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Montag, 24. Juni 2019

SubCult - Klänge jenseits des Hauptstroms 19.06.2019

In der letzten SubCult-Sendung vom 19.06.2019 hat Timbob Kegler mit Houssam Hamade über sein Buch "Sich prügeln" gesprochen.
Passend dazu - die Playlist der Sendung:

1. Boy Harsher – Pain

2. G.L.O.S.S. - Give violence a chance

3. The Sonics – Psycho

4. Stereo Total – Ich bin cool

5. The Thermals – Born to kill

6. Drug Church – Conflict minded

7. Jennie & The Slingers – Better off dead

8. Kid Congo & the pink monkey birds - Hills Of Pills

9. Big John Bates – All the devils


Freitag, 5. August 2016

Das Gute Leben: Weitersuchen Pt. IV

Der vorerst letzte Beitrag zu unserer kleinen Reihe Das Gute Leben. Abgeschlossen ist sie damit nicht, sondern wird in loser Reihe fortgeführt. Gastschreiber sind gern willkommen und können sich mit einer Textidee bzw. einem kleinen Exposé bei renfield-fanzine@hotmail.de vorstellen.

Der beste Klub der Welt
Meine früheste Erinnerung an den besten Klub der Welt ist quasi ein Bewerbungsgespräch. Ich wurde gefragt, warum ich in den Verein eintreten wolle. Dieser war gerade ein paar Wochen alt und ich saß mit zwei weiteren Aspiranten in der Abenddämmerung an einem alten Holztisch. Uns gegenüber saßen die (aus heutiger Sicht) ehrwürdigen Urahnen des Vereins. Ich sagte, ich wolle Feierkultur betreiben, die frei ist von den Zwängen von Markt und Profit.

Das hört sich etwas theoretisch an, war es damals wohl auch, weil ich gerade Marx entdeckte, aber das Ganze machte auch praktisch Sinn. Wir machten, worauf wir Lust hatten. Wir machten Veranstaltungen, weil wir sie gut fanden, und nicht weil wir glaubten, damit Geld verdienen zu können. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Bei meiner ersten Party saß jemand als kroatischer Bergschäfer verkleidet am Eingang und veranstaltete Peperoni-Esswettbewerbe. Innen stampfte der Humpta balkanesischer Musik, die Menge tobte und kreischte und wir warfen selig lachend Peperoni in das Gewühl und verspritzten Wodka wie Weihwasser, um die Geister zu befreien.

Unsere erste eigene Partyreihe hieß „Hanumans Töne“. Es lief Drum&Bass (allzu „gerader“ Techno ist bis heute verboten), und wir verteilten Masken von indischen Göttern, Totenkopfmasken und Affenmasken. Wir bliesen dabei Muschelhörner und schwenkten Weihrauch. Immer wieder kamen Leute zu mir und schwärmten, dass das die beste Party ihres Lebens sei.



Manchmal kamen wieder nur so wenige, dass die Party ein Flop wurde. Werbung verbieten wir uns. Auch unsere Regel, dass alles was eingenommen wird, nur an die Künstler oder wieder an den Verein geht, ist großartig und ätzend zugleich. Es muss nämlich Spaß machen. Tätigkeiten, die keinen Spaß machen, beispielsweise bis sechs Uhr morgens alleine an der Tür stehen, um keine Arschlöcher hineinzulassen, werden als Opfer empfunden. Man tut es, aber nur begrenzt. Üblicherweise würde dieses Opfer durch Verdienst ausgeglichen. So ist dann keiner keinem mehr etwas schuldig. Diesen Ausgleich gibt es bei uns nicht. Das ist schwierig. Dafür feiern wir aber die besten Parties der Welt.

Andere Klubs müssen sich nach irgendeinem Massengeschmack richten. Andere Klubs können es sich auch nicht leisten, „Gäste anschnauzen“ zu spielen. Ein Volkssport für uns: Wer sein Bier bestellt, indem er oder sie einen zerknüllten Geldschein auf die Theke wirft und „Bier“ blafft, dem wird der Geldschein ins Gesicht zurückgeschmissen mit den Worten: „Nur wenn Du Bitte sagst“. Alleine der erstaunt-indignierte Ausdruck auf dem Gesicht des unverschämten „Kunden“, der nicht versteht, dass er keiner ist, ist einige Opfer wert.

Ich habe immer wieder Phasen, in denen ich mich entferne und in die tiefe Klubwelt Berlins eintauche. Dort ist es auch schön. Aber auch wenn die Anlage bei uns ein wenig schlechter ist als die im Berghain oder im Kater, stelle ich doch fest, dass die bessere Musik, die schrägeren Veranstaltungen, die interessanteren Leute eher hier zu finden sind. Im besten Klub der Welt.

Houssam Hamade

Mittwoch, 3. Juni 2015

Renfield - The Rant

Kaum ist Renfield No. 30 erschienen, wollen wir allen, die kein Heft zur Hand haben, (wo es das Renfield gibt, ist auf der rechten Seite einsehbar. Man kann es natürlich auch direkt per Mail unter renfield-fanzine@hotmail.de ordern.) die Texte nach und nach online zur Verfügung stellen.

An dieser Stelle deshab ein Beitrag von Houssam Hamade in der fast ganz neuen Renfield-Mecker-Ecke - dem RENFIELD-RANT.

RENFIELD RANT No.II: WIR FLEISCHESSER SIND SCHWEINE!

Wer Fleisch isst, insbesondere Fleisch aus Massentierhaltung, hat einige Jahre Fegefeuer verdient. Ich gehöre zu diesen schlechten Menschen. Leider finde ich keine Argumente, die das Essen von Tieren auch nur annähernd rechtfertigen könnten. Die menschliche Natur?
Die menschliche Natur ist die, dass wir uns recht viel selbst aussuchen können, u.a. ob wir Tiere essen oder nicht. Zumindest dann, wenn ich in einem reichen Land leben, in dem es genügend Ersatz gibt. Falls ich doch merken sollte, dass ich durch fehlenden Fleischkonsum blutarm werde oder ähnliches, (was mir dann ungefähr so sehr schaden würde, wie die ganzen Giftstoffe, die in dem Lidl-Fleisch, das einzige, das ich mir regelmäßig leisten kann, enthalten ist), dann könnte ich immer noch einmal im Monat ein Steak essen.

Ein weiteres, schwachbrüstiges Argument für den Fleischkonsum ist, dass Tiere ja weniger intelligent seien als Menschen. Na und? Dafür rennen viele Tiere schneller als Menschen. Warum gerade die Intelligenz? Weil sie unsere Höherwertigkeit beweist? Sind dann manche Menschen mit Behinderungen oder alte Menschen oder Bildzeitungsleser auch nicht mehr lebenswert? Das wäre die Konsequenz dieser Logik! Das wollen wir aber aus guten Gründen nicht. Wieder andere rechtfertigen sich damit, dass Tiere anderer Spezies angehören. Was soll das aber bedeuten? Darf man dann auch Menschen töten, weil sie eine andere Haar- oder Hautfarbe haben? Warum soll der Fakt, dass etwas oder jemand anders ist, Qualen und Tötung rechtfertigen?

Ich vermute, aus lauter Erklärungsnotstand argumentieren wieder andere, dass Pflanzen genauso Gefühle hätten wie Tiere, und darum sei das Essen von Pflanzen genauso verwerflich. Selbst wenn das so wäre, wäre Tierkonsum immer noch schändlich, denn um ein Tier hochzuzüchten muss man viel mehr Pflanzen vernichten, als wenn man sie direkt essen würde.

Ganz abgesehen davon verwette ich meinen Hintern darauf, dass:
Mein Hund Goldmann (Abbildung 1) deutlich leidensfähiger ist (wegen ZNS und so…), als ein Ficus Benjamini (Abbildung 2).
Ich weiß, dass er leiden kann, genauso wie eigentlich alle Menschen, die schon einmal Kontakt mit Tieren hatten, wissen, wie leidensfähig diese sind. Wer Tier isst, vor allem aus Massentierhaltung, der sorgt dafür, dass Lebewesen (es könnte mein Goldi sein), von dem Moment an, wo sie atmen können, nach frischere Luft japsen müssen.


Wir kennen die Geschichten: Hühner werden in normalen Hühnerfabriken gestapelt, viele ersticken dabei, die anderen sind so rasend frustriert und gestresst, dass sie sich gegenseitig die Augen aushacken. Rinder müssen ihr Leben lang auf einer Stelle stehen, während für mich schon ein Vierstundenflug, bei dem ich mich nicht ordentlich bewegen kann, Qualen bedeutet. Das muss die Hölle sein, und ich würde jedem die Wange abbeißen, der versuchen würde, meinem Hund das auch nur einen Tag lang anzutun. Aber ich und ihr anderen Fleischesser, wir sind Hypokriten und Arschlöcher! Das ist die Wahrheit.

Vielleicht sage ich diese nur, weil ich mich dann ein klein wenig besser fühle, aber es ist trotzdem die Wahrheit. Üblicherweise regelt man solche Fragen für sich selbst, aber ich finde, sie ist hochpolitisch und sollte nicht alleine geklärt werden. Ständig sehe ich Leute, die vegan leben und dafür belächelt oder sogar verspottet werden, und das ist ein Witz. Für das Quälen und Töten von Tieren gibt es, außer in Ausnahmefällen, keine Begründung. Es ist hässlich und extrem verwerflich.

Houssam Hamade