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Sonntag, 19. April 2009

Renfield 14.5 - The Reviews


Perhaps you wonder, why, after No.14., there is a 14.5-Number. If you believe it or not, there is a reason. It is called Sceptic Jazz. 

- "Eeeeeeeh, Sceptic Jazz?! What's that?"

Ok, Sceptic jazz was a small but energetic Punk/Blues/Trash/Garageband, founded by two austrian ERASMUS-students and one german some-kind-of-something-student in  2004. The appartment was the rehearsal room, we got a drum kit for children and lyrics in englsih, french and spanish. We got songs about drunken witches, about Berlin eaten by men, Punkrocksongs about Punkrock cliches,  Rock'n'Rollstandards about being Straight edge, we got a grindcore-Sideproject (called Sceptic Mess), we got an overproduced Rap/Rocksong about Döner Kebabshops in Berlin (with a slighlt y exaggerated guitar solo), a really cute and romantic version of a Patrick Fitzgerald-Song (probably his most famous),  a song named after an 80ies-TV-series with a straw dog and beside all of this, we got a four-week-tour in August 2005. 

A tour, that was organized without any booking agency and that led us to wonderful places in Latvia, Lithuania, Estonia, Finland and Russia. The whole journey took 4 weeks. we played 7 or 8 gigs and got fun for 10 more shows. After being home again,we were all broke and tired. But happy.

All of the adventures that happened there are still available in Renfield No. 14.5. It is the .5-thing that marks the "special editions" of RENFIELD-Fanzine. Actually No. 14.5 is the only "special edition" till now, but there are of course ideas for more of them. 

Have fun with the reviews of No.14.5. They are mostly about records we bought, swapped or that were given to us during the tour. All great stuff, till now.

EPPU NORMALI – Aku ja köyhät pojat
Das ist Blues-Rock, wie er sein sollte. Und mehr ist dazu auch nicht zu sagen. Oder wollt Ihr hören, daß hier extravagante Varianten-Heterophonie kombiniert wurde mit herrlichen pythagoreischen Quinten und Trugschluß-Kadenzen? Na eben! Und außerdem wäre das sowieso alles gelogen. Eine unserer finnischen Freundinnen hat übrigens im Angesicht dieser Erwerbung die Hände über dem Kopf zusammen-geschlagen und ausgerufen: „God! This is classical FinnRock!“ - Schön! (Poko Records, Pure Finnish Rock, 1983)

CMX – Dinosaurus Stereophonicus
Da sind sie also, die CMX. Sie könnten eventuell auch außerhalb von Taiga und Lappland bekannt sein. Das Ding hier ist eine Doppel-CD mit aufwendigem paläozoischem Artwork. Die Band, die 1985 als Hardcore-Projekt angefangen und sich damit einen Namen gemacht hat, ist nach einer poppigen Phase Anfang der 90er hier bei Progressive Rock angelangt. Auffallendes Charakteristikum ist der ständige abrupte Wechsel zwischen extrem melodiösen, synthie-versetzten Passagen und Brecheisen-Gitarrenarbeit grad, wenn man ersteres nicht mehr zu ertragen meint. Die finnischen Texte sollen vorzüglich sein, aber dem Autor ist eine Bewertung zur Zeit unmöglich. Gefällt.
(EMI Finland, 2000)

VARIOUS ARTISTS - Surf Guitars Extreme
Zur Vorgeschichte: Rußland scheißt auf Copyrights uns zwar von höchst offizieller Stelle aus und drum florieren kleine Labels, die so ziemlich alles nachpressen, was ihnen in die Finger kommt. Das führt zu Einkaufspreisen bei quasi Original-CDs von 2 bis 3 Euro und damit zu vollkommen anderem Einkaufsverhalten in den Plattenläden (nicht nachdenken, zugreifen, wegrennen, bevor das ganze Urlaubsgeld zu Plastik geworden ist). Das hier ist ein Sampler mit 32 Nummern mehr oder weniger bekannter Surf-Bands (Johnny And The Shamen?), alle eher neueren Datums. Is wohl Surf, und 90 Rubel wert. (Zaga, kein Datum)


VARIOUS ARTISTS – Las Vegas Grind Part 2
Jetzt kommt’s! Als der Autor dieser Zeilen Part 1 bei seiner Untermieterin gehört hat, ist ihn dieses seltene Hochgefühl überkommen, eine Entdeckung mit Langzeitfolgen gemacht zu haben. Las Vegas Grind ist eine Sammlung von vollkommen unbekannten 50er-Jahre-Bands, die wohl tatsächlich nicht direkt für’s Publikum sondern eher für die vom Publikum gustierten Stripperinnen gespielt haben oder in deren Aufführungspausen. Simpelster Rock’n’Roll, minimale Instrumentenkenntnisse, unverständliches, unartikuliertes Gebrüll, Gequietsche und Gemiaue („Sweet Little Pussicat“), vollkommenes Fehlen jeglichen künstlerischen Anspruchs (woran erinnert das?) und die ausschließliche Orientierung an vordergründigem Spaßfaktor und Tanzbarkeit. Und so wird es wohl nicht verwundern, wenn ich das stilistisch tatsächlich als Porno bezeichnen und zur Nachahmung anregen möchte. Genial! Nur leider ist Teil 2 etwas weniger originell geraten. Egal. Exzeptionell bleibt’s. (Strip Records, 1992)

MATA CHARI – Ot Schisgari Do Angari
Eine der Bands, mit der Sceptic Jazz auf ihrer Sommer-Tour gespielt hat. Und ein typisches Beispiel für das Mißverhältnis von Aufwand und Effekt. Man kann eigentlich fast nichts kritisieren, spielen können’s, singen auch, eigene Lieder gibt’s, die Photos sind nicht pixelig, aber irgendwas fehlt: Sorry Jungs! Auch wenn ihr uns ein Bier gezahlt habt. Ihr wißt schon was ich meine.(Antrop/Antropos, 2004)

JOHN ZORN – The Book Of Heads

Die Länge der Stücke (ab 0:26) erinnert an Grindcore und genauso wie bei dem geht’s hier nicht primär um die Hörbarkeit. In Fortsetzung einer alten Mit-Tim-Drin-Sendung sei hier noch einmal an die oft unerwartete Parallelität von Ideen in Free Jazz und Popularmusik-Formen erinnert. Die 35 Etüden Zorns werden von Marc Ribot gespielt, der unter Anderem als Gitarrist bei Tom Waits bekannt geworden ist, aber auch mit Avantgarde-Jazz- und Experimental-Rock-Bands wie Shrek (hat nichts mit dem Film zu tun!!) gespielt hat. Das Instrument wird mit Bleistiften, Reissäcken, Drumsticks und allem möglichen Anderen malträtiert und wer das einmal live von Ribot gesehen hat (gibt’s jedes Jahr meist ein Mal), wird den Unterhaltungsfaktor nicht bestreiten können. Aber zugegebenermaßen hab ich mir die CD eigentlich noch nie angehört. Bis zum nächsten Renfield bestimmt.

Svoboda – Demo
Svoboda sagt der Russe, wenn er Freiheit meint, hach, das klingt jetzt nach ganz tiefer russischer Seele, die am Ufer der Narwa die vierte Flasche Wodka wegpumpt. Ganz so schwermütig geht’s bei diesen Petersburger Skapunk-Virtuosen nicht zu und sie wären mir wahrscheinlich nie untergekommen, wenn nicht unser Weltkorrespondent David-Emil hier im Rahmen seiner Doktorarbeit die Trompete spielen würde. Bei Svoboda ist dann auch eher Party- statt Suizidmusik angesagt. Skapunk mit ordentlich Schmackes und Texten in ukrainisch (nicht dass ich’s jetzt rausgehört hätte, aber das hat mir ein russisches Übersetzervögelchen gezwitschert), irgendwie dem Stil von Spitfire nicht unähnlich und für ein Demo in erstaunlich guter Aufnahmequalität. Halt gute Spaßmusik, auch wenn der Rahmen dafür schon lang abgesteckt ist. Also: Tanzen! (Kontakt: www.svoboda.iikso.net) 

Psycho terror – Freddy, löö esimesena!
Psycho Terror sind für Estland eigentlich so was wie sagen wir mal Slime oder Toxoplasma oder auch Daily Terror für selige Deutschpunkzeiten. Seit Ende der 80er unterwegs wurden im Laufe der Zeit -zig Platten in Form von Tapes und später dann CDs veröffentlicht. Getourt wurde und wird auch fleißig, die Männers sind auch öfters mal in Deutschland unterwegs, und wie ich sie so bei unserem SJ-Konzert in Tallinn kennengelernt hab, noch dazu äußerst liebenswerte Gestalten. Musikmäßig bewegt man sich sicher auf Punkrockgebiet, das fluppt nach mehr als 15 Jahren perfekt, ich glaube allerdings, dass durch die estnischen Texte, die hier keiner so recht versteht, dass Ding als Exoten-CD durchgehen wird. Schade eigentlich, denn muckemäßig ist „Freddy, mach es!“ durchaus fetter Punkrock mit reichlich guten Ideen, manchmal ein bisschen an Dackelblut erinnernd, was auch an besagtem Sänger Freddie liegt, den man mal locker als Estlands Iggy Pop bezeichnen kann. Zu den Texten sag ich nix, mein estnisch, ihr versteht… (contact: www.zone.ee/psychoterror, liba@hot.ee)

The Ghastly ones – A-haunting we will go-go 
Noch so ein Produkt aus der russischen Bootlegmaschinerie. Originalerweise mal auf „Zombie a gogo Rec.“, dem Label von Rob Zombie rausgekommen, und jetzt hat’s irgendein russischer Bootlegger für billig Geld nachgepresst. Eigentlich kann ich mir schwer einen besseren Soundtrack für eine flotte Halloweenparty vorstellen: 20 gruselig-stilvolle Surfinstrumenthals, die ab und an mit spooky Halloweeneffekten oder verschwörerischen Spoken Words unterlegt werden. Gespielt wird das ganze dann stilecht von drei Totengräbern, quasi die dunkle Seite der Shadows. Großartige Surfplatte, die es schafft, nicht immer das alte Schema totzureiten. Blöd nur, dass Halloween nur einmal im Jahr ist. Und das für schaurig gut angelegte Rubletten.

Melvins & Jello Biafra – Never breathe what you can see
Bootleg Attack Part 3: Hätte ich mir im Original wohl nicht so schnell zugelegt, aber wenn’s billig ist… egal. Nachdem Herr Biafra und die Rest Kennedys sich nicht mehr mit dem Arsch angucken weint das alte Punkerherz, weil dadurch die ganze schöne Legende um die Band plattgemacht wurde. Aber eigentlich braucht der Herr Biafra die blöden Kennedys gar nicht mehr, denn er hat ja jetzt die Melvins und auch wennes vielelicht erstmal etwas ungewöhnlich klingt, das passt sehr gut zusammen, das zynische Jello-Gequäke und die fette Melvinswalze ergibt zusammen eine ziemlich geiles Gemisch. Fast würde ich sagen, hätten sich die DKs nie aufgelöst und im Laufe der Jahre ihren Sound weiterentwickelt, dann würde das so klingen. 80 Rubel für 2 Ikonen, die sich endlich gefunden haben.

Nightlosers – Plum brandy blues
Was hab ich diese CD in Berlin gesucht!! Und nicht gefunden. Irgendwann lief auf Radio Multikulti diese Wahnsinnsversion von „Blue suede shoes“ gehört und ich war sofort hin und weg. Ein rasanter Polkabeat und eine etwas näselnd gelangweilte Stimme, die sich da an Elvis vergreift. Wo kriegt man das her? Vergeblich habe ich alle Plattenläden abgeklappert, keiner kannte die Nightlosers – und dann steht die ganze CD da in St. Piter locker im Regal, als hätte sie nur auf mich gewartet. Aber hat sich die Sucherei gelohnt? Nun ja, irgendwie schon. Die Nightlosers covern nicht nur den Elvisklassiker, sondern drehen insgesamt 14 Bluesoriginale durch den rumänischen Polka-Folk-Violinenwolf. Da sagt der „Hocchie coochie man“ auf rumänisch „Good night Irene“ Und J.B. Lenoire würde sich wundern, was 11 Rumänen per Cembalo, Klarinette, Geige, Viola (neben konventionellen Instrumenten) mit seinem „5 Lotmo years“ anstellen. Big Bill Broonzy wird genauso mit Vogelgezwitscher verwurstet wie Huddie Ledbetter und Jimmy Reed. Schon lustig, der Ritt durch die Bluesgeschichte, allerdings bleibt „Blue suede shoes“ immer noch der beste Song auf der Platte. 90 Rubel.

Finnish Graffiti – Rautalankaa ja BeatMusiikkia 1961 – 1965
Der Name sagt’ s schon: Auch in Finnland war man vorm Beatfieber nicht geschützt. Wenn es in Deutschland schon zig unbekannte Beat-Garagenbands gab, die sich die Seele aus dem Leib shaken wollten, warum nicht auch in Finnland? 2 CDs voll mit hierzulande unbekannten wie unaussprechlichen Bands aus den frühen 60ern - da schlägt mir das Herz nicht nur beim Saunagang höher. CD eins kommt mit 16 Rautalankaa-Smashern daher, zu deutsch Stacheldraht. Hinter der in Finnland gängigen Bezeichnung für solcher Art Musik findet man dann 16 mehr gemächliche Surf/Beat-Instrumentals, die insgesamt recht melancholisch rüberkommen und manchmal auch gefährlich nach Ricky King-Gedudel klingen. CD 2 hat dann mehr um einiges Schmackes, da wird auch mal gesungen, und es finden sich so großartige verschollene 60ies-Beatperlen wie „Never gonna work“ von Ann Christine & the Islanders, „Ytterin twist“ oder das großartige „Do the Jenka“. Ähnlich wie in Deutschland hat man auch in Finnland oft einfach die Originalhits aus Amiland kurzerhand ins Finnische transformiert, und so wird dann aus „Pretty Woman“ ganz schnell mal „Kaunis Nainen“ und hinter „Nousevan Auringon Talo“ von Lasse Martensson & The Esquires (WER KENNT SIE NICHT!?) versteckt sich nichts anderes als „House of the rising sun“. Insgesamt eine großartige Zusammenstellung für den Schwof in der Mittsommernacht in Lappland.

Loputkin Loat - Kolhoosi
So kann man sich täuschen: Vom Cover her (s/w, ausgeschnittene Fotos, kaputtes Auto vor Scheunenruine) könnte das glatt als 80er Finnenkrachpunkplatte durchgehen, ähnlich wie Tervet Kädett oder Appendix, aber det is gar keen Punkrock, sondern eher so die 80er-Version von dem was man auf den Finnish-Graffiti-Samplern findet: Pena, Antti, Jari, Tommi und Ahti – 5 Kumpels aus Kemi in der finnischen Provinz und ihre Art von melodischem Gitarrenrock mit leicht schnulzigem Einschlag. (Oh Gott, das klingt ja scheiße, aber die Platte ist gar nicht so doof).
Mehr was für die Indie/Folk-Sauna als fürs grimmige Crustcore-Eisfischen jenseits vom Polarkreis, wobei ich mir gut vorstellen könnte, dass die live eine ganz schöne Granate waren. Sind. Keine Ahnung, was aus denen geworden ist, die Platte ist von 1989. Wer will kann ihnen ja mal schreiben: Loputkin Loat c/o Poste Restante, 94700 Kemi, Finnland

Iron 22 – Demo
Da steht man nach dem Konzert im Club in St. Petersburg, als ein tarnfarbenbejackter Typ auf dich zukommt, sich für das gute Konzert bedankt und seine Bewunderung für deutsche Metalbands wie Rage o. Running Wild kundtut. Dann drückt er dir ein schlichtes, handbeschriftetes Tape seiner Band in die Hand. Metal, klar, bisher ohne Sänger, aber mit ordentlich Soli und epischen Längen. Wißt ihr was, Jungs? Scheißt doch auf den Gesang, das kommt so viel sympathischer rüber. 


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