatsächlich ists aber eine etwas tiefstimmige Sängerin, und es fehlt etwas. Textlich einfach drauf los, überwiegend in schön sperrigem und reimfreiem Denglisch, hauptsächlich ohne relevante Story, aber was solls. Das ist nicht der Punkt. Das musikalische Gesamtpaket ist nicht wirklich sympathisch, was folkigem Singer-/ Songwriterkram mit seiner Lagerfeuernähe doch recht leicht fallen könnte. Spröde? Hm. Ja? Nö. Beim Drübernachdenken und Nichtseinfallen zum schön schick verpackten und klanglich völlig okayen Promoteil aus dem Hause Tumbleweed bleibt’s bei einem leidlich interessierten Vielleicht. Philip Nussbaum
Resolutions/Up for Nothing –Split 7” (Homebound Records)
Eine Band aus Hannover (nein, nicht die Scorpions incognito) und eine aus Brooklyn (nein, nicht die Beastie Boys incognito) teilen sich diese schneeweiße 7inch. Je zwei Songs gibt es und auch gewisse Gemeinsamkeiten – ist nämlich alles Punkrock mit Herz. Also Emo-Core und das um Viertel nach 9 am Montag. Ebendie Art, wie man sie oft auf No-Idea-Releases oder beim FEST in Gainesville hören kann. Bißchen rauh, bißchen melancholisch und nachdenklich. Up For Nothing haben ein bißchen mehr Bums, sogar bei ihrem Akustikgitarrentrack. Resolutions sind dagegen fast so poppig wie Samiam. Das Credibility-Salz in der Suppe kommt durch den Mix, den hat nämlich Descendent Stephen Egerton besorgt. Beides sehr solide, aber nicht besonders aufsehenerregend. (J) Gary Flanell
Sand.IG – Still–EP (Lautfrosch Records)
Vor ungefähr 10 Jahren war ich sehr angetan von einer Platte mit dem Titel “Waren des täglichen Bedarfs”. Die lief in unserer WG rauf und runter und war von den Berlinern Sand.IG. Die Texte sorgten jedenfalls für gute Assoziationen und „Kopfschwanger“ haben wir alle gerne mitgesummt. Auch musikalisch war das ziemlich gut. Abwechslungsreich, nicht zu nerdig und mit dem ordentlichen Noise-Rock-Wumms dabei. Danach sind Sand.IG aus meinem Blickfeld verschwunden, ich glaube sogar etwas von einer temporären Auflösung gehört zu haben. Nach all der Zeit traf ich sie wieder, bei einem Konzert in meinem liebsten Trinker-Souterrain. Nach 10 Jahren Pause wirkt manches auf mich auf die Distanz etwas zu theatralisch. Klangen Sand.IG schon damals die Skeptiker auf dem Krautrock-Trip? Wie die Neubauten als Post-Rock-Barden? Muss mal wieder die “Waren des täglichen Bedarfs” rausholen. Ein zweites Mal Kopfschwanger werde ich bei dieser EP leider nicht. (G) Gary Flanell
TEAR THEM DOWN – Ett liv i härlighet (F. A. M. E. D. Records)
Deutsch, Englisch, Swaheli – völlig irrelevant. Also mal keine Sorge, ihr Schweden, ihr. Euer kurzes Dingelchen wird natürlich betrachtet, und dann (Tubenausquetschgeräusch) Senf dazu, da brauchts keine Devotie oder Herkunftskoketterien im Begleitschreiben. Komischer Ansatz. Wenn ihr ein teutsches Heftchen für sowieso borniert haltet, warum schickt ihr euren Mist überhaupt dahin? Alte Freunde verprellt man so, neue gibt’s dafür dann nicht. So. Kurzeentfernungsratatata auf Schwedisch. Ich könnte meine Tante fragen, wovon die da skatepunkig erzählen, aber der geht’s gerade nicht passend. Und leider interessiert’s mich auch nicht brennend genug. Das Video zu „En Insikt“ hilft wohl denen, die da anders aufgestellt sind, und glänzt noch dazu durch angenehme Abwesenheit der Band. Philip Nussbaum
Van Urst – s/t (Rookie Records)
Es kommt selten vor, dass ich eine Platte mehr als fünfmal höre und dann immer noch nicht weiß, welche Band das gerade ist. So ein Fall liegt bei Van Urst vor. Vor einigen Jahren hätten sie mit diesem Sound allen aufgefallen, die auf Fugazi, Rites of Spring und ähnliches Dischord-Zeug stehen. Also eben nicht doof, sondern ganz gut durchdacht. Leider zünden V.U. bei mir nicht so urst, wie es sein könnte. Dazu ist die Gitarre manchmal etwas zu dünn und auch dieser Wechsel zwischen deutschen und englischen Texten erscheint mir etwas zu ambitioniert. Vielleicht besser für eins entscheiden. Bis dahin leg ich meine alte Jim-Croce-Platte auf. (H) Gary Flanell
The Yolks– Don’t cry anymore – 7inch (Bachelor Records)
Gerade schwelgte ich noch in der Verträumtheit der LP von Yolks-Sänger Spike mit den Sweet Spots, da kommt mir die erste Seite der neuen Yolks-7inch zum Aufwachen ganz recht. Flotter als sein Solowerk geht Spike hier auf alle Fälle zur Sache. Wobei sich der echte Hit auf der B-seite versteckt. „I wanna be dumb“ hat das Zeug, einer meiner Lieblingsauflegesongs zu werden und kommt deshalb sofort in die allzeit griffbereite DJ-Handwerkskiste. Knackiger Beat, gute Geschwindigkeit und eingängige Melodien - what do you wanna mehr from a Band out of San Francisco ohne Flowers in their Haare? (F) Gary Flanell
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Donnerstag, 26. November 2015
Dienstag, 17. November 2015
Graz ohne Texte, Wien ohne Socken, Salzburg ohne Technik
Die SCHABEN KANNS NICHT Periplaneta-Tour Österreich 2015
„Wer ist denn dieser Österreich? Wie heißt der denn?“, so soll mein Kind genervt ausgerufen haben, als sein Vater ihm erklärte, warum Mama immer noch nicht wieder da ist. Denn Mama war, so berichtet also die Legende, in Österreich. Auf Lesetour. In Graz, Wien und Salzburg. Zusammen mit zwei leicht schäbigen Stars der DIY-Punk-Avantgarde: dem HC Roth und dem Gary Flanell, auch bekannt als URS GROB BOOTSBETRIEB.
Dass Mama vorliest, sah mein Kind noch ein, denn das tut sie ja tagein, tagaus. Warum sie das aber in Österreich mit den schäbigen Bootsbetreibern tut und nicht zu Hause, wollte sich ihm nicht erschließen. Jetzt ist er aber wieder bester Dinge, obwohl ich vergessen habe, ihm eines dieser psychedelischen Plüschmonster vom Salzburger Flughafen mitzubringen, wie ich es eigentlich vorhatte. Aber der Gary Flanell wurde hektisch und so durfte ich nur eine Riesentafel Schokolade erwerben, für mehr war keine Zeit mehr übrig.
„Laaangweilig nach der Tour! Und dabei war es nur eine ganz kleine Tour!“ jammerte ich. „das rockstarsyndrom. die gähnende leere nach dem grossen narzisstischen rausch“, spottete mein guter Freund Freak Ass E, der es wissen muss. „hotelzimmer zerlegen soll helfen, oder charity“. Nun hatten wir aber die Gage längst für Grazer Schweinebraten, Salzburger Nockerln und Allerorten Krainer auf den Kopp jehauen (sorry HC, der das täglich mit ansehen musste), und für die Hotelzimmer hatte es denn nun doch nicht ganz gereicht. Also tue ich statt dessen, wofür man mich meist nicht bezahlt, und schreibe.
Es folgt das Tour-Tagebuch.
1. GRAZ OHNE TEXTE
Eine Tour spielt sich, das liegt in der Natur der Sache, an anderen Orten ab. In diesem Fall in Graz. Dort erstmal hinkommen, heißt verdammt früh aufstehen, sogar noch früher, als es zwei Drittel der Tourenden auf Grund von Versorgungsarbeit ohnehin gewohnt sind. Der HC ist dafür in Graz schon vor Ort und holt uns netterweise bei strahlendem Wetter vom Flughafen ab, und es ist immer noch erst zehn oder so. In Graz übrigens, so werden wir informiert, ist das Wetter immer strahlend, während es in Wien immer regnet, so ist das da geregelt. Unsere Erfahrung bestätigt dies.
Im Explosiv können wir erstmal unser Zeug abladen. Wir können das nur, weil ein selbstloser Mensch uns extra erwartet, um uns die Türen aufzuschließen. Kaum begrüßt er uns, befallen mich massive Selbstzweifel. Wie können wir es schaffen, Menschen zu bespaßen, die selber schon so ungeheuer putzig sind, sobald sie nur den Mund aufmachen? Es tut mir leid, dass ich hier Klischees reproduziere, was ich sonst zumindest bemüht bin zu vermeiden. Aber dieser österreichische Akzent! Egal wo! Ich kann das eh nicht auseinanderhalten! (Obwohl der HC mich darin zu unterrichten versucht.) Wie niedlich ist das denn! Der selbstlose Mensch begrüßt die Jungs und wendet sich dann charmeoffensiv an mich: „Küss die Hand, Madame.“ Und das nennt sich hier Subkultur.
Leider muss uns der HC erstmal verlassen, da seine Versorgungsaufgaben für diesen Tag noch nicht abgeschlossen sind. Doch der selbstlose Mensch führt uns im Explosiv herum und wir erfahren dabei das volle Maß seiner Selbstlosigkeit: Er ist nicht etwa zeitig aufgestanden, um uns zu begrüßen, er ist noch gar nicht ins Bett gegangen. Dementsprechend bewegt er sich vielleicht etwas langsamer als sonst, doch seine Gastfreundschaft ist davon nicht beeinträchtigt. Zwischendurch dreht er sich zu uns um und vermerkt besorgt: „Aber nicht gleich drüber schreiben, ja?“
Das Explosiv befindet sich in einer ehemaligen Bonbonfabrik (Zuckerln!“) in der Nähe vom Grazer Bahnhof und erinnert uns an eine Großversion unseres eigenen Wohnzimmers in Kreuzberg. Dem entsprechend fühlen wir uns auch gleich zu Hause. Nach einiger Zeit brechen wir dennoch Richtung Innenstadt auf, aufgemuntert und angeregt und des Sprechens kurzfristig kaum mehr mächtig, denn der selbstlose Mensch, welcher anonym zu bleiben wünscht und nun endlich mal schlafen gegangen ist, hat uns selbst angebaute Chilis kredenzt, aus denen er thai-style Köstlichkeiten zu zaubern pflegt.
Unterwegs dämmert uns etwas. Nämlich, dass wir gegen Abend eine Lesung veranstalten sollen, falls wir bis dahin trotz chilitauber Zunge wieder artikuliert sprechen können. Die bereits publizierten Periplaneta-Autoren sind natürlich im Besitz diverser selbstgeschriebener Bücher, die sie stets hoffnungsvoll mit sich führen, um sie unter die Leute zu bringen. Ich aber habe so etwas nicht und auch der Flanell will eigentlich neue Texte lesen, die noch nicht im Flanell-Kanon offiziell enthalten sind. Wir haben also Bedarf an moderner Technologie, namentlich einem Drucker und einer Internetverbindung.
In den nächsten Stunden stellen wir fest, dass wir arrogante, selbstgefällige, privilegierte, hochnäsige Großstädter sind, die sich einbilden, der Rest der Welt sei ein einziges Internetcafe. Nachdem unsere Selbstreflexion abgeschlossen ist, gehen wir erstmal fürstlich essen. Dann muss der Flanell unbedingt unter einer Uhr fotografiert werden, was ihm hinterher selber peinlich ist, denn Tourist zu sein ist das eine und so auszusehen etwas anderes. Zum Glück habe ich aber eh irgendeinen Finger versehentlich davor gehalten und die Fotos sind ruiniert, so dass das entwürdigende Schauspiel ganz fruchtlos geblieben ist.
Dann wenden wir uns an eine Bevölkerungsgruppe, die am ehesten unsere Bedürfnisse zu verstehen scheint: fünfzehnjährige Schulmädchen. Und siehe da, mitleidig nehmen sie sich unser an und erklären uns, wo wir vielleicht hoffentlich unsere Texte ausdrucken können: in einem schicken Schreibwarenladen, in dem selbst die Notizbücher zehn Euro kosten. Echt? Ja, echt, versichern sie uns. Wir also hin und ja, tatsächlich, im Obergeschoß erlaubt man mir, an einem Rechner meine Texte runterzuladen und auszudrucken. Die progressiven Verkäuferinnen werden dabei missbilligend von ihrem Chef beäugt. OK, nächstes Mal werde ich einen Datenträger mit mir führen, damit die Mädels nicht wegen mir Ärger kriegen. Endlich habe ich Texte.
Wir besichtigen noch ein bisschen und essen Krainer und touristen so rum, um dann noch eine Runde zu schlafen. Zur Abendveranstaltung tauchen wir verpennt wieder auf und treffen den HC am Tresen an. Die Massen strömen und wir beginnen vor vier Gästen zu lesen, die zwar allesamt sehr freundlich sind, sich ihre Begeisterung über unsere Kunstfertigkeit jedoch nicht anmerken lassen. Das verunsichert etwas am ersten Abend, doch tapfer stürzen wir uns ins Gefecht, aufgelockert durch das Krokodil mit Schwimmflügeln und die Gesangseinlagen des HC.
Leider sind meine Texte verschwunden, was daran liegt, dass der Flanell sie geklaut hat, um darauf die Zeilen seines epischen Poems „Michel Piccoli“ für die Performance von URS GROB BOOTSBETRIEB zu notieren. Ich finde sie wieder und beglücke Graz mit kreuzbergspezifischer Alltagserfahrung zu begrenzter Resonanz. UGBB aber retten schließlich noch den Abend und bringen sogar die überaus höflichen, doch bisher emotionsfreien Gäste zum Rocken. Ich bin erstmal erschöpft und schaue ihnen zufrieden zu, wie sie nach den Meisterwerken „Alter Mann“ und „Michel Piccoli“ letzteres nochmal als Soul-Version spontan intonieren. Ich bin nachhaltig und ernsthaft beeindruckt, und die Grazer sind es auch. Dann gehen alle, schließlich ist es Donnerstag. Nur Flanell und ich irren noch ein Weilchen durch die Nacht auf der Suche nach weiteren fünfzehnjährigen Schülerinnen, die unsere Bedürfnisse verstehen. Ersatzweise finden wir ebenso hilfreiche auszubildende Mädels in Feierlaune, die uns in die Richtung der Drei Goldenen Kugeln weisen. Wir händigen dieser Grazer Institution unsere Gage aus und erhalten dafür eine unglaubliche Essensmenge, die man uns allerdings am Tisch direkt verpackt überreicht als zarten Hinweis darauf, dass wir eigentlich auch gleich wieder gehen könnten. Also schleppen wir die Beute nach Hause und nennen es erstmal einen Tag, nämlich den ersten.
2. WIEN OHNE SORGEN/SOCKEN
Am zweiten Tag haben wir ausgeschlafen, das ist eine unglaubliche Erfahrung, vor allem für mich. Im folgenden wird sich allerdings erweisen, dass ich ein Weichei bin, weil der HC sonst immer genauso früh aufstehen muss, auf Tour dann aber gleich so gut wie gar nicht mehr schläft. Wenn das Punk ist, bin ich zu schwach. Aber ist wahre Faulheit nicht auch irgendwie Punk? Jeder ihr Punk, beschließe ich und penne allnächtlich episch, während ich dem HC die biertrinkende Zusammenrottung mit den jeweiligen Veranstaltern überlasse, die dazu tendiert, bis gegen sechs Uhr früh anzudauern.
Den Besten unter diesen selbstlosen Menschen treffen wir als erstes an, wie er rapunzelmäßig aus seinem Wohnzimmerfenster hinaus ruft, um uns anzuzeigen, wieviele Wiener Stockwerke wir in seinem turmähnlichen Treppenhaus erklimmen müssen. Es handelt sich um den Betreiber von Schall & Rauch Platten, aka der Klaus. Wir werden in Wien empfangen mit Regen und Polizeikontrollen am Bahnhof auf Grund einer hohen Zahl ominöser Flüchtlinge, die angeblich den Wiener Westbahnhof nahezu lahmgelegt haben sollen, von denen aber absolut nichts zu sehen ist. Es sei denn, man würde die sehr sichtbaren Polizisten epistemologisch als Spuren der unsichtbaren Flüchtlinge einstufen, sinniere ich und fühle mich trotzdem gleich wohler, weil bunthaarige Mädchen sich zur Begrüßung zärtlich knutschen und eine Beth-Ditto-Kopie ihren wonnig voluminösen Hintern in schwarzweiß gestreiftem Stretch und schön zerlöcherten Strumpfhosen vor uns hin und her swingt. Wien ist auf sympathische Art nicht Graz.
Der nächste kleine Urghs-Moment nach der Polizeieskorte folgt aber dennoch auf dem Fuße, als wir erwägen, bis zu Klausens Haus mal eben rasch schwarz zu fahren, und feststellen, dass uns diese Aktion schlimmstenfalls dreihundertundneun Euro kosten würde. Für uns alle drei. Also hundertunddrei Euro Strafzahlung verhängen die Wiener Linien, falls wir uns in direkter Demokratie ihrer Transportmittel bedienen würden. In leichter Schockstarre ob dieser drakonischen Massnahmen erwerben wir ganz brav Fahrkarten und fahren stumm durch den Regen. In Klausens Haus hebt sich indessen die Stimmung wieder, wir verteilen rasch das Dosenbier und ziehen bester Laune zum Avalon.
Diese treffend benamste Insel der Seligen wird an diesem Abend zum Platz einer leidenschaftlich abgelieferten Schaben-Schau, die im Vergleich zu gestern deutlich an Schwung gewonnen hat. Vor lauter Freude bewerbe ich mich spontan um den Posten der Gast-Percussionista bei UGBB und nutze zu diesem Zwecke einen Kugelschreiber, meine Haarbürste und die zum Glück stabilen Biergläser des Avalon, sowie die unterliegende Tischplatte. Der Erfolg ist überwältigend, der HC liegt am Boden und die Innereien des Kugelschreibers fliegen irgendwann durch die Gegend. Überlebt haben die Gäste, die Haarbürste und die Biergläser, was mich zu zwei Anmerkungen verleitet.
Erstens: Es ist ein Zeichen für die wahrhaft große Seele des Betreibers vom Avalon, mit welcher fröhlichen Gelassenheit er den Missbrauch seiner Gläser beobachtete, und ein Zeichen für die Harmonie des Universums, dass keines davon kaputt gegangen ist. Zweitens: Douglas Adams, sonst in jeder Hinsicht vertrauenswürdig, irrte in der Angelegenheit der weit überschätzten Handtücher. Merke: Ein Handtuch, das du mit dir führst, ist nach einem Gebrauch schon nass und wird nie mehr ordentlich trocken, müffelt nervig in deinem Gepäck herum und ist eh überflüssig, denn Handtücher gibt es überall. Entscheidend ist dagegen das Mitführen einer Haarbürste. Es sei denn, du hast keine Haare. In diesem Fall empfehle ich einen Löffel.
3. SALZBURG OHNE TECHNIK
Wild und wüst, wie wir sind, riskieren wir alles und werfen unsere jeweiligen Existenzen in die Waagschale, um in heroischer Manier die eine Station zum Westbahnhof für 309,- Euro zu fahren. Nur der Klaus, heroisch bis zum Letzten aber nicht komplett bescheuert, verzichtet darauf, uns zu begleiten, bringt uns aber bis zur U-Bahn und winkt uns noch nach, um dann nach Hause zurückzukehren und einzusammeln, was wir vergessen haben: die DEAD KENNEDYS-Biografie von Alex Ogg mit reingekritzelten Songtextideen und Flanells stinkige Socken. Daher: Wien ohne Socken.
In gehobener Stimmung, weil wir unsere Gage NICHT an die Wiener Linien abgeben noch unsere Familien in Schuldknechtschaft schicken mussten, erledigen wir noch rasch den obligatorischen Kaffeehausbesuch in Gesellschaft wunderbarer kleiner und großer Menschen, die der Flanell von früher kennt und die extra vorbeigekommen sind, um mit uns zu frühstücken. Dann schnappen wir uns im letzten Moment den Zug nach Salzburg, obwohl uns die Nina vor der katholisch-vergoldeten Hochkultur bereits gewarnt hat. Und recht hat sie, die Stadt ist eine einzige Mozartkugel. Wir stellen ethnologische Betrachtungen an und kommen zu dem Schluß: Während in Wien die Bohème in langer Wiener Tradition in Kaffeehaus und Avalon als Wiege der Zivilisation fungiert, klafft in einer Stadt wie Salzburg, die recht klein ist und sich auf ökonomisch äußerst hochwertige Hochkultur konzentriert, ein nahezu unüberbrückbarer Abgrund zwischen dieser und der von uns zu frequentierenden Subkultur.
Wir nagen uns also mit erhobenen Fühlern durch die Mozartkugel und glauben, dass der tapfer voranmarschierende HC deswegen dauernd auf sein Telefon guckt, weil er den Weg zur Subkultur zu finden versucht. Später stellt sich heraus, dass er in Wahrheit Billy Pinguin und Brigitte Brillenpinguin im Schaufenster des Steiff-Ladens entdeckt hat und diese seine Protagonisten abfotografiert auf FB posten muss. Auch ist er ständig bestrebt, uns Mozarts Geburtshaus zu zeigen, welches er an jeder Ecke aufzufinden behauptet. Wir wollen das aber nicht sehen, sondern essen. Zwar finden wir ohne allzu viel Mühe die Salzburger Subkultur in Gestalt des SUB, doch ist dort noch niemand und wir sind hungrig. Wir treffen auf ein bürgerliches Gasthaus (geschlossen), eine Pizzeria (geschlossen) und eine Bushaltestelle (geöffnet), welche genutzt wird von Trägern schwerer Stiefel mit weißen Schnürsenkeln. Gerade als uns Beklemmung beschleicht, entdecken wir das freundliche Licht einer Gaststätte, die uns zukünftig als Hertas Mäusebude im Gedächtnis bleiben wird.
Herta ist eine schmerbäuchige bärtige Kapitänsgestalt, die uns Würste kocht, nachdem der HC für uns übersetzt hat. Ansonsten hat sich Herta auf den örtlichen Schlager-Sender spezialisiert und trägt stolz eine für besondere Dienste um das Hotelgewerbe verliehene Urkunde an der Wand. Während wir die schmackhaften Würste und Pommes verzehren, kommt eine kleine Stammkundin zur Tür hereingewieselt und besucht ohne Eile ihre Freundinnen unter der Friteuse. Ganz entspannt verlässt sie Hertas Räumlichkeiten dann wieder und verschwindet unter dem Rinnstein. Wir entspannen uns auch. Wenn schon die Mäuse hier in der Gegend dermaßen angstfrei sind, vermute ich, brauchen wir uns vor den weißen Schnürsenkeln auch nicht zu fürchten.
Wir genehmigen uns noch etwas Dosenbier auf der Bank am Fluß, wie sich das gehört, und suchen dann das SUB auf. Ganz sicher bin ich mir ja nicht, ob meine bürgertumskritischen (und daher eigentlich auch nur bürgertumslustigen) Texte hier Anklang finden werden, aber immerhin haben sie ein süßes buntes Einhorn an die Wand gemalt – auch wenn jemand gleich streng daneben gekritzelt hat: „Infantilisierung ist scheiße!“ Wir bewegen uns definitiv auf hohem kritischem Niveau, was wir auch daran merken, dass eine Diskussion über Gewerkschaft, Streiks und Finanzkrisen noch nicht zu Ende gegangen ist und mit großem Ernst betrieben wird. Insgesamt ein sehr sympathischer Laden.
Die nun folgende Lesung der Schaben-Crew wird weitaus freundlicher aufgenommen als vermutet und spielt sich zwar in technik-austeren Verhältnissen ab, macht aber um so mehr Spaß. Nachdem beim HC das Mikro schon andauernd ausgegangen ist, verzichte ich ganz und stelle fest, dass man es nicht braucht. Nach der Lesung stellt der fleißig daran herumtuende Technikmensch seinerseits fest, dass das Mikro sehr wohl funktioniert, nur für uns nicht. Das macht aber nichts. Inzwischen mag man uns im SUB und für den HC hat man sogar schon laut vorgelesen (das Publikum ihm, nicht umgekehrt, ist das Outsourcing?) und sich im Kreise gedreht. Dabei flatterten weiße Schnürsenkel fröhlich im Wind. (Viele Stunden später werden der HC und ich den Fehler begehen, nach den weißen Schnürsenkeln zu fragen, was einen empörten Monolog über kulturelle Aneignung zur Folge hat – und warum man in der Schule nichts über GG Allin lernt.)
Wir schließen mit einer nunmehr eingespielten Performance von UGBB nebst Gast-Percussionista, der diesmal mehrere herumliegende Kleiderbügel zum Opfer fallen. Die Flaschen erweisen sich jedoch auch hier als erstaunlich stabil, das Publikum als erfreulich begeisterungsfähig, und als wir durch sind und die übrigens großartige Band angekündigt wird, zu der wir dann noch einige Schnäpse vertanzen, ruft es irgendwo aus dem Haufen: „Aber das war doch schon die Band!“ Vielen Dank für diesen letzten Satz, unbekannter SUB-Gast. Wir lieben euch.
Alissa Wyrdguth
Donnerstag, 22. Oktober 2015
Picknick at The Boulevard - Neulich in Casablanca
Casablanca? Da bringen die Synapsen oft nicht viel mehr als Assoziationen zu Humphrey Bogart und Ingrid Bergman zustande. Was aber heutzutage dort los ist, dass diese Stadt nicht nur die größte des Landes, sondern auch das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Marokkos ist, das haben seltsamerweise nicht allzu viele auf dem Schirm.
Denn Touristen verirren sich gar nicht so viele dorthin, obwohl die Stadt eine ähnlich lebendige Atmosphäre wie viele Metropolen in Südeuropa hat – und mittlerweile eben auch eine vielfältige, subkulturelle Szene, in deren Mittelpunkt das Kulturnetzwerk EAC L’Boulevard steht. Dazu gehört auch das gleichnamige Open-Air-Festival auf dem seit 15 Jahren marokkanische neben international bekannten Bands (SEPULTURA und NAPALM DEATH waren auch schon mal dabei) am Start sind. Aber wie funktioniert ein Rockfestival eigentlich in einer von Islam geprägten Monarchie, die als eines der wenigen Länder der Region die letzten Jahre recht stabil überstanden hat? Höchste Zeit also, sich das geballte Musikprogramm im dicken C mal genauer anzuschauen.
Wer sich 15 Jahre lang nicht davon abbringen lässt, ein Projekt voran zu treiben, hat entweder einen ausgeprägten Knall oder viel Hingabe für seine Sache. Sowas kennen und schätzen wir ja im Hause Renfield besonders und deshalb war ich besonders neugierig, das L’BOULEVARD-Festival mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Inklusive Rahmenprogramm erstreckt sich das Festival mittlerweile über 10 Tage. Die ersten sechs Tage gehören größtenteils dem Nachwuchswettbewerb Tremplin, dessen Gewinner unterschiedlicher Stile dann an den letzten vier Tagen nochmal beim eigentlichen Festival auftreten dürfen.
Drei Mal war ich bisher in Marokko, und jedes Mal war ich ausschließlich in Casablanca. Zu einer Einladung zu einem der größten Festivals des Landes sage ich also nicht Nein. Gegen zehn Uhr abends schlage Ich an einem warmen Mittwochabend im September am Flughafen in Casablanca auf. Nach kurzer hektischer Suche finde ich mit Adir den richtigen Mann, der mich ins Hotel bringen soll. Auf der Fahrt über die leere Autobahn entpuppt er sich als überzeugter Fan des VfL Bochum und so quatschen wir entspannt über marokkanische Spieler beim VfL und über die Musik, die da gerade aus dem Radio läuft.
Adir lässt es sich nicht nehmen, während der Fahrt auf der dreispurigen Straße im Handschuhfach zu kramen, um die CD-Hülle zu suchen. Weil die sich so schnell nicht finden lässt, hält er mal eben auf der rechten Spur, macht den Warnblinker an und sucht genauer. Mitten auf der Autobahn. Kann man auch mal machen.
Das Hotel, in dem ich einquartiert werde, liegt so zentral, wie es besser kaum geht. Beste Lage heißt das wohl, direkt gegenüber der Medina, an der vielbefahrendsten Kreuzung der Innenstadt erhebt sich eine sehr schmucke weißgetünchte edel wirkende Fassade. Von innen versprüht es einen charmanten Charme wie das Etablissement in „Shining“. Abgewetzte Teppiche, leicht muffiger Geruch, Putz bröckelt von den Wänden, der zweite Stock ist komplett abgesperrt. Geil. Der lange dunkle Flur im dritten Stock wird nur von zwei kahlen Glühbirnen erhellt, und am Ende von einer überdimensionalen Spiegelwand beherrscht, auf der ich manchmal Schatten hin und her huschen sehe. Ich hoffe, es ist die Putzfrau.
Ankommen, auch auf dem Festival, ist nicht ganz so einfach. Schon das Festivalgelände zu finden, stellt mich vor Herausforderungen. Eigentlich ist es ja ganz leicht: Einfach in die einzige Straßenbahn der Stadt und bis zur angegebenen Haltestelle. Wenn es in einer Stadt nur eine Straßenbahn gibt, und man weiß, in welche Richtung man muss, sollte verfahren eigentlich ausgeschlossen sein. Ich schaffe es trotzdem, da die Bahn irgendwann aus mir unerklärlichen Gründen einen Abzweig nimmt. So fahre ich erst tief bis in wenig besiedelte Außenbezirke Casablancas, um dort festzustellen, dass ich komplett falsch bin. Dabei findet das Boulevard-Festival nicht irgendwo auf einer kleinen Wiese statt, sondern im Stade COC, dem Stadion des Sportclubs Olympique Casablanca.
Da das Open-Air mittlerweile in einem Fußballstadion residiert, lässt schon ein bisschen auf die Größe dieser Veranstaltung schließen. Der Einlass wird von Polizei und Miliz geregelt, die das recht junge Publikum durch zwei Gassen aus Absperrgittern leitet. Vielleicht liegt es an meinem grauer werdenden Bart, aber als ich mich in die Masse einreihen will, winkt mich ein Polizist zu sich und lässt mich auf einer dritten komplett freien Bahn ins Stadion. Gefilzt werde ich zwar nicht, muss aber den Schraubdeckel meiner Wasserflasche abgeben. Die Flasche selber allerdings nicht.
Bei Eintritt ins Stadion wird mir eine Sache klar, die ich so bisher noch gar nicht bedacht hatte: Das komplette Boulevardfestival kostet keinen Eintritt. Bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung hatte ich eigentlich damit gerechnet, an irgendeiner Kasse Geld lassen zu müssen, Künstler wie ASIAN DUB FOUNDATION, LOUDBLAST, GNAWA DIFFUSION oder DJ Vadim müssen ja schließlich irgendwie bezahlt werden, ebenso die Acts, die aus Frankreich, Spanien, Dänemark oder dem Senegal kommen. Mit INWI, der drittgrößten Telekommunikationsgesellschaft Marokkos, hat das Festival allerdings einen sehr zahlungskräftigen Sponsoren an der Hand. Dazu kommen weitere Firmen und Kultureinrichtungen, mit denen man zusammenarbeitet, wie das Institut Francaise, das British Council oder das Goetheinstitut. Auch von seitens des marokkanischen Königs könnte Geld kommen, schließlich hat das EAC vor einigen Jahren in schwierigen Zeiten schon mal eine großzügige finanzielle Unterstützung vom Königshaus erhalten.
Der erste Festivaltag steht ganz im Zeichen von HipHop. Erster Eindruck vom Publikum: Das ist hier eine Sache für junge männliche Marokkaner. Frauen sind an diesem warmen Spätnachmittag fast keine zu sehen. Mit den Gigs der Lokalhelden SHAYFEEN und SA3ERMAN erlebe ich mein erstes HipHop-Konzert auf afrikanischem Boden. Während beide von der einheimischen Crowd angemessen gefeiert werden, schlendere Ich etwas ziellos rum und schaue mir dieses Spektakel neugierig aus der Distanz an. Kurz darauf stehen ALO WALA aus Dänemark auf der Bühne, ein echter erster Höhepunkt, was nicht nur an der sehr charismatischen Sängerin Shivani Ahlowalia liegt. Die Mische aus Hip Hop, Electro, Dancehall und Crunk bringt sogar den etwas fremdelnden Festivalbesucher aus Berlin zum Tanzen. Mit „Little Lotto“ haben sie mindestens einen einprägsamen Hit am Start, was die wie die jungen Hunde zappelnden Casablancanesen genauso sehen.
Letzter Gast auf der Boulevardbühne am HipHop-Donnerstag ist Yassii Bey. Nie gehört? Kennt man aber doch, denn früher nannte sich dieser Mann Mos Def. Ich habe eigentlich nicht viel Ahnung von HipHop, aber Mos Def sagt sogar mir was. Hip Hop scheint in Casablanca recht groß zu sein, denn kaum steht Yassii auf der Bühne, wird er furios abgefeiert. Und das obwohl er entweder in eine Coladose, einen Akkuschrauber oder ein knallrotes Elvis-Mikro singt. Das ist nicht so genau zu erkennen. Klar erkennbar ist allerdings, dass dem Herrn im Laufe der Jahre seiner langjährigen Karriere die Energie nicht abhandengekommen ist. Munter hüpft er über die Bühne, rappt mit Hilfe der Beats und Samples seines DJs, der sich ganz galant im Hintergrund hält, ganz flüssig seine Hits runter. Die Meute liebt’s und kann so manches sogar mitsingen. Mitsprechen. Wie auch immer. Sauber abgeliefert, Yassii.
Ein Pluspunkt des Boulevards ist definitiv, dass die Veranstalter das Tagesprogramm nicht bis zum Anschlag mit Bands vollgeknallt haben, sondern den Zeitplan recht entspannt gestalten. Vier, höchstens sechs Bands/Acts sind pro Tag angesetzt. Das kommt meiner eh nicht sehr ausgeprägten Aufmerksamkeitspanne sehr entgegen und man ist auch nicht gleich nach zwei Festivaltagen total zermürbt. Was auch sehr Anti-Zermürbend wirkt, ist die Tatsache, dass auf dem Festivalgelände kein Alkohol ausgeschenkt wurde. Ist in islamischen Ländern im öffentlichen Raum eh nicht so angesagt, bei einem Open-Air-Festival wie diesem fällt mir aber die Abwesenheit von torkelnden Druffis oder wild überall hin ausscheidenden Alko-Zombies doch eklatant auf. Gefällt mir eigentlich ganz gut. Wie das wohl wäre, hierzulande ein komplett Alk-freies Festival abzuziehen? Wahrscheinlich ein komplettes Desaster.
Recht früh tauche ich am zweiten Tag beim Boulevard auf, um endlich mal die bekannten Gesichter vom EAC Boulevard-Kulturzentrum zu treffen. Vorher bekomme ich noch das Set von Gee Bayss aus dem Senegal mit, der einen recht geilen Mix aus alten Afro-Beat-Hits zusammenmischt. Kein Wunder, macht er ja auch schon seit 1993 und ist seitdem auch als Mitglied von PEE FROIS unterwegs, einer der bekanntesten senegalesischen Hip-Hop-Crews. Im Zelt der Freunde vom Festivalradio des Boulevard abhängend, läuft der zweiten Act des Tages, ACID ARAB etwas an mir vorbei.
Da war freudiges Wiedersehen mit allen Freunden vom Boulevard doch wichtiger als die etwas nervige Mische aus Kirmes-Techno und Flicker-Electro. Festivalradio geht übrigens in diesem Fall so: Alle Konzerte werden live im Web-Radio übertragen und in den Umbaupausen finden sich immer 3-4 Moderatoren am großen gemeinsamen Tisch zusammen und interviewen jeden Gast, der vorher noch auf der Bühne gestanden hat. Dabei werden Unmengen von Red Bull getrunken, ein bisschen gekifft oder auch hübsche Aschenbecher aus den eben geleerten Red-Bull-Dosen gebastelt.
Danach ASIAN DUB FOUNDATION. Die verbinde ich immer spontan mit den Zeiten, in denen es beim VISIONS noch eine Tape-Beilage gab. Lange her das alles und deshalb bin ich ehrlich überrascht zu sehen, dass die noch am Start sind und immer noch eine sehr energiegeladene Show abliefern können. Interessant auch, dass sie sehr nach, nunja, elektronischer Musik klingen, nach Drum’n‘Bass, nach Dub Step, nach Dancehall, aber all das live mit einer kompletten Bandbesetzung sehr souverän hinkriegen. Davon ab kriegt man einen Querflöten-Spieler, der gleichzeitig auch noch Beatboxen kann, eben nicht in jeder 08/15-Rockkapelle zu sehen.
Auch wenn man das denken könnte, waren ADF nicht der Headliner des Abends. Als sich die Nacht über das Stadion senkt, betritt mit Hamid El Kasri, einer der bekannteste Gnawa-Musiker des Landes, die Bühne und wird aufs Unglaublichste abgefeiert. Gnawamusik gehört zu Marokko wie das Couscous am Freitag.
Ursprünglich handelt es sich dabei um die Musik des gleichnamigen Volksstammes der Gnawa. Gnawa ist der marokkanische Begriff für die Nachfahren der schwarzafrikanischen Sklaven in Marokko. Auch Angehörige des in Westafrika beheimateten Stammes der Hausa wurden in Marokko so bezeichnet. Das Wort leitet sich ursprünglich von dem Wort für die Bewohner der früheren Hausa-Hauptstadt Kano, den Kanawa, ab. Musikalisch war Gnawa anfangs etwas gewöhnungsbedürftig für meine mit Rockmusik zugekleisterten Ohren. Die Rhythmen sind ebenso ungewöhnlich wie die Instrumentierung. Charakteristisch für Gnawamusik ist der Einsatz der Gimbri, einer dreisaitigen, ziemlich tiefen Laute, die aus einem Holzkorpus und Saiten aus Schafsdarm besteht, und großen schweren Kastagnetten aus Metal, den Qaraqib.
Lässt man sich allerdings länger darauf ein, stellt sich eine ähnliche Stimmung, wie bei ganz ursprünglichen Bluesaufnahmen oder alten Reggae-Tracks ein. Das ist alles reduziert, sehr repetitiv, hat aber dadurch einen fast schon meditativen Charakter. Da ist es dann wenig erstaunlich, dass Gnawasessions teilweise die ganze Nacht dauern können. Hamid El-Kasri hat Gnawa vielleicht nicht revolutioniert, aber er hat es soundmäßig so aufgepimpt, dass es auch auf einer großen Bühne funktioniert. Ergänzend zu Gimbri und Qaraquib und einem sechs-köpfigen Chor kommen live gleich zwei Schlagzeuge, E-Bass, Gitarre und ein Bläsersatz dazu. So kann man mit Gnawa schnell mal ein ganzes Stadion beschallen und ganze Familien, Frauen, Männer, Kleinkinder und aufmüpfige Teenager dazu bringen, komplett abzutanzen.
Samstag ist Metaltag beim Boulevard. Den Anfang machen IMPULSE aus Rabat mit recht gefälligem Alternative/Psychedelic-Rock, der als Aufwärmübung für die kommenden Lärm gar nicht schlecht daherkommt. Interessant ist dabei, dass IMPULSE die einzige Band des Festivals sind, bei der eine Gitarristin auf der Bühne steht. Die lokalen Helden HINDERMINDS und VISCIOUS VISIONS werden beim Publikum ohne Ende abgefeiert, inklusive Mosh und Pogopit. So recht vom Hocker hauen sie mich allerdings live nicht. Vielleicht sind es auch eher Bands für einen kleineren Club, VISCIOUS VISIONS haben zumindest auf Platte ein paar gute Songs am Start.
Interessant beim Pogomob vor der Bühne ist, dass die Security sich beim Durchgreifen anscheinend was von der FIFA abgeschaut hat. Passt ja, schließlich sind wir ja in einem Fußballstadion. Wenn sich einer im Publikum beim Abtanzen das Shirt vom Leib reißt, ist ganz fix die Sicherheit da und begleitet ihn, tja, wohin? Erstmal raus. Soviel bekomme ich mit. Ob man dann nach einer Fünf-Minutensperre wieder rein darf? Oder ist man dann für den Rest des Abends gesperrt? Größere Revolten oder Aufstände gegen die Staatsgewalt gibt es aufgrund dieses Eingreifens aber interessanterweise nie. Vielleicht auch eine Folge, dass hier kein Alkohol im Spiel ist.
Dritte Band des Abends sind die Spanier ANGELUS APATRIDA, die ich in meinem Kleinhirn unter dem Namen ANGELUS ASPARAGUS abspeichere. Metalbands so, scheint es Gesetz zu sein, müssen auf einem Festival immer ein bisschen lauter als die vorherige Combo sein. Der Speed/Thrash-Stiefel aus der Slayer/Metallica/Pantera-Schule von diesen Spargelengeln ist schon höllisch laut, die darauffolgenden LOUDBLAST, die einen eher Deathmetal-lastigen Sound fahren, legen aber noch eine Schippe drauf. Meine Ohren fiepen wie kleine ängstliche Mäuse und so ziehe ich mich erschöpft ins gemütlich erscheinende Pressezelt zurück. Irgendwann sind LOUDBLAST fertig, Stille folgt und kein DJ legt mehr auf. Gut so.
Auf dem Heimweg erwarte ich nicht mehr viel, werde aber noch von den schon erwähnten IMPULSE aufgegabelt, die mich noch mit in einen kleine Bar unweit meines Hotels schleppen, in der zwei DJs fröhlich simple Elektromusik auflegen. Zwei Bier, etwas Whiskey-Cola später ist es zwei Uhr und der Laden macht zu. Reicht auch.
Der letzte Boulevard-Tag ist vom Line-Up her wieder um einiges bunter gemischter. Mit Khansa Bathma steht eine marokkanische Rockröhre auf der Bühne, allerdings viel unpeinlicher als Doro Pesch oder Konsorten. Bin ich anfangs noch etwas unbeeindruckt von dem Hardrock der dazugehörigen Band, bekommt das Ganze im Laufe des Sets doch mehr Schwung und Originalität, besonders dann, wenn Khansa zeigt, dass sie an den richtigen Stellen auch sehr eindrucksvoll schreien kann.
DJ Vadim sorgt mit seinem Balkan-Beat-Dub-Funk-Set für die bis dahin ausgelassenste Stimmung des Tages. Beim Interview später im Radio-Zelt wirkt er dann mit seiner Riesen-Brille und der Basecap mit dem hochgeklappten Schirm wie ein sympathischer Nerd, der sich auf dem Weg vom Plattenladen mal eben auf eine Festival-Bühne verirrt hat.
Die Straße von Gibraltar ist an ihrer engsten Stelle 14 Kilometer breit. 14 KM macht da als Name für ein kontinentübergeifendes Kooperations-Projekt von drei marokkanischen und drei spanischen Musikern auf alle Fälle schon Sinn. Musikalsich treffen sich dabei HipHop, Funk und Reggae und werden sehr souverän miteinander gemischt und vom Publikum bestens angenommen. Nur verstanden habe ich mal wieder keine einzige Zeile.
Der allerletzte Slot bleibt natürlich dem absoluten Highlight vorbehalten – und das sind GNAWA DIFFUSION aus Grenoble. Hatte Hamid El Kasri zwei Tage vorher eine eher traditionelle Gnawa-Version abgeliefert, gehen GNAWA DIFFUSION einen Weg, der sich schon bei vielen anderen Bands als besonders interessant erwiesen hat: Die Kreuzung zweier vorher so nicht verbundener Stile. Ursprünglicher Gnawasound wird hier mit Reggae und Dancehall gekreuzt und was dabei raus kommt, ist ein sehr cooler Crossover. Gegründet hat Sänger Amazigh Kateb, der auch die Gimbri spielt, schon 1992. Bis 2007 wurden acht Platten veröffentlicht, die auch in Europa auf viel Beachtung gestoßen sind. Danach war fürs erste Schluss, allerdings fand man 2012 wieder zusammen.
Von der Idee fühlte ich mich ein wenig an diversen Kooperationen erinnernd, die Fermin Muguruza zuweilen auf die Beine stellt, nur halt eben ohne Punkrock-Faktor dabei. Live sind GNAWA DIFFUSION jedenfalls eine großartige Band, die lustigerweise auch ein paar beinharte Casablanca-Punks in ihren Ramones/Misfits-Kutten zum Tanzen bringt. Und dann? Dann ist es vorbei, das ganze Festival. Draußen herrscht wieder Stille in einer warmen Septembernacht. Nur im Radiozelt wird noch lange Zeit bei Red Bull und Kif mit Amazigh Kateb über GNAWA DIFFUSION geredet. Das Stadion leert sich, die Crew macht sich langsam an den Abbau. Und ich? Mache mich, das Lied von Grizzly Adams pfeifend, angesichts des frühen Flugs am nächsten Morgen ganz brav zeitig auf den Weg ins Hotel.
www.boulevard.ma
Gary Flanell
Dienstag, 13. Oktober 2015
Happiness in every style
Eines meiner großen Probleme ist meine Unpünktlichkeit. Wer den Herrn Flanell kennt, weiß, dass er 1.) zeitlich festgelegte Termine hasst wie die Pest und 2.) es durchaus mal schaffen kann, zwei Stunden zu spät zu kommen (wobei dann die Frage ist, zu was er dann überhaupt noch zu spät kommt) und demnach folglich Theaterbesuche eher doof findet, weil man da immer so superpünktlich sein muss, denn sonst kommt man nicht mehr rein. Und eigentlich geht der Herr Flanell ja ganz gern ins Theater.
Wenn es um das Renfield geht, passt das mit der Pünktlichkeit seltsamerweise ganz gut. Drucktermine werden immer brav eingehalten, auch unter der Inkaufnahme von diversen Nachtschichten fürs Layout. Dann geht's auf einmal.
Manchmal sind wir beim Renfield sogar richtig fix und so richtig richtig right in Time. Dann kriegen wir es auch mal hin, eine Rezension zu einem aktuellen Album auf dem Blog zu posten. Heute zum Beispiel sind wir gar nicht so schlecht dabei.
Denn nur schlappe 11 Tage nach dem offiziellen Release des neuen Albums von Nicole Willis & The Soul Investigators dreht sich diese Platte im CD-Players des Renfield-HQ als gäbe es keine anderen Scheiben zu hören. Liegt vielleicht auch daran, dass man Soulbands aus Finnland hierzulande eher selten auf dem Schirm hat. Dabei gibt es die Soul Investigators schon seit 20 Jahren. Und wer seine Band zwei Jahrzehnte lang am laufen hält, der kann so schlecht gar nicht sein. Schon gar nicht in Finnland, wo es schon seit je her eine recht aktive Musikszene gibt. Wenn auch eine, die man eher mit harten Gitarren jeglicher Coleur oder Tango verbindet.
Aber warum sollte es in Finnland KEINE gute Soulband geben? Interessanter ist eher die Tatsache, dass die S.I. mit Nicole Willis eine US-amerikanische, aber in Helsinki lebende Sängerin am Start haben, die für so einen Sound nicht passender sein könnte, weil sie schon solo diverse Platten veröffentlicht hat. Und dazu jede Menge Erfahrung aus Kollaborationen mit anderen Bands und Künstlern mitbringt.Ob das jetzt die Elektronik-Hanseln Leftfield, Jimi Tenor oder gar Curtis Mayfield himself waren. Mit dem sie in den 90ern noch eine Duett von "Let's do it again" aufgenommen hat.
Dass es ihr Song "Keep reachin again" auf die Spotify-Playlist von Barack Obama während des letzten US-Präsidentenwahlkampfs geschafft hat, passiert bestimmt auch nicht, weil der US-Präsident großer Fan von dilettantischem Rumgestümper wäre.
Man merkt also: Hier hat sich jede Menge geballte Erfahrung in Sachen 60/70ies Soul/Funk zusammengefunden.
Total retro also alles? Fast. Denn auch wenn sich Nicole Willis & The Soul Investigators stark an den Sounds und Arrangements alter Motown/Stax-Platten orientieren, klingt es doch gar nicht abgekupfert.
Hier werden glücklicherweise nicht irgendwelche Coverversionen aus dem Funk Brothers-Fundus zum hundertsten Mal stumpf nachgedudelt, sondern das Faible für 60ies-Soul mit eigenen Songideen kombiniert. Überwiegend darf es dann eher groovig als treibend sein, allzu straighte Uptempo-Songs finden sich hier nicht. Soul wird hier eher im Sinne von Marvin Gaye,dem oben erwähnten Curtis Mayfield oder den Supremes definiert, als im Sinne überdrehter Northern-Soul-Stomper.
Die Investigators agieren dabei wie eine gut eingespielte Big Band, der auch jegliche Kauzigkeit abgeht, die man bei finnischen Bands zuweilen findet.
Dass es zwischendurch bei einem Instrumental wie "Bad Viberations" ziemlich funky wird und sich auch der Flötist der band mal so richtig austoben darf, wird auch die harte technikbegeisterte Muckerfraktion zufriedenstellen. Doch nie wird der Sinn fürs Wesentliche - den Song und nicht das introvertierte Rumjammen einzelner Musiker - aus den Augen verloren.
Nicole Willis hat sicher ihren Anteil daran, dass man sich nicht in endlosen Instrumentalstücken verliert und "Happiness in every style" somit ein sehr rundes Soulalbum geworden ist.Eins, dass seine Referenzen zwar im guten alten Soul hat, aber dennoch knackig und nicht wirklich verstaubt rüberkommt.
c Kann man sich auf alle Fälle an einem dunklen Abend im Herbst mit seiner Liebsten respektive seinem Liebsten anhören, während man simultan dazu eine Flasche Rotwein leert (und sie nicht mit Vitamintabletten veredelt, wie ich es heute in der Bahn beobachten konnte) und sich langsam gegenseitig Klamotten vom Körper schält.
Gary Flanell
Wenn es um das Renfield geht, passt das mit der Pünktlichkeit seltsamerweise ganz gut. Drucktermine werden immer brav eingehalten, auch unter der Inkaufnahme von diversen Nachtschichten fürs Layout. Dann geht's auf einmal.
Manchmal sind wir beim Renfield sogar richtig fix und so richtig richtig right in Time. Dann kriegen wir es auch mal hin, eine Rezension zu einem aktuellen Album auf dem Blog zu posten. Heute zum Beispiel sind wir gar nicht so schlecht dabei.
Denn nur schlappe 11 Tage nach dem offiziellen Release des neuen Albums von Nicole Willis & The Soul Investigators dreht sich diese Platte im CD-Players des Renfield-HQ als gäbe es keine anderen Scheiben zu hören. Liegt vielleicht auch daran, dass man Soulbands aus Finnland hierzulande eher selten auf dem Schirm hat. Dabei gibt es die Soul Investigators schon seit 20 Jahren. Und wer seine Band zwei Jahrzehnte lang am laufen hält, der kann so schlecht gar nicht sein. Schon gar nicht in Finnland, wo es schon seit je her eine recht aktive Musikszene gibt. Wenn auch eine, die man eher mit harten Gitarren jeglicher Coleur oder Tango verbindet.
Aber warum sollte es in Finnland KEINE gute Soulband geben? Interessanter ist eher die Tatsache, dass die S.I. mit Nicole Willis eine US-amerikanische, aber in Helsinki lebende Sängerin am Start haben, die für so einen Sound nicht passender sein könnte, weil sie schon solo diverse Platten veröffentlicht hat. Und dazu jede Menge Erfahrung aus Kollaborationen mit anderen Bands und Künstlern mitbringt.Ob das jetzt die Elektronik-Hanseln Leftfield, Jimi Tenor oder gar Curtis Mayfield himself waren. Mit dem sie in den 90ern noch eine Duett von "Let's do it again" aufgenommen hat.
Dass es ihr Song "Keep reachin again" auf die Spotify-Playlist von Barack Obama während des letzten US-Präsidentenwahlkampfs geschafft hat, passiert bestimmt auch nicht, weil der US-Präsident großer Fan von dilettantischem Rumgestümper wäre.
Man merkt also: Hier hat sich jede Menge geballte Erfahrung in Sachen 60/70ies Soul/Funk zusammengefunden.
Total retro also alles? Fast. Denn auch wenn sich Nicole Willis & The Soul Investigators stark an den Sounds und Arrangements alter Motown/Stax-Platten orientieren, klingt es doch gar nicht abgekupfert.
Hier werden glücklicherweise nicht irgendwelche Coverversionen aus dem Funk Brothers-Fundus zum hundertsten Mal stumpf nachgedudelt, sondern das Faible für 60ies-Soul mit eigenen Songideen kombiniert. Überwiegend darf es dann eher groovig als treibend sein, allzu straighte Uptempo-Songs finden sich hier nicht. Soul wird hier eher im Sinne von Marvin Gaye,dem oben erwähnten Curtis Mayfield oder den Supremes definiert, als im Sinne überdrehter Northern-Soul-Stomper.
Die Investigators agieren dabei wie eine gut eingespielte Big Band, der auch jegliche Kauzigkeit abgeht, die man bei finnischen Bands zuweilen findet.
Dass es zwischendurch bei einem Instrumental wie "Bad Viberations" ziemlich funky wird und sich auch der Flötist der band mal so richtig austoben darf, wird auch die harte technikbegeisterte Muckerfraktion zufriedenstellen. Doch nie wird der Sinn fürs Wesentliche - den Song und nicht das introvertierte Rumjammen einzelner Musiker - aus den Augen verloren.
Nicole Willis hat sicher ihren Anteil daran, dass man sich nicht in endlosen Instrumentalstücken verliert und "Happiness in every style" somit ein sehr rundes Soulalbum geworden ist.Eins, dass seine Referenzen zwar im guten alten Soul hat, aber dennoch knackig und nicht wirklich verstaubt rüberkommt.
c Kann man sich auf alle Fälle an einem dunklen Abend im Herbst mit seiner Liebsten respektive seinem Liebsten anhören, während man simultan dazu eine Flasche Rotwein leert (und sie nicht mit Vitamintabletten veredelt, wie ich es heute in der Bahn beobachten konnte) und sich langsam gegenseitig Klamotten vom Körper schält.
Gary Flanell
Mittwoch, 7. Oktober 2015
Peel-Day is Pi-Day
Zufall, was ist schon Zufall? Dass der diesjährige Peel-Day auf den achten Oktober fällt? Kein Zufall, denn seit 10 Jahren ist der zweite Donnerstag im Oktober immer als John-Peel-Day bekannt. Der war wohl einer der einflussreichsten DJs und Popmusikexperten und wäre er nicht 2004 beim Urlaub in Peru an einem Herzinfarkt gestorben, würde er all seinen Jüngern wahrscheinlich immer noch zeigen, wo es langgeht auf dem Feld der interessanten Pop-Musik.
Unter Radiomachern auf der ganzen Welt ist John Peel natürlich der absolute Nestor. Deshalb ist es eben KEIN Zufall, dass der 20. Geburtstag des Freien Berliner Radios Pi-Radio am diesjährigen Peel-Day gefeiert wird.
Pi und Peel - das passt nicht nur lautmalerisch zusammen.
Was Peel in seinen Sendungen gespielt hat, war nicht immer massentauglich, aber hochinteressant. Ähnliches gilt auch für den Freien Sender aus Berlin. Als Freies Radio ist Pi ein Sammelplatz für die ungewöhnlichen Sounds und Sendeformate. Dabei sind die Sendungen im Programm von Pi, das auf der UKW-Frequenz 88,4 Mittwochs und Donnerstags von 19 Uhr Abends bis morgens um 5 zu hören.
"SubCult - Klänge jenseits des Hauptstroms" ist die Sendung, die ich seit einigen Jahren gemeinsam mit der Kollegin Niki Matita jeden zweiten Donnerstag abend von 20.30-21.30 über den Pi-Sender jage. Wir passen da ganz gut hin, finde ich. Zwar wissen wir nie genau, wer und wieviele Leute sich unsere Sternstunden der Rundfunkunterhaltung anhören, die wir da aus dem kleinen Souterrain-Studio in der Lottumsstraße in die Welt schicken, aber ab und an gibt es doch wohlwollende Reaktionen.
Und schaut man sich die gesamten Hörerzahlen von 88,4 an, die die für die Frequenz verantwortliche Medienanstalt Berlin-Brandenburg rausgibt, ist festzustellen, dass da draußen gar nicht wenige Menschen regelmäßig die Sendungen auf der unkommerziellen Frequenz dieser Stadt einschalten.
Klingt also, als wäre alles Sahne im kleinen Dorf der sich gegen die Übermacht des Formatradios stemmenden Radiopiraten. Ist aber nicht so. Denn die Situation könnte noch besser sein. Während in anderen Städten wie Freiburg (Radio Dreyeckland), Marburg (Radio Unerhört) oder Halle (Radio Corax) freie Radios mit Rund-Um-Die-Uhr-Vollfrequenzen gefördert werden, teilen sich auf der 88,4er-Frequenz derzeit 13 Gruppen die Sendezeit der Woche. Man muss kein großer Rechenkünstler sein, um zu sehen, dass da für jede Gruppe nur ein kleiner Teil an Sendezeit zur Verfügung steht.
Die Förderung eines nichtkommerziellen Lokalfunks gehört seit der Gründung vor 20 Jahren zum Programm von Pi-Radio. Das beinhaltet ganz konkret eine Grundfinanzierung sowie ein angemessener Zugang zu den Rundfunkfrequenzen. Im Mediengesetz Berlin-Brandenburgs ist bisher keine Regelung zur Förderung freier Radios vorgesehen.
Nun ist Freies Radio nicht einfach eine Plattform von Freaks, die endlich mal ihre Platten in den Äther dudeln dürfen, sondern durch die Vielfalt der Sendungen und Formate ein wichtiges Organ, um die Mitsprache und Meinungsäußerung von Bürgern zu fördern. Dazu veranstaltet Pi-Radio schon seit Jahren Workshops, Veranstaltungen und Kampagnen, um die Situation des Freien Radios in Berlin zu verbessern.
Man müsste schon einen ziemlich langen Atem haben, um als normaler Mensch ohne große Medienausbildung und -Netzwerk bzw. ohne redaktionelle, kommerzielle oder formale Vorgaben eine Sendung auf Sendern wie 104,6 RTL, Radio Eins oder Jam.FM realisieren zu können. Im Freien Radio ist dies durchaus recht einfach möglich. Soll heißen: Dort kann eigentlich jede/r Radio machen.
Die konkreten Forderungen der Freien Radios in Berlin werden auf der eigens dafür eingerichteten Homepage medienstaatsvertrag.org ausführlich dargelegt.
Wenn am 8. Oktober der 10. Peel-day und der 20. Geburtstag von Pi-Radio gefeiert wird, gibt es ab 20 Uhr live aus dem Funkhaus in der Lottumstraße jede Menge Sonder-Sendungen von den Radiomachern auf Pi-Radio. Die Berliner Runde ist am Start mit einem Rückblick auf 20 Jahre Pi-Radio dabei, Niki Matita gibt ab 21.15 gemeinsam mit Joe Le Taxi eine SubCult-Sondersendung zum Besten.
Weil Radio immer noch ganz gut mit Musik funktioniert , werden am Pi-Geburtstag auch jede Menge Live-Musiker aus dem Pi-Radio-Kosmos zu Gast sein. In der Subcult-Show sind das beispielsweise Lukas Lonski und Laura Leiner, bei Ahnes Liedermachershow um 20 Uhr wird es Singer/Songwriterin Jana Berwig sein und ab 23 Uhr gibt's noch die Liveübertragung eiens Gigs der HC-Industrial-Soundmaler Herr Blum. Allein über diese Zusammenstellung wäre John Peel hocherfreut gewesen.
Das wäre es also im wesentlichen. Tage, an denen man im Oktober das Haus nicht verlassen will, gibt es im Oktober viele. Gründe dafür eher wenige. Morgen abend das Radio oder den Rechner einzuschalten und dem bunten Geburtstagsabend von Pi-Radio zu folgen, ist definitiv einer der besten.
Gary Flanell
P.S.: Die nächste reguläre SubCult-Show gibt es am 15.10. von 20.30 - 21.30 Uhr mit Timbob Kegler. Gast im Studio wird der unvergleichliche Sedlmeir sein, der den ein oder anderen Song seines neuen Albums "Melodien sind sein Leben" vorstellen wird.
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Mittwoch, 30. September 2015
I agree with everything of Lee Hazelwood
Letztes Wochenende habe ich einem sehr guten Konzert beigewohnt. Zwei der drei Bands, die da in meinem Lieblingsschnapsloch gespielt haben, kamen aus Australien. MIDNIGHT SCAVENGERS und FRAUD BAND, beide aus Melbourne, haben mit den Berliner Noise-Rock-after-Punk-Rockern DEAD SENTRIES einen ziemlich stimmigen und abwechslungsreichen Abend gestaltet.
Also Australien: Toll.
Ich war noch nie in Australien. Hat sich nie so ergeben. Für jemanden, der noch nie in Australien war, kenne ich allerdings recht viele Bands von da unten. Das sollte man nicht als selbstverständlich hinnehmen. Ich war ja auch noch nie in Kasachstan. Oder in der Mongolei. Aber mongolische oder kasachische Bands kenne ich viel weniger als australische. Nun muss ich aber sagen, dass australische Pop/Rockbands im Laufe der Jahrzehnte hierzulande immer präsenter waren als welche aus Kasachstan. Oder der Mongolei. INXS und Midnight Oil kennt jeder. Das mongolische Pendant zu INXS ist mir bisher noch nicht untergekommen. Und das kasachische zu Midnight Oil eben auch nicht. Davon abgesehen fallen mir spontan elf australische Bands, die sehr gut sind. Hard-Ons. Dirty Three. The Saints. The Trilobites. TISM. Nick Cave and the Bad Seeds. Pisschrist. Cosmic Psychos. The Living End. Snake Oil Charmers. Jet. Ok, ja, wir nehmen auch noch AC/DC dazu. Also zwölf.
Und eben die eine Band, um die es im Folgenden geht. THE BEASTS OF BOURBON. Beste Blues-Punk-Swamp-Rock-Combo überhaupt. Warum wird es im Folgenden um THE BEASTS OF BOURBON gehen?
Als mir nämlich gewahr wurde, dass ich am letzten Samstag ein Konzert mit zwei australischen Bands veranstalten würde, musste ich an jenes BoB-Interview denken, das in Renfield Nr. 19 erschienen ist. Lange her, in der Tat.
Aber zu schön, um es als Datei auf irgendeiner Festplatte dahinrotten zu lassen.
Nach mehrmaligem Lesen und aus der Distanz von ungefähr sieben Jahren muss ich sagen: Da hätten wir einiges anders machen können. Aber andererseits wäre es dann wohl nicht so lustig geworden. So rau belassen und nur zart von schlappen elf Seiten Skript auf sechs im Heft redigiert bekommt dieses Gespräch im Rückblick einen wunderbaren Hörspielcharakter. Vielleicht machen wir das nochmal.
Außerdem sind der Herr Nals und ich auch ein bisschen stolz drauf, das letzte Interview mit den BEASTS OF BOURBON geführt zu haben, bevor sie sich erst mal aufgelöst haben. So steht’s zumindest im englischsprachigen Wikipedia-Artikel. Haben uns natürlich auch mal gefragt, ob unsere damalige unkonventionelle Interviewführung ihren Anteil daran hatte. Aber ehrlich, damit haben wir absolut nichts zu tun. Total unverständlich, wie man sich nach DIESEM Interview als australische Rocklegende auflösen kann. Das folgende Intro gehörte zum Originalabdruck in Renfield Nr. 19. Zur besseren Darstellung der Interviewsituation lassen wir es einfach drin. Wenn alle durcheinandergequatscht haben, wurde das mit - kenntlich gemacht
Irgendwann, als wir den U-Bahnhof am Platz der Luftbrücke verlassen und am Flughafen Tempelhof entlang schleichen, beginnt diese kleine Diskussion. Darüber, was wir eigentlich machen, wenn Tex Perkins nicht da ist. Wir sind sehr gut vorbereitet, Herr Nals um einiges besser als ich, schließlich ist er der Experte für die Beasts of Bourbon und kennt alle ihre Platten. Kennt sie nicht nur, sondern wurde maßgeblich von ihnen musikalisch sozialisiert. Ich bin da ja eher der BoB-Laie, kann aber mittlerweile auf ihre Version von „Psycho“ (im Original von Leon Payne) und einige andere Knaller von ihnen nicht mehr verzichten.
Als wir auf die Frage kommen, was wir machen, wenn Tex P. beim Interview nicht zugegen sein wird, sind wir etwas von Ratlosigkeit befallen. Nicht, dass wir den vier anderen nicht zutrauen würden, ein gutes Interview abzugeben, aber die Fragen sind eigentlich auf eine Interviewsituation mit Mr. Perkins zugeschnitten.
Natürlich kommt es so, wie wir kurz zuvor gedacht haben – alle Beasts sitzen für uns im hinteren Teil des Tourbusses bereit – bis auf Tex Perkins. Der ist irgendwo anders. Vielleicht was essen oder eine rauchen. Oder er hängt vielleicht mit Toody und Fred von DEAD MOON, ich meine, den PIERCED ARROWS rum, die heute Abend ja auch spielen. Vielleicht hat er einfach schon zu viele Interviews gegeben und nimmt sich die Freiheit, mal eins auszulassen. Nehmen wir uns also die verbleibenden vier vor. Die sehen etwas verknautscht aus. Ähnlich verknautscht ist auch ihr australischer Akzent, aber was anderes würde auch gar nicht passen.
Spencer Jones (SJ): Is this a cigarette lighter?
Herr Nals (HerrN) That’s the recorder. This is your last gig of your European tour because you cancelled Oslo. Why?
Charlie Owen (CO): It’s a bit hard. There was meant to be a gig between here and there and ... in Copenhagen ... in Gothenburg ... it didn’t get confirmed and the hack was to get enough money for the bus to get there and back.
SJ: We risk loosing money if we go to Oslo. And it’s a shame because Carl, the promoter, is a good friend of ours.
HerrN: You played in Mallorca also which is usually a fun place in summer where many German tourists that are very infamous for not behaving well ...
SJ: The English go there and do the same fuckin’ thing.
Gary (G): And the Germans and the English always fight for the best place at the pool with their towels...
SJ: I know! And there were five Australians there and did exactly the same thing and did downgrade the opinion of their country. If the English can insult everybody here and the Germans can insult everybody here the WE can insult everybody here! But they liked us, we were on their local TV show ...
HerrN: So it was not an unusual gig somehow?
SJ: It seemed like that when we arrived, but now it’s just like another. It could have been anywhere in Spain. There are some good Bands in Spain too, you know? There’s a lot of Rock’n’Roll going on there all the time.
HerrN: Why did you cancel your last European tour in autumn 2007? We were awaiting you in Vienna but you didn’t come.
CO: It was not quite organized properly. So we said: you organize it properly and we’ll come back and they sorted it out for us and so we came back. Well, we got the coach. We’re still recovering from that ... from that loss of income.
SJ: Why didn’t we go? There was no money in it.
HerrN: Am I mistaken or is there in Australia a very strong tradition to like the slide-playing guitar?
SJ: No, I think the Americans have a very strong tradition to like the slide-playing. We don’t have it anymore. Every fuckin’ man and his dog plays fuckin’ slide. When we were playin’ slide guitar in 1993 nobody was playin’ slide guitar except some Americans. Now everybody. Two-piece, one-piece, one-man-band, two-piece ...
HerrN: Rose Tattoo had it from the very beginning also.
CO:Yeah, sure. That’s Peter Wells. That’s a different ... Peter Wells is dead. As we all will be ...
HerrN: Lee Hazelwood made a great song with a guy, with Bela B., who is very famous in Germany. It is about the point, that the first song of the day, you hear isn’t always the best one. Do you agree with that?
CO: I agree with everything of Lee Hazelwood.
HerrN: Maybe, we’re gettin’ a little bit closer to that. f it wasn’t for the music would you have survived the 80s and if yes how?
- Aaah, yes, I’d say I would have gone back to architecture.
- Hang on. Maybe no. Did music save us?
- No ... music fucked us up in the 80’s.
HerrN: If you say life is about winning and maybe even a bit more about losing what do you think about the Olympic motto that participating is everything? The question of life: Is participating everything?
CO: Oh, the Olympic connection again. I feel qualified to answer that. I represented Australia in the Olympic marathon. Carrying the flame along the Thessalonici beach. It’s on youtube. I was actually running with a little girl in a wheelchair who was holding the torch. Anyway. What was the question again?
Tony Pola (TP): Oh christ, don’t ask me! I think so; I think that’s true. You should participate in everything.
- No, win!
- Participate!
- Win!
- In order to win you have to participate.
SJ: Charlie is a total winner. Me and Tony we are participants.
HerrN: What do you think Tex is?
SJ: Tex is a very successful artist in Australia.
- So we hate him!
- What was the question?
HerrN: You played at the Sidney Rock For Rights Festival against the Industrial Relations laws of the former government.
TP: No, I refused to do that!
SJ: They’re gone now. We got rid of them. This fuckin Nazi fuckin government is gone. Well, there’s a lot of people in Australia that disagreed with them and fuckin’ got rid of them.
TP: These guys were workin’ all of their lives.
CO: I never worked a fuckin day of my fuckin life.
SJ: Your job is curator of [...] gallery.
CO: Aah! That’s not workin’. That’s standin’ around and pointin’ ... It was about worker’s rights. And we got that government that stripped all these rights and pay and sick benefits and blablablabla. And the right to .... without raise. So there was a big concert in Quicker Ground with a bunch of bands. A union kinda political movement thing.
HerrN: Like Thatcher did in the 80’s ... Once you were asked why there is a new Beasts Of Bourbon-album after nine something years now and Tex answered: “Because we are a curse!” But if that’s so: Who sent you? Who do you aim at with that curse and are you cursed yourself?
CO: The curse affects us; it’s not aimed at the outside world ... that’s about the collective we’re in.
SJ: I don’t think we’re cursed. I know some of us are jinxed.
CO: Sometimes it feels like that. It cannot be spoken about it while you’re here [?], you know.
HerrN: If music was a garden, what kind of vegetable or fruit would the Beasts Of Bourbon be?
- Potatoes.
- Parsley.
- Death lily.
- All the major food groups are represented in the Beasts Of Bourbon.
HerrN: So one is the potato, one is the cucumber ... is that what you’re saying’?
G.: So, you’re some kinda salad?!
- No.
- Something like that.
G.: You’re the Beasts Of Salad?
TP: A fruity salad. You can’t disappoint Irish stew radishes and say that’s my favorite.
- We appreciate everything that has gone down in the garden.
- No, not everything.
- Ask that question again.
- See if you can get a different answer.
HerrN: What was the last good record that you found?
TP: The 500 meters backstroke at the 2000 Olympics ... oh, record! I think the Burlingtons [?] latest album is my favorite.
CO: They supported the Beasts, OK. This all got a Beasts connection. The last one I enjoyed was Kim Salmon and Ron Peno’s new record.
SJ: Fiery Furnaces, Amy Winehouse...
Brian Hooper (BH): Boris Sujdovics is my latest acquisition. The ex-bass-player of the Beasts has a solo record.
HerrN: You played in Vienna a couple of days ago. How was it?
CO: Fantastic. The best! They love us in Vienna. I think, they think we’re Austrian but...
BH: Vienna has always been the same, it has always been strong for us.
SJ: We have friends there.
G.: Did you play with the Pierced Arrows?
- No, a Viennese band.
- Wolfgangfinger ... Rewolfinger
- cooky [?] stuff.
SJ: They covered one of our songs on their record “The Hate Inside”.
HerrN: There is a very famous German Rock-musician, Udo Lindenberg...
G.: Do you actually know German Rock-musicians?
BoB: Some. Blixa Bargeld, Alex Hacke. Nena. Scorpions. "Dai Toten Hosen". Absturzende Brieftauben. Can. Kastrierte Philosophen.
G.: Udo Lindenberg is a quite old guy and he’s wearing always the same hat, for years…
SJ: Now, this is my advice. You must get rid of the hat every couple of years. Very important thing. Anyway, what’s the question?
HerrN: The question is; I’m citing Udo Lindberg who said: “All those young folks in their grey suits that seem to be test-lying in the coffin already during their lifetime you gotta oppose them with Rock’n’Roll.” Can you relate to that? BH: I understand what he’s sayin’ but I don’t think it’s one way or the other. I think that some people who test-drive for the grave play Rock’n’Roll too.
G.: In my opinion, he is referring to all the Emo-kids ...
TP: That’s Rock’n’Roll. It’s all fuckin’ Rock’n’Roll.
HerrN: You think so? I think, he’s talking about bank clerks ...
SJ: Just see, Pierced Arrows, they are 60 now...
BH: Rock’n’Roll has been around for nearly 60 years now. Of course there’s gonna be old Rock’n’Rollers.
- Next!
G.: I just know some old Australian Punk bands. Can you tell me if they still exist? What about Bored? Are they still around?
SJ: Kind of. They are actually doing a gig soon with the original line-up, except maybe Buzz won’t do it but I think they’re gonna try and make that happen. Dave Thomas’s band just recently broke up so he’s not doin’ shit, he’s painting. John Nolan, the original guitarist from the Bored is playing in my group at the moment. Well, it is not like Bored. It’s songs but he makes them sound great.
G.: Do you know this record with the 24 versions of Stairway to heaven? There is this one version of Rolf Harris. Do you know if he is still alive?
BH: I was born where he was born. I lived down the river. He’s in London. He’s from Perth where these two guys are from. He used to swim outside my parent’s house in the river.
SJ: In the 60s. But he’s an old man. I mean real old. Older than this. That album was a marketing idea somebody gave to him that he made a lot of money out of. A well-known speed-painter. In three minutes he can paint something really good.
G.: So he makes a lot of pictures a day.
HerrN: At least he got cool working’ hours. If you make one picture a day you work for three minutes and then you take the rest of the day off.
G.: And a picture a day keeps the doctor away...
CO: Did you guys smoke the joint or did we?
HerrN: Usually you would ask bands about their future plans. But I sense that this is a bit difficult with the Beasts of Bourbon. Is it possible to ask the Beasts Of Bourbon about their future plans or is it just like when you’re in the mood or when you’re in the same town...
SJ: What we’re planning is like getting home tomorrow. That’s our latest plan. We’re working on it as we speak.
CO: The Beasts just seem to slumber for a while, then wake up again. You know, when all the wounds have healed up and all the scars have settled down and the rashes have gone away ...
BH: I heard Tex describe it once as getting your old car out of the garage for a Sunday drive. I like that one.
HerrN: So which car would that be?
SJ: 55 DeSoto. Chrome shark’s teeth on the front
- ... a smashed up one.
- 63 Chrysler Royal.
HerrN: The last song of your current album is a “Thank You”-song. You’re thanking somebody for many things and right now almost after the tour, do you have the feeling that you have to thank somebody?
TP: Not at all.
SJ: That song is ironic. Irony. Brian, you’re very good explaining irony.
HerrN: It was kind of irritating on the homepage about the annoncement of the gig. Your name was the third one. I think everybody knows that Dead Moon somehow retired. That’s what you could read on the homepage. Nobody knows the name Pierced Arrows. So, you are the headliners today, right?
SJ: A lot of people don’t know about the Pierced Arrows. People who are Dead Moon-fans don’t know it. The guy was saying that if it was Dead Moon advertised there would probably be 800 people there. But no one knows they exist and they’ve started again from scratch.
- We still have our brand name a little bit of dignity. Not much, just enough.
G.: I wonder if they will only play Dead Moon-songs.
SJ: No, they play a lot of different things. They played this version of Neil Young’s “Mr. Soul” which I didn’t recognize till right near the end. Perhaps they do maybe “54/ 40 or Fight” in the encore. Maybe two or three. It’s good to see them again. Those fabulous 60-year-old husband and wife. They’re a great jewel.
Text: Gary Flanell, Hr. Nals
Also Australien: Toll.
Ich war noch nie in Australien. Hat sich nie so ergeben. Für jemanden, der noch nie in Australien war, kenne ich allerdings recht viele Bands von da unten. Das sollte man nicht als selbstverständlich hinnehmen. Ich war ja auch noch nie in Kasachstan. Oder in der Mongolei. Aber mongolische oder kasachische Bands kenne ich viel weniger als australische. Nun muss ich aber sagen, dass australische Pop/Rockbands im Laufe der Jahrzehnte hierzulande immer präsenter waren als welche aus Kasachstan. Oder der Mongolei. INXS und Midnight Oil kennt jeder. Das mongolische Pendant zu INXS ist mir bisher noch nicht untergekommen. Und das kasachische zu Midnight Oil eben auch nicht. Davon abgesehen fallen mir spontan elf australische Bands, die sehr gut sind. Hard-Ons. Dirty Three. The Saints. The Trilobites. TISM. Nick Cave and the Bad Seeds. Pisschrist. Cosmic Psychos. The Living End. Snake Oil Charmers. Jet. Ok, ja, wir nehmen auch noch AC/DC dazu. Also zwölf.
Und eben die eine Band, um die es im Folgenden geht. THE BEASTS OF BOURBON. Beste Blues-Punk-Swamp-Rock-Combo überhaupt. Warum wird es im Folgenden um THE BEASTS OF BOURBON gehen?
Als mir nämlich gewahr wurde, dass ich am letzten Samstag ein Konzert mit zwei australischen Bands veranstalten würde, musste ich an jenes BoB-Interview denken, das in Renfield Nr. 19 erschienen ist. Lange her, in der Tat.
Aber zu schön, um es als Datei auf irgendeiner Festplatte dahinrotten zu lassen.
Nach mehrmaligem Lesen und aus der Distanz von ungefähr sieben Jahren muss ich sagen: Da hätten wir einiges anders machen können. Aber andererseits wäre es dann wohl nicht so lustig geworden. So rau belassen und nur zart von schlappen elf Seiten Skript auf sechs im Heft redigiert bekommt dieses Gespräch im Rückblick einen wunderbaren Hörspielcharakter. Vielleicht machen wir das nochmal.
Außerdem sind der Herr Nals und ich auch ein bisschen stolz drauf, das letzte Interview mit den BEASTS OF BOURBON geführt zu haben, bevor sie sich erst mal aufgelöst haben. So steht’s zumindest im englischsprachigen Wikipedia-Artikel. Haben uns natürlich auch mal gefragt, ob unsere damalige unkonventionelle Interviewführung ihren Anteil daran hatte. Aber ehrlich, damit haben wir absolut nichts zu tun. Total unverständlich, wie man sich nach DIESEM Interview als australische Rocklegende auflösen kann. Das folgende Intro gehörte zum Originalabdruck in Renfield Nr. 19. Zur besseren Darstellung der Interviewsituation lassen wir es einfach drin. Wenn alle durcheinandergequatscht haben, wurde das mit - kenntlich gemacht
Irgendwann, als wir den U-Bahnhof am Platz der Luftbrücke verlassen und am Flughafen Tempelhof entlang schleichen, beginnt diese kleine Diskussion. Darüber, was wir eigentlich machen, wenn Tex Perkins nicht da ist. Wir sind sehr gut vorbereitet, Herr Nals um einiges besser als ich, schließlich ist er der Experte für die Beasts of Bourbon und kennt alle ihre Platten. Kennt sie nicht nur, sondern wurde maßgeblich von ihnen musikalisch sozialisiert. Ich bin da ja eher der BoB-Laie, kann aber mittlerweile auf ihre Version von „Psycho“ (im Original von Leon Payne) und einige andere Knaller von ihnen nicht mehr verzichten.
Als wir auf die Frage kommen, was wir machen, wenn Tex P. beim Interview nicht zugegen sein wird, sind wir etwas von Ratlosigkeit befallen. Nicht, dass wir den vier anderen nicht zutrauen würden, ein gutes Interview abzugeben, aber die Fragen sind eigentlich auf eine Interviewsituation mit Mr. Perkins zugeschnitten.
Natürlich kommt es so, wie wir kurz zuvor gedacht haben – alle Beasts sitzen für uns im hinteren Teil des Tourbusses bereit – bis auf Tex Perkins. Der ist irgendwo anders. Vielleicht was essen oder eine rauchen. Oder er hängt vielleicht mit Toody und Fred von DEAD MOON, ich meine, den PIERCED ARROWS rum, die heute Abend ja auch spielen. Vielleicht hat er einfach schon zu viele Interviews gegeben und nimmt sich die Freiheit, mal eins auszulassen. Nehmen wir uns also die verbleibenden vier vor. Die sehen etwas verknautscht aus. Ähnlich verknautscht ist auch ihr australischer Akzent, aber was anderes würde auch gar nicht passen.
Spencer Jones (SJ): Is this a cigarette lighter?
Herr Nals (HerrN) That’s the recorder. This is your last gig of your European tour because you cancelled Oslo. Why?
Charlie Owen (CO): It’s a bit hard. There was meant to be a gig between here and there and ... in Copenhagen ... in Gothenburg ... it didn’t get confirmed and the hack was to get enough money for the bus to get there and back.
SJ: We risk loosing money if we go to Oslo. And it’s a shame because Carl, the promoter, is a good friend of ours.
HerrN: You played in Mallorca also which is usually a fun place in summer where many German tourists that are very infamous for not behaving well ...
SJ: The English go there and do the same fuckin’ thing.
Gary (G): And the Germans and the English always fight for the best place at the pool with their towels...
SJ: I know! And there were five Australians there and did exactly the same thing and did downgrade the opinion of their country. If the English can insult everybody here and the Germans can insult everybody here the WE can insult everybody here! But they liked us, we were on their local TV show ...
HerrN: So it was not an unusual gig somehow?
SJ: It seemed like that when we arrived, but now it’s just like another. It could have been anywhere in Spain. There are some good Bands in Spain too, you know? There’s a lot of Rock’n’Roll going on there all the time.
HerrN: Why did you cancel your last European tour in autumn 2007? We were awaiting you in Vienna but you didn’t come.
CO: It was not quite organized properly. So we said: you organize it properly and we’ll come back and they sorted it out for us and so we came back. Well, we got the coach. We’re still recovering from that ... from that loss of income.
SJ: Why didn’t we go? There was no money in it.
HerrN: Am I mistaken or is there in Australia a very strong tradition to like the slide-playing guitar?
SJ: No, I think the Americans have a very strong tradition to like the slide-playing. We don’t have it anymore. Every fuckin’ man and his dog plays fuckin’ slide. When we were playin’ slide guitar in 1993 nobody was playin’ slide guitar except some Americans. Now everybody. Two-piece, one-piece, one-man-band, two-piece ...
HerrN: Rose Tattoo had it from the very beginning also.
CO:Yeah, sure. That’s Peter Wells. That’s a different ... Peter Wells is dead. As we all will be ...
HerrN: Lee Hazelwood made a great song with a guy, with Bela B., who is very famous in Germany. It is about the point, that the first song of the day, you hear isn’t always the best one. Do you agree with that?
CO: I agree with everything of Lee Hazelwood.
HerrN: Maybe, we’re gettin’ a little bit closer to that. f it wasn’t for the music would you have survived the 80s and if yes how?
- Aaah, yes, I’d say I would have gone back to architecture.
- Hang on. Maybe no. Did music save us?
- No ... music fucked us up in the 80’s.
HerrN: If you say life is about winning and maybe even a bit more about losing what do you think about the Olympic motto that participating is everything? The question of life: Is participating everything?
CO: Oh, the Olympic connection again. I feel qualified to answer that. I represented Australia in the Olympic marathon. Carrying the flame along the Thessalonici beach. It’s on youtube. I was actually running with a little girl in a wheelchair who was holding the torch. Anyway. What was the question again?
Tony Pola (TP): Oh christ, don’t ask me! I think so; I think that’s true. You should participate in everything.
- No, win!
- Participate!
- Win!
- In order to win you have to participate.
SJ: Charlie is a total winner. Me and Tony we are participants.
HerrN: What do you think Tex is?
SJ: Tex is a very successful artist in Australia.
- So we hate him!
- What was the question?
HerrN: You played at the Sidney Rock For Rights Festival against the Industrial Relations laws of the former government.
TP: No, I refused to do that!
SJ: They’re gone now. We got rid of them. This fuckin Nazi fuckin government is gone. Well, there’s a lot of people in Australia that disagreed with them and fuckin’ got rid of them.
TP: These guys were workin’ all of their lives.
CO: I never worked a fuckin day of my fuckin life.
SJ: Your job is curator of [...] gallery.
CO: Aah! That’s not workin’. That’s standin’ around and pointin’ ... It was about worker’s rights. And we got that government that stripped all these rights and pay and sick benefits and blablablabla. And the right to .... without raise. So there was a big concert in Quicker Ground with a bunch of bands. A union kinda political movement thing.
HerrN: Like Thatcher did in the 80’s ... Once you were asked why there is a new Beasts Of Bourbon-album after nine something years now and Tex answered: “Because we are a curse!” But if that’s so: Who sent you? Who do you aim at with that curse and are you cursed yourself?
CO: The curse affects us; it’s not aimed at the outside world ... that’s about the collective we’re in.
SJ: I don’t think we’re cursed. I know some of us are jinxed.
CO: Sometimes it feels like that. It cannot be spoken about it while you’re here [?], you know.
HerrN: If music was a garden, what kind of vegetable or fruit would the Beasts Of Bourbon be?
- Potatoes.
- Parsley.
- Death lily.
- All the major food groups are represented in the Beasts Of Bourbon.
HerrN: So one is the potato, one is the cucumber ... is that what you’re saying’?
G.: So, you’re some kinda salad?!
- No.
- Something like that.
G.: You’re the Beasts Of Salad?
TP: A fruity salad. You can’t disappoint Irish stew radishes and say that’s my favorite.
- We appreciate everything that has gone down in the garden.
- No, not everything.
- Ask that question again.
- See if you can get a different answer.
HerrN: What was the last good record that you found?
TP: The 500 meters backstroke at the 2000 Olympics ... oh, record! I think the Burlingtons [?] latest album is my favorite.
CO: They supported the Beasts, OK. This all got a Beasts connection. The last one I enjoyed was Kim Salmon and Ron Peno’s new record.
SJ: Fiery Furnaces, Amy Winehouse...
Brian Hooper (BH): Boris Sujdovics is my latest acquisition. The ex-bass-player of the Beasts has a solo record.
HerrN: You played in Vienna a couple of days ago. How was it?
CO: Fantastic. The best! They love us in Vienna. I think, they think we’re Austrian but...
BH: Vienna has always been the same, it has always been strong for us.
SJ: We have friends there.
G.: Did you play with the Pierced Arrows?
- No, a Viennese band.
- Wolfgangfinger ... Rewolfinger
- cooky [?] stuff.
SJ: They covered one of our songs on their record “The Hate Inside”.
HerrN: There is a very famous German Rock-musician, Udo Lindenberg...
G.: Do you actually know German Rock-musicians?
BoB: Some. Blixa Bargeld, Alex Hacke. Nena. Scorpions. "Dai Toten Hosen". Absturzende Brieftauben. Can. Kastrierte Philosophen.
G.: Udo Lindenberg is a quite old guy and he’s wearing always the same hat, for years…
SJ: Now, this is my advice. You must get rid of the hat every couple of years. Very important thing. Anyway, what’s the question?
HerrN: The question is; I’m citing Udo Lindberg who said: “All those young folks in their grey suits that seem to be test-lying in the coffin already during their lifetime you gotta oppose them with Rock’n’Roll.” Can you relate to that? BH: I understand what he’s sayin’ but I don’t think it’s one way or the other. I think that some people who test-drive for the grave play Rock’n’Roll too.
G.: In my opinion, he is referring to all the Emo-kids ...
TP: That’s Rock’n’Roll. It’s all fuckin’ Rock’n’Roll.
HerrN: You think so? I think, he’s talking about bank clerks ...
SJ: Just see, Pierced Arrows, they are 60 now...
BH: Rock’n’Roll has been around for nearly 60 years now. Of course there’s gonna be old Rock’n’Rollers.
- Next!
G.: I just know some old Australian Punk bands. Can you tell me if they still exist? What about Bored? Are they still around?
SJ: Kind of. They are actually doing a gig soon with the original line-up, except maybe Buzz won’t do it but I think they’re gonna try and make that happen. Dave Thomas’s band just recently broke up so he’s not doin’ shit, he’s painting. John Nolan, the original guitarist from the Bored is playing in my group at the moment. Well, it is not like Bored. It’s songs but he makes them sound great.
G.: Do you know this record with the 24 versions of Stairway to heaven? There is this one version of Rolf Harris. Do you know if he is still alive?
BH: I was born where he was born. I lived down the river. He’s in London. He’s from Perth where these two guys are from. He used to swim outside my parent’s house in the river.
SJ: In the 60s. But he’s an old man. I mean real old. Older than this. That album was a marketing idea somebody gave to him that he made a lot of money out of. A well-known speed-painter. In three minutes he can paint something really good.
G.: So he makes a lot of pictures a day.
HerrN: At least he got cool working’ hours. If you make one picture a day you work for three minutes and then you take the rest of the day off.
G.: And a picture a day keeps the doctor away...
CO: Did you guys smoke the joint or did we?
HerrN: Usually you would ask bands about their future plans. But I sense that this is a bit difficult with the Beasts of Bourbon. Is it possible to ask the Beasts Of Bourbon about their future plans or is it just like when you’re in the mood or when you’re in the same town...
SJ: What we’re planning is like getting home tomorrow. That’s our latest plan. We’re working on it as we speak.
CO: The Beasts just seem to slumber for a while, then wake up again. You know, when all the wounds have healed up and all the scars have settled down and the rashes have gone away ...
BH: I heard Tex describe it once as getting your old car out of the garage for a Sunday drive. I like that one.
HerrN: So which car would that be?
SJ: 55 DeSoto. Chrome shark’s teeth on the front
- ... a smashed up one.
- 63 Chrysler Royal.
HerrN: The last song of your current album is a “Thank You”-song. You’re thanking somebody for many things and right now almost after the tour, do you have the feeling that you have to thank somebody?
TP: Not at all.
SJ: That song is ironic. Irony. Brian, you’re very good explaining irony.
HerrN: It was kind of irritating on the homepage about the annoncement of the gig. Your name was the third one. I think everybody knows that Dead Moon somehow retired. That’s what you could read on the homepage. Nobody knows the name Pierced Arrows. So, you are the headliners today, right?
SJ: A lot of people don’t know about the Pierced Arrows. People who are Dead Moon-fans don’t know it. The guy was saying that if it was Dead Moon advertised there would probably be 800 people there. But no one knows they exist and they’ve started again from scratch.
- We still have our brand name a little bit of dignity. Not much, just enough.
G.: I wonder if they will only play Dead Moon-songs.
SJ: No, they play a lot of different things. They played this version of Neil Young’s “Mr. Soul” which I didn’t recognize till right near the end. Perhaps they do maybe “54/ 40 or Fight” in the encore. Maybe two or three. It’s good to see them again. Those fabulous 60-year-old husband and wife. They’re a great jewel.
Text: Gary Flanell, Hr. Nals
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