Dieses Blog durchsuchen

Mittwoch, 27. Januar 2016

This is Bombay not Mumbay

Bombay – Show your teeth

Das Jahr 2016 fängt an und es fängt laut an. Flüchtlingskrise, immer mehr Fremdenfeindlichkeit in Deutschland, die Silvesternacht in Köln, europaweites Nach-rechts-Gekippe, immer schriller werdender Populismus, Syriengraus wie seit Jahren, Bowie tot, Colin Vearncombe tot und mittendrin, als wäre gar nichts: Indierock. Geht das? Anscheinend ja. Wenn man Indierock als das sieht, was es mittlerweile nun einmal ist – eben auch nur eine Art von Unterhaltungsmusik. Und dass seit allerspätestens zehn Jahren.

Ein Rückblick auf die Bands, (The Libertines, The Babyshambles, Franz Ferdinand, The Rakes und wie sie alle heißen), die vor knapp einem Jahrzehnt groß geworden sind, war vor einiger Zeit mal Titelstory eines Musikmagazins, das etwas größer ist als das Renfield. 2015 musste da zum 10-jährigen noch mal ein Porträt der damals angesagten Bands generiert werden. Als es zumindest noch einmal ganz aufregend und neu war, seiner Lieblingsband ein THE vorne an den Namen zu kleben. Zumindest in GB, vorzugsweise London. Bombay aus Amsterdam passen da prima rein, nun ja, bis auf die tatsache, dass es mittlerweile 2016 ist. Aber ansonsten findet sich auf Bombays zweitem Album „Show your teeth“ vieles, was in der Indie-Rock-Klasse von 2005 schon mal durch genommen wurde.
Diese verhuschten Gitarren. Der etwas nöhlige bis unterkühlte Gesang. Der Beat, wie ihn schon die ersten 80er-Post-Punk-Bands hinbekommen haben. Oder jene Bands, die seit Anfang des Jahrtausends unter dem Begriff Indie vermarktet werden. Dass dieses Indie eben mittlerweile schlicht eine Musikbezeichnung ist, und eben keine Methode mehr – das muss ich nicht nochmal durchkauen, sondern akzeptieren, genau wie U-Bahnen, die immer zu spät kommen.
Vom Namen mal abgesehen (kein The am Start) kriegt man das, was man sich darunter vorstellt, wenn deine Freundin sagt „Die machen so Indierock.“ Vielmehr ist gar nicht zu sagen. Auch keine Kifferwitze wegen der niederländischen Herkunft dieses Trios. Zumindest klingen sie nicht so vernebelt, wie es zu befürchten wäre. Nunja, höchstens beim jingel-jangeligen „Love your enemies“ - da kann man sich schon gut vorstellen, wie die Band mit riesigen Sonnenbrillen auf dem Kopf und Joints im Format einer Panzerfaust total breit durch ein Kornfeld hüpfen.

Ansonsten gibt man sich leicht kauzig wie die Pixies oder Jesus and Mary Chain, etwas spackig wie die Gorillaz, packt eine gewisse Garage-Reminiszenz dazu, sowie etwas Pop und ganz viel Melancholie. Wird dabei aber nie zu direkt, nie zu unreflektiert. Und zu gut produziert (also Lo-Fi, für den Kenner) auch nicht.

Bei Songs wie „Slow Motion“ oder „Sea“ geht das alles ganz erstmal flott nach vorn. Stücke wie „Bleach“ und „Friendly fire“, die in der Mitte der Platte versteckt wurden, kommen dagegen etwas verspielter rüber. Davon ab beherrschen BOMBAY die Kunst, einen griffigen, melodischen Indie-Rock-Song zu schreiben. Es hilft natürlich eine Menge, dass sie ihr Zeug schon mal auf dem Reeperbahn-Festival oder beim SXSW live ausprobieren konnten. Üben übt bekanntlich. Deshalb klingen sie nicht wirklich schlecht, es mangelt aber an der zündenden Idee, um aus dem Meer ähnlich klingender Bands raus zustechen. Aber was red ich? Das Problem hat jede zweite Band, die irgendwie in die überquellende Schublade der frischen Indie-Socken gequetscht wird.

Welcher Anlass also für diese Platte? „Show your teeth“ kannst du dir gut geben, wenn du nach einem erfolgreich abgeschlossenen Semester deines Bachelorstudiums mal wieder eine Nacht durchfeiern willst. Und wenn Mathias, Gijs und Lisa Ann nächstes Jahr vielleicht auf dem Haldern-Pop (da würden sie ganz gut hinpassen) ihren Nachmittags-Slot spielen, findest du sie auch richtig dufte. Am nächsten Tag sollte man dich allerdings nicht nach dem Namen fragen, denn so viel ist dann doch nicht hängengeblieben.

(K) Gary Flanell

Show your teeth von Bombay erscheint am 05.02. auf V2/H'art bombaybombaybombay.com

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen