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Sonntag, 26. April 2009

Renfield Reviews No. 16 (Part 1)

Oh, it is sunday again, how could this happen? Seems like time is flying and I wonder with which important things I spend the last week. Ok, you got it - I tried to get back on my feet. I was nozt suffering from Schweinegrippe but from cramped lungs, slime in my trachea and other strange reactiosn of my body due to allergic reaction with everything that starts to bloom in these lovely springtime in Berlin. i don't even dar to leave the house without dust-protection for nose, hair and mouth. SO if you hang around in Kreuzberg and see a guy with a gasmask running around confused at the Oranienstraße, trying to avoid the pollen that fly around... -don't ask. Just understand. And now enjoy reviews of Renfield No. 16 

The Say-Highs – The bark is the song of the dog

Diese Say-Highs haben Glück, denn sie erwischen mich mitten in meiner Jim-Croce-Phase. Jim Croce ist mir vor ein paar Monaten zum ersten Mal in der Bibliothek untergekommen. Irgendwie sieht er aus wie Frank Zappa. Wobei allerdings die Musik von Croce und Zappa ungefähr in dem Verhältnis zu einander stehen wie Reinhard Mey und Mr. Bungle. Die Jim-Croce-CD aus der Bibliothek musste ich leider nach 12 Wochen, mehrmaliger Verlängerung und hartnäckiger Ignoranz diverser Mahnbriefchen wieder zurückbringen. Gebrannt hab ich sie mir auch nicht. Das war sie wiederum auch nicht wert. Außerdem, so dachte ich mir – man sieht sich immer zweimal im Leben und irgendwann wird mir in Berlin bestimmt eine billige Jim-Croce-CD in die Finger kommen. Was auch passiert ist und zwar früher als gedacht. Bei einem von den langweiligen Plattenhändlern auf dem Flohmarkt am Boxhagener Platz hab ich einige Monate später eine billige Jim-Croce-Platte aus der Songwriter-Grabbelkiste erstanden. Vielleicht nicht gerade DAS essentiell wichtige Werk von Jim Croce, aber zumindest eine Zusammenstellung seiner besten Liebeslieder – ein Mann eine Gitarre und jede Menge duselige, aber sehr schöne Texte – „I wish i had time in a bottle“ oder „I have to say i love you in a song“. Großartig, einfach großartig, das. Meine Jim-Croce-Phase ist noch nicht vorbei und es ist auch nicht absehbar, dass sie in bälde mal zu ende geht. Relativ häufig landet Jim und seine Gitarre in den letzten Monaten auf meinem Plattenspieler – wobei sie meine wertvolle Zeit im Augenblick allerdings mit der Say-Highs-CD teilen müssen. Bin gerade sehr für so was zu haben. Für so relaxten melodischen Akustik-Gitarren-Alternative-Country-Pop von vier Anfangdreißigern aus Berlin (zugezogen, natürlich), die sich schon anderweitig musikalisch ausgetobt haben und jetzt mal etwas ruhiger daher kommen. „Days of blue“ –der erste Song könnte auch von Olli Schulz sein, würde der englisch singen. Und um noch mal auf Jim Croce zu kommen –der hatte seine „große“ Zeit wohl in den 70ern. Als Plattencover noch in ruhigen Brauntönen veröffentlicht wurden. Als man auch den Soundtrack zu Grizzly Adams noch mochte und deine Eltern sich zu den Platten von John Henry Deutschendorf im Wohnzimmer geküsst haben. Da würden die Say-Highs auch prima hinpassen. Das mag zum einen die Ungnade der späten Geburt sein, andererseits auch eine Gnade, diese Band jetzt und hier kriegen zu können. (auf Staatsakt – dem vielseitigen Label deines Vertrauens aus Berlin)

Chipodil – Nadârveni Bâglischta
Die vier Jungs hier sind lustig, obwohl ich ihre Witze nicht verstehe. Das liegt allerdings nicht daran, daß sie zu intellektuell sind oder ich zu doof sondern, daß hier Bulgarisch gesungen wird. Andererseits, um den Sinn von „[häßlich gesungen] Arrivederci – [Dumm-Riff reingenudelt] – Arrivederci – [Dumm-Riff wiederholt]“ zu verstehen, braucht auch ihr keinen Italienisch-Kurs. Genau das findet sich neben Ska-Songs mit „Lalala“ als Text und der High-Noon-Melodie von einer Panflöte eingeblasen. Bulgarien ist nicht so die Punk-Hochburg. Ganze 20 Bands sollen laut einem Insider dort existieren. Das macht bei einer Gesamtbevölkerung von 8 Millionen einen Punk-MusikerInnen-Quotienten von, sagen wir, 0,1 Prozent. Da kriegen ja die österreichischen Kommunisten bei Nationalratswahlen mehr! Anders ausgedrückt haben wir es hier mit 1 Promille zu tun, aber ich erspar euch einen Witz nach dem Motto: Punk unter 5 Promille ... oder so. Man kann sich auch ohne Alkohol langweilen!! Und Frau auch. Jedenfalls wird die kulturelle Hegemonie von Hardrock und Metal (wenn wir mal das teuflische Folk-Pop-Zeug weglassen) im EU-Beitrittsland auch bei Chipodil deutlich: Power-Ballads und Thrash-Riffs, die von einer Müllhalde aus den 80ern stammen, werden hier zu Songs hochstilisiert. Aber es kommt ja nicht auf den Inhalt sondern auf die Attitüde an. Diese Platte muß Punk sein, so dilletantisch und pathosfrei, wie das daherkommt. Und dazu gibt’s noch einen bulgarischen „parental advisory“-Sticker. Das versteh sogar ich. (Riva Sound Records) Maddiin


Genepool – Everything goes in circles
Szenekundigen Alleswissern wird diese Platte schon seit ihrem Erscheinen alles gesagt haben –allen anderen sei erklärt, dass sich hier der Smokeblow-Sänger mit ein paar Kumpels aus dem Umfeld des Noisolution-Labels ausgetobt hat. Wenn die mal anfangen zu toben kommt etwas raus, was irgendwie verdächtig gut nach den Misfits klingt, aber nach den, na ja, guten Misfits – es gibt eine angenehm unscheinbares Artwork – ohne den ganzen kitschigen Comic-Horror-gruselkack, für den die Misfits heute stehen. Jan, meinen Quasi-Mitbewohner, hat es an Type O’Negative erinnert und auch das kann man so stehen lassen, wenn man auch erwähnen muss, dass Genepool bei weitem nicht so schwerfällig wie T-O-N daherkommen, sondern  sich halt eher an frühen „dunklen“ PunkBands wie den Misfits, Damned, Cramps orientieren. Doch, kann ne ganze Menge – mal sehen, ob von denen noch mehr kommt. (Nois-o-lution, www.genepool-music.net)

Mando Diao – Bring ’Em In
Warum ich mir diese Platte gekauft habe, ist mir selbst ein Rätsel, aber in der Sonderangebotsabteilung des Musiksupermarktes hat sie mich angebettelt wie ein obdachloses Kind, bis ich die paar Euro rausgerückt hab. Ja, und da war noch dieses eine Lied mal auf einem OX-Sampler, „Sheepdog“, verdammt gutes Riff! Also, aus Schweden kommen sie, dem Land der Pornos und Sozialstandards, aus irgendeiner Industrie-Stadt, die angeblich noch immer so häßlich ist wie Manchester in den 60ern. Und das muß wohl auch die Erklärung sein, warum sie Brit-Pop spielen. Ich hab ja beim Hören von Brit-Pop-Bands immer auch die Beatles im Ohr. Darüber sind wir anscheinend noch immer nicht hinweggekommen. Wir würdet ihr eigentlich heute die Frage „Beatles oder Rolling Stones?“ beantworten? Na? Zwischendurch geht’s dann auch mal bluesig zur Sache, mal winkt Lou Reed über den Kanal, ein bißchen Lalala darf auch nicht fehlen und fertig ist der Smasher. Diese Jungs, die ausschauen wie meine kleine Schwester, können zumindest eines: so klingen wie die unveröffentlichten Outtakes von mindestens fünf 60s-Bands. Also, wenn Euch mal die altbekannten Platten zu langweilig werden ... (Maddiin)

Nuclear Skull – (Zine?)
2,5 kopierte und zusammengelegte DIN-A-3-Seiten, die über eine Band namens Nuclear Skull informieren, die irgendwo in Florida ihr Unwesen treibt. Den größten Teil an dieser Informationsbroschüre machen Hinweise auf diverse Nuclearskull-Veröffentlichungen, -Shirts, - und Blogs aus. Ein paar lustige Ratschläge zum alltäglichen Leben gibt’s auch –z.B. wie man Scheiße mit einer Plastiktüte einsammelt, eine kleine Videospielecke und ein paar Kolumnen über das Leben in Florida. Bin mir nur nicht schlüssig, was das sein soll. Fanzine im Urzustand? Werbung? Irgendwas? (contact:nuclearskull.com, 1101 98th st #6, Bay Harbour, Fl.33154, USA)

Adult Noise – Demo
Kurze CD, da kann man dann auch nicht viel zu schreiben. Oder doch? Na ja, mal sehen. Also Adult Noise kommen aus München und scheinen schon länger als Mucker unterwegs zu sein. Das hört man irgendwie auch den 4 Songs vom Demo an. Die insgesamt auf geschätzte 7 – 8 Minuten kommen. „Far away“ verabschiedet sich nach nicht mal einer Minute, der Rest liegt zwischen einer und drei Minuten, macht also insgesamt 4 kurze knackige Hardcoreperlen, die einem in kurzer folge ins Knie geschossen werden, alle angenehm klischeefrei, gut produziert und auch das einzige Cover „Leadsong“ von Negative Approach ist so nicht häufig zu finden. Da das ja schnell mehrmals durchgehört ist, laß ich mich auch fix zu einem Urteil herab: Vielleicht liegt es an der räumlichen Nachbarschaft, aber dieses Demo erinnert mich an gute, alte HC-Bands aus Österreich wie z.B. Target of Demand oder auch – natürlich – die Bands, die wiederum diese beeinflusst haben, z.B., Black Flag oder die Circle Jerks. Nur zwei Sachen irritieren mich: 1. der im Info erwähnte Zusammenprall von Death – und Jazzgitarre findet irgendwie nicht statt, jedenfalls nicht auf diesem Demo oder in meinem Hörerlebnis – aber vielleicht live? We will see. Ich find jedenfalls, das sind 4 astreine Früh80er-HC-Songs, nicht mehr und nicht weniger und 2. demnächst beim Demo rausbringen bitte ein paar mehr Songs – oder seid ihr für so was schon zu erwachsen? Glaub ich ja nicht. (www.adultnoise.de)


Report Suspicious Activities – same
Waaaahnsinn!! Eine Platte aus einer Ecke, von der ich nie und nimmer gedacht hätte, dass da noch mal was kommt. Was sich hinter dem zugegeben etwas sperrigen Namen verbirgt, ist nichts weniger als ein neues Werk von Mr. „Articles-of-Faith-Alloy-Jones-Very“ Vic Bondi. Mussten die Zeiten in den USA erst so düster werden, dass der Herr sich seine Freunde J. Robbins und D. Zentek geschnappt hat und seine Wut mal wieder rausschreit? Zum Glück ist aber dann doch fast alles anders als bei den o.g. Bands geworden, es würde auch nicht passen, wenn Vic Bondi eine schlappe AoF-Kopie hinlegen würde, dazu ist er meiner Meinung zu gewitzt und musikalisch zu erfahren, um das zu wiederholen, was er in 20 Jahren HC-Geschichte ausprobiert hat. RSA ist überraschend vielseitig geworden, da gibt es schwere, fast moshige Gitarren-Noisewalzen wie „Hardball“ oder „Night of the 1000 lies“, bei denen Käptn Bondi einfach rausbrüllt, was ihn ankotzt (und das ist nicht wenig), herrlich bissige Texte ("Revenge") und andererseits finden sich auch so fast Alloy-mäßige melodischere Gitarrenleckerlis mit dem etwas melancholischen ruhigeren Vic-Bondi-Gesang. Ist halt typisch, was der Mann macht, allein die Stimme kann wohl unter 10000 HC-Mandrillen raushören, egal ob gebrüllt oder gesungen. Am Ende nicht zu vergessen – und da ist wirklich neu- diese kleinen experimentellen Fragmente, bei denen ich gedacht habe, sie wären das Intro zum einen oder anderen Song. Wäre Respekt eine Torte, würde ich glatt eine mit viel Sahne nach Brooklyn rüberschicken. Der Beweis, dass HC auch im Jahr 2006 nicht blöd, stumpf oder klischeebeladen sein muss. (auf Alternative Tentacles)

From Punk to Ska – Vol.3
Hätte ja nicht gedacht, daß es noch soviele Bands gibt, die immer noch dieses Ska-Punk-Wechsel-dich-Spielchen machen. Dachte, die große Phase wäre so in den 90ern gewesen. Aber wie es aussieht gib es immer noch genug Bands auf dem ganzen Erdball, die Trompeten, Hoppelbeat und Gitarrenschrammel mischen, um damit gleich zwei CDs voll machen zu können. Nun ja, bei insgesamt 53 Bands (davon 8 mit ganz schrecklichem Ska-Wortspiel im Namen), die hier antreten, ist natürlich ne Menge Licht aber auch viel Schatten zu finden (beides zusammen aber nett skariert angeordnet). Das jetzt im Einzelnen auseinanderzufriemeln würde hier wahrscheinlich drei Seiten füllen, wäre machbar, aber will ich das? Hmm, nee eigentlich nicht. Neben den –zig unbekannteren Skabiturienten (wohlgemerkt wird hier eigentlich nur melodischer, gut abgemischter Punkrock mit Uptempo-Ska verbunden, eine frickelige Jazzcore-Ska-Combo ist ebenso wenig dabei wie eine grummelige Doommetal-Skaband, falls es das überhaupt gibt) tauchen auch ein paar Namen auf, die zumindest hierzulande schon lange keine Unbekannten sind– z.B. Frau Doktor (mit nem alten Dead-Kennedys-Cover), Jan feat. UDSSR, The Busters, Distemper, Scrapy oder Cut my Skin, Skatoons, Benuts. So richtige Vollmeisen sind glücklicherweise nicht dabei, (na ja, vielleicht hätten Nicotine nicht gerade „Paint it black“ covern sollen – das ist echt ziemlich platt), das ist alles gut durchzuhören, gefällig, allerdings auch wenig verstörend und demjenigen wärmstens zu empfehlen, der mal wieder ein paar neue Bands im wechselvollen Spiel von Hoppelbeat und Schrammelgitarre kennen lernen möchte. Eins hab ich zumindest schon beim ersten Hören gemerkt – diese CD bringt einem doch tatsächlich die nötige Energie um mal ein paar Aktivitäten des täglichen Lebens mit guter Laune zu erledigen. Ist ja schon mal was. (Wolverine Records)

Punkrock!-Fanzine
Herr Metulski vom Punkrock!-Fanzine mag Sceptic Jazz nicht. Er findet unsere Musik total scheiße, aber dazu später mehr. Erst mal zum Punkrock-Fanzine an sich. DIN A5, Hochglanz durch und durch und ein selten einfallsloser Name. Der ist definitiv nicht Punkrock. Davon ab findet man drinnen Interviews, Reviews, Konzertberichte und WERBUNG zu allem, was, - na was wohl? – Punkrock ist. Und zwar Punkrock in dem Sinne, wie er dem gängigen Klischee entspricht. Ob’s das Interview mit dem Zeichner David Glass ist, das mit Peter Pank, der (gute)Tourbericht der Pestpocken, das Feature der BILANZ, das Inti mit den Sainte Catherines – alles Punkrock. Das ist alles gut und schön geschrieben, aber erwartet bloß keine Überraschungen in dem Heft. Es gibt „nur“ Punkrock, den auch nur vom musikalischen Teil her, das zwar gut, aber keinerlei Blicke über den Tellerrand. Und das ist irgendwie öde. Nennen wir es mal ein gutes Szeneheft, wobei mir das etwas zu unpersönlich daherkommt, vielleicht soll es mal so was wie so ein kleines Ox werden, es sei den Jungs zu wünschen, aber vielleicht berücksichtigen sie demnächst mehr, das Punk „more than music“ ist. Mehr Chaos, mehr wirre Ideen, mehr Persönliches, weniger Erwartungen-von-Subkulturellen-Werbekunden-erfüllen. Und bezogen auf den SexPistols-Da-Da-Artikel: Etwas mehr DaDa würde dem Heft, das seinen Auftrag im Namen trägt, bestimmt gut zu Gesicht stehen.
So, jetzt aber mal zu Herrn Matulski. Darauf freu ich mich schon die ganze Zeit wie Bud Spencer auf den dritten Teller Bohnen mit Speck. Lieber Matulski, mal davon abgesehen, dass dir die Sceptic Jazz-Musik so rein gar nichts gibt, möchte ich mal wissen, ob das Absicht oder reine Blödheit ist, den Namen RENFIELD gleich zweimal in kürzester Folge falsch zu schreiben. Oder Ignoranz? Ich weiß es nicht. Auch dass du bei uns obskure Jazz- und psychedelischen Einflüsse hörst, schreib ich eher mal einem etwas beschränkten Musikhorizont zu, für den alles, was nur knapp jenseits von Streetpunk/Oi liegt, eh schon Hippiescheiß ist und in die Mülltonne gehört. Oder liegt’s an diversen Bohnen, die dir im Ohr stecken?! Könnte natürlich sein, dass wir jetzt als nölige Hippieband hingestellt werden, die bei jeder schlechten Kritik sofort anfängt zu heulen, aber das ist mir egal, weil’s nicht so ist. Es sickt mich eher an, wenn in einer Kritik totaler Quatsch reinkommt, die so klingt, als hätte sich derjenige die CD nicht mal angehört.
(Contact: Punkrock! Postfach 100523, 68005 Mannheim, www.punkrock-fanzine.de)

This is not your Soundtrack for violence – Sampler
Huh, ertappt! Da steh ich am helllichten Tag headbangend in meiner Bude, das hatte ich schon lang nicht mehr. Und wozu? Zu diesem HipHop-X-OverMonster von meinen Steve-Austin-Schatzis mit Phreaky Flav, der sich neben 2 anderen Perlen der Jungs auf diesem Sampler befindet. Ich und sorgenfrei abmoshen, lange her so was. Aus dem Hause Horror Business hatte ich insgesamt lang nichts gehört und jetzt dieser Ballersampler. Waren trotzdem die ganze Zeit sehr wohl aktiv und umtriebig, der Herr Zolda und seine Kumpels. Fleißig wurden in Lünen und Umgebung Konzerte organisiert, immer neue Bands aus der Region und dem Ausland eingeladen und wenn man das so kontinuierlich treibt, ist das wohl wie Blumen gießen auf dem Balkon. Na gut, treiben wir das Bild mal weiter aus. Bei sorgfältiger Pflege kann man dann auch einen bunten Strauß neuer Songs präsentieren und in diesem Fall ist es eine ziemliche Granate von Sampler. Die früheren Horror Business-Sampler waren immer ziemlich gemischt, da tummelten sich dann irgendwelche NOFX-Klone neben 2tklassigen Skapunkbands und diversen HC-Bands. Das hier ist anders, in sich geschlossener, fast alle Bands fahren einen sehr geilen, harten Sound und treffen sich damit irgendwo in der Schnittmenge zwischen Old SchoolHardcore, PowerViolence, Youth-CrewGeballer, Metalcore und altem AmiPunk. Macht Spaß, weil das Teil mehr geballte Wucht rüberbringt wie’n Bund Rüben im Arsch. Steve Austin sind gewohnt so gut wie panne, allein für das Intro beim letzten Song müsstet ihr nen Orden kriegen. Als alte Bekannte findet man noch Woof, Common Enemy, Yacöpsae, Jason, Not Enough sowie die verblichenen Krombacher Kellerkinder. Gibt aber noch ne Menge neuer guter Bands unter den 26 Anwesenden, da am Ostzipfel des Ruhrpotts und wer davon nen sehr guten Überblick mit einem sehr hübschen Artwork (als LP wärs DER Hammer) haben will, besorge sich diesen Sampler. (Horror Business Rec., Dortmunder Str. 93, 44536 Lünen, www.horrobiz.de)

Strike Anywhere – Dead FM
4 Bier später. „Hey Fredda,“ sag ich mit leicht faustischem Grinsen „Wie hältst du’s mit dem neuen Strike Anywhere –Album?“ Fredda lümmelt sich selten elegant, die Krallen in meinen Teppich streckend, „Tja, weißt du“, schnuurt sie und putzt im gleichen Augenblick ihre 4 Beine, die dabei so aussehen, als wären es mindestens sieben, „Eigentlich ist es ganz einfach. Die Jungs hatten diesmal einfach mehr Zeit zum Songschreiben. Wäre mir ja gar nicht aufgefallen, dass schon wieder 3 Jahre ins Land gegangen sind seit der letzten Platte. Haben sich recht lang Zeit gelassen – gerade im Vergleich zum vorigen Album, für das gerade mal drei Monate gebraucht wurden - und wenn man’s glauben kann, hat sich das gut auf die Produktion von Dead FM ausgewirkt. Nun ja, so was kann ich mit meinen putzigen Öhrchen ja immer schlecht beurteilen, allerdings klingen sie im Jahr 2006 immer noch ähnlich wie 3 Jahre vorher.“ Freddas Augen fixieren eine Stelle an der Decke „Na Alter, so wahr wie sie mich vor 2 Jahren kastriert haben, sag ich dir, dass es immer noch guter melodische HC-Punk ist, was erwartest du denn? Daß sie auf einmal Freejazz machen? Oder Krautrock? Kennst du eigentlich den Sänger?“ „Diesen Thomas mit den Dreads? Als die vor 4 Jahren im Monheimer Sojus gespielt haben, hatte der jedenfalls noch Dreads. War ein gutes Interview damals“ Das fünfte Bier geht an den Start, Fredda kratzt mit dem linken Vorderfuß eine Fluse aus den Schnurrhaaren rechts oben „Genau der, der hat zum Glück diese recht markante Stimme, da haben sie echt einen Guten gefunden, ist zwar auch nur Katzengesang, wie bei dem ganzen Punkkram, und außerdem – oh Tschuldigung-“ Fredda gähnt, ein ganzes Batallion erstklassiger Fangzähne zeigt sich „…sieht es so aus, als mischen seine Kollegen jetzt auch bei den Chören intensiver mit, da klingen sie schon fast besser als die letzte Bad Religion-Platte. Sag mal, wie spät isses denn? Schon Acht? Krieg nämlich langsam Hunger.“ (auf Fat Wreck)

Magyar Posse –Random Avenger
Wer sich diese Platte kauft, braucht einen langen Atem oder viel Zeit, denn bei einer Titeldauer von 4 bis 12 Minuten brennt schon mal das Schnitzel an. Aber bald sind ja wieder Ferien und Seminararbeiten schreibt frau doch sowieso erst zwei Wochen vor Abgabe. Das vorliegende Kompendium ist das dritte dieser Band. Die mittlerweile 7 Köpfe haben ihren Kompositionsstil kompakter gemacht und sind abgekommen von der stets eingeraucht wirkenden Stimmung der Vorgänger. Stattdessen gibt es „more rhythm and hooks“, wie sie selbst sagen, was aber nicht heißt, daß sie in den Kommerz abschwenken, denn – es wird gleichzeitig auch psychedelischer. In den Filmen, zu denen sie hier die Soundtracks geschrieben haben wollen, möchte ich nicht unbedingt landen. Da quietscht und hämmert und rasselt es in guter alter Post-Rock-Manier nur mit ein bißchen weniger Schwere als bei Godspeed zum Beispiel. Und obwohl die Effektgeräte hier viel zu tun haben, muß man sagen: es gibt auch ganz ungeschminkten finnischen Rock. (Auf welche Band könnte hier wohl angespielt worden sein?) Kaufen! (Verdura Rec., www.verdurarecords.com) Maddiin

Thee Exit Wounds – Bad Day
Huhn oder Ei? Thee Exit Wounds oder Up to Vegas? Wer war zuerst da? Falls dieser Demented-Are-Go-Ableger aus London mal auf die Idee kommen sollte, mit UTV ne Splitplatte zu machen, sollte man am besten ganz dick auf die Platte schreiben, wer sich auf welcher Seite befindet, denn sonst könnte man denken, dass es sich um ein und dieselbe Band handelt. Nicht dass Up to Vegas die Erfinder dieser Psychobilly-Punkrock’n’Roll-Mischung wären, aber die Ähnlichkeiten zwischen beiden Bands sind verblüffend. Zum einen der gleiche rumpelige Stehbass-Punksound, mit ordentlich Rock’n’Rollelementen vermischt, dann haben beide ein Dead-Kennedys-Cover ("Police Truck" bei TEW, schon schön gemacht) am Start und auch auf den Fotos sehen die alle gleich aus. Ok, zur Unterscheidung: TEW-Sänger Johnny X steht das DK-Cover besser zu Gesicht, denn er klingt wirklich etwas wie Jello Biafra, allerdings – wichtig – er klingt nur so, textlich ist das natürlich ne ganz andere Baustelle – denn wenn schon Psychobilly, dann müssen natürlich die üblichen Klischees bedient werden (das allerdings sehr souverän)– Monster, Psychos (eh klar) und der ganze wilde fiese Lifestyle von Rauschgift, Drogen, Alkohol, den man als ex-Demented-are-go-Mitglied eh von der Creepers-Sohle bis zur Flatspitze auswendig kennt. Aber Thee Exit Wounds machen ihr Ding eigentlich sehr gut, bis auf das grässliche Artwork ist es ne schicke Platte geworden und alle dürften zufrieden sein – den Besenbirnen wird’s allein wegen dem Klackerbass gefallen, die Punkrocker könnten auch ihren Spaß haben und wer sich als Außenstehender mal auf ein teures Psychofestival verirrt, muss mir unbedingt hinterher erzählen, wie die so live sind. (auf Wolverine Records)

Glacier – A sunny place for shady people
Als Gletscher hat man es heutzutage nicht mehr leicht. Erderwärmung und andauernde Tauwetterperioden setzen einem derbe zu und wo man früher noch bequem seine Eisdecke in den Berg stecken konnte, schwitzt man sich jetzt klein und kleiner. Alles was bleibt, ist Schutt. Und die Erkenntnis, daß man langsam verschwinden wird. Da helfen auch keine Schneekanonen oder gut gemeinte Alufolien gegen die Sonne. Wären die Zeiten besser, könnte man wenigstens die eklig gutgelaunten Snowboardfahrer in einer spontanen Gletscherspalte verschwinden lassen. Aber selbst dazu fehlt die Kraft. Gut, daß es Richard McPhails Band Glacier gibt. Deren fragendes „Houston, does anybody care?“ könnte zumindest etwas die alpine Depression lindern und auch die anderen 13 Songs dieser wunderbaren Dreifach-LP (eine Seite wurde einfach mal nicht bespielt, den Luxus gönnt man sich) sind wunderbar-schwermütige Popsongs. Gefragt wird von der Band um den Mann, der auch bei Tocotronic seine Finger im Spiel hat, insgesamt viel und wenn, dann zwar schlicht, aber effektiv: „Does anyboy out there? Up there above? feel the same?“ , „Who’s in charge?“, “how many lives have you sold?“ oder “Can you tell me something?” Nur die Antworten sind nicht so einfach zu finden - auf dem Gletscher hört dich nun mal keiner fragen. Einsamkeit, Verlassenheit, Isolation - selten passten Musik, Titel, Stimmung einer Platte in letzter Zeit besser zusammen. Keine Gute-Laune-Platte, sondern eher was für die Tage, an denen man sich selber fühlt wie eine nebelverhangene Geröllhalde und die Gedanken vorüberziehen wie die einsame Seilbahn auf dem Cover. Fazit: A shady record for shady people, die auf Nick Drake, New Order oder vielleicht auch Pink Floyd stehen und Gipfelhütten mit Après-Ski-Parties eh immer weitläufig meiden. (www.staatsakt.de) 

Regensburg von Unten – Sampler
Von der Stadt weiß ich gar nix, da kann ich nur mit Halbwissen glänzen. Gibt's da nicht nen Dom? War der Papst nicht neulich zu Besuch? Existieen dort auch wilde Punkbands? Zum Glück gibt es in Regensburg das Punk is dad-Zine, das zumindest der wichtigsten Frage Abhilfe schaffen kann und dessen letzter Ausgabe diese CD beilag, damit man auch mal nen Überblick darüber bekommt, was sich an Punkrock da unten so tummelt. Das breite Angebot an unterschiedlichen Bands macht einen sympathischen ersten Eindruck, 24 Songs sind drauf, und es zeigt sich, daß es in Regensburg nicht nur eine Art von Punk/HC gibt, die dominiert. Neben Deutschpunkbands mit seltsamen Namen (Zwei Tage ohne: Schnupftabak; Piss in Flasche Bier o. Spielzeugbier), findet man Static 84 oder La Par Force (Indierock) oder To Die For die Band von Punk is dad-Zinemacher Tobias. Im Punk is dad-Zine gibt’s ne Playlist mit netten Linernotes zu jeder Band. Mal ist es melodisch, mal knüppelig und insgesamt sehr eine sehr sympathische Zusammenstellung. Egal ob mit oder ohne Dom.

Sondaschule – Klasse 1a
Könnten sich auch Die Lümmel von der letzten SkaPunk nennen. Oder das kiffende Klassenzimmer. Natürlich muss bei dem Namen eine randalierende Schulklasse aufs Cover. Live ist die Schule ein ziemliche Wucht (besonders für jüngere Punker und Punketten) und auf Platte? Auch da bleibt es gut gemachter Skapunk der gefühlten dritten Spaß-Generation, mit deftigen White-Trash-Trinkhallen-Lyrics versehen, wie sie nur im Ruhrpott an der Ecke wachsen können. Ob Inliner gedisst werden, Menstruationsprobleme erläutert werden („Aus meiner Freundin hängt ein Faden“), diverse Male das Hochlied auf den Konsum von Hasch und Shit angestimmt wird, oder Costa Cannabis einfach übers Ficken singt – geht alles. Vielleicht liegt’s am Ruhrwasser – obwohl die bestimmt sogar zum Zähneputzen ne Pulle Moritz Fiege nehmen – oder der geografischen Nähe, daß die Sondaschule in einer Reihe mit den Kassierern, Lokalmatadoren und der musikalischen zu o Frau Doktor sitzen. Und zwar in der letzten. Da, wo es auf Klassenfahrt immer am lustigsten war. (Knock-Out Rec.)

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