Donnerstag, 29. Januar 2026
A Call for Opinion: DaDafür vs. DaDaGeGen
"Diese Liste ist so schön, die musst du eigentlich so auf den Blog setzen!"
schrieb Philipp, nachdem ich eine Mail über den Verteiler der Renfield-Crew geschickt hatte.
Der Anlass war simpel:
Abel und ich habe fürs Anfang Februar erscheinende Ox die Pro & Contra-Rubrik gefüllt. Ist eh klar, wie das funktioniert: 1 Thema, je eine Person argumentiert dafür, eine andere dagegen. Diesmal ging es, ich glaube, das kann ich verraten, um das Für und Wider von Coverversionen. Wer da welche Position vertritt, könnt ihr bald selber nachlesen. Im Ox.
Kurz nachdem ich meinen Text Richtung Solingen geschickt hatte, dachte ich: Das war ja eigentlich ganz witzig. Könnte ich demnächst nochmal machen. Wiederum kurz darauf dachte ich: Das wäre doch auch mal was für den Renfield-Blog.
Warum nicht mal was anderes als hier und da eine Platte vorstellen? Nicht, dass es schlecht wäre, weiterhin der Blog der stilbewussten Geschmackslotsen in einer unüberschaubaren Welt voller schlechter Musik zu sein, aber etwas Abwechslung in den Postings wäre ja nicht schlecht.
Was nun noch fehlte, waren ein paar Themen, für die es sich trefflich im Sinne der einen oder anderen Seite argumentieren lässt. Nun sind mir zwischen den Jahren ein paar Feier- und ein paar freie Tage über den Weg gelaufen. Tage, die zum Fläzen auf der Couch genutzt wurden. Und zum Nachdenken. Und da sind mir dann doch glatt ein paar Topics eingefallen, die geradezu nach der Darstellung gegensätzlicher Meinungen SCHREIEN.
Kaum war die Liste verschickt, kam auch schon der Vorschlag von Herrn N. aus MG., diese Vorschlagsliste doch öffentlich zu machen.
Und wer bin ich, dass ich einen guten Tipp aus der Reihe der Renfield-Autor*innen nicht berücksichtigen würde?
Deshalb nun hier die Liste der Dinge, die demnächst in der Kolume "DF & DGG" (oder so, genauer Titel kommt noch. Keine Ahnung was. Mal sehen. Vielleicht irgendwas mit Tieren. Oder Getreidesorten, wasweißich. Roggen, Gerste, Seepferdchen. Vielleicht ist es das schon.) behandelt werden.
UND NUN DER CLOU!
Ihr da draußen, die sich regelmäßig die Postings auf dem Renfield-Blog ziehen, könnt mitmachen!!!
Ihr seid herzlich eingeladen, euch zu einem der hier aufgeführten Themen zu äußern, gerne Pro oder Contra, sucht's euch aus. Es darf gern polemisch, absurd, skurril oder überzogen werden. Aber lieb sein.
Bei Interesse einfach eine Mail an renfield-fanzine@hotmail.de schicken und dann geht's rund im Meinungskäfigkampf des 21. Jahrhunderts.
Nach dieser Einleitung, nun aber die Liste aus dem Renfield-Df&Dg-Univerusm (Dafür&Dagegen):
- Nutztiere im Publikum bei Livekonzerten
- Wohnzimmermöbel beim Crowdsurfing
- Illegale Raves in gescheiterten Staaten
- In Bands spielen mit Leuten, die klüger, schöner, cooler sind als du
- Adenauerzitate in Ansagen beim Konzert einbauen
- Rockbands und -konzerte nur für Kinder
- Dubmusik ohne Kiffen
- Feine Sahne Fischfilet uneingeschränkt gut finden
- Konzerte Barfuß oder in Socken spielen
- Fußballreferenzen in Songs
- Konzert pünktlich anfangen
- Konzert pünktlich beenden
- An der Selbstzahlerkasse im Supermarkt bescheissen
- Wortwitze in Plattentiteln
- Aktuelle Serien nur gucken, um mitreden zu können
- Eltern zum eigenen Konzert einladen
- Eigene Kinder zum eigenen Konzert mitnehmen
- Konzerte außerhalb des eigenen Stadtteils spielen
Und zu guter Letzt, ein Thema, das uns alle seit geraumer Zeit beschäftigt:
- Skispringen im Dunkeln (da scheiden sich sowas von die Geister!)
und
- Minigolf auf Ketamin.
Schaut hin und sucht euch was aus, es ist alles frei. Wie gesagt, bei Interesse kurze Mail an renfield-fanzine@hotmail.de schicken.
Donnerstag, 22. Januar 2026
Schön, wenn die Seele noch für Rock'n'Roll verkauft wird, Pt. VI VI VI
Marquis de Coco Nut - I Sold my Soul for Rock'N'Roll
Der Jahreswechsel - jaja, gefühlt schon wieder Monate, aber faktisch noch gar nicht so lange - hat zwei interessante Seiten, die beide mit den Begriffen Neu und Alt zu tun haben: Erstens beginnt ein neues Jahr, andererseits ist ein Jahresende und -neubeginn gar nichts neues, also Jahreswechsel an sich ein ziemlich ALTer Hut. Das kennt man hierzulande, schon seit... nunja, knapp 2026 Jahren??!
Ähnliche Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich vom neuen Album von Marquis de Coco Nut hörte. Auch hier gibt es Altes, was irgendwie auch neu ist.
Marquis de Coco Nut a.k.a. Coco Neubauer an sich fällt schon in diese Kategorie, denn er war in den 80ern und frühen 90ern Gründungsmitglied der LOLITAS, dieser tollen Kreuzberger Garage-Pop/Punk-Band, deren Platten ich immer ins Herzerl geschlossen habe und aus deren Asche dann später STEREO TOTAL entstanden. Lässiger alter Kreuzberger Punk-Adel erhebt also wieder das umwölkte und vielleicht auch grau gewordene Haupt.
Neubauer war lange Zeit von der Bildfläche verschwunden, lebte in New Orleans, New York, Baltimore, und landete irgendwann auf Guadeloupe. Dabei, schaut man sich die überaus fette Discographie aus Bandcamp an, hat er eigentlich immer Musik und Kunst gemacht. Musikalisch oft mit Banjo und Gitarre bewaffnet, wurden immer einzelne Songs veröffentlicht, die charmant zwischen Rock'n'Roll, Cajun und ein bißchen Calypso launig hin und herwackeln. Dort finden sich dabei einige hübsche Perlen. Wer sich schon immer frug, wie der 70er-Jahre-Hardrock-Stomper "Black Betty" in der Swamp-Rock-Banjo-Interpretation klingt, sollte hier einmal nachschauen.
Nach vielen einzelnen Tracks, allesamt mit wundervollem Artwork vom Marquie selber versehen, nun gibt es nun ein komplettes Album von Coco N. - digital, wie man es derzeit so macht und auch auf CD. Auch bei "I sold my Soul for Rock'n'Roll" passt die Alt/Neu-Dichotomie:
Denn Coco N. hat hier eine Menge ALTer und teilweise sehr bekannter Rock'nRoll-Hits NEU eingespielt: "Summertime blues", "See you later Alligator", "Hey good looking" - das sind nur ein paar der hier vertretenen Hits. Und ja, das ist so old school, das wird sicher keine jungen Menschen ansprechen, für die die R'n'R-Frühphase zeitlich ähnlich nachvollziehbar ist wie der Bau der Pyramiden. Ich hörte übrigens dereinst, dass Nofretete zeitlich näher an den ersten Elvis-Presley-Platten lebte als am Bau der Gizeh-Pyramiden - es ist also mittlerweile alles Historie.
Zurück zur neuen Platte vom Marquis de Coco Nut: 15 Songs hat er eingespielt, und recht logisch hat er einige Gäste dafür angeheuert. Das Tolle daran: Dazu wurde teilweise das alte Kreuzberger Punknetzwerk reaktiviert. Da sitzt dann Jacques Palminger beizwei Songs am Schlagzeug und Yvonne Ducksworth (Yeah, JINGO DE LUNCH und TREEDEON!), ist Gastsängerin von "Jump Jack Jive" zu hören - das ist spannend, weil dieser Old school Rock'n'Roll nicht gerade das ist, was man von ihr erwarten würde - fetzt aber wider der Erwartungshaltung.
Soundmäßig und vom Arrangement bleibt der Marquis bei allen Songs den Vorlagen treu. Das Album klingt zwar nicht wie original aus den 50ern hergebeamt, das wäre doch etwas zuviel des guten Retrogeschmacks, aber wie eine schöne simple 80er-Jahre-Rockabilly-Version davon. Ganz sanft bekomme ich dann doch beim Hören LOLITAS-Assoziationen. Insgesamt also: Schönes Ding, das angenehm kribbelnd den Nostalgie-Nerv kitzelt.
Gary Flanell
Das Album "I Sold my Soul for Rock'N'Roll" von Marquis de Coco Nut gibt's digital hier auf seiner Bandcamp-Seite.


