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Montag, 29. August 2016

Happy birthday, asshole - GG Allin zum 60.

Heute wäre GG Allin - das gute alte, Scheiße werfende, Leute verprügelnde, auf die Bühne kackende, menschenverachtende und gewaltverherrlichende Texte schreibende, drogenfressende Rock'n'Roll-Ungeheuer 60 Jahre alt geworden.

WÄRE - wenn er sich nicht schon 1993 nach einem Gig in New York durch eine unbeabsichtigte Überdosis Heroin ins Jenseits geschossen hätte.
Als großer GG-Allin-Fan komme ich natürlich nicht umhin, zu diesem besonderen Datum aus dem umfangreichen Lebenswerk dieses vielseitigen Künstlers eine kleine Auswahl aus verschiedenen Phasen seines Schaffens zu empfehlen.
Denn wichtig ist: Auch wenn der Herr Allin oft wegen seines, sagen wir mal sehr exzentrischen, On- und Off stage-Gebahrens einem größeren Teil der Menschheit bekannt geworden ist, geht es bei ihm ja oft um Musik. GG Allin war kein Bildhauer, kein Filmschauspieler, kein Maler (in begrenztem Maße schon), sondern in der Hauptsache Musiker. Deshalb nun ein paar seiner Hits per Video-Link. MAZ ab!

GG Allin & The Jabbers - Don't talk to me: Da war er noch recht brav, der GG. Und seine Band, die Jabbers auch. Er singt so klar wie eine Lerche, der Song ist ein schmissiger Punkrock-Hit und wilder oder böser als andere Punkbands, die Ende der 70er den RAMONES, STOOGES, NEW YORK DOLLS und DEAD BOYS nacheiferten, war das alles auch nicht. Wohl einer der zugänglichsten GG-Songs und mittlerweile ein Klassiker in jeder Punkrock-Disco.


GG Allin & The Scumfucs - Assfuckin buttsuckin cuntlickin masturbation: Was viele nicht wissen: GG Allin verfügte über eine solide Schulbildung. Zumindest war er so in der Lage, beim nachfolgenden Track die verschiedenen Sexualpraktiken in die alphabetisch richtige Reihenfolge zu bringen. Damit hätte er, wäre das mit der Rock'n'Roll-Animal-Karriere nichts geworden, auch in einer der lokalen Bibliotheken seiner Heimat New Hampshire anfangen können. Erschienen ist ABC Masturbation auf GGs zweitem Album "Eat my Fuc", auf welchem seine Stimme schon etwas fertiger und keifender klingt, als das noch zu Jabbers-Zeiten der Fall war. Soundmäßig wurde hier schon die Vision des beschissenst klingenden Albums ever verfolgt. Tja, und textlich ging es auch schon um einiges wilder und exzessiver zu als früher, wie man auch ohne Anglistikstudium raushören kann.



GG Allin & Bulge - Suck my ass it smells:
Kommen wir zu einem Stück von einer der Platten, die GG Allin für eine seiner besten hielt. "Freaks, Fagoots, Drunks and Junks" war der Titel des fünften Allin-Albums, eingespielt in New Hampshire zusammen mit den Kumpels der lokalem Metal-Punk-Band PSYCHO, hier als BULGE gelistet. "Suck my ass it smells" ist deshalb unterhaltsam, weil es sich nicht normalen Punkrocksongstrukturen unterwirft. Strophe, Refrain, Bridge - wird hier alles ignoriert. Längenmäßig ist die Band fast schon in Grindcore-Gefilden unterwegs, durch die repetitive Darbietung bekommt der Song zudem auch einen eher No-Wave-mäßigen Touch. GG grunzt mittlerweile mehr als, dass er singt und vertieft sich auf "Freaks, Faggots..." immer weiter in sein eigenes Universum aus Krach und Schock- und Scheißetexten. Interessant ist, dass "Freaks, Fagoots, Drunks and Junks"-Songs wie "Outlaw Scumfuc", "Die When You Die" und "Cunt Sucking Cannibal" bis zum Ende seiner Karriere zu Allins festen Live-Repertoire gehörten.


Und weil's so schön ist: "Die when you die"


GG Allin & The Murder Junkies - Bite it you scum: Ich hatte mal eine Band, in der ich Bass gespielt habe. Wir spielten nur Coverversionen und waren soundmäßig ziemlich nah an dem dran, was ME FIRST & THE GIMME GIMMIES so machen. Das meiste in unsere Repertoire war nett und wir waren auch nett, meistens zumindest. Unsere Konzerte waren nicht gefährlich, nicht mal unserer Name war das. Die Band hieß schlicht und ergreifend KELLERBAND (und nein, selbst wenn jetzt jemand dazu im Netz suchen sollte, es gibt nur ein Livetape und das wurde nie digitalisiert) und von alten POLICE-Songs bis zu blöden Schlagern drehten wir alles durch einen netten NOFX-mäßigen Melodycorewolf. Das waren die 90er und es war meist so harmlos, wie es sich hier liest. Nur einmal im Liveset legte ich den Bass zur Seite und ging ans Mikro. Immer dann, wenn wir "Bite it you scum" von GG Allin spielten. Natürlich war ich dabei nie so wie GG Allin. Ich habe weder auf die Bühne gekackt, noch mit Scheiße geschmissen oder Zuschauern weh getan. Was ich getan habe war: Mir das Mikro in Allin-Manier vor die Stirn zu hämmern (was weh tat, in dem Augenblick aber auch seltsam klärend und konzentrationsfördernd war), bis ich dort oben eine Macke hatte. Während des Songs wälzte ich mich wild auf der Bühne rum, egal wie dreckig oder sauber die war. Vielelcht habe ich mich dabei auch mal komplett nackig gemacht, da weiß ich nicht mehr so genau. Es waren diese 3-4 Minuten, in denen mir alles scheißegal war. Das war auf eine gewisse Weise recht befreiend. Für immer - und das ist der Unterschied zu GG Allin - würde ich das allerdings nicht machen wollen. Vielleicht wollte ich damals ein bisschen sein wie GG Allin. Genau so gefährlich. Bedrohlich. Aber nur ein bisschen.


GG Allin & The Criminal Quartet - Son of evil: Man kann gegen GG Allin einiges sagen, zu seinen Stärken gehört eindeutig ein Händchen für gute Bandnamen. Wer seine Projekte MURDER JUNKIES, AIDS BRIGADE, CAROLINE SHITKICKERS oder TEXAS NAZIS nennt, der hat zwar einen recht rustikalen, aber doch vorhandenen Sinn für Humor. Mit dem CRIMINAL QUARTET spielte Allin eine recht ungewöhnliche Platte ein, zumindest für seine Verhältnisse. Carnival of Excess ist nämlich eine astreine White Trash-Country-Platte. Die Gitarre bleibt unverstärkt und siehe da, GG lässt seine Schwäche für Countymusik aufblitzen und kann wieder richtig singen. Kein übelgelauntes Gegrunze weit und breit, stattdessen geradezu fröhliche, wenn auch simple Songs zum Mitsingen und -Schunkeln, wie sie Hank Williams III nicht besser hinkriegen könnte. Dürfte auf einem alten ranzigen Radio in einem Wohnwagen im Trailerpark am besten klingen.


That's it. Was noch zu sagen wäre: Diese Auswahl von GG Allin-Songs ist bei weitem nicht repräsentativ. Andere Leute würden andere Hits wählen, aber diese hier sind vielleicht ganz gut geeignet, um dem interessierten Laien ein kurzen Einblick in das Universum des GG Allin zu geben.

Gary Flanell

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