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Montag, 15. Januar 2024

Schön, wenn Bands noch Musik machen Pt. XIXIIIX


N.T.Ä.
Stories The Pave The Road To Hell


Jetzt ist es so, dass da draußen irgendwelche Bauern und ihre rechten Anhänger/Freunde/Kameraden/Genossen/Provokateure vor meiner Tür demonstrieren und ganz böse und sauer „auf die da oben sind“.
Und deshalb schreien sie Parolen, die teilweise so dermaßen unter der Gürtellinie sind, dass man sich auf einer Pegida-Demo wähnen könnte. So darf man Wut nicht kanalisieren.

Dann schon lieber auf die Art und Weise, wie es N.T.Ä. auf ihrem ersten Album „Stories The Pave The Road To Hell “ vormachen. Hier singt sich Frontfrau Nadine Nevermore die Seele aus dem Leib, als könnte sie alles Übel der Welt einfach wegschreien. Unterstützt wird sie dabei von ihren zwei Mitstreitern Tommy Crack und Axel Äxport. Das sind doch alleine schon mal echte Punk-Namen. Und so klingt auch die Musik dieses Trios. Direkt, raus, rotzig und nach vorne rausgeprügelt. Old School im wahrsten Sinne des Wortes. Eine sehr löbliche Form der Auflehnung und des Protestes. Auch in den Texten, die sich mit dem ganzen Scheiß da draußen von Armut über Drogen bis falschen Freunden auseinandersetzen. Verpackt in Hardcore-Punk-Sound der klassischen Art.



Das Album hätte auch gut in den frühen 90er Jahren das Licht der Welt erblicken können. Hat es aber nicht, sondern heute. Und auch im Hier und Jetzt passt das gut rein. Punk ist ja auch irgendwie zeitlos. Genauso wie die Proteste da draußen. Times are changing und bleiben doch irgendwie immer gleich. Da brauchen wir so einen Sound. Egal aus welchem Land er kommt, sogar aus Deutschland (Du alte Sau!).

Abel Gebhardt

N.T.Ä. - Stories The Pave The Road To Hell erscheint am 26.01.2024 als LP/CD auf Kidnap Music.

Sonntag, 13. August 2017

Schön, wenn (junge) Menschen Musik machen Pt. VI

Akne Kid Joe -haste nich gesehn! (7inch)

Gibt so Tage, da passt einfach alles. Und es gibt immer noch Bandnamen, da passt einfach alles. Ich spiele ja mit dem Gedanken, in ferner Zukunft den Leitfaden für die ultimative richtige Namensfindung für Punkbands (möglicher Titel: "Gary Flanells ultimate guide for the right choice of your personal punk bands name". Kurz und knackig halt.) herauszugeben. Da wird dann akribisch und wissenschaftlich die Formel erklärt, wie ein ordentlicher Punkbandname auszusehen hat, damit man die nächsten fünf Jahre im Sommer garantiert auf allen einschlägigen Open-Air-Festivals gebucht wird.



Einen ganz ordentlichen Ansatz haben in dieser Hinsicht AKNE KID JOE aus Nürnberg. Eine schöne Referenz an eine zu recht lange vergessene One-Hit-Wonder-Alternative-Schmockband aus den 90ern sichert schon mal erste Aufmerksamkeit. Der stirnrunzelnde Rezensent fragt sich allerdings direkt im Anschluß, ob dieser originelle Esprit auch auf die Musik transferiert werden kann. In dieser Hinsicht lohnt sich ein Blick auf das Label, das hinter diesem Release steht. Tante Guerilla hat's nämlich gemacht. Die sind ja sowas wie die Marke für deutschsprachigen Punk, der Klischees aus dem Weg gehen will, zuweilen aber doch einen Tacken zu ernst auf sich selbst schaut. Junge Männer mit abstrakten Tattoos und langen Bärten, die ihr Unwohlsein meist kryptisch in die Welt hinausschreien. Wo war da nochmal das Quentchen Dilettantismus, wo der erfrischende Spritzer Selbstironie?



Den haben AKNE KID JOE auf ihren fünf Tracks ihrer zitronengelben Platte ganz charmant dazugemischt. Für Tante Guerilla ein recht ungewöhnliche Veröffentlichung, denn AKJ klingen mit ihrem Billo-Keyboard, das sich da über die Lo-Fi-Gitarren legt, eher wie eine Garage-Punkband mit NDW-Einschlag. Perfektionismus ist hier nicht angesagt, dafür herrscht eine Spontaneität in Wort und Klang, den man bei vielen deutschsprachigen Bands vermisst. Texte, die kurz und knackig sind und sich - wie in "ein morgen ohne Deutschland" - irgendwo zwischen direkt-politisch, Dada und einer gesunden Deutschland-Aversion wiederfinden. So bierbäuchig-asozial wie diversen Deutschpunk-Neanderthalerbands aus der Frühzeit des Genres wird es aber zum Glück nie. Vielmehr zeigt sich hier schon der Einfluß, den PISSE in den letzten Jahren gelegt haben. An diese Urinals aus Hoyerswerda, HEIMATGLÜCK, KFC oder (sehr sehr raue) IDEAL erinnern AKNE KID JOE in ihren besten Momenten. Vielleicht nicht zu 100% in Sound, aber von der Idee, die dahintersteckt.
(F) wie Find ich abgrundtief dufte auf der 26-teiligen Renfield-Rezensions-Skala

Gary Flanell