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Donnerstag, 30. Juli 2026

Das große Unbehagen


JAKOB DOBERS - Signale

Senden, Empfangen, Verbindungen herstellen – dieser Prozess schimmert wie ein Leitfaden durch Jakob Dobers' neues Album „Signale“, das im April auf Staatsakt erschienen ist. Gar nicht so einfach, sich in einer durchdigitalisierten, von falschen und halbgaren Behauptungen zugestellten Welt auf den eigenen Kern zu besinnen, sich zugehörig zu fühlen zwischen all den Sendenden und ihren Botschaften.

Die Lyrics des Berliner Songwriters sind am Puls der Gegenwart, dabei reflexiv und eindringlich in ihrer situativen Bildhaftigkeit. Durchzogen von einer prä-apokalyptischen Melancholie, eher abgeklärt als verzweifelt, mit einem Rest von Hoffnung, die ein Blick in den Himmel verspricht.

Trotz gehaltvoller Textkost gehen Dobers' präzise arrangierten, atmosphärisch gekonnt verdichteten Indie-Folk-Popsongs leicht ins Ohr und laden zum Mitwippen ein. Die Musik wird zur tröstlichen Umarmung – zum Beispiel im Song „Die Nachricht“, wo er mit angerauhter Stimme singt: „Und dann kam die Nachricht, aber nicht mit der Post, an alle Bewohner: Ich glaub wir sind lost und wir sahen uns an und dann in die Gegend, verzogen die Münder, ein bisschen verlegen, denn es gab ja noch Film, es gab gutes Eis, die Winter waren seltsam und die Sommer schön heiß, wir dachten, es geht noch eine Weile so weiter, hier auf den oberen Sprossen der Leiter“.


Die Gewissheit um die Privilegien der eigenen Bubble bietet keinen Schutz gegen übermächtige existenzielle Bedrohungen, die für alle spürbar sind in klimatischen Extremen. Wie in einer Rückschau auf die verlorene Gegenwart, ohne Handlungsoptionen, ohne positive Zukunftsvisionen in einer aus den Fugen geratenenen Welt, heißt es weiter: „Und Dinge geschahen und wir konnten nur zusehen und eigentlich hatte sie niemand gewollt … überall Zeichen und überall Seher und Überblickhaber und Allesversteher, Beschreibung stand gleichwertig neben dem Wahn und viele verstummten, fingen gar nicht erst an...". Verdrängung, Eis und Filme helfen da nur temporär: "es fiel immer schwerer, die Angst zu verbergen, auch wenn man dachte, dass man gar keine hat“.

Es ist bemerkenswert, wie Jakob Dobers das große Unbehagen, was viele kennen und teilen, sich angesichts multipler Krisen im Welttheater zum Zuschauen oder Aushalten verurteilt zu fühlen, erzählerisch verdichtet. Es lässt sich intensiv nachempfinden in seinen Songs. Die unerwartete Schönheit des Lebens geht dabei dennoch nie ganz verloren: „aber manchmal reißt etwas dein Herz auf wie ein italienisches Lied“. Auch das ist irgendwie tröstlich.

Das Album Singale von Jakob Dobers ist auf Staatsakt erschienen.


Nächste Live-Shows von Jakob Dobers:

7.8. Dorfkirche Schönwalde, Schönwald im Spreewald, 20 Uhr

9.8. Fit Tankstelle Berlin, Reformbühne Heim & Welt, Berlin, 20 Uhr https://jakobdobersmusic.com/shows https://staatsakt.de/portfolio/jakob-dobers/

Lutz Steinbrück

Donnerstag, 4. Dezember 2025

Schön, wenn die Front dubbt Pt.MIX


FRONT - ALBUM

Front...? Da war doch was... Zumindest Verwechslungsgefahr war da, denn es gab/gibt im Kontext von (Post-)Punk gleich zwei Bands, die so heißen. Zumindest in Deutschland, Discogs liefert darüber hinaus noch ganz andere Infos.
Aber schauen wir mal auf die beiden FRONT-Bands hierzulande: Die erste und ältere Band mit dem Namen FRONT kam aus Hamburg, Die zweite, die jüngere, aus Wiesbaden. Drt spielt der in Zinekreisen bekannte Falk Fatal etwas eckigen Punk, den ich immer in der Ecke von TREND verortet habe.

Die Hamburger FRONT waren Anfang der 1980er aktiv, haben aber gar nicht wirklich viele Veröffentlichungen gehabt. Gerade mal zwei 7inches gab es, beide auf Alfred Hilsbergs ZickZack Label herausgekommen.

Interessant ist der Kontext der Band. Denn hervorgegangen ist die Band aus den CORONERS (die sich bestimmt auch nie ausmalen konnten, dass sie mal ausgesprochen wie eine weltweite Seuche klingen würden), einer legendären Hamburger Ur-Punkband, deren legendärer Ur-Punk-Band-Status für die jüngeren Punksozialisierten sicher auf ihre beiden Beiträgen zum "Paranoia in der Straßenbahn"-Sampler basiert. Scheiß Penne und "You've got blind" wurden Anfang der 80er durch diesed Sampler nochmal zu Hits einer neuen Punk-Generation. Interessanterweise gab es von den CORONERS auch keine LP-Veröffentlichung. Da waren andere Bands aus dem Umfeld dieser Bands um einiges zielstrebiger, was Veröffentlichungen anging. Anja Huwe erzählte beispielsweise im Renfield-Interview, dass sie in den Anfangszeiten vom X-MAL DEUTSCHLAND in Hamburg mit den FRONT/CORONERS-Leuten rumhing.

FRONT war im Vergleich zu den CORONERS sperriger, aber auch grooviger, Post-Punk im wörtlichen Sinne, infiziert von neuartigeren Klängen, von denen viele damals begeistert waren. Rock wie in Punkrock war hier kaum vertreten, Punk war explodiert, für die Beteiligten wahrscheinlich ziemlich abgeraucht und nun floß Dub, Funk und Kraut mit in die Musik ein.


Es hätte bei den beiden FRONT-Singles "Alternativ City West" und "Georg" sowie ein paar Samplerbeiträgen bleiben können, die Welt hätte sich weitergedreht und FRONT wären im deutschsprachigen Post-Punk-Narrativ überhaupt nie mehr aufgetaucht. Dass es nicht so gekommen ist, ist sicher das Verdienst von Andreas Dorau. Der war und ist nicht nur großer Fan der Band, sondern auch gut bekannt mit den Mitgliedern, die in goldenen NDW-Zeiten in seiner Band spielten.
Da alle FRONT-Beteiligten bei Dorau und auch PALAIS SCHAUMBURG gut zu tun hatten, passierte das, was häufig mit guten Projekten passiert: Sie bleiben irgendwo auf der Strecke. Wahrscheinlich wurden Prioritäten gesetzt und FRONT hatte nicht so eine große. Prio. Das ist besonders schade, weil ein komplettes Album geplant war. Es gab sogar Aufnahmen, aber dann hat sich wohl alles irgendwie zerstreut...bis ins Jetzt.


Wieder ist es Andreas Dorau, der, aus Unzufriedenheit mit der Tatsache, dass die Band in der deutschen Post-Punk/Indie-Erzählung so gar nicht auftaucht, mit den Bandmitgliedern die alten Bänder der Studioaufnahmen fürs Album aufbereitet. Mit Staatsakt ist dann auch schnell ein Label am Start, in dessen Rooster eine Band, die sich zwischen Punk, Dub, Funk und Kraut bewegt, nur auf große Gegenliebe stoßen konnte. Und so gibt es nun, nach 45 Jahren doch das erste Album der Hamburger Band FRONT und das klingt glücklicherweise sehr spannend und gar nicht altbacken. Aber eben auch nicht stumpf rockig, sondern sehr cool, eben wie eine gelungene Kombination der schon erwähnten Stilmittel. Gerade die Dub-Elemente (Hall hier, Echo da, also das Studio, das wie ein weiteres Instrument genutzt wird), die hier auf kantige, deutschsprachige Textstrukturen und Post-Punk-Coolness stoßen, machen das Album sehr spannend. Am besten gefallen mir FRONT immer dann, wenn sie tiefer in den Dub vorstoßen, das herrliche versponnene "Wasser (Dub)" ist ein kleines Meisterstück.

Deshalb Danke an Andreas Dorau für seinen Einsatz, diese Band wieder ans Tageslicht geholt zu haben. Und danke an Staatsakt für diese Veröffentlichung, mit der sicher einige Indie-Connaisseur*innen wirklich glücklich gemacht werden konnten. Es wäre wirklich schade gewesen, wenn diese FRONT-Aufnahmen für alle Ewigkeiten in der Versenkung verschwunden wären.

Um die Sache zu komplettieren, wurden neben der LP nun auch die "Alternativ City West"-EP, die "Georg"-Single sowie die Beiträge von FRIONT zum Sampler "Lieber zuviel als zuwenig" als 10inch auf Staatsakt wiederveröffentlicht - was sicher diejenigen freut, die keine Mondpreise für ein paar alte, zerknitterte 7inches zahlen möchten.

Gary Flanell

(Bandfoto: Ilse Ruppert)

Montag, 19. Februar 2024

Schön, wenn aus Wien Musik kommt Pt. III

ZINN - Chtuluzän

Gerade vor ein paar Tagen aus dem Kino gestolpert. Vorher ins Kino gestolpert und "Rickerl" angeschaut, diesen hübsch traurigen Film mit Voodoo Jürgens. Spielt in Wien, und zeigt mal wieder, dass in Österreich kontinuierlich sehr gute Musik entsteht. Als großer Wien-Fan freut es mich somit, dass die umtriebigen Menschen von Staatsakt eine weitere sehr gute Band aus Wien aufgetan haben: ZINN. Drei Frauen, die schwarz nicht nur als Lippenstift tragen.
Ich will die geografische Herkunft nicht als Qualitätsmerkmal herauspolieren, denn auch in Wien gibt es sicher langweilige und doofe Bands. ZINNs erstes Album "Chtuluzän" ist mehr als ein Zucken mit der Augenbraue wert, als nur durch die Tatsache, dass sie aus Wien kommen.


"Chtuluzän" - was mag das denn sein? fragt sich der chipsfutternde Popkultur-interessierte Mensch auf der Couch. Es lohnt sich ein Blick ins Werk der feministischen Naturwissenschaftshistorikerin Donna Haraway, die den Begriff eingeführt hat, um das derzeitige Zeitalter zu benennen. Hier mal die Brühwürfelversion mit Vergleichen.
Irgendwas mit -zän am Ende kommt immer gut, wenn man ein Erdzeitalter beschreiben will. (Dad joke zum Thema: Die drittn Zän, zum Beispiel, hö.). Und wenn dann noch Chtulu davor steht, so als H.P. Lovecraft-Verweis, dann entsteht schnell der Eindruck, dass die damit beschriebenen Umstände monströs sind und somit eh alles fürn Oarsch ist. So pessimistisch ist der Begriff Chthuluzän von Haraway allerdings nicht gemeint, eher als Alternative zum Begriff des Anthropozäns. Ein Begriff mit Lovecraft-Referenz klingt assoziativ allerdings erstmal nach horrormäßigem und komplettem Kontrollverlust und Weltuntergang - so aus Menschenperspektive. Kann aber auch Vorteile haben: Weltuntergangsszenarien waren oft ein gutes Thema fürs Songwriting.

Wie das ist, wenn alles verloren geht, wussten schon einige Musiker*innen aus Wien sehr gut in Musik und Worte zu fassen. Das war dann manchmal auch ganz lustig. Auch ZINN sind darin zuweilen sehr gut. Vielleicht hat es doch was mit der musikalischen Früherziehung oder dem Trinkwasser in dieser Stadt zu tun.
Chtuluzän klingt also cool und fatalistisch gleichermaßen und ist somit definitiv geeignet, um in popkulturellen Zusammenhängen verwendet zu werden. Vielleicht als Warnung, dass wir schon längt in monströsen Zeiten leben? Ich würde das derzeit unterschreiben.
Bezogen auf ZINN könnte man auch gut die griechische Mythologie bemühen: Sind diese drei Musikerinnen popkulturelle Sirenen, die verführerisch und tödlich irgendwelche Helden ins Elend ziehen? Oder sind sie die popkulturellen Erinnyen, die Rache suchen, zornig, ewig jagend, ewig sich rächend, z.B. am Patriarchat (schwer dafür!) oder an der Menschheit an sich?

Es wäre passend, denn bedrohlich ist hier einiges, vgl. "Heiliges CO2".
Zumindest äußern sie ihren Unmut nicht so plakativ, wie viele Punk-Bands, die - sicher ehrlich und löblich, aber auch ein wenig zu offensichtlich - gegen das Elend der Welt anbrüllen. ZINN, und das ist das Schöne an der ganzen "Chtuluzän"-Platte, geben sich eher schleichend, verführerisch und düster, sodass es bedrohlich und attraktiv zugleich wirkt.
Alle Vorsicht nützt nichts, diesem dunkel-süßen Charme kann man sich schwer entziehen. Hier klingt vieles nach Schwermut, nach Goth ohne Goth-Kitsch und Post-Punk wie ihn Siouxsie Sioux zelebriert, gerne mit einem guten Chanson-Spritzer garniert (z.B. bei der "Seeräuber-Jenny". Jaja, so ein Brecht-Touch ist auch mit drin, drunter machen sie's nicht.). Auch die Wut früher Frauen-Punkbands und eine gut präsentierte Systemkritik, die in mächtige Sounds gehüllt wird, zum Beispiel in "Kapital", spielt oft mit rein.


Dazu hat "Chtuluzän" auch oft diese morbide, lethargische Langsamkeit, die an DIE HEITERKEIT erinnert. Ist vielleicht kein Zufall, dass beide Bands ihre ersten Alben bei dem gleichen Label herausgebracht haben.

Morbide: Übrigens auch so ein Wort, das oft mit Wien, den Wiener*innen und den ihnen zugeordnetem Humor verbunden wird. Als müsste man an den Wiener Schulen automatisch ein Halbjahres-Praktikum bei den Friedhofsbetrieben machen.
Es sollte bei aller Desperatheit in Wort und Ausdruck aber nicht der Fehler gemacht werden, ZINN für eine schaurig-lustige All-female-Halloween-Band mit gemütlichem Wiener-Kaffeehaus-Schmäh zu halten. Dafür sind ihre Aussagen zu den Umständen doch zu ernsthaft.
So bin ich fast geneigt ihnen zu glauben, dass wir wirklich in einem Chtuluhaften Zeitalter leben und somit eh alles verloren ist. Oder fürn Oarsch, sucht's euch halt aus. Sollte dem so sein, entschuldigt mich für einen Moment, ich muss nochmal kurz ins Bad, meinen schwarzen Lippenstift für das stilvolle Ende auflegen.

Barry Tomorrow

"Chtuluzän" ist am 09. Februar 2024 auf Staatsakt erschienen.



Foto Zinn: Apollonia Theresa Bitzan

Dienstag, 23. Januar 2024

Schön, wenn arbeitende Menschen auch noch Musik machen Pt. I


Im Regal hinter mir steht ein Buch mit dem Titel "Paradoxien der Arbeit".
Habe es noch nicht gelesen, bin abends immer zu müde und kann mir nur noch irgendwas auf Netflix in die Augen schrauben. Allein vom Titel her aber genau mein Buch.
Es geht ja schon mit der Begrifflichkeit los: Sagst du Lohnarbeit oder nur Arbeit? Wenn du nur Arbeit sagst, meinst du trotzdem die Art von Arbeit, für die es Geld gibt - und man unterstellt dir vielleicht, deinen Marx komplett gelesen zu haben.

Du meinst sicher nicht Pflege-, Care- oder Hausarbeit (die du machen musst, willst du nicht die berühmte Madenkolonie unter dem Bett haben).
Diese Lohnarbeit, die strukturierte, die ganze Wochen des einzigen Lebens, das du gerade hast, aus- und verfüllt; diese Arbeit bleibt in ihrer notwendigen Menge, dem Zeit- und Energieaufwand oft zwiespältig. Oder gar scheiße? Vor ein paar Monaten hätte ich das noch mit voller Inbrunst unterschrieben. Habe sogar allgemein über den Zweck von regelmäßiger Lohnarbeit gezetert. Habe Songs darüber geschrieben und morgens rausgebrüllt, meist war es der Blues (vgl. Gary Flanell - "Scheiß Lohnarbeits-Blues").

Nun ist es so, dass die Routine wirkt: Ich bin zufrieden mit meinem Job. Es gibt Geld, Struktur und Anerkennung und wirklich guten Kaffee. Ok, Geld ist auch Anerkennung, aber wenn das was du tust, von deinen Kolleg*innen als gut angesehen wird, dann ist das the groovy kind of Anerkennung. Alles tutti Sahne und gut also, zumindest in diesem Lebensbereich. Und trotzdem, der Zweifel, ob das alles sinnig ist oder gewollt, bleibt. Wird bleiben. Immer ein bißchen. Der Blues zupft mich jetzt halt im Hinterkopf und nicht vorne auf dem Stirnlappen. Fast jeden Song, der diese Ambivalenz von Arbeit thematisiert, finde ich erstmal gut.

Aktuelles Beispiel: Die neue Single namens "Fleißig" von NICHTSEATTLE a.k.a. Katja Kollmann und Band. Textlich so ziemlich alles zusammenfassend, was es dazu im 21. Jahrhundert zu sagen gibt: Über das Abrackern, das Ungläubig Zugucken, auf das, was die anderen für einen Quatsch machen, um im Hamsterrad arbeitsfähig zu bleiben.


Allerdings liegt die Ambivalenz darin, dass es nicht mehr reicht, mit slackerhafter Verächtlichkeit auf all die Idioten zu gucken, die jeden Tag um 8 Uhr morgens im Büro sitzen, während man selber... ja was eigentlich tut?
Um 8 Uhr auch im Büro sitzen, allerdings in dem von deinem Jobcenterberater. Auch nicht cool.


Davon ab geht es hier nicht nur um Arbeit. Eher um das ziemlich häufig auftretende Gefühl, nie genug getan zu haben, immer was machen zu müssen, in der Affenbande der Selbstoptimierung mit durch den Dschungel zu rennen, um dieses Andauernd-was-machen zu müssen, vielleicht auch die dunkle selbstausbeuterische Seite des Prizips DIY (sage ich so und tippe abends um fast elf diesen Text in diesen Blog). Und um eben das Gefühl des "Reicht nicht."

Auf "Fleißig" geht Kollmann das Thema recht poetry-slam-artig an, direkt über die gezupfte unverzerrte E-Gitarre aus der Bob-Dylan-Schule drüber, wird sprechgesungen, ohne sich an HipHop ranzuschleimen und langsam schält sich noch ein Schlagzeug in den Wulst aus Melancholie und Wut. Die oft wiederholte frustig rausgeschrieene Erkenntnis "Ich bin immer so fleißig aber irgendwie... reicht's nicht." drückt schon so gut aus, wie sich die Lohnarbeitswelt im 21. Jahrundert allzu oft darstellt.

Und da könnte sich jeder angesprochen fühlen: Die Tramfahrerin, der vollbärtige Barkeeper hinterm Tresen in deiner Lieblingskneipe, die studentisch Beschäftige in der Unibibliothek, der Post-Doc-Mensch mit einer ganzen Reihe von befristeten Lehraufträgen, die Irgendwas-mit-Medien-Menschen, die Referendar*innen, die am Rande des Burn-Out-Vulkans durch ihre Ausbildung balancieren, freiberufliche Grafiker*innen, Schreiber*innen, Soundtechniker*innen, Musiker*innen, die Quereinsteiger*innen, die sich das mal alles ganz anders vorgestellt haben, die Homies bei Zalando im Lager, der Typ auf dem Wolt-Fahrrad vor dir... soviele Menschen.
Vielleicht sogar die Festangestellten im Öffentlichen Dienst, aber was weiß ich?
Ich stell jetzt den Wecker, muss ja morgen früh raus. Ihr kennt das. Nicht so früh, dass es weh tut... aber trotzdem.

Also: Neue Single "Fleißig" von Nicht-Seattle & Band ist raus, Album "Haus" (produziert von Olaf O.P.A.L.) kommt im April. Auf Staatsakt.
Darüber wird zu schreiben sein.

Gary Flanell