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Sonntag, 19. April 2009

Renfield No.14 R.E.V.I.E.W.S.


Ok, as I spend this lazy sunday afternoon sick and ill on the couch watching some old episodes of "Ally McBeal" (i apologize, but as I've seen all my other DVDclassics like "Dawn of the dead" "Six string samurai", "Night of the living dead", "Bangkok loco", "Als die Frauen noch Schwänze hatten" or "Womb Raider" for a million times, I needed something... different. And I got it!), I decided I got enough energy to post again some reviews of the old RENFIELD-STuff. 

So we continue with the reviews of RENFIELD-Zine No. 14. The situation is the following: I am living in Berlin, got my first flat-sharing community here, my first band, am still a highly motivated student and there are lots of impressions, new ideas and new friends for our little Zine. So share some of these great moments with me now. And, of course the great cover. The guy there is Griesi. we sharde a flat and a band together. A band that was really great for all the 3 guys that participated. For a band that never releases an "official" record on a label, SCEPTIC JAZZ made it quite far. Even to a gig in St. Petersburg and a special edition of Renfield Fanzine. But more about this in the next post.

Die Türen – Unterwegs mit Mother Earth
Hat sich nicht soviel geändert, bei den Herren aus der Nachbarschaft. Alles toppeditop wie auch beim ersten Album. Schicke Texte, gute Musik, tolle Fotos der Türen im Cover bei der intergalaktischen Treckerfahrt (denn auch das Münsterland hat Astronauten), alles quietschebunt. Disco für Leute die sonst immer nur Discogänger verprügeln und slightly Punkrockanleihen für Discopopper, die sonst immer Angst vor Gitarren haben. Würd jetzt gern ein Ölbild von Publikum beim Türenkonzert malen: Da tanzen dann Punks mit Schlaghose und hautengem BeeGee-Shirt neben Diskochicks in Chucks, löcheriger Jeans und Gang-of-Four-Leibchen und haken sich bei dem nerdigen Germanistikstudenten ein. Nur der Metalfreak und die Gothictante müssen sich woanders auskäsen. Punk is Disco und Disco war schon immer Punk, das war ja schon klar, seit Wattie Buchan sich zu seiner Vorliebe für Gabba-Techno bekannt hat und hiermit ist es amtlich. Auch der Indieslacker in uns, dem deutsche Lyrics eigentlich immer zu doof sind, geben die Texte keinen Grund zum Fremdschämen. In 20 Jahren wird es zu diesem Album ein Reclamheftchen mit Interpretationen geben, dann, wenn „Unterwegs mit Mother Earth“ Pflichtstoff im Musik –LK der musisch-Künstlerischen Gymnasien unseres Landes sein wird. In einen mediamarkttauglichen Slogan verpackt heißt das: Diese Platte kann einiges, diese Band alles. Sogar geile Videos. (auf Staatsakt, www.staatsakt.de)

Pankerknacker 10
Schöner (Unter)Titel: Provokation quo vadis? Das fragt sich wohl so mancher Punkrocker, der in die Jahre kommt. Vielleicht auch Opa Knack, der den Pankerknacker immer noch ein schickes Heft werden lässt. Je ne sais pas. Irgendwie finde ich, dass der Pankerknacker und das Renfield schon gewisse Ähnlichkeiten aufweisen. So vom Format her, der inhaltlichen Ausrichtung (Der Knacker ist da noch mehr auf dem Punkrockschiene unterwegs), die seltsamen Kolumnen von Kumpels über die Irrungen und Wirrungen des Lebens und seltsame Ideen. Ok, Der Knacker ist gedruckt und neben den guten Interviews (z.B. Razors – DAS finde ich mal sehr spannend, Casualities, Rejected Youth, auch super das Interview mit der Gewinnerin der Miss Schweiz-Wahl, die ganz anders tickt, als man denkt) und dem Sack voll Plattenkritiken und den Konzertberichten und den Urlaubsstories gibt’s noch diverse Kleinanzeigen von Mailordern aussem ganzen Land. Doch, Nummer 10 gefällt, auch wenn die musikmäßige Ausrichtung nicht sooo 100% meine ist, aber es gibt mehr Dinge, die zählen, als der total identische Musikgeschmack. (Pankerknacker-Verlag, Postfach 2022, 78010 Villingen, info@pankerknacker.de)

I Walk the line –same
Eine finnische Band, die sich nach einem älteren, aber guten Johnny Cash-Song benannt hat, kann die im gnadenlosen Renfield-Test durchfallen? Eigentlich nicht. aber zum Glück klingt IWTL nicht ansatzweise nach Johnny Cash, selbst obskure oder verschrobene Country-Zitate (so verschroben und witzig wie finnische Musik hierzulande ja oft angesehen wird, siehe Eläkäläiset oder der Herr Numminen) sucht man hier vergeblich. Vielmehr klingt das, was 3 Kerls und eine Organistin da machen wie Social Distortion , die sich mit Hot Water Music in den verschneiten karelischen Weiten nach tagelanger Bärenjagd in einem mummelig warmen Saunablock zusammengefunden haben, um dort unter Einwirkung eines tiefdunklen finnischen Winters gemeinsam eine Session abzuliefern. Warm, melancholisch, punkrockig, irgendwie doch folkig (so wie die Pogues fast) mit einer angenehm dröhnenden Orgel geht’s hier zur Sache. Diese Platte tuckert. Nicht von einem Hit zum anderen, sie tuckert und pluckert gleichmäßig durch alle Songs wie ein guter solider Ölofen, der eine angenehm muckelige Wärme verbreitet, während draußen ein Inferno aus Kälte ums Haus streicht, das einem die Zunge an den Zähnen festfrieren lässt. Favoritensongs? Keine. Alle. Nenn es wie du willst. Und weil’s so bodenständig ist, gibts die Platte auch im kackbraunen Vinyl. Geil (Auf Combat Industrie Rock)

Death from Above1979 – You´re a woman, I`m a machine
Oh, das ist mal hipper Scheiß im RENFIELD Das wir mal auf unsere anachronistischen Tage sowas Aktuelles kriegen, hätten wa ja nie gedacht. 2 Typen, hippe Gestalten mit Bart und Seitenscheitel, ein wenig wie der Drummer von Wirsindhelden rumrennend, loten mal aus, was man so mit einem verzerrten Bass und einem Schlagzeug für Rocksounds in der Indiedisco machen kann. Das Resultat klingt dann wie At-the–Drive-In mit Herrn Motörhead am Bass, .Dazu dann verzweifelter jauliger Gesang, diverse 80er-Anleihen (z.B. Rosa CD-Schuber), eine exklusiv beigelegte CD mit Remixen von befreundeten DJs und fertig ist das heiße Ding, wofür sich die kleinen Mädels mit den dicken Nietengürteln im Muddclub um den Zugang zum Backstagebereich prügeln. Heute noch so heiß wie Konnopkes Bratenfett, aber morgen vielleicht schon nicht mehr. (www.679recordings.com)

Prayers eye – 6 Track-Demo
In Tönisvorst regiert der Mystic Rock! Durch nordrheinwestfälische Wälder und Haine huschen Gandalf, der Gitarrist mit seinen elfenhaften Bandmitgliedern und schmücken ihre AOR-Songs mit Keyboardsounds wie aus der Kathedrale. Mystisch, mystisch das. Da das Renfield allerdings eher der aufklärerischen Linie unter den Fanzines folgt, stehen wir so pseudohartem glatt produziertem Seifenmelodiehardrock mit albernem Phantasyanleihen, wie er uns schmalziger seit AXXIS oder Marillion nicht mehr untergekommen ist, eher fassungslos bis laut lachend gegenüber. Und wären wir nicht so aufgeklärt drauf, würden wir glatt mal nach Tönisvorst kommen, um euch mit dem Schwert in der Hand zu missionieren und euch den ganzen mystischen Rollenspielpathoskack ein für alle mal aus dem Leib exorzieren. (contact: www.prayerseye.com)

Maximum Rock´nRoll No. 264
Kennt her jemand HH? Nein, nicht Hamburg, sondern den HH, der im MRR immer die RENFIELD-Kritiken schriebt. HH steht für Harald Hartmann, das klingt nach einem sehr deutschen Namen und wenn man die Fanzinereviews in diesem fetten amerikanischen Fanzine mal eine Zeitlang verfolgt, dann wird man merken, daß HH wahrscheinlich der Spezi für deutschsprachige Fanzines bei den Maximummern ist, denn sein Kürzel steht auch beim Plastic Bomb-Review sowie bei allen anderen heften, die mal eine Nummer über den teich schicken. Vielleicht ist HH Deustcher oder Sohn eines solchen oder einfach des Deutschen am besten mächtig ist. Fiel mir nur so nebenbei auf. Das MRR ist fett wie jeden Monat, es gibt sackweise Anzeigen von obskuren Punkrocklabels aus der ganzen Welt und Interviews (u.a. Bruce Banner aus Schweden, Intent, den Lovesongs u.a. sowie –zig Szenereports (u.a. Taiwan), Reviews und Kolumnen. Die sind immer sehr gut zu lesen, am besten waren die über Urlaubserlebnisse in der DomRep (hat mir einen Nachmittag am Wandlitzsee verkürzt) oder die von dem Typen der immer wieder sagt, dass er ALLES isst – und es auch tut, war mir eine großartige Lektüre beim Frühstück, börp! Yah, man, MRR still bleibt viel SPASSS! (MRR, PO Box 460760 San Francisco, CA 94146-0760)

The Dukes – Demotape (ist aber ´ne CD)
Punkrock´nRoll ohne Punk - macht? Genau! Rock, Rock, fuckin`RAWK!!! Hardrock um genau zu sein. Rock wie man ihn von alten geilen 70erjahre Videos von KISS; AC/DC usw. kennt. Die Dukes setzen sich zusammen aus Bandmitgliedern von so gut klingenden Bands wie The Shamelips und beziehen ihre Einflüsse von der alten Hardrockriege wie Kiss, Metallica, AC/DC, Queen. Oder bestimmt auch den Hellacopters und so. Das verquirlen sie zu lustigem Hardrock, der wie eine gute Rockerparty klingt. Ein Sänger, der stilecht nach Whiskeyflasche klingt, dazu einfache, schnelle Songs, ohne viel Schnickschnack, natürlich gibt’s ordentlich Soli, ordentliches, irgendwie selbstironisches Rumgepose aufm Cover und gut is. Aber es ist halt Hardrock von der unschleimigen stampfenden Sorte. Ein Rose-Tattoo-Video ham die bestimmt auch mal gesehen. Das macht Bock auf eine satte Live-Demonstration. Einziges Manko – und da fehlt der Punkrock: Die Songs sind ein bisschen zu lang. Statt einen Songs auf 6 Minuten auszuwalzen, macht doch lieber 2 zu drei Minuten draus. Bleibt alles knackiger, dann. (Kontakt: Dukes c/o Vinzenz Guse, Gneisenausstr.99/100, 10961 Berlin)

Sand.IG – Waren des täglichen Bedarfs
Darf man sich unter dem Namen die Interessen- bzw. Industriegemeinschaft der Förmchenbande aus dem Sandkasten vorstellen? Nein, so lustig wie der erste Satz hier sind Sand.IG nicht und wollen es auch nicht sein. Um mein Befinden beim Hören dieser Platte in ein Adjektiv zu packen: Sie ist verstörend. Die Sache ist schwieriger, denn Sand.IG sind nicht so ganz leicht einzuordnen. Alternative Rock, wie vertrackt auch immer, trifft es nicht ganz. Deutsche Texte werden vom Sänger eher vorgetragen (bei „Tom Turm“ auch mal hardcorig rausgeschrien) als mit irgendwelchen Melodien versehen und stehen im Vordergrund, vor den sperrigen Riffs, den elektronischen Spielereien und dem recht straighten Beat. Das klingt dann teilweise sehr düster, auch so`n bisschen paranoid oder psycho und den angebotenen Vergleich mit den Neubauten (beim Gesang) kann man auch so stehen lassen, das passt auch gut zum Rest. Aber wie gesagt, Sand.IG macht es einem nicht einfach, zum dritten Mal hör ich das Ding jetzt und so richtig einordnen kann ich sie immer noch nicht. Am ehesten fallen mir die lang verschollenen Fleischmann oder ein, die mit „Fleischwolf“ eine großartige Platte gemacht haben. Oder Razzia. Diese mittelspäten Platten von denen, das war so ähnlich verwirrend. Oder vielleicht auch Big Black und irgendwie auch Placebo oder Radiohead. Die Ansätze bei Sand.IG sind sehr unterschiedlich, und je länger ich mir das anhöre, desto besser gefällt es mir, besonders „Visier“ hat’s mir angetan, da irgendwie eingängig, aber nicht kitschig. „Verstörend“ als Adjektiv passt also auch am Ende der Kritik noch, ich schiebe noch ein „vielfältig“ hinterher. Und Platten, die einen adjektivmäßig so sitzen lassen, sind ja nicht wirklich die schlechtesten.

TV Smith – Useless
Zusatz zum Sachtitel: The very best of T.V. Smith. File under: Uraltpunkrocker der allerersten Stunde schnappt sich Düsseldorfer Punkrocksuperstars und spielt noch einmal seine großen Hits ein. Klingt öde? Nach „Learning English Part 100000?“ Nur Bedingt. „One chord wonders“ ballert als erstes schneller als gewohnt von der Platte und auch die anderen Adverts-Hits (Gary Gilmores Eyes o. Bored Teenagers), die Smith mit den Hosen nochmals neu eingespielt hat, klingen frisch aufgenommen besser als bisher. Die Solo-Sachen von dem ehemaligen Adverts-Sänger dürften eher unbekannt sein, aber weil diese Platte auf dem Toten-Hosen-Label rauskommt, besteht doch tatsächlich die Möglichkeit, dass sie nicht ganz in der Versenkung verschwinden. Leider knallen nicht alle Songs so gut wie die Adverts-Sachen, manche sind sehr schunkelmäßig, da werd ich fast an Hans Hartz erinnert, aber dann machen andere wie „Expensive being poor“ oder „Only one flavour“ die Sache wieder wett. Insgesamt ´ne schöne runde Kooperation zwischen T.V. Smith (dem es echt gegönnt sein soll, seine besten Sachen hier noch mal zusammenstellen zu können), den Hosen und Dirty Faces Records, besonders, wenn man bedenkt, dass es eine Vinyl-Only-Sache ist (ist ja nicht mehr selbstverständlich heutzutage). Nützlich darüber hinaus, da die hier vertretenen Songs nicht mehr anderweitig zu bekommen sind. macht also alles schrecklich viel Sinn und wenn es den Hosen eine „Ehre“ ist, als Backgroundband vom Herren Smith zu spielen, sollte es jedem Hosenfan eine sein, diese Platte im Schrank zu haben, allein bei dem schicken Strandcover sowieso. (auf Dirty Faces-Records, Universitätsstr. 16, 44789 Bochum)

The Shocks – banned from the USA
Da hatten die Shocks bestimmt einiges zu erzählen, als sie aus Amerika wiedergekommen sind. War ja eher ein Kurztrip, hat leider nur bis in die U-Haftzelle gereicht, obwohl eigentlich eine Tour mit den Briefs geplant war, aber „Herr Security Officer from the CIA, jetzt gucken Se sich die Bande doch mal an: Wenn die nicht aussehen wie TERRORISTEN, wer dann? Also schnell raus aussem Land mit dem Kroppzeug, solln se doch Deutschland inne Luft bomben, aber nicht den Vatter aller Demokratien.“ Inspiriert von solchen abstrusen Vorkommnissen und der vermasselten US-Tour mit den Briefs haben sie die ganze Sache musikalisch aufgearbeitet. Da das mein erster Kontakt mit den Shocks ist, kann ich jetzt keine Vergleiche zu ihren bisherigen Alben ziehen (die ja allerorten abgefeiert werden wie nich was), aber auf „Banned from the usa“ klingen die 3 Herren vom Berliner Grill wie direkt aus dem Jahr 1977 rübergebeamt und na ja, irgendwie wie die Goldenen Zitronen zu ihrer „Porsche, Genscher, Hallo HSV-Zeit“. Da passt eigentlich alles wie anno Doppelsieben: Sound, Songs, Gesang, Texte, und tja, und diese Vorkommnisse mit der vergeblichen US-Reise auch, das könnte auch gut den Sex Pistols passiert sein. Ist es sogar? Na so was. (Auch auf Dirty Faces Rec., s.o.).

Rock-Ass – Live in der KvU
Noch ein Demo von den Punkrock`n`Rollern aus Friedrichshain. KvU steht für Kirche von Unten und ist einer der ältesten Veranstaltungsorte für Punk/HC-Konzerte in PrenzlBerg oder in Berlin überhaupt. Fast ist es mir ja schon peinlich, aber auch bei diesem Livemitschnitt der Ässer gibt es eigentlich nichts Schlechtes zu sagen. Wer noch nichts von denen kennt, kann sich auf sehr schnellen schnörkellosen Punkrock (und Roll) à la Motörhead, Peter Pan Speedrock, Dirtys oder Nashville Pussy gefasst machen. 11 Songs von allen 4 Demos wurden mitgeschnitten, der Sound ist auch ok und ich hab das Gefühl, live legen ROCKASS noch mal `ne Schippe Geschwindigkeit auf diese ohnehin nicht langsamen Songs drauf. Am besten ist diese CD eigentlich dazu geeignet, sich aus dem RockAss-Repertoire seine persönlichen Lieblinge rauszusuchen. Gerade weil hier alle möglichen Songs von den Studiodemos vertreten sind, ist das ein guter Überblick über das, was sie bisher gemacht haben. Meine Favoriten zum Abzappeln und Bierverschütten sind: „You got a reason“ und „Punkrock is a lie“ (contact: www.rockass.org)

Hagbart Celine – the point of no return
Ha, die fahren bestimmt immer im goldenen U-Boot zu ihren Konzerten. Nix verstanden? Kleiner blöder Witz über den Bandnamen, sorry. Einer der Flecken in Deutschland, die ich garantiert nicht mit Punkrock in Verbindung bringen würde ist Bernkastel-Kues. Liegt irgendwo am Rhein und ich glaube mich dunkel dran erinnern zu können, dass meine Eltern dahin immer ihre Kegelausflüge gemacht haben. In einem viel frequentierten Kegelclubausflugsort zu leben, ist schon allemal ein Grund, sich zu einer Punkband zusammenzufinden. H.C. machen Deutschpunk und zwar so die Richtung Dödelhaie, The pig must die, Warnstreik oder Knochenfabrik (gerade so wie die wären sie wohl gern). Das sind alles Bands, die ich eigentlich nie gemocht habe und die mir irgendwann auch das ganze Deutschpunkding verleidet haben. Da können Hagbart Celine jetzt nix für, aber ist halt nicht meine Tasse Bier. 16 Songs wackeln im mittelschnellen Tempo vorbei, technisch schon gutgemacht, aber irgendwie ohne Ecken, Kanten und Höhen, nichts bleibt irgendwie richtig hängen, auch der Gesang ist irgendwie immer gleich und peng! ist schon das nächste Stück „schneller, melodischer Punkrock mit deutschen Texten“ dran. Ohne Unterschied. Da helfen auch die deutschen Texte nicht viel, die bestimmt gar nicht doof sind. Nee, haut mich trotzdem nicht wirklich vom Hocker, wer aber auf die o.g. Bands gut kann, oder einen Vorschlag für den nächsten Vitaminepillensampler machen will, sollte Hagbard Celine mal antesten (contact: www.hagbard-celine-punk.de oder schiessbude23@web.de)  

The Irritators – Demo 2005
Oh, Massachusetts, unbekanntes Massachusetts. Was weiß ich eigentlich von dir? Nicht viel, du unbekannter Fleck. Ich hab noch ein Livetape von den Ramones, die haben mal in Massachusetts gespielt und es ist wohl einer der wenigen US-Staaten die ich betrunken wie nüchtern gleich gut aussprechen kann. Aber wie es aussieht, gibt’s im unbekannten Massachusetts auch ein paar interessante Bands wie z.B. die mir bisher auch unbekannten Irritators, die sich wiederum aus Mitgliedern mir ebenso unbekannten Bands wie Last in Line, The Strikers oder Red Reaction zusammensetzen und im Lauf ihrer bisherigen Zusammensetzung auch schon Gigs mit Bands wie Out Cold, Kill your Idols, Permanent Damage gespielt haben. Auch dies alles mir gänzlich unbekannte Bands. Also eine Gleichung mit vielen Unbekannten, dieses Demo, da kann ich ja mal ganz unbefangen rangehen. Ich habe keine Ahnung, ob die o.g. Combos soundmäßig gut zu den Irritators passen, aber die spielen einen guten schnellen hektischen Old-school-Hardcorepunk, ohne Rumgemoshe oder Tough-Guy-Gehabe. Als erstes sind mir als Vergleich Bands wie Poison Idea, die Fixtures, Knifedance, oder Flag of Democracy eingefallen. Hat auch was von Gang Green, liegt Boston eigentlich in Massachusetts? Egal, gutes Demo auf alle Fälle, perfekt zum Skaten geeignet und fast total melodiefrei, warum is´n das keine richtige Platte? (contact: Mark Dargie, P.O. Box 173, Granville MA, 01034 USA, dargie@comcast.com).

Steve Austin – Menschen müssen weg / Defibrilator
Auf die hab ich so lang gewartet wie damals auf den ersten Milchzahn. Seit meinem vorletzten Besuch in Hamm bin ich ganz rattig drauf was von dieser Band zu haben und das nur weil sie bei Bela und Deike sowie Herrn Wiedemann im Wohnzimmer liefen. Ich hab natürlich nix verstanden, denn es ist sehr laut, es ist sehr schnell, sehr kreischig und - hat man die Texte vor Augen – seeehr strange. Misanthrophen assoziieren frei beim gemütlichen Zusammensitzen in der Menschenhasser-Bar. Wenn du auf Yacopsae, Grind, oder deftigen PowerViolence-Käck stehst und deine Kumpels dir auf dem letzten HC-Konzert in einem Jugendclub in den Ausläufern des Ruhrgebiets noch keine Kopie dieser Steve-Austin-CDs zugesteckt haben, dann solltest du mal eure Freundschaft überdenken. Diese CDs sind Pflicht. Für jeden Haushalt mit bis zu und ab 2 Kindern im Allgemeinen, ganz besonders allerdings in westdeutschen Klein- und Mittelzentren mit übermäßig hoher Dichte an Einfamilien-Fertighäusern aus dem Katalog. Darüber hinaus für alle vereinsamt lebenden Großstädter perfekt geeignet, um dem Dröhnen der S-Bahn vor deinem Haus endlich mal was entgegensetzen zu können.

Carsten Meyer – Keil Stouncil à Paris
Wow, Filmmusik. Ok, keine richtige Filmmusik, aber könnte eine sein, denn wie beim richtigen Soundtrack gibt’s 17 Instrumentalnummern und der Plot könnte so gehen: Der kleine Prinz von Bel-Air dell’ Erobique landet bei der Suche nach Inspiration für das neue Coverdesign seiner Paul-Kuhn-Hommage durch eine französische Hauptstadt seiner Wahl. Dort trifft er Amelie aus dem Wunderland, die gerade versucht ihr Klavier zu befreien, dass sie an den Eiffelturm gekettet hat, als sie in einem kleinen Pornokino „Es war einmal in Amerika“ schauen wollte. Leider kam der Pate vorbei und hat das Fahrrad entwendet. Der kleine Prinz kütt und befreit das Fahrrad, zum Dank lädt Amelie, die kleine Meerjungfrau, den Prinz zum romantischen Abendessen bei einer Flasche Rotwein und einer Stange Gänsefleischpastete in die Seine ein. Ist übrigens einer meiner Lieblingsfilme für Sonntagabende auf dem Balkon. Soundtrack now available from The artist formely known as Erobique. (auf Staatsakt)  

Punk Chartbusters Vol. 5
Weia, ist das schlecht. Wahrscheinlich ist dieser Sampler ganz unbeabsichtigt mehr Punk als ihm lieb ist. Er schockt, aber leider wahrscheinlich die falschen Leute. Um mal mit dem alten Indianer zu sprechen, den Greenpeace vor nicht allzu langer Zeit immer auf ihren Aufklebern zitiert haben, um auf die fortschreitende Umweltverschmutzung (in diesem Fall akustische) hinzuweisen: Erst wenn der letzte Song gecovert, die letzte Hookline mit verzerrter Gitarre nachgespielt und der letzte 80er-Jahre-Hit durch den NOFX-Klon-FleischWolf gedreht wurde, werdet ihr feststellen, das man Kreativität nicht bei Rock am Ring am Bierstand kaufen kann. Diese Doppel-CD hat 51 (!) Coverversionen. Das sind 51 zuviel. 51 mal gleicher scheiß. zu unnötig hier einzelne zu erwähnen, selten so viel langweilige doofe phantasielose Coverversionen gehört. Erst wird clean vorgespielt, dann kommt der Tritt auf den Verzerrer, alles noch mal schnell im MelodicPunk-Beat hinterhergehoppelt. 51 mal. Der Spaßeffekt dieser Coverreihe hat sich eigentlich schon beim dritten Teil erledigt. Der vorliegende fünfte Teil ist also nicht lustig. Nicht lustig, nicht komisch und vor allem: NICHT WITZIG. Nicht beim konzentrierten Hören und auch nicht beim Nebenbeilauschen wenn man die Wohnung renoviert (Renovieren muss, weil man beim konzentrierten Hören alles vollgegöbelt hat). Never. Was steht da vorn auf dem Cover? „What a burner!” Only fillers, no killers würde besser passen. (bei Wolverine Rec. Kaiserswerther Str. 166, 40474 Düsseldorf, www.wolverine-records.de)

Welcome to Punk-a-Billy Circus – Sampler
Huh, nach diesem Charbusters-Geörgel hier mal was ganz cooles. Früher, so in den 80ern hätte man diesen Sampler wohl „Psychobilly over Europe“ Vol.3 genannt. Das Cover wäre düster geworden und nicht so grell bunt comicmäßig, aber egal. Zumindest ein Teil der Bands, etwa Mad Sin oder The Klingonz oder The Nekromantix, wäre derselbe gewesen. Und was sind jetzt die Hits? Schwer zu sagen. Die bekannten Vertreter machen ihre Sachen erwartungsgemäß gut, die Unbekannteren sind sehr unterschiedlich, da ist für Besenbirnen die´s eher traditionell mögen genauso was dabei, wie für Leute die auf etwas ausgefallene Sachen stehen. Neben dem klassischen Psycho (wie von den Godless wicked Creeps, Komety oder Bad Reputation) gibt`s z.B. die Os Catalepticos, die mehr wie ´ne Metalband klingen oder die mit einem swingenden Bläsersatz ausgestatteten Washington Dead Cats (ebenso wie die Kins fo Nuthin') und daneben natürlich sehr punkrocklastige Dinger wie The Wrecking Dead (aus Dänemark) oder die Hellbats aus Frankreich. Meine Favoriten sind jedenfalls der Song von den Astro Zombies, Banane Metalik oder der von Bad Reputation (großartiger Text, sehr dezidiert ausgedrückt würd ich mal sagen) Der Stehbass klackert jedenfalls überall auf dieser CD ganz gut und wer auf Psychobilly steht, sollte diese Gelegenheit mal nutzen, über den Rand seiner Flat-Top-Frisur zu gucken, wenn man mal was von Bands aus Polen, Dänemark, Frankreich oder gar Brasilien hören will. Bleibt nur zu hoffen, dass die Jungs von Wolverine Rec. nicht auf die Idee kommen, demnächst eine PsychoChartbusters-Reihe zu starten. Ich glaub, dann wird ick narrisch. (auch über Wolverine Rec.)

Strung Out – Exile in Oblivion
Manchmal wenn ich mir so die verschiedenen FatWreck-Releases anhöre, hab ich so den Verdacht, dass es bei der Entwicklung der Bands aus der ähnlich klingenden Melodicore-Ursuppe zwei Wege gibt, die grundsätzlich eingeschlagen werden. Die eine „Sorte“ von Bands wird dann zunehmend und im Laufe der Jahre poppiger und verlegt sich auf eingängigere Sounds (z.B. Lag Wagon), die andere Gruppe geht genau den anderen Weg und entwickelt härtere komplexere Sounds, die mit dem bisherigen melodischen Punk nicht mehr viel zu tun haben. Dazu gehören wohl Strung Out. „Exile in Oblivion“ klingt für mich wie´ne New Metal-Platte mit sehr melodischem Gesang, relativ komplexen Songs, Metallica-Drums und einem leicht melancholisch-nachdenklichen Touch, wobei ich nicht genau festmachen kann, wo der jetzt her kommt. Die Songs klingen zwar alle recht ähnlich, es gibt nicht DEN Über-drüber-Hit, aber so insgesamt…in einem durchgehört, jaaa, doch kann ich mich schon mit anfreunden. (auf Fat Wreck)

Blutkeks – Demo
„Auf Flyern oft als Deutschpunk angekündigt, was den Kern der Sache unserer Meinung nicht ganz trifft…“ Recht hamse, die Blutkekse aus Mainz. Unter Deutschpunk kann man ihr Demo nur einsortieren, weil sie deutsch singen und etwas klischeehafte Texte haben. Ansonsten ist das eher so HC-Punk wie es ihn in den 80ern oft gab. Ok, wenn schon Deutschpunk, dann bitte schön ein klitzekleines bisschen crustig und als Vergleich die sehr frühen Razzia (gerade der Gesang) oder The Hoax aus Berlin. Auch aus den 80ern. Andererseits klingen Blutkeks wie eine von diesen Bands, die man früher auf diversen Tapesamplern gefunden hätte und die dann später mal auf den Network of Friends-Platten aufgetaucht wären. Wüsste ich nicht, dass die aus Mainz sind (klingen aber nicht so, als würden sie sich doll über den Klassenerhalt freuen und so bierselig lustig wie SpringtOifel zum Glück auch nicht) und dass sie in Deutsch relativ platt über alles und jeden schimpfen, würde ich sie für´ne alte Hardcorepunkband aus Japan oder Skandinavien halten. Find ich die jetzt gut? Jep, besser als manch glattgebügelte Kinderband auf alle Fälle, weil rauer und vielleicht gerade dadurch doch für mich nachvollziehbarer und sympathischer. Wollen mal hoffen, dass den 10 bisherigen Konzerten noch einige folgen werden. (Tape gibt’s für 4 Euro bei No More Music c/o Alex Rippel, Jahnstr. 78, 55291 Saulheim)

The New York Rel-X - same
Sieh an, eine Punkband aus New York. Ja, ich weiß, da gibt es einige. Nicht so ganz viele, aber ab und an hört man schon mal was von einer New Yorker Punkband. Aber was soll man von einer Band halten, wo Erika singt und Adi Bass spielt? Ok, für die Namenswitze können sie jetzt nichts, und dafür, dass sie aus New York kommen auch nicht. Eigentlich machen die Rel-X alles richtig, was man als aufstrebende Punkband so tun sollte. Sie spielen Konzerte mit den richtigern Bands (Us Bombs, Angelic Upstarts, ) in den richtigen Läden (CBGB´s ) und weil ihre Bassistin gleichzeitig auch eine gefragte Bookerin ist, haben sie auch den richtigen Zugang zur „Szene“ und bestimmt haben sie auch in NY ´ne richtige Fanbasis. Was auch nachvollziehbar ist, denn mit Punkrock, der etwas hardrockig daherkommt, Frauengesang und ´nem recht cleanen Sund kann man bestimmt schon den einen oder anderen Lederjacken /Iro/Nietenhannes für sich einnehmen. besonders, wenn der dann noch eine Schwäche für ähnlich klingendes wie Scattergun, Plasmatics, Deadline hat. Richtig überraschend ist dann auch nicht das 999-Cover (von Vixen bzw. von Motörhead, spielt man ja immer wieder mal gern), ähnlich wie die anderen Songs. Guter Punkrock, aber der letzte Kick fehlt irgendwie. (auf Dirty Faces)

The Epoxies – Stop the future
Da sind sie wieder, meine Lieblinge vom Rock-against-Bush-Sampler. Die Band, die so klingt als hätte eine Biotechnofabrik im mittleren westen Amerikas die Stimmbänder von Kim Wilde geklont und eine Band daraus gebastelt. Was absolut nicht negativ zu verstehen ist. Wäre diese Platte ein Kalender, würde ich sagen, wir haben 1984 und die Mauer steht noch. Den Eighties-Wave-PunkPop-Faden (oder das Netzshirt oder die neongelben Schweißbänder) stricken die Epoxies auf ihrer 2ten Platte konsequent und sehr glatt weiter und wollen mit dem Titel wohl andeuten, dass die Zukunft am besten irgendwo in den 80ern gestoppt hätte. Was dann passiert wäre, ist gar nicht auszudenken. Wir wären in einer Endlosschleife aus gefälschten LaCoste-Poloshirts, Popperfrisuren, Footloose/Flashdance/Fame-Dirtydancing /Eis-Am-Stiel/ LaBoum/Rocky/Rambo-Filmen, Boris-Becker-Wimbledonsiegen, Lindenstraßenpremieren und weißen Tennissocken gefangen. Weiaweia. Wie lang man das Konzept von kühlem Wave/Plastikpunk mit einem Keyboard, dass mehr nach Ronnys Popshow oder auch nach Europe (tätätäätä tätätätätä tätätätätä, it´s the Final Countdown) klingt, noch weiterspielen kann, ist so eine Frage, die ich jetzt erstmal nicht beantworte. Im Augenblick ist das alles noch sehr lustig und gut anzusehen, aber spätestens wenn das erste 90ies –Revival ausgerufen wird und alle ihre Holzfällerhemden wieder rauskramen, könnte es für die Epoxies mit dieser Fast-100%-80erJahre-Imitation schwer werden. Bis dahin hör ich mir so´n hübsches Stück 80iesTrashRevival doch immer wieder gern an. (auf FatWreck)

Peepshow III– DVD
Guter Trick,das. Man nenne die Compilation wie ein diskretes Pornofilmchen und macht gar keinen Porno drauf. Stattdessen kompiliert (oder kumuliert?) man Videos der ganzen glücklichen, fröhlichen, immer für ein Bier und Spaß zu habenden Fat Wreck- und Honest Don´s Familie von Avail über Lag Wagon, Mad Caddies, Goober Patrol, Lawrence Arms bis hin zu Anti-Flag. Dazu gibt’s noch kleine Making-Of- bzw. Nonsens-Video-Leckerlis von jeder Band (was bei den meisten wie ein Urlaubsvideo vom letzen Konzert oder Besäufnis rüberkommt) und fertig ist der Lack. Avail lieb ich ja eh, deswegen gehört auch das Video zu meinen Favoriten, ebenfalls wie das von SOIA oder auch das von Nerf Herder (die ich eigentlich nicht so dolle find) mit der Enterprise-Verarsche ist ganz nett. Wer auf das ganze Melodicore-Spektrum steht, wird wahrscheinlich noch mehr Perlen entdecken und für billig Geld lohnt sich das auf alle Fälle (auf Fat Wreck)

Dear Johnny- A tribute to Cash – Sampler
Wahrscheinlich sind in den letzten 3 Jahren mehr als J.C.-Tribute-Sampler erschienen, als dem Herrn Bargeld zu Lebzeiten lieb gewesen wäre und da ist bestimmt nicht alles richtig toll dabei gewesen, aber der hier ist schon ganz gut. Besser als der 5. Chartbuster vom gleichen Label, vielleicht nicht ganz so gut wie der von Trikont. Aber vielleicht auch auf eine andere Zielgruppe zugeschnitten. Hier findet man Cash-Coverversionen für Leute, die mehr im rauen Punkrock oder Psychobilly als aus dem zarten Alternative-Country/Indie-Umfeld zuhause sind, sozusagen mehr Whiskey als Cocktail, denn sonst wären nicht umsonst die Supersuckers, Deadbolt oder die Kings of Nuthin´ mit dabei. Überraschenderweise konnte dann noch Stevie Tombstone (GENAU der von den legendären Tombstones, die sowieso keiner kennt) sowie der in der Cash-Biographie von Franz Dobler erwähnte „Country-Outlaw“ Dale Watson dazu gewonnen werden sowie 15 weitere Songwriter und Bands. Neben den bekannten All-Time-Hits, bei denen selbst als Cover eigentlich nichts schief gehen kann, finden sich hier aber auch ein paar nette unbekanntere Perlen, die dem oberflächlichen Johnny-Cash-Interessierten noch nicht so oft untergekommen sind. Was aber passieren kann, schließlich hat der Mann in all seinen Jahren kontinuierlich einen Riesenberg von Platten bzw. Songs abgeliefert, die wohl noch für 5 weitere Tributes reichen werden. Es gibt also genug Sachen, die man nochmal veredeln oder neu interpretieren könnte, es muss ja nicht immer „Ring of fire“ oder „I walk the Line“ sein. Auf den Ring wird glücklicherweise bei der Dear Johnny-Compilation zum Glück ganz verzichtet, das war den Wolverinern dann wohl doch zu blöd. Ansonsten doch ´n gutes Teil. (auf Wolverine Rec.)

Social Distortion – Sex, Love and Rock`n`Roll
Schön, daß die Erde rund ist. Schade, dass es keine Autobahn gibt, die wie ein Armreif einmal um sie rum führt. Schade auch, dass es keine schnelleren Autos auf der Welt gibt. Dann könnte man nämlich permanent bei gleich bleibender Geschwindigkeit in den Sonnenuntergang fahren und fortlaufend die neue Social Distortion-Platte hören. dazu ist sie nämlich perfekt geeignet, zum ewigen In-den-Sonnenuntergang fahren. In chromblitzenden Autos allerdings nur, die so schnell sein müssen, dass sie dem Lauf der Sonne folgen können und die Autobahnpolizei kontrolliert nicht die Geschwindigkeit, sondern ob der Fahrer den die erforderliche Menge Brilliantine im Haar mit sich führt. Punk gibt’s gar nicht mehr so viel auf diesem lang angekündigten Alterswerk von Social D., aber dafür Rock umso mehr. Soviel konventionellen Rock, sodass ich fast befürchte, dass diese Platte auch von Leuten gekauft wird, die auch die eine Bon Jovi-Platte gut finden.

The Soviettes – LP III
Da hätten die Parteigenossen in Russland mal in den 80ern drauf kommen müssen: Zwecks Imagepolitur gründen wir eine sexy, gutaussehende 3-Frauen/1 Mann –Punkband, die uns wunderbar nach außen repräsentiert, und lassen sie locker unsere Ideologie als Punkband in die Welt tragen. Tja, lieber oberster Sowjetrat, wenn ihr diese Idee gehabt hättet, wär’s vielleicht nicht so schnell gegangen mit dem Untergang, aber 16 Jahre hinterher ist man ja immer schlauer. Die Soviettes kommen aber natürlich nicht aus Russland, sondern vom Erzfeind, genauer aus Minnesota, Minneapolis, wo auch schon Hüsker Dü oder The Replacements herkamen, was ja nun nicht die schlechtesten Bands sind. Und so übel sind die Soviettes auch nicht, flott geht’s zur Sache, poppiger Punk mit Frauengesang, klingt hier ein bisschen wie die GoGo´s, da ein bisschen wie The Eyeliners und auch die B52s schimmern da immer mal durch. Trotz des im Stil des sozialistischen Realismus gehaltenen Albumtitels also doch gut. Sehr gut sogar, wenn ich das jetzt so an einem lauen Sommerabend auf dem Balkon höre. Wollt ihr nicht auf unserer nächsten Party spielen? (auf Fat Wreck)

No use for a name – Keep them confused
Manche Sachen ändern sich nie. NUFAN-Alben sind so eine Sache. Die klingen immer gleich. Da könnte man mich in ein dunkles Zimmer sperren und mir die Augen verbinden und mir dann 5 verschiedene Songs von den bisher erschienen 5 NUFAN-Alben vorspielen. Wenn ich dann sagen sollte, der Song ist vom 2005er Album und der von der Daily Grind-LP, ich könnte es nicht. SkatePunk, wie sie ihn immer gemacht haben, das Klackerschlagzeug, die gleichen Riffs, die hypermelodischen Chöre, alles wie gehabt. Vielleicht ein bisschen melancholischer mittlerweile, vor allem die Texte (die wirklich gut sind, aber das merkt ja keiner ohne Studium des Textheftes) aber das nur unterschwellig. Nicht mal böse sein kann man den Jungs wegen ihrer Sturheit. Zumindest ist keiner konfus wenn er sich diese neue Platte kauft,
erfüllt sie doch alle Erwartungs-haltungen, die man an eine NUFAN-Platte haben kann. Aber eben auch nicht mehr. Und wenn man sich mal so umschaut, kann man feststellen, dass es gar nicht mehr sooo viel Bands gibt, die so einen Sound fahren. (auf Fat Wreck)

Fancy Vol.1, Issue 3
Dünn und bunt ist das Fancy, so ein kleines, aber gut aussehendes Heft aus New York. Hab ich für Lulu auf einem Konzert im Tommy-Haus aufgegabelt und werd noch nicht so ganz schlau, was die Macher/innen eigentlich wollen. 26 Seiten gibt’s, die eigentlich nur aus Fotos bestehen, so dass man den Eindruck bekommt, das hier wäre eine Bravo-Foto-Lovestory als Fanzine. Ein paar Bands werden vorgestellt, z.B. The Others (‚ne 60iesGarageband) oder the Weekenders (wobei die nur fotografiert werden und ihre Klamotten vorgestellt werden -. wie in so einer Fashionzeitschrift) dazu noch berichte über ein Trollmuseum in NY und allerlei Styling-bzw. Schminktips für die… , ja für wen denn? Für die Adoptivkinder von Vivienne Westwood vielleicht oder die Enkel von Johnny Thunders . Ist schön anzugucken, nur fehlt ein bisschen was an Inhalt, aber für lau geht das schon mal ok. (Contact www.fancymag.com, P.O. Box 110411, Brooklyn, NY 11211)

 

Samstag, 18. April 2009

Renfield No.13 Reviews (Part 2)


JOCHEN TAUBERT – DIE PUDELMÜTZENRAMBOS!
„Sie mögen mit der Geschichte nicht einverstanden sein oder sie gut finden – der Zweck der Übung ist es, einen Prozess in Gang zu setzten, zu zeigen , wie das Erfinden einer Figur eine dramatische Aktion hervorbringt, die zu einer Geschichte wird.
Es gibt wie gesagt zwei Wege, an ein Drehbuch heranzugehen:
Eine Idee haben und die Figuren der Idee anpassen oder eine Figur erfinden und die Story aus der Figur sich entwickeln lassen...“ Aus „Drehbuchschreiben für Fernsehen und Film“ Field u.a. Kapitel: Wie aus einer Figur eine Story wird.

Nun, Joachen Taubert und sein Stadtlohner Film-Team werden sich beim Drehbuch von den PUDELMÜTZENRAMBOS wohl gedacht haben: wir lassen aus dem Nichts heraus eine Figur entstehen, oder noch besser: ganz viele Figuren und die bilden dann, irgendwie wird es schon schief gehen, eine Story, Oder sie werden sich gedacht haben: Drehbücher – was für Autorenfilme, für Weicheier wie Wim Wenders. Scheiss drauf.Erzählen wir kurz den Plot: In einer ländlichen Kleinstadt verschwinden auf „mysteriöse“ Art und Weise die Frauen. Sie werden von einer brutalen Guerillaarmee überfallen und entführt. Sie landen in dem Schloss einer Dracula ähnlichen Figur. Warum bleibt unbeantwortet, ob es sich um einen Harem, einen Edelpuff oder eine Folterkammer handelt erfahren wir nicht. Eine Gruppe von Loosern jedenfalls, die Pudelmützenrambos, angeführt von den Buddies „Kondom“ und „Currywurst“ (gnadenlose Alliteration) führen eine Art Bürgerarmee an, die mit Hilfe von Dolly Buster und Jürgen Drews die Frauen befreit und heldenhaft rettet. Der Bösewicht wird dargestellt von Frank Zander, zumindest werden wir im Glauben gelassen es handle sich dabei um Frank Zander. Sicher ist: Ausschnitte aus dem Videoclips des Überhits „Kurt – Ohne Helm und ohne Gurt“ so wie auch seine mir bis dato völlig unbekannte Coverversion von Falcos „Jeannie“ sind in den Film hinein geschnitten. Mit etwas Fantasie und Hilfe der weg weisenden Kostümierung von Frank Zander (schwarzer Mantel und Hut) lässt er sich bestimmt als Übeltäter ausmachen. Um das Namedropping perfekt zu machen: Harry Wijnvoord, bekannt aus RTL-Fernsehgründertagen spielt einen Pfarrer und Ralf Möller, der Gladiator, wird zur Autogrammstunde aufgesucht und mit in den Film geschnitten. Das ist Burroughsche Cut-Up technik von und für Vollidioten. Was den Film auf jedenfalls auszeichnet sind: grenzenlos schlechte Dialoge von Möchtegernlaienschauspielern, miserabelste Hobbyfilm - Überblendungen mit hoffnungslosen Spezialeffekten, schlechte Beleuchtung, völlig überflüssige Stunts, Autoschrott, Minuserotik gerade wegen der angedeuteten Fickszenen und vor allem: der vielleicht schlechteste Soundtrack aller Zeiten.Was den Film erst Film werden lässt sind vielleicht die relativ professionelle Aufmachung der DVD-Hülle, der logische Aufbau (Vorspann – Film – Abspann) und das obligatorische Making-Of mit Pannenszenen am Ende des Films. Wer zwischen den Zeilen einen Trashhammer wittert liegt falsch. Selbst Fans von beispielsweise Rosa von Praunheims „Die Bettwurst“ werden feststellen müssen das Kunst eben doch von können kommt und sich Talent bei aller Bauernschläue nicht erhaschen lässt. In meinem Fall, nach unverschämten 130 (!!!) Minuten muss ich mit Schmerzen feststellen: LEIDER! Selten ist mein Humor so hart auf die Probe gestellt worden, selten kam ich mir auf dem Sofa dümmer vor. Wenn das die unbewusste Zielsetzung gewesen sein mag: Bitte schön. Ich ergebe mich, nur bitte verschone mich die Welt mit dem nächsten Jochen Taubert Film. Möge der Kelch an mir vorüber gehen. Das wäre mir sogar eine kleine Spende wert. Ingo Auge 

 
Maximum Rock´nRoll # 258
Noch so ein Fanzinekoloss, der rollt und rollt wie ein VW-Käfer. Ähnlich wie beim Ox wird man hier mit Information zu Punkbands aus allen Ecken zugeschüttet, was einen langen Lesegenuss verspricht, vorausgesetzt man kann englisch. Die 258 ist aber deshalb ein ganz besonderes Heft, weil hier Michael Graves interviewt wird. Michael Graves war mal Sänger bei den Misfits, ist aber in letzter Zeit eher dadurch aufgefallen, dass er bei den Schwachmaten der ConservativePunk-Homepage eine eigene Kolumne hat. Mutig und gut vom MRR, den Mann mal zu seinen Ambitionen zu befragen, was dabei rauskommt wirft kein gutes Licht auf den Typen. Ansonsten werden noch No fucker, Dominatrix, Career Suicide, The Diffs u. ähnlich unbekannte Bands interviewt, mal abgesehen von den -zig Anzeigen kleiner und Kleinstlabels. Wahnsinn, so was (MRR, PO Box 460760, San Francisco, CA 94146-0760)
 
OXO 86 – Fröhlich sein und singen
Das Pumuckl Thema. Glatt wiedererkannt. Umgemünzt auf den Bandnamen: „Die Oxos sind da!“ OXO86 hauen ganz schön auf die Pauke. Schmissige Oi-Ska Rhythmen treffen auf noch schmissigere Texte im „Ich bin ein Poet oder ich hau dir aufs Maul“-Verfahren. Schillers Galle, Goethes Blase oder E.T.A. Hoffmans Stechäpfel werden schön säuberlich mit Schnaps und Bier durchgespült und erbrochen. Ein Beispiel gefällig? „Eine Droge beherrscht das ganze Land – Im flüssigen Aggregatzustand – Ein kleiner Teufel aus der Flasche – zieht dir die Kohle aus der Tasche“ (Alkohol). Ja meine lieben OXOS, da bin ich ganz sprachlos, selten gingen Chemie-Grundkurs und Oberlehrer-zum50.Geburtstagsständchen-Poetry so wahnwitzig und haarscharf zusammen auf dem Bürgersteig entlang. Musikalisch untermalt durch Bläser und Humtaschlagzeug sind eure Fetenhits ein Stimmungsgarant für jedes Biergelage. Und wenn mal ein Schnäpschen reinflutscht, dann sagen die OXOS nicht nein. Sie singen frei von der Leber weg: „ENDSTATION! Dort wo ich im Rausch versinke! ENDSTATION! Weil ich mich hoffnungslos betrinke! ENDSTAION! Der Treff(punkt) für Härtefälle! Endstation! Willkommen in der Hölle!“. Da darf der anonyme Alkoholiker ruhig mal einen mitheben. Die Sucht kommt klar reflektiert rüber! Bei den OXOS ist das ganze Jahr Karneval, die Kostümierung ist Punk. Ich finde die OXOS sollten nicht nur eigene Musik machen um ihren lyrischen Ergüssen Raum zu bieten, nein, sie sollten auch einen eigenen Schnaps brennen, den OXO 86, das klingt amtlich nach Spirit in the Sky, und mein alter Arbeitskollege Karl hat auch schon den passenden Slogan für das Produkt: OXO 86 – Frauen und Musik machen das schönste Fest kaputt. An die göttlichen DER DURSTIGE MANN reicht ihr leider nicht heran, aber darf denen auch nur das Wasser reichen?!? (www.pukemusic.de) Willy Waga
 
The Spook – Some like it dead
Nein, ich sage nicht, wo ich diese Platte herhabe- sagen wir mal, der Transfermarkt hatte eine ungewöhnlich günstige Kaufoption geboten und jeder Bundesligamanager weiß, da muss man zuschlagen, bevor sich der Markt im Winter wieder schließt. Und der Neuzugang hat sich gelohnt. Im Gegensatz zur 10inch haben sich The Spook auf wichtigen Positionen durch den Einkauf von Deathorgelspieler (auch Stammmitglied im transsilvanischen Nationalteam) Terence Tula eklatant verstärkt und sind somit in der Lage, ihr bisher durch einen starken Offensivdrang geprägtes Auftreten um einiges vielseitiger zu gestalten. So sind sie mittlerweile nicht nur versiert, im kurzen schnellen Horrorflankenspiel, sondern können den Ball auch mal flach halten, durch langsam gehaltene Pässe eine angenehm unheimlich-atmosphärische Stimmung ins Spiel bringen, dennoch blitzschnell auf gefährlich schnelle Konter umschalten und den einen oder anderen Song direkt zum Erfolg verwandeln. Dies alles dürfte ausreichen, um dem Team auf Dauer einen Platz auf den vorderen Rängen der Bundesliga der außergewöhnlichen Horrorpunkgentlemen zu sichern. Auch international könnte dies – ein beständiges Halten der Form vorausgesetzt - einen dauerhaften Aufenthalt in der Championsleague auf Augenhöhe mit Arsenal Misfits (die nach neusten Meldungen nicht nur ihren Namen an einen bedeutenden Versicherungskonzern, sondern auch mittlerweile ihre Seele vollständig dem Merchandiseteufel verkauft haben und von diesem in eine Aktiengesellschaft transformiert wurden) bedeuten. (auf People like you Rec.)
 
Morrissey – Irish heart, english blood - Single
Komisch, es ist schon lang her, daß ich mir mal ´ne Vinylsingle im Laden gekauft habe, dass ich mich nicht mehr dran erinnern kann. Ich meine, so ganz offiziell im Plattenshop eine aktuelle Hitsingle zu kaufen, hat mehr so den Charme der 80er Jahre. Was aber ganz gut zu Morrissey passt, schließlich war er ja DER 80er-Indiediscoheld. Den ich als Jungpunkrocker damals eigentlich eher scheiße bzw. belanglos fand. War irgendwie Mädchenmusik oder was für blasse Grufties, die mit Basketballfrisur todtraurig im Oktober auf dem Schulhof rumstehen. Chaos Z oder Inferno waren zu der Zeit einfach geiler, aber - noch´n Zitat – „The times they are a-changing“ und Morrissey kann ich mir mittlerweile sehr gut verpacken – wenn auch „Irish heart…“ gegenüber „It`s hard to walk, when you´re small“ auf der B-Seite (auch so’n fast ausgestorbenes Relikt aus alten Zeiten: Die B-Seite. Gibt´s nur bei Vinylplatten. Oder kann mir mal jemand bei einer CD bzw. bei Mp3-Files die B-Seite zeigen? Hab neulich mal eine CD umgedreht und abgespielt, war ein sehr interessantes Hörerlebnis) der haushohe Sieger ist. Trotzdem kommen mir die neuen Morrissey-Sachen um einiges rockiger und energischer vor, als das, was er früher gemacht hat. In letzter Zeit mehren sich sogar die Sonntage, an denen ich versucht bin, mir auf dem Trödel eine alte Smiths-CD zuzulegen. Für die Tage, an denen ich mich als blasser Gruftie fühle und depressiv auf dem Hof der Fachhochschule stehe. (auf Attack Rec.)
 
For promotional use only #2 – Musikvideos aus dem Off
DVDs werden im RENFIELD ja eher selten besprochen, aber wenn mal eine hier landet, dann...ja, dann. Nicht wahr? Wird sie mit höchster Aufmerksamkeit begutachtet. Die Vorliegende Scheibe ist eine Veröffentlichung aus dem Hause Staatstakt, was sich das Label der Türen ist. Ok, damit war’s das mit der Objektivität, denn die Türen werden bei mir für ihr Schaffen und auch persönlich hoch geschätzt. Was gibt’s zu sehen auf dieser DVD? 15 töfte, flippige, freche, flotte und pfiffige Musikvideos von allem möglichen Volk, was in Deutschland zur Zeit recht interessante Popmusik macht, fast eine Werkschau durch den aktuellen Stand hmmja, „alternativer“ Popmusik (huh, das klingt jetzt aber seltsam) Die Türen sind natürlich mit dabei genau wie die Goldenen Zitronen, Blumfeld, Chicks on Speed, Rocko Schamoni, International Pony und so was. Alls so eine angenehm abseitig-skurrile Mische aus NDW-Gitarren-Pop-Elektrosachen. Der Fachmann würde wohl das Wort Elektroclash oder auch „Diskurspop“ in die Datei hacken, aber da scheiß ich drauf. Natürlich sind auch ein paar Schattenseiten dabei, die seltsame Elektroblubberversion von „Jo le Taxi“ von Hanayo ist einfach öde, genau so wie der seltsam tuntige Clip von Felix Kubin. Dafür hat Peter Licht (genau, der Sonnendeck-Mann) mit „Die transsylvanische Verwandte“ nicht nur ein tolles Video hingebastelt, sondern auch einen geilen Antihit an sich. Also 13 mal Spaß, 1-2 mal Kack und achja, 4 spaßige Kurzfilme sind noch drauf, von denen zwei überraschenderweise schon vor ein paar Jahren auf einer DER besten Kurzfilmcompilations schlechthin- PEARL HARBOUR III - veröffentlicht wurden. Jetzt könnte ich mich natürlich noch über die verschiedenen Menüs zum Anwählen der Videos auslassen, die sind aber insgesamt so nutzerfreundlich gestaltet, dass auch der medieninkompeteste Depp damit gut zurecht kommen wird. (auf Staatsakt Rec., www.staatsakt.de)
 
It`s a question of Crust – Das Power-it-Up-Special
Tja, so ist das bei Grind und Crustcore. Der voreilige Hörer wird schnell sagen: Ach, geh weg mit dem Krach, da versteh ich eh nix. Aber könnte man denn nicht sagen: Grindcorefans sind die besseren Zuhörer? Denn Crust ist nicht gleich Crust und Krach ist nicht gleich Crust, und nur wer sich die Muße nimmt, nicht alles über einen Kamm zu scheren, wird einiges entdecken, denn Unterschiede gibt’s bei den Power-it-Up-Releases alle mal. Wobei ich finde, das Grindcore eine Musik ist, die man sehr dosiert einsetzen sollte, homöopathisch vielleicht. Möglicherweise ist das auch der Grund, warum in diesem Bereich so viele Singles. EPs und 7inches erscheinen. Die Wirkung ist gerade hier, auch mit kleiner Dosierung beträchtlich. Ich kann mir nicht 24 Stunden am Tag das totale Gebolze geben, aber es gibt Situationen, da ist es einfach geil, die Electro Hippies aufzulegen und den Lautstärkeregler ganz nach rechts zu drehen. Schaut man sich die Veröffentlichungen der letzten Zeit bei P.I.U., dem kleinen Label, aus Vechelde mit Kontakten zur gesamten Grind/Crustszene in der ganzen Welt an, kann man schon einen ganz guten Überblick kriegen, wo was da im Augenblick angesagt ist. 

Japan scheint da traditionsgemäß ganz weit vorn zu sein. Schon in den 80ern tummelten sich dort ein Haufen extremer Hardcorebands, S.O.B., Lipcream, Gauze, Gastunk, Gism, Execute und wie sie alle heißen. Das setzt sich fort bis heute und mit den Bathtub Shitters haben Power-it-Up eine absolute Oberband am Start. Die „Wall of World is word“-CD ist gerade mal 20 Minuten lang, aber das reicht um dem geneigten Hörer 12 Grindgranaten (na sagen wir 10, wenn wir das akustische Intro/Outro abziehen) um die Ohren zu hauen. Der Sound ist fett und ein Holy-Moses-Cover ist auch am Start. Die perfekte Hintergundmusik bei kleineren Reparaturen im Haushalt, z.B. um die rostige Fahrradkette wieder mit einer Rohrzange zu flicken.

Auf der „One Fun“-7“ machen die Badewannenschisser ziemlich genau da weiter, wo sie auf der CD aufhören: 7 mal derbes, aber doch recht abwechslungsreiches Gegrinde, mal mit Grunzgesang, mal mit Gekeife. 2 Coverversionen gibt’s, 1x von Terrorizer, einmal von S.O.B., dazu noch einen Livetrack und einen japanischen Spoken-Word-Track. Geil.

Ebenfalls aus Japan, genauer gesagt aus Nagoya kommen Unholy Grave, die schon einiges veröffentlicht haben und wohl so was wie die Bestseller im P.I.U.-Programm sind. Die Against Terrorism – 7“ sagt vom Titel schon, worum s geht und ist schon so was wie eine Konzeptplatte zum Thema Terrorismus. Daß U.G. nicht gerade dafür sind, dürfte klar sein, wird aber dann auch bei den Songtitel deutlich, die allesamt das Wörtchen Terror in sich tragen. Von „Bullshit Terrorism“ über „Stop Terrorism or die“ zu „Against Terrorism“ ist alles dabei, die Aufnahmen vom November 2002 wurden dabei deutlich von den Ereignissen des 11.9. 2001 beeinflusst. Wie nicht anders zu erwarten sind Unholy Grave denn auch ziemlich kompromisslos in ihren Grindkloppern und ans Ende der ersten Seite haben sie dann noch ein kleines Zitat von George Bush drangehängt. Vielleicht sollten die Amis mal ihre Strategie überdenken und statt Soldaten mit dieser Platte Jagd auf Terroristen machen, hätte bestimmt mehr Erfolg, als sich im Irak immer sinnloser in einen Guerillakrieg verstricken zu lassen.

Daß sie noch mehr können, als über Terrorismus zu singen, zeigen Unholy Grave dann auf der einer der neuesten P-I-U.-Releases, der Splitsingle mit KADAVERFICKER (Anwärter auf den besten deutschen Bandnamen seit langem) aus Dortmund. 5-mal dürfen die Japaner ran, wobei die Songs in wechselnden Besetzungen zwischen 1997 und 2003 aufgenommen wurden. Die sind also schon etwas länger dabei und wenn man´s nicht wüsste, könnte das auch einfach guter Japsencore aus den 80ern sein. 

Die KADAVERFICKER haben nebenbei mal eben ein neues Genre erfunden, dessen einzige Vertreter im Augenblick wohl sie selber sind. Willkommen bei der wahrscheinlich ersten NEKROCORE-Band der Welt. Als Nekrocore-Legende hat man wahrscheinlich von Natur aus ein Faible für Horrorfilme und lässt es sich nicht nehmen, aus deren Tonspuren mal immens lange Intros für seine Songs zu basteln. Das mag ganz witzig sein, gefällt so ´nem ungeduldigen Menschen wie mir aber nicht so gut, zu mal die richtigen Songs, die sich irgendwo zwischen ultraschnellem Grind und schleppendem Deathmetal bewegen, so was gar nicht nötig haben. Vom Auftreten, Herkunft (auch Ruhrpott), Namen und Styling her haben die fast schon so das Zeug zur Kultband wie die frühen SODOM. Tolle Intros haben die Herren Fäkalpapst, Goreminister und Spermanavigator auch für ihre zwei Songs der Splitsingle mit Agathocles gefunden. 2 Granaten, deftig und herb, wie es im Ruhrgebiet manchmal so ist. AGATHOCLES könnte man schon irgendwie als Godfathers of Grind bezeichnen: Ein Blick auf die Liste ihrer Releases zeigt, dass die Belgier schon seit Jahren unermüdlich mit allen möglichen Bands zusammenarbeiten und sich dabei immer selbst treu bleiben. Die Splitsingle bringt dem Hörer gleich 4 neue Granaten ans Ohr, die allesamt mit ´nem 4-Spurrecorder aufgenommen wurden. Noch was zu den Texten: Die sind zwar recht schwer zu verstehen, aber es gibt sie und AGATHOCLES stehen nicht nur weit und offensiv links, sondern wettern gegen Faschisten, Politiker und das GATT-Abkommen. Gut das.

So. Machen wir mal ´nen Sprung. Nach Finnland. Für dieses Land habe ich eine Schwäche. Wegen der netten Frauen, wegen der witzigen Sprache, von der ich mir immer vornehme, sie mal zu lernen und wegen der guten, etwas obskuren Vorliebe der Finne für seltsamen Humor und gute Musik. Katastrofialue zum Beispiel. Nach intensivem Hören ihrer „Taivaasta Roskiin“-EP bin ich zu dem Schluß gekommen, es hier mit echten Naturfreunden zu tun zu haben, denn es gibt wahrscheinlich selten Bands, die es schaffen in den 10 Songs ihrer EP einen wütenden Hornissenschwarm perfekt akustisch umzusetzen. Geiles Teil, eins der besten Dinger hier, leider schon von 94, könnte mir fast vorstellen, das die sich schon aufgelöst haben. Heinz Sielmann und Dr. Grzimek wären stolz auf diese Band.

Finnisch geht´s weiter: Tuomiopäivän Lapset heisst auf Deutsch soviel wie „Kinder des Tages des Jüngsten Gerichts“ – kein sehr optimistischer Name irgendwie. Vielleicht gab’s die Band auch deshalb „nur“ von 1991 bis 1998, dann war´s mit der gemeinsamen Zukunft wohl Sense. In diesen siebeneinhalb Jahren waren Tuomipäivän Läpset aber außerordentlich produktiv, wie die bei P.I.U. erschienene Discographie beweist. Es hat für 8 Singles gereicht, darüber hinaus waren sie an 6 internationalen Compilations zu finden. Brian Wilson hätte die Jungs mal zum Gespräch bitten sollen, dann hätte er seine Smile-CD vielleicht schneller fertig bekommen. All diese Songs sind jetzt auf einer Doppel-CD zusammengefasst und das „Tuomiopäivan…“ kein Opern singen beweist die fast unglaubliche Zahl von 59 schnellen – HC/Crustsongs, wie man sie von Bands wie Kaaos, Tervet Kadeet oder Rattus kennt und in denen gegen alles gewettert wird, was geht: gegen Bullen (die zu verbrennen empfohlen wird, weil das ihr einziger Nutzen ist. Hmm ja, bin generell kein Freund von Menschenverbrennen, ob Bulle oder nicht), gegen Faschisten, gegen die herrschende Klasse, gegen Tierversuche – gegen fast alles. Kommt also recht nihilistisch daher, diese CDs, ist aber trotzdem muckemäßig ordentlich gemacht. Vergleicht man die früheren mit den späteren Songs lässt sich sogar eine gewisse Entwicklung in den Songstrukturen ausmachen, die am Anfang noch sehr, sehr simpel sind und die Songs dementsprechend kurz, aber im Laufe der CD wird´s dann noch etwas ausgefeilter und so ist auch die zweite CD insgesamt doch hörbarer. Als wäre das alles noch nicht genug, gibt’s als Bonus noch alle 10 Songs der „Doomed for Destruction“ – 12inch von Genocide. Ist nur ein bisschen unklar, in welchem Zusammenhang Genocide und Tuomipäivän Lapset stehen – Vielleicht Vorgängerband – Nachfolgerband? Da wären ein paar Linernotes angebracht gewesen. 
Kuomela heisst schlicht und ergreifend zu gut deutsch Tod. Deren „Noise from sick City“ kann man fast schon als historische Aufnahme bezeichnen. 10 Songs (mal wieder) die im grimmig kalten Februar 1983 irgendwo in einem finnischen Studio bzw. Proberaum 
aufgenommen wurden. Das heißt 10mal typisch finnischer Hardcore aus den Achtzigern und die Fachleute wissen, dass so was dann auch ähnlich wie Tervet Kädet (deren Gitarist hier auch mitmacht) oder Rattus klingt: schnell, roh und simpel. Die Soundqualität ist nicht so dolle, deswegen gibt’s leichte Abzüge in der B-Note, sonst wäre es vielleicht eine Top-Platte. Super-Cover übrigens, möchte ja gern wissen, ob das Bild echt ist.
So, bin gerade gut in Schwung, da leg ich doch mal die nächste Platte auf, um meine Finnischkenntnisse zu erweitern. Dissect heißt die Band, „Todellista Todelisuutta“ die EP, vorn auf dem Cover ist ein Atompilz gezeichnet, in den geschickt ein Totenkopf eingeflossen ist, daneben tummeln sich Hochhäuser, Fabriken, Ölbohrtürme, alles recht schlicht gezeichnet und in s/w gehalten. Dann dröhnts dumpf aus den Boxen: der Sound ist zwar nicht optimal (besonders das Schlagzeug klingt, als wäre da ein Sounddesigner für Keksdosen zugange gewesen). Die drei Songs auf der A-Seite sind recht herkömmlicher schneller Discharge-mäßiger Crustcore, klares Highlight auf der EP ist allerdings die B-Seite, wo nur ein Song drauf ist, aber der ist dadurch, dass er nicht nur stumpf und schnell ist, sondern echt variantenreich, sehr gelungen. Wenn Dissect in der Richtung weitermachen, werden sie noch ganz groß. Ist übrigens eine Zusammenarbeit von P.I.U. mit Prole Rec. aus Finnland und Undislessed Records aus Frankreich.
Natürlich gibt es auch in andern Ländern heftige Bands, so haben sich beispielsweise Matka Teresa und F.U.B.A.R. aus Amsterdam zu einer Splitsingle zusammengefunden. Das klingt ganz und gar nicht nach De Heideroosjes oder ähnlichem, was man aus den Niederlanden kennt, sondern es wird gegrindet, daß einem die Tüte aus dem Mund fällt und die Tulpen in der Hand verwelken Matka Teresa machen kurze Grindcoresongs mit ´nem leichten Metaleinschlag und dem bekannten Grunzgeschrei. Ihre Kollegen von der Flipside arbeiten im gleichen Gewerk, irgendwie gibt’s keine Band, die hier deutlich besser ist, aber schlecht sind sie beide definitiv auch nicht.
Das beste Cover der bisher bekannten P.I.U.-Releases haben eindeutig Hibernation aus Griechenland. Und nicht nur artworkmäßig sind die ganz groß unterwegs, auch vom musikalischen her gehört die Band aus Athen für mich schon zu den Highlights. Die Loneliness-EP hat 4 düstere, fast schon metalmäßige Songs, die mich irgendwie an eine Mischung aus Black Sabbath und Wolfpack und Discharge erinnern: Da folgen auf lange, düstere Spoken Word-Parts kurze desperat klingende Hardcore /Crustkracher, die durch den kantigen, griechischen Gesang noch um einiges stimmungsvoller und eindringlicher rüberkommen. Vor ein paar Jahren gab’s schon mal mit NAYTIA `ne Band, die so ähnlich war. Neben Katastrofialue und Bathtub Shitter meiner Meinung nach die beste Band bei P.I.U. 

Nailed Down: „Perth Wolfpack“ – nicht so gerade der typische Power-it-Up-Stuff. Kein Crust/Grind, mehr rauer Old-school-Hardcorepunk, der deshalb schon Sympathiepunkte einfährt, weil er mich stark an die letzten G.G. Allinsachen erinnert. Fast hätte ich sogar gedacht, die hätten bei „Romper Stomper“ was zum Soundtrack beigetragen, denn „Smack in the head“ klingt verdammt ähnlich wie der im Film verwendete Song (mal von der Gewaltverherrlichung abgesehen, das ist nicht so doll). Also sehr abwechslungsreich, die CD, aber die hier vertretenen Songs stammen auch aus verschiedenen Aufnahmestadien. 2 Coverversionen von Blitz und Negative FX sowie einen etwas obskuren Industrial-Meeresrauschen-Track gibt’s auch noch und wer einen Computer hat, kann sich auch einigen schwarz-weißen Liveaufnahmen von Nailed Down-Konzerten anschauen, wobei deren Qualität aber nicht wirklich gut ist.
Daß der Unterschied zwischen Extrem-Grindbands und diversen Deathmetalcombos im Grunde gar nicht sooo groß ist, kann man eigentlich ganz gut bei der Split-LP von Depression und Mesrine sehen. Zumindest beim Artwork könnte das Ding auch ganz klar als Todesmetalplatte durchgehen: Schriftzüge am Rande der Unleserlichkeit. Depression sind aus Deutschland, NRW tippe ich mal und auch vom Sound her kommen die eher aus der Metalecke. Der Grunzgesang, die metalmäßigen Gitarren, die Texte über Blut Fleisch, Aas, Leichenfledderei und anderes Geschmatze sowie das nicht ganz so arg schnelle Tempo könnten auch für den einen oder anderen Cannibal-Corpse-Fan interessant sein. Richtig geil ist allerdings, daß die es sich nicht nehmen lassen, „Hate the kids“ von Turbonegro zu covern!! Da hätten die Norweger bestimmt selber ne Menge Spaß dran.Die Rückseite dieser in schiefergrau gehaltenen LP gehört den Kanadiern von Mesrine. Ansässig im französischsprachigen Teil des Landes, haben sie all ihren Songs die Namen von irgendwelchen Kerlen gegeben, von denen ich denke, dass es alles Massenmörder sind, zumindest ein Song heißt Saddam, dann gibt es noch „The Mangler“, „Jack Bishop“, „Le Restaurateur Georges Tannous“ und so was. Auf den Abdruck der Lyrics wird generell verzichtet, aber das soll ja nicht heißen, dass es keine gibt, höhö. Sehen wir das mal als Chance, Grind (und solchen -schnell, hektisch mit einer derben Metalkante sowie Schrei-und Grunzgesang versehen- spielen sie) als Instrument der internationalen Verständigung zu etablieren, denn wo keine Lyrics stehen, schrecken sie auch keine Fans ab, die kein Französisch sprechen. Das ist ja fast schon ähnlich wie bei Techno, wo gerade der Verzicht auf Texte in den Songs dazu führt, dass es universell auf der ganzen Welt verständlich/einsetzbar/genießbar ist, ohne irgendwelche Sprachbarrieren.
Ob bei den Platten von Ruido aus L.A. für den uneingeschränkten Hörgenuss unbedingt Spanischkenntnisse nötig sind, lass ich jetzt mal dahingestellt. Jedenfalls hauen sie einem auf der ihrer Live@KXLU-Radio-7“ sieben raue Grindgranaten um die Ohren, die aber ewig gleiches Gebolze sind, sondern schon eine recht eckige, eigene Struktur haben. Wenn Black Flag eine Grindband gewesen wären, und dazu auf Spanisch geschrieen hätten, dann wäre wohl so was wie Ruido rausgekommen. Ab und an geht´s dann aber doch einfach straight nach vorne, was Live im Radio bestimmt ganz gut abgeht. Ruido haben sich dann noch mit Nailed Down für eine 5-Inch-Leckerli-Splitsingle zusammengefunden, die (ich erinnere mich noch an den Wilbur Cobb-Fünfer) bei der mein Plattenspieler aber genau in dem Moment die Nadel anhebt, in dem Musik anfängt. Deshalb für mich unhörbar, aber ich wette, die 2 Ruido-Songs und die drei (!) von Nailed Down dürften dem entsprechen, was es auf den Singles bzw. der CD zu hören gibt.
Eine Ausnahme unter den Power-it-Up-Veröffentlichungen ist auf alle Fälle die LP von Wormwood, die quasi ein Überbleibsel von der Übernahme des Maximum-Voice-Vertriebs ist. Überbleibsel klingt jetzt ein bisschen hart und das wird dieser Platte auch nicht gerecht, denn sie ist richtig gut. Zwar schwierig zu hören, aber doch sehr gut.Das fängt schon beim aufwändig gestalteten Artwork des LP-Booklets an: Sehr düstere, dunkle Bilder, die man eher bei einer Gothicband erwarten würde, als bei einer Band auf diesem Label. Auch die Besetzung ist ziemlich ungewöhnlich, auf Gitarren wird ganz verzichtet, dafür hat man 2 Bassisten an Bord, einen Keyboarder sowie noch jemanden, der diverse Samples einstreut und auch noch für Tribal Percussion zuständig ist. Das man hier also kein stumpfes Gebolze erwarten kann, liegt fast schon auf der Hand, die Aufnahmen gehen wirklich eher in die Neurosisecke bzw. Gothic/Metalrichtung, allerdings ohne dem ganzen damit zusammenhängenden Kitsch zu verfallen. Teilweise sehr schleppende Songs, mit einer Kirchenorgel untermalt, heiserer 
Gesang (den man sogar richtig versteht) und am Ende hängt noch so ein atmosphärisches Klavierinstrumental dran, dass sich so mancher Filzkopf fragen könnte, ob er gerade eine Chopin-Platte gekauft hat. Abwechslungsreich, sehr intensiv, eher untypisch im vergleich zum 
anderen Power-it-Up-Stuff, aber (auch deshalb) sehr gut.

Renfield No.13 Reviews (Part 1)


Yeah. Number 13. Actually not my lucky number like Mike Ness said. But we made more issues than this one. So enjoy the rezis.

52 Pick-Up – Nuthin but trash/ Nightmares in a damaged brain (live)/ Evolution Crisis

Schaurig geht´s zu bei 52 Pick-Up. Beim ersten Blick aufs Cover kann man erkennen, dass die `ne schwere Vorliebe für Horror, Trash, B-Movies, Zombies und was noch so dazugehört, haben. Der Begriff Horrorpunk trifft hier ins Schwarze wie der Biss eines Zombies in harmlose Passanten in einem George-Romero-Film. Wobei das gute Artwork aber auch das einzig gemeinsame der drei Demos (Demos? Bin mir nicht ganz sicher, sehen schon so gut aus, das könnten fast offizielle Releases sein), ansonsten klingt 52 Pick-Up bei jeder Platte extrem unterschiedlich, was wohl an der wechselnden Besetzung liegen könnte. Die „Nuthin’ but Trash“-CD ist die älteste und da scheinen alle noch eine große Vorliebe für trashigen Garagepunk gehabt zu haben. Jedenfalls hört man all die guten Vorlieben wie z.B. die Cramps, Guitar Wolf, Meteors o. Mummies, Monsters o. Buzzcocks raus und gut rockig ist es. Der Sound ist so, wie es sich für `ne Garagenpunkband gehört, nicht glatt wie ein Chris-de-Burgh-Album, aber angenehm rauschig. Hätten sie so weitergemacht, wären sie bestimmt irgendwann zur Halloween-Hausband im Wild at heart bzw. Mad`n Crazy geworden. Sehr, sehr gut, das.
Bei den „Nightmares in a damaged Brain“ - Aufnahmen handelt es sich um ein kurzes Livedemo, das nur drei Songs umfasst. Wie das so bei Liveaufnahmen ist, klingt`s nicht ganz so dolle und irgendwie frag ich mich, ob das nötig war. Drei Songs sind fürn Liveding etwas wenig und weil der Sound nicht wirklich toll ist, finde ich das Ganze etwas verunglückt. 
Kommen wir also zum aktuellen Output. Jahre sind ins Land gezogen, nicht nur Jahre, auch Bandmitglieder haben bei 52-Pick-Up gewechselt wie Ersatzspieler bei einem Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und England. Die einzige Konstante scheint Sänger Latch zu sein, dessen Stimme als markantes zuverlässiges Zeichen auf allen 52-Pick-Up-Releases zu finden ist. Ob „Evolution Crisis“ jetzt latent für den Entwicklungsstand der Band stehen soll, glaub ich eher nicht, trotzdem ist es überraschend zu hören, dass die CD weg vom alten Garagenkram in eine ganz andere Richtung geht. Streetpunk heißt die Parole und würde ich nicht die andern Demos kennen, hätte ich die Herren als ruppige Streetpunkband à la Business mit leichten Rock´n Roll- bzw. Metalanleihen eingeordnet. Am Ende gibt’s noch ein gut rockendes „Monster Mash“-Cover. Der Sound ist insgesamt glatter als früher, passt aber besser zur Musik. Auch sehr gelungen, trotzdem sind mir 52-Pick-Up in ihrer Nuthin’ but Trash-Phase am sympathischsten. (Contact: hippykillerinc@yahoo.co.uk)
 
No Exit – aus Berlin
Deutschpunk aus Berlin. Vom Cover grinst einen halbseitig ein Iroträger an und ich hab schon schlimmste Befürchtungen, da ich Bands die traditionellen Deutschpunk, wie wir ihn ja mal alle früher bestimmt geliebt haben, heute nicht mehr ganz verknusen kann und ganz fix mit den aktuellen schlechten Platten von z.B. Daily Terror in Verbindung bringe.. AberNo Exit sind besser als gedacht. Das ist eher deutschsprachiger Punk-Rock´n Roll mit nem original Berliner Schnauze –Sänger, der auch mal gern eine Liebeserklärungen ans Leben in Berlin zum Besten gibt. Als Vergleich fallen mir spontan die die Bad Mothers ein, die ja auch mit deutschen Texten auf der Punkrockschiene unterwegs waren, nur das der No Exit-Sänger nicht so Danzigmässig rumknödelt und die Band insgesamt rotziger, irgendwie dann doch deutschpunkiger, klingt. (auf PukeMusic, www.pukemusic.de )
 
Ox # 56
Recht schlicht kommt das Ox daher – keine quietschbuntes Cover mit Flammen oder Rock`nRollmiezen wie sonst öfters, nein, diesmal gibt’s einfach nur eine schwarze Platte vorn drauf. Hat auf alle Fälle was damit zu tun, das EA 80 ihr 25jähriges Bandjubiläum haben und im Heft angemessen gewürdigt werden. Ist ja irgendwie eine schwierige Sache: Wie feiert man den runden Geburtstag einer Band, die gar nicht rund gefeiert bzw. mit schlechten Geschleime zugesülzt werden will, hat aber in diesem Fall ganz gut geklappt. Ansonsten die übliche Informationsflut im Ox, bei denen man schon einen wirklich miesen Anfall von Montezumas Rache haben müsste um alles am Stück auf dem Klo durchzulesen. Gut sind auf alle Fälle das Bellrays-Interview, das von I walk the Line auch, ansonsten wurden recht viele alte Helden abgefischt wie z.B. Poison Idea, Adolescents, Spermbirds und so. Was zu meckern hab ich nicht wirklich, wie soll denn das erst werden, wenn das Ox ab 2005 alle 2 Monate erscheint? (Ox, P.O.Box 102225, 42766 Haan)
 
Rock against Bush Vol. 2
George Bush ist immer noch Präsi der USA, wir können also mit weiteren Rock-against Bush-CDs 3 – 1000 rechnen. Die Grundlage für weitere Compilations, auf denen sich alle Stars der Melodycore/Punkrockszene tummeln, bleibt also!? Ok, stecken wir den Zynismus mal wieder ins Kabuff. Die FatWreck-Macher haben den zweiten Teil ihrer Anti-Bush-Kampagne gestartet, gebracht hat es aber irgendwie nix. Wieder gibt es satt bekannte Bands (z.B. Social Distortion, Green day, sogar No Doubt und die Foo Fighters sind am Start) und mit den Donots sogar eine deutsche Band. Die DVD ist im Vergleich zum ersten Teil um einiges umfangreicher, es gibt nicht nur Musikvideos (Bad Religion, NOFX, AntiFlag) sondern auch Mitschnitte von diversen Comedians und Politwissenschaftlern, die sich kritisch zu George und seiner Politik äußern. Viele werden sich also diesen Sampler kaufen, auch wegen-gegen Bush, aber ich denke, hier in Europa in erster Linie nicht wegen des politischen Aspekts, sondern einfach der Musik wegen. Und wenn es dann noch gegen Amerikas Obersatan geht, warum nicht? Das politische Gewissen beruhigt sich, wenn sich Subkultur mit politischer Ausrichtung deckt. 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen, sozusagen mit einer Doppel-CD, auch wenn man sonst mit Politik nicht wirklich was am Hut hat. Auch etwas plakativ das Ganze, aber ist das so schlimm? Vielleicht gibt es differenziertere Protestformen gegen Bush, aber die haben dann auch mit Punk(rock) nicht lautstark was zu tun. Und ein gewisses provozierendes Auftreten muss so´n Punksampler auch haben, sonst kann ich mir auch den bolschewistischen Männerchor anhören. (auf FatWreck)
 
Andthewinneris – The Punch and Judy show
Komisch, dieses Stück Emo gefällt mir im Augenblick ganz gut, obwohl ich eigentlich nicht so ein großer Freund von derartigem bin. Was eventuell damit zusammenhängt, dass vor gar nicht langer Zeit heulerige Emobands an jeder Ecke wie Unkraut aus dem Boden gesprossen sind. Irgendwann hat man sich halt an all dem schwermütigen Jungs-jammern-rum-Kram satt gehört. Trotzdem kann ich mir ATWI anhören, ohne gleich Ausschlag zu bekommen. Vielleicht liegt es am Wetter. Draußen stürmt es, der Herbst macht sich im ganzen Land breit und wenn man die Zeit hätte, könnte man den ganzen Tag vorm Fenster sitzen und den Blättern zusehen, wie sie über die Straße fegen. Und dabei in eine melancholische Stimmung verfallen und ANDTHE WINNERIS (Natürlich 4 Worte als Bandname. Das ist schon wieder so typisch Emo, das es nicht mehr wahr ist) hören. Es ist nicht sooo was besonderes, was die Band aus Hannover macht. Hat man schon oft in verschiedene Variationen gehört: Poppig-melodische, fast schon hymnenartige Gitarrenriffs, manchmal auch ein melancholisch klimperndes Klavier und ein hingebungsvoll schluchzender Sänger. Hatten wir alles schon mal, bestimmt auch schon mal schlechter, aber auch schon mal spektakulärer und falls die Get-Up-Kids, Samiam oder Jimmy eat World noch mal auf Tour kommen und eine solide Vorband brauchen, die schon genug Erfahrung hat (gesammelt u.a. bei Konzis mit den Donots, Lagwagon sowie diverse „kleinere“ Veröffentlichungen), sollen sie mal bei ANDTHEWINNERIS anrufen. Die Frage ist nur, ob die wahrscheinlich längsten Songtitel der Welt ausreichen, um zwischen x anderen Emobands noch markante Zeichen setzen zu können. (auf Rockhit Rec., Waldemarstr. 37, 10999 Berlin www.atwi.de) 
 

Street Attack Vol. 4
Lässt die Anzahl der Ziffern in der Telefonnummer der Kontaktadresse der vertretenen Bands auf die Qualität derselben schließen? Oder anders gesagt, sind die hier versammelten Bands scheiße, weil sie fast alle aus kleinen (westdeutschen) Provinzkäffern kommen? Na, beim RENFIELD sitzen ja keine arroganten Hauptstädtwichser rum, also stimmt die These nicht. Schon allein deshalb weil auch die Großstadtbands auf dieser CD genauso schlecht sind wie der ganze Rest. Dieser ganze Sampler ist voll mit irgendwelchen Mümpelbands, die alle scheiße klingen und wenn nicht das, einfach so öde sind, das ich beim Hören einen totalen Kackreiz kriege. Wir haben Deutschpunkbands (WKZ – mit einem D.O.A.-Cover auf Deutsch, ha, wie einfallsreich - Hartwurstsuppe, O.S.S, Regional Report, Irrelevant, Kreftich), die lustig sein wollen, aber sich ungefähr auf dem Humorlevel der Hannen Alks bewegen. Dann haben wir diverse Skabands, die so taktlos durch die Songs hoppeln, als wären sie ein Bande epileptischer Karnickel und dazwischen ein paar ziemlich einfallslose Hardcore/Punkbands sowie irgendwelche total undefinierbare Sachen (End-Effect, Reggaena & der Tee). Bands, die lieber noch ein paar Jahre im örtlichen JZ proben sollten, bevor sie hoch ambitioniert und total untalentiert mit ihrem Scheiß wertvolle Rohstoffe in Form von CDs oder LPs verschwenden. Oder die sich am besten SOFORT auflösen und ihre Punkkarriere als nett belächelte Jugendphase abhaken. Dazu dieses absolut bekackte Cover, das aussieht, als hätte da jemand seine ersten Schritte mit einem Grafikprogramm gemacht. Nee, nee, muss echt nicht sein.
(www.extrempunk.de. Noch was aus dem Marketingkurs: Wer sich selber Extrempunk nennt, ist erst recht keiner)
 
Agrotoxico/ The Flicts – Split-CD
Ach guck, mal wieder 2 Bands aus Brasilien. Aus Sao Paulo besser gesagt. Agrotoxico sind ja nicht mehr so ganz unbekannt, deren Platten werden schon seit längerem über Dirty Faces hier unters Volk gebracht und groß verändert haben sie ihren Sound auch auf dieser Split-CD nicht. Ohne große Rücksicht gibt’s guten, schnellen, wütenden Hardcorepunk, mit gut dosierten Gitarrensolis gewürzt, zwischen Discharge, Exploited und Poison Idea (deren „Punish me“ auch gecovert wird). Textmäßig bleibt man auch in den üblichen gesellschaftskritischem Rahmen, gleich zweimal wird der Krieg im Irak thematisiert. Wieso tauchen solche Bands eigentlich nicht auf einem Rock-against-Bush-Sampler auf? Wäre wohl nicht so verkaufsfördernd bei den jungen Punkrockgirlies. Agrotoxico haben dann auch gleich mal ihre Freunde aus Sao Paulo mitgebracht, die Flicts. Bei denen geht’s nicht ganz so hart los, man ist eher im Streetpunk zuhause und den können die Flicts recht vielseitig. Mal binden sie locker Black Flag’sche Zitate in einen Song ein, mal klingen sie fast wie Status Quo als Punkband und natürlich gibt es auch eine Menge von Singalong-Melodien zum Mitgröhlen (wenn man denn Portugiesisch kann), trotzdem sind die Texte nicht ganz so bierselig, wie man es erwarten könnte. Der Sänger klingt irgendwie wie der von Agrotoxico, aber ein Blick ins Booklet zeigt, dass es doch ein anderer ist. Verstecken müssen die sich auf alle Fälle nicht. Fazit: `Ne gute Split-Veröffentlichung, mit der Agrotoxico kurz nach der „Estado de guerra Civil“ weiter auf sich aufmerksam machen und ihren Kumpels, den Flicts, gleich die Gelegenheit geben, hier in Europa ein Bein an die Erde zu kriegen. (Dirty faces, Universitätsstr. 16, 44789 Bochum)
 
Bad Brains – Rebel in the City – live 02/79
Als die Bad Brains die Aufnahmen zu dieser CD gemacht haben, war ich gerade mal 5 Jahre und ein paar Monate alt. Playmobil war das Maß aller Dinge und die Tage im Kindergarten waren auch langsam gezählt. Kein Gedanke daran, dass sich zur selben Zeit vier Schwarze in Kansas City ihre Wut aus dem Balg schreien und dabei sind, sich als erste und bisher wohl einzige schwarze Punkband in die Punkgeschichte einzureihen. Das wusste ich als Pimpf nicht und die Bad Brains wussten es wohl damals auch noch nicht. 26 Jahre später gibt’s von diesem Konzert in Max´s einen Bootleg in nicht wirklich guter, aber doch annehmbarer Qualität (alle, die so was wie die „The Youth are getting restless“-Aufnahmen erwarten, seine hiermit gewarnt). Diese Band war/ist eine meiner absoluten Lieblingsbands und 26 Jahre sind ´ne Menge Zeit. Gerade für eine Band, die absolute Granaten, aber auch mal richtige Scheißplatten rausgebracht hat, ihre Namensrechte an Madonnas Plattenfirma verkauft hat und auch sonst in den letzten Jahren eigentlich nur durch obskure Meldungen aufgetaucht ist. Egal, denn dieser Bootleg erinnert einen doch daran, wie geil, wie energisch, vielseitig und cool die Bad Brains in ihren besten Jahren sein konnten und warum man gar nicht anders konnte, als sie vom ersten Ton an zu lieben. Auch wenn der Sound nicht optimal ist (Hey, das Ding ist von 79, dafür ist es super) und auf die Trackliste nicht 100%ig Verlaß ist (aber man kennt eh alle Songs und kann da etwas nachsichtig sein), bleibt es trotzdem ein Livemitschnitt, den sich jeder Bad-Brains-Kenner zulegen sollte. Allein um mal Liveaufnahmen aus der Frühphase zu haben. (über Crustafar-I Records; Jesper Worre vej 15, 2200 Kopenhagen, Dänemark)
 
Rock-Ass – Ass of Spades
Cooler Titel, soviel Wortwitz war schon lang nicht mehr, hö. Das vierte Demo der Berliner Punkrocker und ich frage mich genau wie beim letzten Mal, wie lang es noch bis zu ersten richtige Platte dauert. Rock-Ass machen eigentlich alles richtig und wenn im Lehrbuch für Demoproduktionen eine Band präsentiert werden sollte, dann wären sie perfekt. 6 neue Songs, die wie gewohnt ordentlich produziert sind und so gut rocken, dass Rockass ohne Probleme mit mit Zeke, Nashville Pussy oder Motörhead oder ähnlich artverwandten Punk`nRollern die Bühnen rocken könnten. Vorerst supportet man erstmal Peter Pan Speedrock, aber das ist schon mal die richtige Richtung. Das Layout für ´ne richtige Platte gibt´s auch schon, fehlt nur noch ei Label, dasß mal das nötige Kleingeld locker macht. Also Plattenbosse, ran an die Band, das lohnt sich!!! (contact: www.rockass.org) 
 
The Flaming Stars – Named and shamed 
Wer es zu 7 Sessions beim DJ-Gott John Peel bringt, hat entweder genug Kohle auf irgendeinem Konto, um den man regelmäßig zu schmieren, oder macht wirklich ganz gute Musik (wobei man John Peel einfach mal unterstellen muss, daß er nur gute Bands zu seinen Sessions einlädt, bzw. eingeladen hat – R.I.P.) Dabei hat sich bei den Flaming Stars eigentlich nicht viel verändert. Seit Jahren machen sie ihr Ding, recht unbeeinflusst von dem was gerade Mode ist oder nicht, es scheint ihnen egal zu sein. Dabei hat sich auch auf der neuen Platte nicht viel verändert. Eigentlich machen sie immer noch ihr etwas melancholisches Ding mit viel Krach. Je öfter ich diese Platte höre, desto mehr erinnern mich die Flaming Stars an eine Mischung von gutem Garagenpunk, Nick Cave, Calexico, Velvet Underground und EA 80. EA80? Die Stars singen natürlich nicht auf Deutsch, aber ich finde, die Stimmung, die beide Bands erzeugen ist sehr ähnlich: Einerseits sehr ruhig und melancholisch, und dann wieder krachige Ausbrüche. Im Vergleich zur Sunset-Void-LP vermisse ich ein bisschen die Songs, die so richtig fetzen, aber nach mehrmaligem Hören würden es „Where the beautiful people go“ und „Bess of the boneyard“ sofort auf meine Jahres-Top-10-Mix-CD schaffen. Wenn ich denn eine brennen würde.
 
GISELA – THE WAR
Verpackungsschwindel! Dem Riot-Wesen, maskiert mit Revolver in der Hand, auf dem Cover nach zu urteilen erwartete ich Riot-Sound (Go Bang!), gerade wenn mir die CD von Tim Kegler, dem leitenden Hammel zugesteckt wird und den Titel „The War“ trägt. Aber weit gefehlt: eine bittersüße Frauenstimme begleitet von Akustikgitarren und gelegentlichen Streicher- und vorsichtigen Synthiesounds. Zum Schluss taucht ein Schlagzeug auf. Musik wie ein Mädchentagebuch. Wir dürfen heimlich und unentdeckt hineinhören, vorsichtig und sanft: „I am reading diarys like fiction“ oder „I traveled fast and i look back all the time“. Gisela – beim Namen meiner Mutter – schaut von der Bettkante hinab ins Jammertal des blauen Planeten. Eine zarte Nase, eine „Maid of constant sorrow“ wie Julian Cope einst sang. Die Hallräume in die sie ihre zarte Stimme haucht, lassen den sehnsüchtigen Wunsch nach einem Whiskeyvollrausch in einer Tropfsteinhöhle wach werden – allein (eine alte Obsession meinerseits). Gisela Fleischer (warum lässt sie den Nachnamen nur weg?) kommt aus Skandinavien. Das sind die Fakten. Der Rest bleibt Emotion. Malerisch lege ich mich dazu. MICH erinnert die Aufnahme an alte GOLDEN PALAMINOS-Alben, auch wenn die vom Wesen her uramerikanisch sind. Aber welche Künstlerseele fühlt heute nicht amerikanisch?! Mensch, ein Amerikanisch-Skandinavisch-Europäische female Allwetterbluesmüsli. „The War“ von GISELA wäre also folgerichtig der optimale Soundtrack zu Jeffrey Eugenides „Virgin Suicides“, wenn das die beiden Pilzköpfe von Air nicht schon formidabel getan hätten. Tristesse und Schönheit. Gerne hineingeblickt. (www.pumpkin.nu) Björn Sonne-Mond 
 
THE MAD CADDIES - LIVE FROM TORONTO: SONGS IN THE KEY OF EH
Tosender Applaus! Let´s go!!!! Bläser wie Schützenfest auf Speed. Schnitzeljagd Hurra! Gesang wie die besten Punkbands mit modernsten Wetlook- Frisuren. Testosteron in meiner Sonntagstube, Was willst du denn hier?! Bei mir?! Du hast dich wohl verirrt. Du wurdest von deinem Promoteam aus dem Häuschen Fat Wreck zu einem absolut überforderten Chefredakteur geschickt der sie mir zur Besprechung gab. Tja, aber nun sitzen wir hier beisammen und kommen nicht so richtig miteinander klar. Wenn wir doch nur eine Tüte Cannabis zusammen rauchen könnten, ihr MAD CADDIES, dann könnten wir uns zusammen die Specials anhören, Gummibärchen essen und uns darüber unterhalten wie wichtig Kultur ist, und das Kreuzen von Kulturen erst. You were recording „A LIVE FUCKING RECORD!“ und ich sitze hier live am Rechner und werde gleich Tatort gucken. Im SO36 oder im WILD AT HEART da mag man euch bestimmt. Da lässt man noch mal Jägermeister, Dope und Literweise Becks nachschütten, zu eurem Mix aus Punkrock , Ska und Collegerock. Das macht ihr alles unglaublich professionell, und euer Zirkus-Artwork mit den knuffigen Seelöwen mag ich auch. Ich glaube ihr seid richtig nett, wild und robust. Richtige Haudegen! Ich jedoch bin soft, lame und bohem. Mag Synthesizer, Pop und Soul. Sogar mit Jazz komme Ich im Alter klar. Aber ihr hört privat auch bestimmt ganz anders. Schließlich habt ihr einen ziemlich gut eingespielten Bläser-Satz. „Songs in the key of EH“ ist was für die Jägermeister-Allstars, was für die Fankurve eines jeden Fußballstadions, was für Menschen die die Sau rauslassen. Ich mag so was auch mal ab und an, früher mit zarten 14 wäre ich ausgerastet, bin heute jedoch mehr so bei den DEAD BROTHERS gelandet: Dead Music for Dead People. (FatWreck) Rich Humta 

Renfield No. 12 Reviews (Part 2)


The Foamers – 2nd LP

Weiß einer, was Foam heißt? Hätt ich beim Rasieren nicht mal genauer hingeschaut, hätte ich’s nie erfahren. Rasierschaum isses. Kann sich der Herr Punkrocker neben dem Rasieren auch gern zum In die Harre schmieren benutzt werden. Und die Foamers sind also die Schäumer und kommen die jetzt mit der zweiten Platte um die Ecke, auf der sie nach eigenen Aussagen Punk, Ska und OI mischen. Das klingt dann fast wie SNUFF mit dem kämpferischen Soundtrack vom Jugendzentrum nebenan und ein paar Tupfern Ska dabei und gar nicht nach OI! Schade ist an der ganzen Sache nur, dass die Foamers doch recht beliebig klingen und nicht wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die ganze Platte läuft so in einem Rutsch vor sich hin, ohne dass da jetzt ein richtiger Knaller auszumachen ist. Alles ganz nett, aber nichts, was nicht zig andere Combos auch machen. Demnächst mit den Bones auf Tour, vielleicht geht da ja live gut was ab. (auf Householdname Rec.)

The Fondas – Way down in the Motor City Underworld
Jane Fonda bzw. ihr Film Barbarella scheint eine mächtige Anziehung auf rockige Garagenpunkbands mit einer netten Frontfrau zu haben. Vor Jahren waren in Deutschland mal Barbarella unterwegs und auch wenn die Fondas nicht genau wie die klingen, war das vom Prinzip her ähnlich: Geiler 60ies -Garagenpunk samt guter Sängerin, die dazu noch sehr hübsch ist und auf dem Cover cool an der Kellerwand lehnt (da möchte ich glatt mit dem Rauchen anfangen und ihr ´ne Kippe anbieten). Wo wir dann gerade bei Cover sind, Julie Benjamin und ihre Herren aus Detroit verlassen sich fast ausschließlich auf die Kraft von recht unbekannten Fremdkompositionen (außer Del Shannon - und da ist es zum Glück nicht der ausgelutschte „Runaway“) - kenn ich da nix, wer sind George Jones jr., Don Covay oder King Coleman?), die in ihrer gitarrenlastigen Version aber ordentlich zum Schwof einladen. (auf SFTRI Rec.) 

Only Crime – To the nines
Alle sindse da, alle sindse da, außer… dem Herrn Staatsratsvorsitzenden und einem gewissen Herrn Rollins. Wäre der nämlich bei Only Crime dabei, könnte man fast von einer neuen Black-Flag-Version anno 2004 sprechen, die unter dem Namen Only Crime zusammenspielt. Jedenfalls haben sich hier 4 Männer zusammengefunden, die früher oder immer noch bei den Descendents (Bill Stevenson, der mit der Glatze), GWAR, Good Riddance; Bane, Hagfish zugange sind/waren und anscheinend neben ihren normalen Bands noch was anderes starten wollen. Etwas, dass sich von ihren andern Bands unterscheidet. Dabei rausgekommen ist dann etwas, das sehr nach Black Flag klingt. Gar nicht sooo typisch für Fat Wreck, weil ziemlich krachig und dissonant, das Ganze, deshalb gerade gut und nur ansatzweise melodisch. Bin an diesem Sonntagnachmittag zu faul für ganze Sätze. Hab mehr Bock auf Elipsen. Trotzdem gute Platte. (auf Fat Wreck)

Cólera – Grito suburbano – The best of…
25 Jahre Cólera!! Was Slime, Toxoplasma oder Razzia für Deutschland waren, sind Cólera wohl für Brasilien: wahrscheinlich die Band, deren Name auf 90% aller brasilianischen Punklederjacken verzeichnet ist. Nur dass Sao Paolos erste Punkband seit 1979 immer noch unterwegs ist und jetzt zum ersten Vierteljahrhundert mal eine Best of raus gehauen hat. Vom Anfang, also 1979, bis heute gibt’s Songs aus allen Phasen der Band, dazu ´ne gute Bandhistory samt Discographie. Wenn man so eine Palette von Songs aus 25 Jahren hört, fragt man sich ja mal gern: Hat sich da was im Lauf verändert? Nicht wirklich. Zu allen Zeiten haben Cólera ihre kritischen Lyrics mit schnellem, rohen und einfachem Punk untermauert. Keine halbgaren Ausflüge in andere Stile, keine Kompromisse, keine Gefangenen, keine peinlichen melodischen Spielereien, kein Schnickschnack, den man sich nicht leisten will. Man macht halt, was man kann, und das gut. Nur der Sound ist im Laufe der Jahre besser geworden. Ist jetzt nicht mordsinnovativ, aber das waren die Ramones ja auch nicht. (auf Dirty Faces Rec.)

Rock against Bush – Vol. 1
„Bagdad brennt –Punkrock pennt“ – von wegen. George Bush ist zwar als Politiker eine ziemliche Null, kann nicht Fahrrad fahren geschweige denn Brezeln essen, aber er hat es zweifelsfrei geschafft hat, der Punkrockszene mal wieder ein Feindbild zu geben, gegen dass es sich anständig zu wettern lohnt. Nach dem guten PETA-Benefiz-Sampler ist das nun der 2te „politische“ Sampler aus dem Hause Fat Wreck, der zum einen schon durch den Titel eindeutig Stellung nimmt, zu dem was in den USA gerade politikmäßig den ganz falschen Weg läuft. Natürlich kann ein Sampler keine Regierung stürzen und auch keinen Idioten aus dem Oval Office verjagen, aber er könnte zumindest bei einigen NOFX-süchtigen Punkkids das Interesse an politischen wecken. 26 Bands, darunter Social Distortion, Ministry, die Get Up Kids, Jello Biafra & DOA, Strung Out, also alles, was im Punkrockbereich Rang und Namen hat - allerdings keen Crust oder so ähnlich unmelodisches - tun sich hier zusammen um gemeinsam ihre Abneigung gegen den Herren im Weißen Haus zu zeigen. Die Songs sind größten teils unveröffentlicht und neben den ganzen bekannten Namen sind auch ein paar unbekannte Perlen dabei wie z.b. die Epoxies (als wären Kim Wilde und Debbie Harry gestorben und im 10. Jahr als heilige Dreifaltigkeit auferstanden – GROßARTIG!!). Dazu gibt’s noch ´ne DVD mit Videos von NOFX, Strike Anywhere, Bad Religion und AntiFlag. Weitere Infos sollte man sich auf alle Fälle unter www.punkvoter.com holen. Achja, Vol. 1 isses, wir dürfen uns also alle schon mal auf den 2ten Teil freuen. (auf Fat Wreck)

The Peers – Royal Rubbish
13 Songs, davon 4 Coverversionen, das sieht so aus, als wären denen nicht genug eigene Songs eingefallen. Aber was soll ich meckern, schließlich waren selbst Elvis größte Hits von anderen geklaut, da darf man auch bei diesen Flachländern aus Oldenburg nicht meckern. Die Coversongs sind mäßig überraschend: „Blue Suede shoes“, „White Wedding“ und „Walk on the wild side“ kann man bei `ner Punkrockband schon erwarten, aber dann kommt der Knaller, bei dem ich noch nicht ganz sicher bin, ob ich das total scheiße finde oder schon wieder so Panne, das es gut ist: Ein Cover, das eigentlich nicht zu covern ist, jedenfalls nicht von einer garagigen Punkrock´n´Rollband. Wobei es gar nicht um den Song geht, sondern um die Band, die eigentlich zu covern fast schon so verboten ist, dass einen die Muckerpolizei einen sofort in den Schlagerknast steckt, und unerträglichen Foltern unterzieht (Ich denke, sie würden einem für so was sämtliche Goldenen Schallplatten von Dieter Bohlen mit einem Seil an den Penis hängen) wenn sie das mitkriegt. Die versuchen sich tatsächlich an „You`re my heart, you`re my soul“!! Von Modern Talking. Respekt! Das ist eigentlich so´n Song, da kann jedes Cover nur in die Hose gehen, weil man den Kitsch vom Original nie ganz weg kriegt (wie bei Wichsflecken, die gehen ja auch fast nie weg). Aber die Peers zeigen, dass man aus ´nem beschissenen Original doch noch ´nen gutes Cover machen kann. Das sogar rockt. Bei Modern Talking ja fast unvorstellbar. Ich bin immer noch ganz fertig. Ob Dieter Bohlen das schon gehört hat? Findet er bestimmt gut. Scheiße. Schade, dass durch die ModernTalking-Sache, die eigenen Songs etwas in den Hintergrund geraten, obwohl die gar nicht schlecht sind. Punk und Rock´n Roll, gut gemischt, der Sänger hat ´ne coole raue Stimme, mal schnell, mal mehr rockig, aber immer abwechslungsreich und gut. (www.superrock-records.de)

Joey Cape, Tony Sly – acoustic Split-CD
Joey Cape? Tony Sly? Für die Unwissenden im FatWreck-Universum unter euch sind das die beiden Sänger von Lag Wagon und No Use for a name. Wie`s aussieht, haben die beiden während ihrer endlosen Zeiten im Tourbus, auf dem Weg von einem Skatepunk/Tony-Hawk-Halfpipe-Einweihungsfest zum nächsten, genug Zeit gehabt, ein paar 
Songs ihrer „normalen“ Bands für ihre beste Freundin, die mit Punkstickern zugepflasterte Akustikgitarre einzuspielen. Was dabei rauskommt, ist eine sehr, sehr, sehr sehr, sehr ruhige, melodische Singer/Songwriterplatte, bei der sich auch mal die melancholischen Seiten der beiden Herren zeigen. Melancholische Töne, teils mit Streichern, Flöten (Ja, Flöten! auf´ner Fat Wreckplatte! Jetzt guckt nicht so blöd, is doch geil!) oder Akkordeon unterlegt, werden da angeschlagen, die man von ´nem NUFAN oder LagWagonplatten gar nicht kennt. Große Unterschiede zwischen den Songs von Joey und Tony gibt’s nicht, das ist halt alles sehr ruhig. Eigentlich funktionieren diese Akustikgitarrensachen schon ähnlich wie die Songs von den „richtigen“ Bands, nur ohne hektischen Bumtschaka-Beat und ohne verzerrte Gitarren. Mir läuft es zwar nicht kalt den Rücken runter, wie bei den letzten Johnny- Cashplatten, aber schön ist es trotzdem. Genau die richtige Platte, um den Sonntagnachmittag mit seiner Freundin im Bett zu verbringen. (auf FatWreck)

Senor Coconut and his orchestra – Fiesta Songs
Nä, wat is dat schööön! Allein das Cover – fast besser als die guten James-Last-Platten aus den 70ern. Heer Kokosnuss in wallendem Rüschenhemd, zwei rasselnde Rhythmusinstrumente schwingend und im Hintergrund garniert von einer fröhlich ausgelassenen Latinoparty, die tanzt, als wäre Argentinien das reichste Land der Welt. Vielleicht kennt der eine oder andere noch
 die wunderbaren Senor-Coconut-Interpretationen von Kraftwerk-Hits, die schon sehr geil waren. Bei den Fiesta-Songs hat der gute Mann samt Orchester wohl wieder mal in seiner Plattenkiste gegraben, diesmal aber eher in der rockigen Ecke und deshalb verwandelt er zielsicher mal „Riders on the storm“ und „Beat it“ von Michael Jackson in einen schwofigen Merengue, „Smoke on the water“ gibt’s als Chachacha und quasi als Zugabe, zwar nicht so überraschend, aber trotzdem schön, ein paar Covers der größten Hits von Elton John, Sade und Jean-Michel Jarre karnevalsfertig zubreitet. Würd gern mal wissen, ob Herr Kokosnuss auch mal auf Tour geht, könnte `ne spaßige Sache sein. Hab vorhin gesehen, dass er diesen Sommer auf allen möglichen Festivals rumturnt, also angucken! 

Swingin` Utters – Live in a dive
Die Live-in-a-dive-Serie hat sich im Laufe der zeit schon zu ´nem festen Bestandteil bei Fat Wreck entwickelt. Und jetzt sind halt die Swingin`Utters dran. Die sind mit ihren regulären Veröffentlichungen eigentlich immer an mir vorbeigegangen und wenn ich mal was gehört habe, dann fand ich das nie wirklich dolle. Es ist halt Punkrock, was die machen. Punkrock mit ein paar folkigen Einflüssen (zwischendurch spielt auch mal `ne Quetsche mit), der mich irgendwie an eine Kreuzung aus Smash Mouth und den Dropkick Murphys erinnert, mich allerdings nicht dazubringt, mein letztes nicht vorhandenes Geld für das Swingin`Utters-Gesamtwerk im Laden zu lassen. . Ein solides Livealbum nenn ich das jetzt mal, mit gutem Sound, ´nem Cock Sparrer-Cover (I got your number) und wie immer bei den Live-in-a-Wife-Platten einem netten Comic dabei. Wie gesagt, solide, aber soll Punkrock solide sein? (auf Fat Wreck)


Maximum Rock´n´Roll No. 254

Da fliegt nach langer Zeit mal wieder ein MRR hier ins Haus und natürlich findet man hier wieder ewig viele Bands , die einem normalerweise nicht unterkommen. Trotzdem habe ich mich zuerst mal auf die Kolumnen gestürzt und auch wenn die in Englisch sind waren, gab’s teilweise richtig was zu lachen. Man erfährt was über die Prostataprobleme von George Tabb (und wie er sich mit Tesco Vee und Johnny Ramone darüber unterhält), ein anderer Typ erzählt was von Hahnenkämpfen in der Dominikanischen Republik, einer lässt sich recht kritisch über die punkvoter-Homepage aus, (was ganz geil ist, denn man wird ja fast schon gezwungen, die gut zu finden) und so geht’s dann weiter mit `nem Haufen Infos Gastkolumnen, Plattenkritiken, Szeneberichten (der aus Portland ist fett, und einen aus dem Nordosten Deutschlands gibt’s sogar auch), Leserbriefen, Anzeigen (von allen möglichen mehr oder weniger bekannten Punk/HC-Labels) und Interviews mit Bands wie Strung Up, No hope for the kids, Drop Dead, Diskords, For eyes u. v. m. Was mich überrascht hat: Die MRR-News, die sich ganz gezielt mit aktuellen Zuständen der Weltpolitik befasst und vielleicht dem einen oder anderen Punkrocker in den USA die Möglichkeit gibt, sich mal etwas mehr über den Rest der Welt zu informieren als das normalerweise der Fall ist (vielleicht spricht da auch mein alteuropäisches Vorurteil, daß die Amis gar kein Interesse haben, mal über ihren Tellerrand zu schauen, wer weiß). Keine Ahnung, ob es das schon länger im Heft gibt, ist auf jeden Fall ´ne gute Sache. Und sein Englisch hält man mit so was ja auch frisch. (MRR, P.O.Box 460760, San Francisco, CA 94146-0760)


The Baywatchers – Demo
Mit so´nem Namen kann man eigentlich nur eine Art von Musik machen: Surf, Surf und noch mal Surf. Pamela Anderson würde wahrscheinlich locker mit den Hüften in der Brandung wackeln, würde sie das hier hören und die 3 Kerls bestimmt zum Privatvideodreh auf ihre Yacht einladen. Der CD nach handelt es sich bei den Baywatchers um eine Kopenhagener-Berliner (sind ja auch die Städte mit den besten Wellen zum Surfen) Kooperation, die ziemlich abwechslungsreich ihre Surfnummern aus den Jahren 2001 – 04 runter spielt und dabei es zum Glück schafft, nicht nur das altbekannte Melodienschema runterzududeln, sondern ganz geile Ideen hat. Der Sound ist bei den 12 Nummern (davon 3 Liveaufnahmen aus diversen Berliner Clubs) angenehm rau, ähnlich wie bei den Apemen. Oder stellt euch `ne Mischung aus den Ramones und den Shadows vor. Rein Instrumental. Auch live ist das ganze eine sehr tanzfähige Angelegenheit, wobei ich glaube, dass die im Berliner Raum schon recht bekannt sind. Hoffentlich auch irgendwann mal nicht nur hier.

Ox-Fanzine #55
Quatsch ich neulich mit Basti am Telefon. Sagt Basti: „hast du das neue Ox schon gesehen?“ Ich so: „Öhm, ja liegt hier rum, aber ich hab noch nicht reingeschaut“ Sagt Basti: „Kennst du da irgendwelche Bands?“ Ich so(aufs Ox blickend): „Mal sehen…Hmm, na ja, so´n paar: Boxhamsters, DOA, Mission of Burma, Snuff, Panteon Rococo, Turbostaat“ Sagt Basti: „Aber den Rest. Früher ham wir ins Ox geguckt und kannten jede 2te Band. Und heute kenn ich da fast nichts mehr. Außer den alten Verdächtigen“ Ich so:„Hmmja, hast recht, eigentlich kenn ich auch nur den alten Kram“ Soweit unser kleiner Dialog und was soll ich sagen? Basti hat irgendwie Recht. Da guck ich das Ox durch und treff auf Namen wie Final Solutions. Modey Lemon, Stand and fight, Statistics, Oceansize, Mando Diao und so. Kenn ich auch alles nicht. Kann ich aber durchs Ox kennen lernen. Aber woran liegt das, dass ich heute „weniger“ Bands kenne, die im Ox rumgeistern, als früher? Vielleicht, weil ich weniger in Plattenläden gehe und mich da durch allen möglichen Kram höre (weil weniger Geld, weil gewisse Ermüdungserscheinungen in Bezug auf neue Bands). Vielleicht, weil neben Punkrock mittlerweile noch ´ne Menge anderer geiler Musik bei mir auf der Anlage läuft (und ich mich über ´ne geile alte Funkplatte genauso freu wie über die teure, neue Tiger Army-LP im Punkwearshop). Vielleicht liegt das daran. Aber ist das schlimm? Nö, und schlechter wird das Ox dadurch auch nicht. (mit CD, die ich diesmal sogar fast in einem durchgehört hab, ist gar nicht so schlecht - bei Ox, P.O.Box 102225, 42766 Haan)



Rock-Ass- Strike (4 Song-Demo)
4 Typen, 1 Frau und ein geschmeidiger Name aus Berlin. Wer in letzter Zeit aufmerksam durch Prenzlauer Berg gelaufen ist, konnte den Namen Rock Ass öfters auf Plakaten finden. Ich hab zwar anfangs gedacht, das wär`ne Ankündigung für ´ne AC/DC-Party oder einen Luftgitarrenwettbewerb, aber jetzt bin ich schlauer. 4 Songs gibt’s auf dem 4. Demo, und man spielt gut produzierten Punk`nRoll mit Schmackes und Schmiss sowie Anleihen bei Motörhead, Turbonegro, den Ramones, Zeke, Gluecifer und all dem was da noch bekannt und gut ist. Der Sänger keift gut überdreht ins Mikro und das passt richtig gut zur Musik. Hab ich gerade erwähnt, dass das das 4. Demo ist? Na, wer solche Demos kann, der kann auch ´ne ganze LP. Dann mal los. (Contact: booking@rockass.org)